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Gelbhalsmaus
Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis)
Bild zum Eintrag (1136685-160)
Die Gelbhalsmaus – ein verborgenes Leben im Wandel

In der Dämmerung eines warmen Herbstabends raschelt es unter dem Laub eines alten Buchenwaldes. Zwischen Eicheln und heruntergefallenen Zweigen huscht eine kleine Gestalt hervor. Vorsichtig richtet sie sich auf, prüft die Umgebung mit großen, wachen Augen und verschwindet mit einer gefundenen Buchecker im Maul in der Dunkelheit. Für die Gelbhalsmaus ist jede Nacht eine Zeit des Sammelns und Vorrat-Anlegens – denn ihr Überleben hängt davon ab, was der Wald ihr bietet.

Artbeschreibung

Die Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) ist ein mittelgroßes Nagetier aus der Familie der Langschwanzmäuse. Sie erreicht eine Körperlänge von etwa 9 bis 13 cm, der Schwanz ist meist ebenso lang oder länger als der Körper. Charakteristisch ist ihr warm braunes Fell auf der Oberseite, eine helle Bauchseite und – namensgebend – ein gelblich bis orangefarbener Brustfleck oder Halsring.

Die Gelbhalsmaus lebt vor allem in Laub- und Mischwäldern mit hohem Anteil an alten Bäumen, ist aber auch in Parks, Gärten und strukturreichen Feldgehölzen anzutreffen. Sie ernährt sich überwiegend von Samen, Nüssen, Bucheckern und Eicheln, ergänzt durch Beeren, Pilze und gelegentlich Insekten. Als geschickter Kletterer nutzt sie auch Sträucher und niedrige Baumkronen. Ihre Vorratshaltung trägt zur Verbreitung von Samen bei und macht sie zu einem wichtigen Bestandteil des Ökosystems.

Perspektiven im Zeichen von Lebensraumveränderung und Klimawandel

Die Zukunft der Gelbhalsmaus ist eng mit der Entwicklung der Wälder verbunden. Einerseits können mildere Winter durch den Klimawandel die Überlebensraten erhöhen und zu häufigeren Fortpflanzungsphasen führen. Auch Jahre mit reicher Samenproduktion (sogenannte Mastjahre) begünstigen die Bestände.

Andererseits verändern sich die Lebensbedingungen zunehmend. Längere Trockenperioden, Stürme und Schädlingsbefall können Wälder stark schädigen oder ihre Baumzusammensetzung verändern. Wenn strukturreiche, alte Laubwälder durch monotone oder schnell wachsende Bestände ersetzt werden, sinkt das Nahrungsangebot und die Deckung vor Fressfeinden.

Die Perspektive der Art hängt daher davon ab, ob naturnahe, artenreiche Wälder mit ausreichendem Alt- und Totholzanteil erhalten und entwickelt werden.

Bedrohungen durch den Menschen

Obwohl die Gelbhalsmaus noch als häufig gilt, wirken sich verschiedene menschliche Einflüsse auf ihre Lebensräume aus:


  • Umwandlung naturnaher Laubwälder in strukturärmere Forstbestände

  • Verlust von Hecken, Feldgehölzen und Waldrändern durch intensive Landnutzung

  • Flächenversiegelung und Zerschneidung von Lebensräumen durch Siedlungs- und Straßenbau

  • Einsatz von Pestiziden, der das Nahrungsangebot und die Lebensbedingungen im Umfeld beeinträchtigen kann

Darüber hinaus kann eine starke Fragmentierung von Lebensräumen dazu führen, dass Populationen isoliert werden und langfristig anfälliger für Umweltveränderungen sind.

Ausblick

Die Gelbhalsmaus lebt meist verborgen, doch ihre Rolle im Ökosystem ist bedeutend: Sie verbreitet Samen, dient vielen Raubtieren als Nahrung und trägt zur natürlichen Waldverjüngung bei. Wo vielfältige Wälder, strukturreiche Landschaften und naturnahe Übergangsbereiche erhalten bleiben, hat sie gute Chancen, auch in Zukunft ein fester Bestandteil unserer heimischen Natur zu sein. Ihr leises Rascheln im Laub erinnert daran, wie wichtig intakte Lebensräume selbst für die unscheinbarsten Arten sind.

Aufnahme von Helga Zinnecker
  • Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis)