Der Waller, wie der Wels auch genannt wird ....
Der Europäische Wels – ein stiller Gigant unserer Gewässer
Es war einer jener warmen Sommerabende, an denen das Wasser beinahe regungslos zwischen den Ufern lag. Nur vereinzelt zeichneten Insekten kleine Kreise auf die dunkler werdende Oberfläche. Plötzlich entstand nahe eines überhängenden Baumes eine kräftige Bewegung. Kein Fisch sprang aus dem Wasser, kein Vogel stieß hinab – und doch verriet eine langsam auseinanderlaufende Welle, dass sich dort unten etwas Großes bewegte.
Für wenige Augenblicke wurde ein breiter, flacher Kopf sichtbar. Zwei lange Barteln tasteten durch das trübe Wasser, dann glitt der Fisch lautlos zurück in die Tiefe. Es war ein Europäischer Wels – ein Tier, das aufgrund seiner Größe häufig für Aufsehen sorgt, den größten Teil seines Lebens jedoch verborgen bleibt.
Solche Begegnungen erinnern uns von Artenschutz in Franken® daran, wie wenig wir von dem wahrnehmen, was sich unter der Oberfläche unserer Flüsse, Seen und Altwässer abspielt. Der Wels steht dabei nicht nur für Kraft und beeindruckende Körpermaße. Er ist zugleich Teil eines komplexen Lebensraumes, dessen ökologische Zusammenhänge sich unserem Blick meist entziehen.
Der Europäische Wels oder Flusswels
Der Europäische Wels beziehungsweise Flusswels (Silurus glanis) wird regional auch Waller genannt. Er gilt als größte heimische Süßwasserfischart Europas. Einzelne Tiere können außergewöhnliche Längen von weit über zwei Metern erreichen. Angaben von bis zu drei Metern und etwa 150 Kilogramm beschreiben jedoch seltene Extremwerte; die meisten Welse bleiben deutlich kleiner.
Sein Körper ist langgestreckt, kräftig und im hinteren Bereich seitlich abgeflacht. Die Haut besitzt keine Schuppen und ist von einer schützenden Schleimschicht überzogen. Auffällig sind der breite Kopf, das große Maul und die vergleichsweise kleinen Augen. Besonders charakteristisch erscheinen seine sechs Barteln: Zwei lange Barteln sitzen am Oberkiefer, vier kürzere am Unterkiefer.
Diese empfindlichen Sinnesorgane helfen dem Wels, Berührungen, Wasserbewegungen und mögliche Nahrung wahrzunehmen. Auch sein Geruchs-, Geschmacks- und Gehörsinn sind sehr gut entwickelt. Dadurch kann er sich selbst in dunklen, tiefen oder stark eingetrübten Gewässerbereichen sicher orientieren.
Die Rückenflosse ist auffallend klein. Ganz anders zeigt sich die lange Afterflosse, die sich über einen großen Teil der hinteren Körperhälfte erstreckt. Gemeinsam mit dem kräftigen Schwanz ermöglicht sie ruhige, nahezu lautlose und dennoch sehr kraftvolle Schwimmbewegungen. Die Färbung variiert je nach Lebensraum. Häufig ist die Oberseite dunkelgrau, olivbraun oder beinahe schwarz marmoriert, während die Unterseite heller erscheint.
Ein Bewohner großer und strukturreicher Gewässer
Der Europäische Wels bevorzugt größere, vergleichsweise warme Flüsse, Seen, Altwässer, Staubereiche und andere Gewässer mit ausreichend tiefen Rückzugsräumen. Besonders wertvoll sind abwechslungsreiche Strukturen wie unterspülte Ufer, Totholz, Wurzelbereiche, Wasserpflanzen, tiefe Rinnen und strömungsberuhigte Abschnitte.
Tagsüber hält sich der Wels häufig in geschützten Bereichen auf. Mit zunehmender Dämmerung wird er aktiver und beginnt mit der Nahrungssuche. Dabei kann er beträchtliche Strecken zurücklegen. Seine Aktivität ist jedoch von Jahreszeit, Wassertemperatur, Nahrungsangebot und den örtlichen Gewässerbedingungen abhängig.
