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Soldatenfisch
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Soldatenfische – die roten Wächter tropischer Riffe

Wenn sich das Tageslicht über einem tropischen Korallenriff verändert und die Farben der Unterwasserlandschaft langsam verblassen, beginnt für viele Meeresbewohner eine neue Phase. In einer dunklen Felsspalte stehen mehrere rötlich schimmernde Fische dicht beieinander. Ihre großen Augen beobachten aufmerksam die Umgebung. Noch verharren sie unter einem schützenden Überhang, doch mit zunehmender Dunkelheit lösen sich einzelne Tiere aus der Gruppe und schwimmen hinaus in das freie Wasser über dem Riff.

Es sind Soldatenfische aus der Unterfamilie der Myripristinae. Während tagsüber zahlreiche farbenprächtige Rifffische zwischen Korallen und Felsen unterwegs sind, führen sie ein eher verborgenes Leben. Erst in der Nacht werden die stillen Bewohner des Riffes aktiv.

Für Artenschutz in Franken® stehen Soldatenfische beispielhaft für jene Lebewesen,
deren Bedeutung sich erst erschließt, wenn wir ein Ökosystem nicht nur bei Tageslicht betrachten. Korallenriffe schlafen niemals – mit der Dunkelheit wechseln lediglich ihre Akteure.

Eine Familie großäugiger Nachtbewohner

Die Soldatenfische bilden innerhalb der Familie der Soldaten- und Husarenfische (Holocentridae) eine eigene Unterfamilie. Zu den Myripristinae gehören unter anderem die Gattungen Myripristis, Ostichthys, Plectrypops und Corniger.

Viele Arten besitzen einen vergleichsweise hohen, seitlich abgeflachten Körper. Charakteristisch sind ihre großen, deutlich sichtbaren Schuppen sowie die kräftigen Flossen. Zahlreiche Arten zeigen rötliche, orangefarbene oder silbrig-rote Farbtöne. Diese Färbung erscheint auffällig, kann in größerer Tiefe und bei schwachem Licht jedoch einen tarnenden Effekt entfalten: Rotes Licht wird im Wasser schon in den oberen Schichten stark herausgefiltert. Ein leuchtend roter Fisch wirkt unter natürlichen Lichtverhältnissen deshalb mit zunehmender Tiefe wesentlich dunkler.

Besonders auffällig sind die großen Augen. Sie sind eine Anpassung an das Leben in der Dämmerung und Dunkelheit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Sehorgane der Soldaten- und Husarenfische auf die nächtlichen Lichtverhältnisse im Korallenriff ausgerichtet sind.

Je nach Art unterscheiden sich Körpergröße, Färbung, bevorzugte Wassertiefe und Lebensweise. Deshalb sollten Soldatenfische nicht als vollkommen einheitliche Gruppe betrachtet werden. Während zahlreiche Arten flache tropische Korallen- und Felsriffe bewohnen, kommen einige Vertreter der Gattung Ostichthys auch in deutlich größeren Tiefen vor.

Tagsüber verborgen, nachts unterwegs

Während des Tages halten sich viele Soldatenfische in Höhlen, Felsspalten, unter Korallenüberhängen oder in anderen schattigen Bereichen auf. Dort können sie teilweise größere Gruppen bilden. Ihre roten Körper, die großen Augen und das ruhige Verharren verleihen ihnen ein beinahe geheimnisvolles Erscheinungsbild.

Mit Einbruch der Dunkelheit verlassen viele Arten ihre Tagesverstecke. Sie schwimmen in riffnahe Freiwasserbereiche und suchen dort nach Nahrung. Zum Beutespektrum gehören vor allem größere Bestandteile des Zooplanktons, darunter kleine Krebstiere und deren Larven. Untersuchungen einzelner Arten zeigen, dass Soldatenfische nachts wichtige Jäger kleiner, im Wasser treibender Organismen sein können.

