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Der Siebenschläfer
Bild zum Eintrag (1145138-160)
Siebenschläfer (Glis glis) – Der lautlose Kletterer der Sommernächte

Als die letzten Sonnenstrahlen hinter den Baumwipfeln verschwanden, kehrte Ruhe in den alten Buchenwald ein. Nur das Rascheln trockener Blätter und das leise Zirpen der Grillen begleiteten den Übergang zur Nacht. Hoch oben in einer Baumhöhle regte sich plötzlich etwas. Vorsichtig streckte ein kleines, grau behaartes Tier seinen Kopf aus dem Eingang. Mit seinen großen schwarzen Augen prüfte es aufmerksam die Umgebung, ehe es geschickt über Äste und Zweige kletterte.

Der Siebenschläfer begann seine nächtliche Futtersuche. Lautlos sprang er von Ast zu Ast, fand Bucheckern, Haselnüsse und saftige Früchte. Während viele Waldbesucher längst schliefen, erwachte für ihn die aktivste Zeit des Tages. Kaum jemand bekommt den scheuen Waldbewohner zu Gesicht – und doch gehört er seit Jahrtausenden zu den faszinierendsten Säugetieren unserer heimischen Wälder.

Artbeschreibung

Der Siebenschläfer (Glis glis) gehört zur Familie der Bilche (Gliridae) und ist der größte Vertreter dieser kleinen Nagetiergruppe in Mitteleuropa. Erwachsene Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 13 bis 19 Zentimetern. Der buschige Schwanz misst weitere 11 bis 15 Zentimeter und dient beim Klettern als Balancierhilfe.

Sein weiches, silbergraues Fell, die helle Bauchseite sowie die großen dunklen Augen sind ideale Anpassungen an ein überwiegend nachtaktives Leben. Auffällig sind außerdem die kleinen, runden Ohren und die langen Tasthaare, mit denen sich der Siebenschläfer auch bei völliger Dunkelheit sicher orientieren kann. Mit seinen kräftigen Füßen und scharfen Krallen bewegt er sich ausgesprochen geschickt durch Baumkronen. Nur selten hält er sich am Boden auf. Den Tag verbringt er meist in Baumhöhlen, Spechthöhlen, Felsspalten oder geschützten Nistkästen.

Lebensweise

Der Siebenschläfer ist vor allem in Laub- und Mischwäldern mit alten, höhlenreichen Bäumen anzutreffen. Besonders wohl fühlt er sich in Buchen- und Eichenwäldern, deren Früchte einen wichtigen Teil seiner Nahrung bilden.

Sein Speiseplan ist vielseitig. Er umfasst Bucheckern, Haselnüsse, Eicheln, Beeren, Früchte, Knospen, Blätter sowie gelegentlich Insekten, Schnecken oder Vogeleier. Im Spätsommer legt er Fettreserven an, die für den außergewöhnlich langen Winterschlaf lebenswichtig sind. Zwischen Oktober und Mai verbringt der Siebenschläfer bis zu sieben Monate – manchmal sogar länger – im Winterschlaf. Während dieser Zeit sinken Körpertemperatur, Herzschlag und Stoffwechsel auf ein Minimum. Diese Anpassung ermöglicht ihm das Überleben in einer Jahreszeit mit geringem Nahrungsangebot.

Die Fortpflanzung erfolgt meist im Frühsommer. Nach einer Tragzeit von rund einem Monat bringt das Weibchen gewöhnlich vier bis sechs Junge zur Welt, die zunächst vollständig auf die Fürsorge der Mutter angewiesen sind.

Lebensraum und ökologische Bedeutung

Der Siebenschläfer ist ein typischer Bewohner strukturreicher Wälder mit alten Bäumen. Besonders wichtig sind Baumhöhlen, Totholz und eine abwechslungsreiche Vegetation mit einem reichen Angebot an Früchten und Samen. Als Samenverbreiter trägt er zur natürlichen Verjüngung vieler Baum- und Straucharten bei. Gleichzeitig ist er selbst Bestandteil der Nahrungskette und dient unter anderem Waldkauz, Uhu, Baummarder und verschiedenen Greifvögeln als Beute.