Ursprünglich gehört der Wels vor allem zu den charakteristischen Fischarten des Donau- und Rheinsystems. Durch Besatzmaßnahmen, künstliche Gewässerverbindungen und Kanäle konnte er sein Verbreitungsgebiet erheblich erweitern. Auch in fränkischen Fließ- und Stillgewässern ist er heute anzutreffen. Dabei muss jeweils differenziert betrachtet werden, ob ein Bestand auf ein historisch natürliches Vorkommen, eine selbstständige Ausbreitung oder menschliche Ansiedlung zurückgeht.
Kein „Monster“, sondern ein anpassungsfähiger Beutegreifer
Kaum eine heimische Fischart wird so häufig mit übertriebenen Geschichten verbunden wie der Europäische Wels. Seine Größe, das breite Maul und seine verborgene Lebensweise haben ihm einen beinahe sagenhaften Ruf eingebracht. Eine sachliche Betrachtung ist Artenschutz in Franken® jedoch wichtiger als jede reißerische Darstellung.
Junge Welse ernähren sich zunächst unter anderem von Insektenlarven, Würmern, kleinen Krebstieren und anderen wirbellosen Wasserbewohnern. Mit zunehmender Größe gewinnen Fische als Nahrung an Bedeutung. Daneben können Frösche, Krebse, Muscheln, Schnecken und gelegentlich kleine Wasservögel oder Säugetiere erbeutet werden. Auch Aas und geschwächte Tiere werden aufgenommen.
Der Wels ist ein opportunistischer Beutegreifer. Das bedeutet, dass er vor allem jene Nahrungsquellen nutzt, die in einem Gewässer gut erreichbar und ausreichend vorhanden sind. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet gehört dieses Verhalten zur Dynamik des aquatischen Ökosystems. Problematisch kann seine Ausbreitung dagegen dort werden, wo er ursprünglich nicht vorkam und auf kleine, bereits geschwächte Bestände besonders empfindlicher Fischarten trifft.
Der Wels darf deshalb weder zum harmlosen Symboltier verklärt noch zum vermeintlichen Unterwasserungeheuer gemacht werden. Entscheidend sind immer das konkrete Gewässer, die Zusammensetzung der dortigen Lebensgemeinschaft und die Herkunft des jeweiligen Bestandes.
Fortpflanzung in warmen Flachwasserbereichen
Die Fortpflanzungszeit beginnt, wenn sich das Wasser im späten Frühjahr oder Frühsommer deutlich erwärmt hat. Meist sucht das Welsmännchen hierfür einen geschützten, flacheren Bereich mit Wasserpflanzen, Wurzeln oder anderen geeigneten Strukturen auf. Dort entsteht eine einfache Laichstelle, an der das Weibchen seine klebrigen Eier ablegt.
Nach der Befruchtung bewacht das Männchen das Gelege. Durch Bewegungen seiner Flossen sorgt es für einen Wasseraustausch und verteidigt die Eier gegen mögliche Fressfeinde. Die Entwicklung der Jungfische ist stark von der Wassertemperatur und einer ausreichenden Sauerstoffversorgung abhängig.
Gerade diese Fortpflanzungsphase zeigt, weshalb selbst eine großwüchsige und anpassungsfähige Fischart strukturreiche Ufer und funktionsfähige Flachwasserzonen benötigt. Ein Gewässer, das ausschließlich aus befestigten Böschungen, ausgeräumten Ufern und gleichförmigen Tiefen besteht, verliert viele jener Übergangsräume, in denen sich neues Leben entwickeln kann.
Der Flusswels im Klimawandel
Der Europäische Wels gehört zu den wärmeliebenden Fischarten. Steigende Wassertemperaturen können seine Aktivitätszeit verlängern, das Wachstum begünstigen und in bislang zu kühlen Regionen eine erfolgreiche Fortpflanzung ermöglichen. Der Klimawandel dürfte daher dazu beitragen, dass sich die Art weiter ausbreitet und ihre Bestände regional zunehmen. Der Wels gilt bundesweit gegenwärtig als ungefährdet und wurde zum „Fisch des Jahres 2026“ gewählt.
Damit unterscheidet sich seine Situation deutlich von der vieler anderer heimischer Süßwasserfische. Zahlreiche Arten leiden bereits unter steigenden Temperaturen, fehlender Durchgängigkeit, Gewässerverbau, Sauerstoffmangel und dem Verlust ihrer Fortpflanzungsräume. Der Wels kann von einem wärmeren Umfeld zunächst profitieren, während kälteliebende oder strömungsabhängige Arten zunehmend unter Druck geraten.
Doch auch ein möglicher „Klimawandelgewinner“ ist nicht grenzenlos belastbar. Extrem erwärmte Gewässer enthalten weniger Sauerstoff. Lang anhaltende Niedrigwasserstände verkleinern die verfügbaren Lebensräume, unterbrechen Verbindungen zu Nebengewässern und können Fische in wenigen verbliebenen Tiefstellen zusammendrängen. Kommen Nährstoffeinträge, Algenblüten oder das Absterben von Wasserpflanzen hinzu, können selbst robuste Arten in erhebliche Bedrängnis geraten.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® wäre es deshalb falsch, die Entwicklung allein mit den Worten „Der Wels profitiert“ zusammenzufassen. Tatsächlich verschieben sich ganze Lebensgemeinschaften. Manche Arten verlieren, andere gewinnen an Raum – und aus ehemals vielfältigen Fischgesellschaften können zunehmend einseitige Bestände entstehen.
Bedrohungen und ökologische Konflikte
Der Europäische Wels wird in der bundesweiten Roten Liste derzeit als ungefährdet geführt. Dennoch wirken zahlreiche Veränderungen der Gewässer auch auf diese Art ein:
In neu besiedelten Gewässern kann der Wels zugleich selbst zu einem ökologischen Einflussfaktor werden. Besonders an künstlichen Engstellen, Wehren oder Fischaufstiegsanlagen können Beutefische räumlich konzentriert auftreten. Große Welse lernen mitunter, solche Situationen für die Jagd zu nutzen. Für ohnehin bedrohte Wanderfische kann dadurch ein zusätzlicher Druck entstehen.
Hier sind fachlich begründetes Monitoring und eine gewässerspezifische Bewertung erforderlich. Pauschale Schuldzuweisungen helfen ebenso wenig wie eine unkritische Ausbreitung durch Besatz. Artenschutz bedeutet auch, schwierige Entwicklungen ohne Vorurteile zu betrachten und Maßnahmen an nachprüfbaren Erkenntnissen auszurichten.
Unsere Perspektive von Artenschutz in Franken®
Für Artenschutz in Franken® ist der Europäische Wels weder eine bloße anglerische Trophäe noch ein Sündenbock für alle Veränderungen in unseren Gewässern. Er ist eine heimische Fischart mit faszinierenden Anpassungen und zugleich ein deutlicher Hinweis darauf, wie stark Klimawandel, Gewässerausbau und menschliche Verbreitungshilfe aquatische Lebensgemeinschaften verändern können.
Der wirksamste Schutz beginnt deshalb nicht bei einer einzelnen Art, sondern beim gesamten Gewässer. Flüsse brauchen wieder naturnahe Ufer, unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten, tiefe Rückzugsräume, flache Fortpflanzungszonen, angebundene Altwässer und ausreichend Wasser. Sie benötigen Durchgängigkeit, Schatten, saubere Zuflüsse und Raum für eine natürliche Entwicklung.
Wo diese Vielfalt erhalten bleibt, kann auch der Wels seine ökologische Rolle ausfüllen, ohne dass andere Arten zwangsläufig verdrängt werden. Unser Ziel von Artenschutz in Franken® sind lebendige Gewässer, in denen nicht allein die anpassungsfähigsten Arten bestehen, sondern eine möglichst vielfältige Gemeinschaft aus Fischen, Wasserpflanzen, Insekten, Amphibien, Muscheln und weiteren Wasserorganismen eine Zukunft findet.
In der Aufnahme von Peter Hoffmann
- Eine Begegnung unter der Wasseroberfläche
Es war einer jener warmen Sommerabende, an denen das Wasser beinahe regungslos zwischen den Ufern lag. Nur vereinzelt zeichneten Insekten kleine Kreise auf die dunkler werdende Oberfläche. Plötzlich entstand nahe eines überhängenden Baumes eine kräftige Bewegung. Kein Fisch sprang aus dem Wasser, kein Vogel stieß hinab – und doch verriet eine langsam auseinanderlaufende Welle, dass sich dort unten etwas Großes bewegte.
Für wenige Augenblicke wurde ein breiter, flacher Kopf sichtbar. Zwei lange Barteln tasteten durch das trübe Wasser, dann glitt der Fisch lautlos zurück in die Tiefe. Es war ein Europäischer Wels – ein Tier, das aufgrund seiner Größe häufig für Aufsehen sorgt, den größten Teil seines Lebens jedoch verborgen bleibt.