Damit übernehmen sie eine bedeutende Funktion im Nahrungsnetz des Riffes. Sie nutzen das nächtliche Planktonangebot und werden zugleich selbst zur Beute größerer Raubfische. Auf diese Weise verbinden sie unterschiedliche Ebenen des marinen Nahrungsgefüges.

Ihre nächtlichen Wanderungen können außerdem dazu beitragen, Nährstoffe innerhalb des Riffsystems zu verlagern. Nahrung wird außerhalb der Tagesverstecke aufgenommen, während Ausscheidungen an anderen Stellen erfolgen. Auch solche unscheinbaren Prozesse wirken an der Funktionsfähigkeit eines Korallenriffes mit.

Fische, die miteinander „sprechen“

Soldatenfische verlassen sich nicht allein auf ihre Augen. Sie können auch Geräusche erzeugen. Dabei wirken spezialisierte Muskeln, Rippenstrukturen und die Schwimmblase zusammen. Die entstehenden Laute können sich zwischen Arten unterscheiden und vermutlich in verschiedenen Situationen der Verständigung dienen.

Für uns Menschen erscheint ein Riff unter Wasser häufig still. Tatsächlich ist es jedoch von Knacken, Klopfen, Reiben und anderen Geräuschen erfüllt. Fische kommunizieren, Garnelen erzeugen markante Knallgeräusche, und zahlreiche weitere Organismen tragen zur natürlichen Geräuschkulisse bei.

Die Lautäußerungen der Soldatenfische eröffnen der Forschung neue Möglichkeiten. Mithilfe von Unterwassermikrofonen können Riffe auch in der Dunkelheit untersucht werden. Die akustischen Signale liefern dabei Hinweise darauf, welche Arten anwesend sind und wie sich Lebensgemeinschaften verändern.

Aus der Sicht von Artenschutz in Franken® ist dies ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie begrenzt unsere menschliche Wahrnehmung bleibt. Nur weil wir einen Vorgang nicht hören oder sehen, bedeutet das nicht, dass er nicht stattfindet. Natürliche Lebensräume besitzen Kommunikationswege, die uns häufig erst durch wissenschaftliche Untersuchungen zugänglich werden.

Bedeutung für das Korallenriff

Soldatenfische sind Teil eines fein abgestimmten ökologischen Gefüges. Als nächtliche Planktonjäger beeinflussen sie die Zusammensetzung kleinerer Meeresorganismen. Gleichzeitig dienen sie größeren Fischen als Nahrung. Ihre Tagesverstecke teilen sie teilweise mit anderen höhlenbewohnenden Arten.

Diese enge Einbindung zeigt, dass beim Schutz eines Korallenriffes nicht nur die auffälligen Korallen oder großen Meerestiere berücksichtigt werden dürfen. Auch nachtaktive Fische, Planktonorganismen, Mikroorganismen und verborgene Bewohner der Spalten und Höhlen sind unverzichtbare Bestandteile des Gesamtsystems.

Verschwindet eine Artengruppe, bleiben ökologische Funktionen möglicherweise unbesetzt. Die Folgen werden oft erst sichtbar, wenn sich das gesamte Nahrungsnetz verändert. Schutzmaßnahmen müssen deshalb den Lebensraum als Ganzes in den Blick nehmen.

Bedrohungen der Soldatenfische

Nicht jede Soldatenfischart ist im gleichen Maße gefährdet. Dennoch sind viele Arten von den Veränderungen betroffen, die tropische und subtropische Meereslebensräume weltweit belasten.

Eine der größten Bedrohungen ist der Verlust intakter Korallenriffe. Steigende Wassertemperaturen können Korallenbleichen auslösen. Wiederholen sich solche Ereignisse in kurzen Abständen, können ganze Riffbereiche absterben. Damit gehen nicht nur lebende Korallen verloren, sondern langfristig auch Höhlen, Spalten und Überhänge, die den Soldatenfischen tagsüber Schutz bieten.