Sein Vorkommen gilt vielerorts als Hinweis auf naturnahe, alte Wälder mit einer hohen ökologischen Qualität.

Perspektiven im Wandel von Lebensraum und Klima

Der Klimawandel verändert die Lebensbedingungen des Siebenschläfers auf vielfältige Weise. Mildere Winter können seinen Winterschlaf verkürzen. Erwacht er zu früh, bevor ausreichend Nahrung vorhanden ist, verbraucht er wertvolle Energiereserven.

Auch die Fruchtbildung von Buche, Eiche und Hasel wird zunehmend von Wetterextremen beeinflusst. Jahre mit geringer Samenproduktion erschweren insbesondere die Aufzucht der Jungtiere. In solchen sogenannten Hungerjahren verzichten Weibchen teilweise vollständig auf eine Fortpflanzung.

Andererseits könnten wärmere Temperaturen dem Siebenschläfer in einigen Regionen eine Ausbreitung in bislang kühlere Gebiete ermöglichen. Voraussetzung bleibt jedoch das Vorhandensein alter, strukturreicher Wälder mit ausreichenden Baumhöhlen.

Die Zukunft der Art hängt daher nicht allein vom Klima ab. Entscheidend ist vor allem der Erhalt naturnaher Wälder mit vielfältigen Altersstrukturen und ausreichend Totholz.

Bedrohung des Siebenschläfers

Obwohl der Siebenschläfer in vielen Regionen noch vorkommt, ist sein Lebensraum zunehmend Veränderungen ausgesetzt.

Zu den wichtigsten Gefährdungen zählen:

  • Verlust alter Laub- und Mischwälder
  • Entfernung höhlenreicher Altbäume
  • Intensive Forstwirtschaft mit wenigen alten Bäumen
  • Zerschneidung von Waldgebieten durch Straßen und Siedlungen
  • Rückgang natürlicher Baumhöhlen
  • Klimabedingte Veränderungen der Fruchtproduktion
  • Lange Trockenperioden und Extremwetter
  • Störungen während der Fortpflanzungszeit
  • Hauskatzen in Waldrandbereichen
  • Lichtverschmutzung, die das nächtliche Verhalten beeinflussen kann

Naturnahe Waldwirtschaft, der Erhalt alter Bäume, die Förderung von Totholz sowie das Anbringen geeigneter Nistkästen können den Lebensraum des Siebenschläfers nachhaltig verbessern.

Schutzmaßnahmen

Der Schutz des Siebenschläfers beginnt mit dem Erhalt alter Wälder. Besonders wertvoll sind Wälder mit einer großen Vielfalt an Baumarten und zahlreichen Höhlenbäumen. Alte Buchen und Eichen sollten möglichst lange erhalten bleiben, da sie sowohl Nahrung als auch Quartiere bieten.

Auch strukturreiche Waldränder, Hecken und Gehölzverbünde erleichtern den genetischen Austausch zwischen Populationen. Speziell angepasste Bilchkästen können dort helfen, wo natürliche Baumhöhlen fehlen.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Totholz fördert nicht nur den Siebenschläfer, sondern zahlreiche weitere Tierarten, Pilze und Insekten.

Fazit

Der Siebenschläfer gehört zu den verborgen lebenden Bewohnern unserer Wälder und wird trotz seiner weiten Verbreitung nur selten beobachtet. Seine beeindruckende Kletterkunst, sein außergewöhnlich langer Winterschlaf und seine enge Bindung an alte Wälder machen ihn zu einer bemerkenswerten Säugetierart.

Der Erhalt strukturreicher Laub- und Mischwälder, der Schutz alter Höhlenbäume und eine naturnahe Waldwirtschaft sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass der lautlose Kletterer auch künftig durch die Sommernächte unserer Wälder streifen kann.