Solche Begegnungen erinnern uns von Artenschutz in Franken® daran, wie wenig wir von dem wahrnehmen, was sich unter der Oberfläche unserer Flüsse, Seen und Altwässer abspielt. Der Wels steht dabei nicht nur für Kraft und beeindruckende Körpermaße. Er ist zugleich Teil eines komplexen Lebensraumes, dessen ökologische Zusammenhänge sich unserem Blick meist entziehen.
Der Europäische Wels oder Flusswels
Der Europäische Wels beziehungsweise Flusswels (Silurus glanis) wird regional auch Waller genannt. Er gilt als größte heimische Süßwasserfischart Europas. Einzelne Tiere können außergewöhnliche Längen von weit über zwei Metern erreichen. Angaben von bis zu drei Metern und etwa 150 Kilogramm beschreiben jedoch seltene Extremwerte; die meisten Welse bleiben deutlich kleiner.
Sein Körper ist langgestreckt, kräftig und im hinteren Bereich seitlich abgeflacht. Die Haut besitzt keine Schuppen und ist von einer schützenden Schleimschicht überzogen. Auffällig sind der breite Kopf, das große Maul und die vergleichsweise kleinen Augen. Besonders charakteristisch erscheinen seine sechs Barteln: Zwei lange Barteln sitzen am Oberkiefer, vier kürzere am Unterkiefer.
Diese empfindlichen Sinnesorgane helfen dem Wels, Berührungen, Wasserbewegungen und mögliche Nahrung wahrzunehmen. Auch sein Geruchs-, Geschmacks- und Gehörsinn sind sehr gut entwickelt. Dadurch kann er sich selbst in dunklen, tiefen oder stark eingetrübten Gewässerbereichen sicher orientieren.
Die Rückenflosse ist auffallend klein. Ganz anders zeigt sich die lange Afterflosse, die sich über einen großen Teil der hinteren Körperhälfte erstreckt. Gemeinsam mit dem kräftigen Schwanz ermöglicht sie ruhige, nahezu lautlose und dennoch sehr kraftvolle Schwimmbewegungen. Die Färbung variiert je nach Lebensraum. Häufig ist die Oberseite dunkelgrau, olivbraun oder beinahe schwarz marmoriert, während die Unterseite heller erscheint.
Ein Bewohner großer und strukturreicher Gewässer
Der Europäische Wels bevorzugt größere, vergleichsweise warme Flüsse, Seen, Altwässer, Staubereiche und andere Gewässer mit ausreichend tiefen Rückzugsräumen. Besonders wertvoll sind abwechslungsreiche Strukturen wie unterspülte Ufer, Totholz, Wurzelbereiche, Wasserpflanzen, tiefe Rinnen und strömungsberuhigte Abschnitte.
Tagsüber hält sich der Wels häufig in geschützten Bereichen auf. Mit zunehmender Dämmerung wird er aktiver und beginnt mit der Nahrungssuche. Dabei kann er beträchtliche Strecken zurücklegen. Seine Aktivität ist jedoch von Jahreszeit, Wassertemperatur, Nahrungsangebot und den örtlichen Gewässerbedingungen abhängig.
Ursprünglich gehört der Wels vor allem zu den charakteristischen Fischarten des Donau- und Rheinsystems. Durch Besatzmaßnahmen, künstliche Gewässerverbindungen und Kanäle konnte er sein Verbreitungsgebiet erheblich erweitern. Auch in fränkischen Fließ- und Stillgewässern ist er heute anzutreffen. Dabei muss jeweils differenziert betrachtet werden, ob ein Bestand auf ein historisch natürliches Vorkommen, eine selbstständige Ausbreitung oder menschliche Ansiedlung zurückgeht.
Kein „Monster“, sondern ein anpassungsfähiger Beutegreifer
Kaum eine heimische Fischart wird so häufig mit übertriebenen Geschichten verbunden wie der Europäische Wels. Seine Größe, das breite Maul und seine verborgene Lebensweise haben ihm einen beinahe sagenhaften Ruf eingebracht. Eine sachliche Betrachtung ist Artenschutz in Franken® jedoch wichtiger als jede reißerische Darstellung.