Hinzu kommen Meeresverschmutzung, Abwässer, Kunststoffeinträge und Nährstoffe aus Landwirtschaft und Siedlungen. Werden Sedimente von gerodeten Küstenflächen oder durch Baumaßnahmen ins Meer gespült, können sie Korallen überdecken und das Wachstum der Riffe beeinträchtigen.

Auch eine intensive Fischerei kann lokal Einfluss auf Soldatenfischbestände nehmen. Einige Arten werden gezielt oder als Beifang gefangen und auf regionalen Märkten angeboten. Werden gleichzeitig größere Raubfische übermäßig entnommen, kann dies weitere Verschiebungen innerhalb des Nahrungsnetzes auslösen.

Künstliches Licht an Küsten, Hafenanlagen und touristischen Einrichtungen kann darüber hinaus natürliche Hell-Dunkel-Rhythmen verändern. Für nachtaktive Arten können solche Veränderungen besonders relevant sein, denn Aktivität, Nahrungssuche und Rückkehr in die Tagesverstecke orientieren sich wesentlich am natürlichen Lichtverlauf.

Auch Unterwasserlärm verdient mehr Aufmerksamkeit. Schiffsverkehr, Bauarbeiten und technische Anlagen verändern die akustische Umgebung des Meeres. Bei Fischen, die Geräusche zur Verständigung nutzen, kann eine dauerhafte Lärmkulisse natürliche Signale überlagern.

Soldatenfische im Klimawandel

Der Klimawandel bedroht Soldatenfische vor allem über die Veränderung ihrer Lebensräume. Erwärmen sich die Meere, können sich Verbreitungsgebiete, Nahrungsangebote und Fortpflanzungszeiten verschieben. Manche Arten werden möglicherweise in kühlere Regionen oder größere Tiefen ausweichen können. Andere sind stärker an bestimmte Riffstrukturen und lokale Bedingungen gebunden.

Besonders problematisch ist das Zusammentreffen mehrerer Belastungen. Ein gesundes Riff kann einzelne Hitzewellen unter Umständen besser verkraften als ein Lebensraum, der bereits durch Verschmutzung, Sedimenteintrag und Fischerei geschwächt ist. Der Schutz vor lokalen Belastungen kann daher die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels erhöhen.

Doch lokale Maßnahmen allein reichen nicht aus. Ohne eine deutliche Begrenzung der globalen Erwärmung werden selbst gut geschützte Riffe zunehmend unter Druck geraten. Der Schutz der Soldatenfische ist somit unmittelbar mit dem Klimaschutz verbunden.

Eine Perspektive aus der Feder von Artenschutz in Franken®

Obwohl tropische Korallenriffe weit von Franken entfernt liegen, ist ihr Schutz keine ferne Angelegenheit. Unser Energieverbrauch, unser Konsum, der weltweite Warenverkehr und der Umgang mit Kunststoffen haben Auswirkungen, die nicht an Landesgrenzen enden.

Artenschutz in Franken® möchte mit dem Blick auf die Soldatenfische dafür sensibilisieren,
dass Artenschutz immer auch Lebensraumschutz bedeutet. Es genügt nicht, einzelne Arten zu bewundern, während die ökologischen Grundlagen ihres Überlebens verloren gehen.

Soldatenfische brauchen strukturreiche Riffe, ungestörte Rückzugsräume, natürliche Dunkelphasen und ein funktionierendes Nahrungsnetz. Ihr Schutz setzt saubere Meere, verantwortungsvolle Fischerei, wirksame Meeresschutzgebiete und konsequenten Klimaschutz voraus.

Wenn sich am Abend die roten Fische aus ihren Felsspalten lösen und in die Dunkelheit hinausschwimmen, beginnt ein Abschnitt des Rifflebens, den nur wenige Menschen unmittelbar erleben. Doch auch diese verborgene Welt verdient unsere Aufmerksamkeit. Denn jedes gesunde Riff lebt nicht allein von dem, was am Tage sichtbar ist – sondern ebenso von jenen Arten, die im Schutz der Nacht ihre unverzichtbare Aufgabe erfüllen.

In der Aufnahme von Klaus Sanwald 
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