In der Aufnahme von Willi Kroll - Siebenschläfer ... den Kobolden gleich

Glis glis so die fachgerechte Bezeichnung für ein Tier das der Familie der Nagetiere zuzuordnen ist. Der erste Eindruck erweckt eine gewisse Sympathie, denn das „freundliche Gesicht“ wie es einmal ein Mitbürger zum Ausdruck brachte lässt daran kaum etwas aussetzen.

Dass er auch eine etwas andere Seite anbietet konnten wir bereits mehrfach erkennen, wenn wir im Zuge eines Monitorings wieder einmal einen Blick in einen Vogelnistkasten werfen, der von einem Siebenschläfer vereinnahmt wurde.
Siebenschläfer
Bild zum Eintrag (1145140-160)
In der Aufnahme von Klaus Sanwald 

Hier gilt es auf die uns nunmehr bereits bekannten Warngesten und Laute zu achten. Diese äußern sich in der Regel in der Kenntlichmachung der recht imposanten Nagerzähnen und Lautäußerungen die an Maschinensurren erinnern.

Meist im Oktober legt sich der Siebenschläfer dann für mehrere Monate aufs Ohr. Sei es in einer frostfreien Erdhöhle oder auch an anderer geeigneter Stelle wird dabei die Körpertemperatur extrem zurückgefahren. Der Stoffwechsel erreicht ein Minimum und der Herzschlag erreicht einen minütlichen Rhythmus von 3 – 4 Mal in der Minute.
Siebenschläfer
Bild zum Eintrag (1145141-160)
In der Aufnahme von Vera Böhm 

Siebenschläfer erreichen eine Körperlänge von bis etwa 40 Zentimeter undein Gewicht von 130 – 160 Gramm. In den Laubmischwäldern des oberen Steigerwaldes sind diese Säuger regelmäßig in der wärmeren Jahreszeit zu
beobachten.

Besonders interessant sind dabei die Balanceakte die von den kleinen Kletterern auch noch im oberen Gezweig vollführt werden. Daneben sind sie gerne in den Häusern und Schuppen in Waldnähe anzutreffen. Neben der recht imposanten Geräuschkulisse die von den Tieren abgegeben werden sind deren Hinterlassenschaften auch nicht unbedingt als vorteilhaft anzusehen.
Siebenschläfer
Bild zum Eintrag (1145142-160)
In der Aufnahme von Vera Böhm 

Als bevorzugter Pflanzenfresser nimmt der Siebenschläfer gerne verschiedene Teile von Weißdorn,Haselnuss oder auch Ahorn oder Esche.

Jedochsoll auch nicht verschwiegen werden, das diese Tier hie und da auch proteinreiche Nahrung zu sich nimmt. Dies können neben Insekten und Wirbellosen auch mal Jungvögel oder junge „Waldmäuse“ sein.

Die Reproduktion wird im Juni oder Juli praktiziert. Pro Wurf werden meist 5– 8 Jungtiere gesetzt. Der Ort des „Geschehens“ ist ebenso vielfältig wie die Nahrung und kann in Höhlungen fast aller Art, gerne jedoch auch
in Nisthilfen, Naturhöhlen oder auch Bauwerken vorgefunden werden.
Siebenschläfer
Bild zum Eintrag (1145143-160)
In der Aufnahme von Maria Braunschweig

In der Aktivphase liegt er bei über 300 Schlägen in der Minute. Die Dauer der Winterlethargie kann 6 – 8 Monate andauern, wobei Unterbrechungen nicht unüblich sind.

Während der Winterlethargiekönnen die Siebenschläfer selbst „Opfer“ der Nahrungsaufnahme werden.
Angenagte Siebenschläfer können wir immer wieder antreffen. Meist haben sich andere Nager an den „schlafenden“ Tieren gütlich getan.
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