Junge Welse ernähren sich zunächst unter anderem von Insektenlarven, Würmern, kleinen Krebstieren und anderen wirbellosen Wasserbewohnern. Mit zunehmender Größe gewinnen Fische als Nahrung an Bedeutung. Daneben können Frösche, Krebse, Muscheln, Schnecken und gelegentlich kleine Wasservögel oder Säugetiere erbeutet werden. Auch Aas und geschwächte Tiere werden aufgenommen.
Der Wels ist ein opportunistischer Beutegreifer. Das bedeutet, dass er vor allem jene Nahrungsquellen nutzt, die in einem Gewässer gut erreichbar und ausreichend vorhanden sind. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet gehört dieses Verhalten zur Dynamik des aquatischen Ökosystems. Problematisch kann seine Ausbreitung dagegen dort werden, wo er ursprünglich nicht vorkam und auf kleine, bereits geschwächte Bestände besonders empfindlicher Fischarten trifft.
Der Wels darf deshalb weder zum harmlosen Symboltier verklärt noch zum vermeintlichen Unterwasserungeheuer gemacht werden. Entscheidend sind immer das konkrete Gewässer, die Zusammensetzung der dortigen Lebensgemeinschaft und die Herkunft des jeweiligen Bestandes.
Fortpflanzung in warmen Flachwasserbereichen
Die Fortpflanzungszeit beginnt, wenn sich das Wasser im späten Frühjahr oder Frühsommer deutlich erwärmt hat. Meist sucht das Welsmännchen hierfür einen geschützten, flacheren Bereich mit Wasserpflanzen, Wurzeln oder anderen geeigneten Strukturen auf. Dort entsteht eine einfache Laichstelle, an der das Weibchen seine klebrigen Eier ablegt.
Nach der Befruchtung bewacht das Männchen das Gelege. Durch Bewegungen seiner Flossen sorgt es für einen Wasseraustausch und verteidigt die Eier gegen mögliche Fressfeinde. Die Entwicklung der Jungfische ist stark von der Wassertemperatur und einer ausreichenden Sauerstoffversorgung abhängig.
Gerade diese Fortpflanzungsphase zeigt, weshalb selbst eine großwüchsige und anpassungsfähige Fischart strukturreiche Ufer und funktionsfähige Flachwasserzonen benötigt. Ein Gewässer, das ausschließlich aus befestigten Böschungen, ausgeräumten Ufern und gleichförmigen Tiefen besteht, verliert viele jener Übergangsräume, in denen sich neues Leben entwickeln kann.
Der Flusswels im Klimawandel
Der Europäische Wels gehört zu den wärmeliebenden Fischarten. Steigende Wassertemperaturen können seine Aktivitätszeit verlängern, das Wachstum begünstigen und in bislang zu kühlen Regionen eine erfolgreiche Fortpflanzung ermöglichen. Der Klimawandel dürfte daher dazu beitragen, dass sich die Art weiter ausbreitet und ihre Bestände regional zunehmen. Der Wels gilt bundesweit gegenwärtig als ungefährdet und wurde zum „Fisch des Jahres 2026“ gewählt.
Damit unterscheidet sich seine Situation deutlich von der vieler anderer heimischer Süßwasserfische. Zahlreiche Arten leiden bereits unter steigenden Temperaturen, fehlender Durchgängigkeit, Gewässerverbau, Sauerstoffmangel und dem Verlust ihrer Fortpflanzungsräume. Der Wels kann von einem wärmeren Umfeld zunächst profitieren, während kälteliebende oder strömungsabhängige Arten zunehmend unter Druck geraten.
Doch auch ein möglicher „Klimawandelgewinner“ ist nicht grenzenlos belastbar. Extrem erwärmte Gewässer enthalten weniger Sauerstoff. Lang anhaltende Niedrigwasserstände verkleinern die verfügbaren Lebensräume, unterbrechen Verbindungen zu Nebengewässern und können Fische in wenigen verbliebenen Tiefstellen zusammendrängen. Kommen Nährstoffeinträge, Algenblüten oder das Absterben von Wasserpflanzen hinzu, können selbst robuste Arten in erhebliche Bedrängnis geraten.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® wäre es deshalb falsch, die Entwicklung allein mit den Worten „Der Wels profitiert“ zusammenzufassen. Tatsächlich verschieben sich ganze Lebensgemeinschaften. Manche Arten verlieren, andere gewinnen an Raum – und aus ehemals vielfältigen Fischgesellschaften können zunehmend einseitige Bestände entstehen.
