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Kammfinger / Gundis (Ctenodactylidae)
Bild zum Eintrag (1141183-160)

Der  Kammfinger (Ctenodactylidae)

Als die ersten Sonnenstrahlen die Felsen am Rand der Wüste erwärmten, schob sich ein kleines Gundi vorsichtig aus einer schmalen Felsspalte. Noch lag die Nachtkühle in der Luft. Das Tier blieb einen Moment regungslos sitzen, die Ohren wachsam, die dunklen Augen auf die offene Umgebung gerichtet. Erst als die Steine spürbar Wärme abgaben, begann es, zwischen Geröll und niedrigen Pflanzen nach Blättern und jungen Trieben zu suchen. Mit schnellen, sicheren Bewegungen verschwand es wieder im Schutz der Felsen. In dieser kargen Landschaft entscheidet oft ein kurzer Weg zwischen Nahrung, Schatten und Versteck über das tägliche Überleben.

Artbeschreibung

Die Kammfinger oder Gundis (Ctenodactylidae) sind eine Familie kleiner Nagetiere, die in den trockenen und halbtrockenen Gebieten Nordafrikas leben. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von felsigen Wüstenlandschaften bis in steinige Hochebenen. Mehrere Arten gehören zu dieser Familie, darunter Vertreter der Gattungen Ctenodactylus, Massoutiera und Felovia.

Kennzeichnend für Gundis ist ihr kompakter Körperbau. Sie besitzen kurze Gliedmaßen, große Augen und abgerundete Ohren. Besonders auffällig sind die kammartigen Borsten an den Hinterfüßen, denen sie ihren deutschen Namen verdanken. Diese Strukturen helfen bei der Fellpflege und unterstützen den Halt auf steinigem Untergrund.

Gundis sind tagaktive Tiere. Sie leben meist in kleinen sozialen Gruppen und nutzen Felsspalten als sichere Rückzugsorte. Dort finden sie Schutz vor Fressfeinden, Hitze und starken Temperaturschwankungen. Ihre Nahrung besteht vor allem aus Blättern, Kräutern, Sprossen und anderen Pflanzenteilen. Weil Wasser in ihrem Lebensraum oft knapp ist, decken sie einen großen Teil ihres Flüssigkeitsbedarfs über die Nahrung.

Lebensraumveränderung und Klimawandel

Das Leben der Gundis ist eng an felsige Rückzugsräume und an die Vegetation trockener Regionen gebunden. Schon geringe Veränderungen in diesen Lebensräumen können spürbare Folgen haben.

Wo natürliche Felslandschaften durch Steinabbau, Infrastrukturprojekte oder intensive Landnutzung verändert werden, gehen sichere Verstecke verloren. Gleichzeitig können Weidedruck und Bodenveränderungen dazu führen, dass die pflanzliche Nahrung knapper wird. Werden Lebensräume zerschnitten, werden auch Wanderungen zwischen geeigneten Teilgebieten schwieriger.

Der Klimawandel verschärft diese Entwicklung. Längere Hitzeperioden, häufigere Dürren und unregelmäßige Niederschläge beeinflussen das Wachstum von Pflanzen und damit die Nahrungsgrundlage der Tiere. Wenn Vegetation seltener oder nur noch in kurzen Zeitfenstern verfügbar ist, steigen die Anforderungen an Nahrungssuche und Energiehaushalt.

Für Gundis ist außerdem das Mikroklima zwischen Felsen von großer Bedeutung. Schon kleine Veränderungen bei Temperatur, Schattenangebot und Luftfeuchtigkeit können ihre täglichen Aktivitätszeiten beeinflussen. In zunehmend heißen Regionen wird es schwieriger, die Balance zwischen Nahrungssuche und Schutz vor Überhitzung zu halten.

Bedrohungen

Zu den wichtigsten Gefährdungen der Kammfinger zählen Lebensraumverlust und Lebensraumfragmentierung. Werden Felsformationen zerstört oder voneinander isoliert, verlieren die Tiere nicht nur Schutzräume, sondern auch wichtige Verbindungen zwischen Populationen.

Hinzu kommt der Rückgang geeigneter Vegetation. Überweidung, Bodendegradation und anhaltende Trockenheit können die Menge und Vielfalt der verfügbaren Pflanzen deutlich verringern. Besonders in trockenen Regionen kann das rasch zu Engpässen führen.

Kleine, voneinander getrennte Bestände reagieren zudem empfindlicher auf Umweltveränderungen. Extreme Wetterereignisse, längere Dürrephasen oder lokale Störungen können dort größere Auswirkungen haben als in stabilen, vernetzten Populationen.

Perspektiven für den Naturschutz

Der Schutz der Gundis hängt eng mit dem Erhalt natürlicher Felslandschaften und ihrer umgebenden Vegetation zusammen. Wichtig sind Lebensräume, in denen Rückzugsorte, Sonnenplätze und Nahrungspflanzen in enger räumlicher Nähe vorhanden bleiben.

Naturschutzmaßnahmen können dazu beitragen, empfindliche Felsgebiete zu bewahren, Lebensräume miteinander zu vernetzen und eine angepasste Nutzung trockener Landschaften zu fördern. Ebenso wichtig ist die Beobachtung regionaler Bestände, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Gundis zeigen eindrucksvoll, wie fein abgestimmt das Leben in trockenen Lebensräumen ist. Wer diese kleinen Felsenbewohner schützt, trägt zugleich dazu bei, die ökologische Vielfalt arider Landschaften zu erhalten.

Aufnahme von Klaus Sanwald