Sie alle engagieren sich gemeinsam mit Artenschutz in Franken® für eine intakte Umwelt
ARTENSCHUTZ IN FRANKEN®

Im Sinne uns nachfolgender Generationen
Ausgezeichnet

Home

Über Uns

Aktuelles

Der Steigerwald

Diverses

Pflanzen

Projekte

Publikationen

Tiere

Umweltbildung

Webcams
Sie befinden sich hier:
Tiere
>
Reptilien
>
Ringelnatter
Seite:
1
|
2
|
3
|
4
|
5
|
6
|
7
|
8
|
9
|
10
|
11
|
12
|
13
|
14
|
15
|
16
|
17
|
18
|
19
|
20
|
21
|
22
|
23
|
24
|
25
|
26
|
27
|
28
|
29
|
30
|
31
|
32
|
33
|
34
|
35
|
36
|
37
|
38
|
39
|
40
|
41
|
42
|
43
|
44
|
45
|
46
|
47
|
48
Ein Rad, ein Augenblick – eine ganze Generation ausgelöscht
Bild zum Eintrag (1143743-160)
Ein Rad, ein Augenblick – eine ganze Generation ausgelöscht

Die Morgensonne steht bereits hoch am Himmel, als ein Ringelnatter-Weibchen sein Versteck verlässt. Es ist eine erfahrene Überlebenskünstlerin, die viele Gefahren ihres Lebens gemeistert hat. In ihrem Körper trägt sie die Zukunft ihrer Art: ein Gelege aus zahlreichen Eiern, in denen sich bereits neues Leben entwickelt. Jeder einzelne Embryo ist das Ergebnis eines langen Fortpflanzungszyklus und die Hoffnung auf eine nächste Generation von Ringelnattern.

Wie alle Reptilien ist die Ringelnatter auf äußere Wärme angewiesen. Ihre Körpertemperatur wird nicht durch den Stoffwechsel erzeugt, sondern durch die Sonne. Gerade für ein trächtiges Weibchen ist Wärme von besonderer Bedeutung. Sie beschleunigt die Entwicklung der Eier und verbessert die Chancen der Jungtiere, gesund heranzuwachsen. Deshalb verbringt das Weibchen viel Zeit damit, geeignete Plätze zum Sonnen zu suchen.

Doch die Landschaft, in der sie lebt, hat sich verändert. Viele natürliche Sonnenplätze sind verschwunden. Strukturreiche Uferzonen, sonnige Totholzhaufen, offene Böschungen, Reisig- und Asthaufen oder besonnte Steinhaufen sind selten geworden. Stattdessen prägen Wege, Straßen und versiegelte Flächen die Umgebung.

An diesem Tag findet die Ringelnatter einen Ort, der ihr ideal erscheint: einen asphaltierten Radweg. Die dunkle Oberfläche hat die Wärme der Sonne gespeichert und strahlt sie an den Körper des Tieres ab. Für die Schlange ist dies ein wertvoller Wärmeplatz. Sie legt sich auf den Asphalt und nutzt die gespeicherte Energie, um die Entwicklung ihres Nachwuchses zu fördern.

Was für die Ringelnatter ein lebenswichtiger Sonnenplatz ist, wird jedoch zur tödlichen Falle.

Der Radweg wird regelmäßig genutzt. Menschen sind unterwegs – auf Fahrrädern, E-Bikes oder Rennrädern. Die Ringelnatter vertraut auf ihre Tarnung und verharrt regungslos. Ihr graugrünes Muster verschmilzt mit dem Untergrund. Für viele Radfahrer ist sie erst im letzten Moment oder gar nicht zu erkennen.

Dann geschieht, was jeden Sommer unzähligen Reptilien widerfährt.


Ein Fahrrad nähert sich. Sekunden später wird das Weibchen überrollt.

Die Verletzungen sind so schwer, dass keine Rettung mehr möglich ist. Der Körper der Ringelnatter wird aufgerissen. Die noch nicht abgelegten Eier werden auf den Asphalt gedrückt. In ihnen befinden sich Jungtiere, die niemals schlüpfen werden. Leben, das bereits begonnen hat, endet innerhalb weniger Augenblicke.

Zurück bleibt nicht nur ein totes Tier.

Zurück bleibt der Verlust einer gesamten Generation.

Mit dem Tod des Weibchens sterben gleichzeitig alle Nachkommen, die sie in sich trug. Aus jedem dieser Eier hätte sich eine junge Ringelnatter entwickeln können – Tiere, die später selbst Teil unseres heimischen Ökosystems geworden wären. Stattdessen endet ihre Entwicklung auf dem heißen Asphalt eines Radwegs.

Solche Ereignisse werden oft als bedauerliche Einzelfälle wahrgenommen. Tatsächlich sind sie jedoch Ausdruck eines grundsätzlichen Problems. Die Tiere suchen diese gefährlichen Orte nicht freiwillig auf. Sie tun es, weil sichere Alternativen fehlen.

Wo natürliche Sonnenplätze verschwinden, werden Wege und Straßen zu Ersatzlebensräumen. Die Wärme, die Reptilien zum Überleben benötigen, finden sie immer häufiger auf versiegelten Flächen. Damit geraten sie zwangsläufig in Konflikt mit dem Menschen und seiner Infrastruktur.

Der Tod dieses Ringelnatter-Weibchens ist deshalb mehr als ein Unfall. Er macht sichtbar, welche Folgen der Verlust geeigneter Lebensräume haben kann. Jede fehlende Sonnenfläche aus Totholz, jeder beseitigte Asthaufen, jede zu stark gepflegte Böschung und jeder verschwundene Steinhaufen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Reptilien auf Radwege und Straßen ausweichen.

Dabei wären viele dieser Verluste vermeidbar.

Bereits mit einfachen Maßnahmen können sichere Sonnenplätze geschaffen werden: Totholzhaufen, Reisiginseln, besonnte Steinhaufen, strukturreiche Böschungen und naturnahe Randbereiche bieten Ringelnattern die Wärme, die sie benötigen, ohne sie gleichzeitig dem Verkehr auszusetzen. Solche Strukturen fördern nicht nur Ringelnattern, sondern auch zahlreiche andere Reptilien, Amphibien und Insekten.

Jede Ringelnatter erfüllt eine wichtige Aufgabe im Naturhaushalt. Sie hält Amphibien- und Kleintierbestände im Gleichgewicht und ist selbst Teil komplexer Nahrungsketten. Geht ein erwachsenes Weibchen verloren, verliert die Natur weit mehr als nur ein einzelnes Tier.

Der Anblick dieses überfahrenen Weibchens ist bedrückend. Noch bedrückender ist die Erkenntnis, dass mit ihm auch die ungeborene Zukunft vieler weiterer Tiere verloren ging.Ein Radfahrer bemerkte vielleicht nur einen kurzen Schatten auf dem Weg.Für die Ringelnatter und ihren Nachwuchs bedeutete dieser Augenblick das Ende aller Zukunft.


In der Aufnahme von Volkmar Greb
  • Ein tragischer Verlust: Mit dem Tod des Ringelnatter-Weibchens geht auch sein gesamter Nachwuchs verloren.
Seite:
1
|
2
|
3
|
4
|
5
|
6
|
7
|
8
|
9
|
10
|
11
|
12
|
13
|
14
|
15
|
16
|
17
|
18
|
19
|
20
|
21
|
22
|
23
|
24
|
25
|
26
|
27
|
28
|
29
|
30
|
31
|
32
|
33
|
34
|
35
|
36
|
37
|
38
|
39
|
40
|
41
|
42
|
43
|
44
|
45
|
46
|
47
|
48