Bedrohungen und ökologische Konflikte
Der Europäische Wels wird in der bundesweiten Roten Liste derzeit als ungefährdet geführt. Dennoch wirken zahlreiche Veränderungen der Gewässer auch auf diese Art ein:
- Der Ausbau und die Begradigung von Flüssen lassen natürliche Tiefenwechsel, strömungsberuhigte Buchten und geschützte Uferbereiche verschwinden.
- Uferbefestigungen und die Entfernung von Totholz beseitigen wichtige Ruhe-, Jagd- und Fortpflanzungsstrukturen.
- Querbauwerke können Wanderbewegungen zwischen Nahrungs-, Ruhe- und Laichgebieten behindern.
- Niedrigwasser, starke Erwärmung und Sauerstoffmangel können geeignete Lebensräume zeitweise erheblich verkleinern.
- Schadstoff- und Nährstoffeinträge belasten nicht nur den Wels selbst, sondern verändern auch seine Nahrungsgrundlage.
- Unsachgemäße Besatzmaßnahmen können den Wels in Gewässer bringen, in denen er natürlicherweise nicht vorkommt und empfindliche Lebensgemeinschaften beeinflussen kann.
- Verlorene Angelschnüre, Haken und andere Abfälle stellen auch für große und kräftige Fische eine Gefahr dar.
In neu besiedelten Gewässern kann der Wels zugleich selbst zu einem ökologischen Einflussfaktor werden. Besonders an künstlichen Engstellen, Wehren oder Fischaufstiegsanlagen können Beutefische räumlich konzentriert auftreten. Große Welse lernen mitunter, solche Situationen für die Jagd zu nutzen. Für ohnehin bedrohte Wanderfische kann dadurch ein zusätzlicher Druck entstehen.
Hier sind fachlich begründetes Monitoring und eine gewässerspezifische Bewertung erforderlich. Pauschale Schuldzuweisungen helfen ebenso wenig wie eine unkritische Ausbreitung durch Besatz. Artenschutz bedeutet auch, schwierige Entwicklungen ohne Vorurteile zu betrachten und Maßnahmen an nachprüfbaren Erkenntnissen auszurichten.
Unsere Perspektive von Artenschutz in Franken®
Für Artenschutz in Franken® ist der Europäische Wels weder eine bloße anglerische Trophäe noch ein Sündenbock für alle Veränderungen in unseren Gewässern. Er ist eine heimische Fischart mit faszinierenden Anpassungen und zugleich ein deutlicher Hinweis darauf, wie stark Klimawandel, Gewässerausbau und menschliche Verbreitungshilfe aquatische Lebensgemeinschaften verändern können.
Der wirksamste Schutz beginnt deshalb nicht bei einer einzelnen Art, sondern beim gesamten Gewässer. Flüsse brauchen wieder naturnahe Ufer, unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten, tiefe Rückzugsräume, flache Fortpflanzungszonen, angebundene Altwässer und ausreichend Wasser. Sie benötigen Durchgängigkeit, Schatten, saubere Zuflüsse und Raum für eine natürliche Entwicklung.
Wo diese Vielfalt erhalten bleibt, kann auch der Wels seine ökologische Rolle ausfüllen, ohne dass andere Arten zwangsläufig verdrängt werden. Unser Ziel von Artenschutz in Franken® sind lebendige Gewässer, in denen nicht allein die anpassungsfähigsten Arten bestehen, sondern eine möglichst vielfältige Gemeinschaft aus Fischen, Wasserpflanzen, Insekten, Amphibien, Muscheln und weiteren Wasserorganismen eine Zukunft findet.
In der Aufnahme von Peter Hoffmann
- Der Europäische Wels (Silurus glanis) ist die größte heimische Süßwasserfischart. Trotz seiner eindrucksvollen Erscheinung verbringt er einen großen Teil seines Lebens verborgen unter der Wasseroberfläche.
... ist unser größter einheimischer Fisch ....
In der Aufnahme von Peter Hoffmann
- Als wärmeliebende Art kann der Europäische Wels zunächst von steigenden Wassertemperaturen profitieren. Extreme Hitze, Sauerstoffmangel und Niedrigwasser setzen jedoch auch ihm Grenzen.
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