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Langohrfledermaus Braun
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Langohrfledermaus Braun ( Plecotus auritus )
Bild zum Eintrag (1143426-160)
Das Braune Langohr (Plecotus auritus) – der lautlose Jäger der Nacht

  • Eine kleine Geschichte aus der Abenddämmerung

Die Sonne war längst hinter den Baumwipfeln verschwunden, als sich über einem alten Obstgarten die ersten Schatten der Nacht ausbreiteten. Während Amseln ihre letzten Rufe erklingen ließen, öffnete sich in einer Scheune ein schmaler Spalt unter dem Dachgebälk. Vorsichtig schob sich ein kleines, braunes Wesen ins Freie.

Mit erstaunlich langsamen Flügelschlägen glitt die Fledermaus zwischen den Obstbäumen hindurch. Immer wieder hielt sie kurz inne, schwebte beinahe an Ort und Stelle und lauschte aufmerksam in die Dunkelheit. Plötzlich löste sie sich aus ihrem Flug, griff nach einem Nachtfalter, der auf einem Blatt saß, und verschwand lautlos zwischen den Ästen.

Es war ein Braunes Langohr – eine Fledermaus, die nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch ihre außergewöhnlichen Sinne und ihre Geschicklichkeit beeindruckt. Doch während die Nacht für das Braune Langohr voller Möglichkeiten ist, werden seine Lebensräume und Rückzugsorte zunehmend seltener.

Artbeschreibung

Das Braune Langohr (Plecotus auritus) gehört zur Familie der Glattnasen (Vespertilionidae) und zählt zu den bekanntesten Fledermausarten Europas. Besonders auffällig sind seine enorm großen Ohren, die fast so lang wie der gesamte Körper werden können. Mit einer Körperlänge von etwa 4 bis 5 Zentimetern und einer Flügelspannweite von rund 24 bis 29 Zentimetern wirkt das Braune Langohr vergleichsweise zierlich. Sein Fell ist auf der Oberseite meist hell- bis mittelbraun gefärbt, während die Bauchseite deutlich heller erscheint.

Die außergewöhnlich großen Ohren ermöglichen eine hervorragende Orientierung und Beuteortung. Anders als viele andere Fledermäuse kann das Braune Langohr selbst die leisen Bewegungen von Insekten wahrnehmen, die auf Blättern oder Baumrinde sitzen. Dadurch ist es in der Lage, Beute direkt von Pflanzenoberflächen abzulesen. Zu seiner Nahrung gehören vor allem Nachtfalter, Mücken, Käfer, Spinnen und andere kleine Wirbellose. Die Art jagt bevorzugt in strukturreichen Landschaften wie Wäldern, Streuobstwiesen, Parks und naturnahen Gärten.

Tagsüber versteckt sich das Braune Langohr häufig auf Dachböden, in Scheunen, Baumhöhlen oder Fledermauskästen. Im Winter sucht es geschützte Quartiere wie Keller, Stollen oder Höhlen auf, in denen es die kalte Jahreszeit im Winterschlaf verbringt.

Lebensraum und ökologische Bedeutung

Das Braune Langohr ist eng mit strukturreichen Kulturlandschaften verbunden. Besonders wichtig sind Gebiete, die eine Kombination aus Jagdgebieten und geeigneten Quartieren bieten.

Typische Lebensräume sind:

  • Laub- und Mischwälder
  • Streuobstwiesen
  • Parkanlagen
  • naturnahe Gärten
  • Dorfstrukturen mit alten Gebäuden
  • Baumreihen und Heckenlandschaften

Als Insektenjäger erfüllt das Braune Langohr eine wichtige ökologische Funktion. Es trägt dazu bei, die Bestände zahlreicher Insektenarten auf natürliche Weise zu regulieren und ist Teil eines komplexen ökologischen Gleichgewichts.

Da Fledermäuse empfindlich auf Veränderungen ihrer Umwelt reagieren, gelten sie zudem als wichtige Indikatoren für die Qualität von Lebensräumen.

Bedrohungen für das Braune Langohr

Obwohl das Braune Langohr in vielen Regionen noch vorkommt, steht es vor einer Reihe von Herausforderungen.

Verlust von Quartieren
  • Moderne Gebäudesanierungen verschließen häufig Einflugöffnungen zu Dachböden und Dachstühlen. Dadurch gehen traditionelle Sommerquartiere verloren. Auch der Rückgang alter Bäume mit Höhlen reduziert geeignete Rückzugsorte.

Rückgang des Insektenangebots
  • Die Intensivierung der Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden sowie der Verlust blütenreicher Landschaften führen vielerorts zu einem Rückgang nachtaktiver Insekten. Damit verringert sich die Nahrungsgrundlage des Braunen Langohrs.

Lichtverschmutzung
  • Künstliche Beleuchtung verändert das Verhalten vieler Insekten und kann Fledermäuse bei ihrer Jagd beeinträchtigen. Das Braune Langohr bevorzugt dunkle, störungsarme Lebensräume und meidet stark beleuchtete Bereiche häufig.

Zerschneidung von Lebensräumen
  • Straßen, Siedlungen und ausgeräumte Agrarlandschaften erschweren die Verbindung zwischen Quartieren und Jagdgebieten. Dadurch werden Populationen zunehmend isoliert.

Freigängerkatzen – eine oft unterschätzte Gefahr

Eine besondere Bedrohung für das Braune Langohr stellen freilaufende Hauskatzen dar. Fledermäuse gehören zwar nicht zur Hauptbeute von Katzen, werden jedoch regelmäßig Opfer von Jagdversuchen. Das Braune Langohr ist davon besonders betroffen, weil es häufig in geringer Höhe jagt und oftmals an Gebäuden, Mauern oder in Gärten entlangfliegt. Junge Fledermäuse, die ihre ersten Flugversuche unternehmen, sowie geschwächte Tiere nach dem Winterschlaf sind besonders gefährdet.

Katzen können Fledermäuse bereits durch kurze Berührungen schwer verletzen. Selbst kleine Kratzer oder Bissverletzungen führen häufig zu lebensbedrohlichen Infektionen. Studien und Beobachtungen aus verschiedenen Ländern zeigen, dass freilaufende Hauskatzen einen erheblichen Einfluss auf viele kleine Wirbeltierarten haben können, darunter auch Fledermäuse.

Naturnahe Gärten bleiben dennoch wichtige Lebensräume für Fledermäuse. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Freigängerkatzen – insbesondere in der Nähe bekannter Fledermausquartiere während der Dämmerung und der Jungenaufzucht – kann helfen, das Risiko für die Tiere zu verringern.

Perspektiven im Zeichen von Lebensraumveränderung und Klimawandel


Die Auswirkungen des Klimawandels auf das Braune Langohr sind vielschichtig. Mildere Winter könnten in einigen Regionen dazu führen, dass die Art ihre Verbreitung ausdehnt oder neue Lebensräume erschließt. Gleichzeitig verändern sich die Lebensbedingungen für Insekten und Pflanzen. Längere Trockenperioden, Extremwetterereignisse und veränderte Vegetationsstrukturen können das Nahrungsangebot beeinflussen. Besonders problematisch wird dies, wenn gleichzeitig strukturreiche Landschaften verloren gehen.

Der Erhalt alter Baumbestände, die Schaffung von Fledermausquartieren sowie die Förderung insektenreicher Lebensräume gewinnen daher zunehmend an Bedeutung. Naturnahe Wälder, extensiv bewirtschaftete Wiesen und vielfältige Gärten können dem Braunen Langohr helfen, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen.

Auch der Schutz von Wanderkorridoren zwischen Quartieren und Jagdgebieten wird künftig eine wichtige Rolle spielen.

Fazit
Das Braune Langohr gehört zu den faszinierendsten Fledermäusen Europas. Mit seinen außergewöhnlich großen Ohren und seiner spezialisierten Jagdweise ist es perfekt an ein Leben in der nächtlichen Kulturlandschaft angepasst. Dennoch bedrohen Quartierverlust, Insektenrückgang, Lichtverschmutzung und die Zerschneidung von Lebensräumen seine Bestände. Hinzu kommt die oft unterschätzte Gefahr durch freilaufende Hauskatzen, die insbesondere junge und geschwächte Tiere gefährden können.

Der Schutz alter Gebäude, höhlenreicher Bäume, insektenreicher Landschaften und störungsarmer Lebensräume trägt entscheidend dazu bei, dass das Braune Langohr auch künftig lautlos durch unsere Sommernächte fliegen kann.


In der Aufnahme von Dr. Eckhard Grimmberger
  • Braunes Langohr in Baumhöhle
Braunes Langohr (Jungtier)
Bild zum Eintrag (49010-160)
Braunes Langohr (Jungtier)

In den Monaten Juli/August beginnen die Langohrfledermaus Jungtiere mit den ersten intensiven Flugversuchen. Sie begleiten die Alltiere auf den nächtlichen Jagdzügen. Nicht unüblich das babei das eine oder andere Jungtiere ums Leben kommt. Die Überlebensrate der Tiere liegt im ersten Jahr um 60%. Es werden meist, hie und da jedoch auch 2 Junge pro Muttertier geboren.
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