Hausspitzmaus
Hausspitzmaus – die heimliche Mitbewohnerin mit der langen Nase
Der Tag geht langsam zu Ende. Zwischen einer alten Trockenmauer und dem Rand eines Gartenschuppens beginnt es im trockenen Laub zu rascheln. Für einen kurzen Augenblick erscheint ein kleines, graubraunes Tier. Mit seiner langen, beweglichen Schnauze untersucht es jede Ritze und jeden Spalt. Es hält kaum inne, denn sein kleiner Körper verlangt fast ununterbrochen nach neuer Nahrung.
Plötzlich verschwindet das Tier unter einem Holzstück. Wenig später taucht es an einer anderen Stelle wieder auf. Eine Spinne wird entdeckt, dann eine Käferlarve. Was zunächst wie eine kleine Maus aussieht, ist tatsächlich eine Hausspitzmaus (Crocidura russula).
Für Artenschutz in Franken® steht diese unscheinbare Säugetierart beispielhaft für die vielen kleinen Helfer, die in Gärten, an Gebäuden und in strukturreichen Kulturlandschaften nahezu unbemerkt ihren Aufgaben nachgehen. Die Hausspitzmaus braucht keine große Wildnis. Doch sie benötigt Verstecke, Nahrung und jene kleinen Zwischenräume, die in unserer zunehmend aufgeräumten und versiegelten Umwelt immer seltener werden.
Eine Spitzmaus ist keine Maus
Trotz ihres deutschen Namens gehört die Hausspitzmaus nicht zu den Nagetieren. Sie ist damit weder mit Hausmäusen noch mit Ratten näher verwandt. Gemeinsam mit Maulwürfen und Igeln zählt sie zu einer anderen Säugetiergruppe, die heute als Insektenfresserartige bezeichnet wird.
Der Unterschied zeigt sich bereits am Kopf. Die Hausspitzmaus besitzt eine auffallend lang ausgezogene, sehr bewegliche Schnauze. Mit ihr erkundet sie Spalten, Laubschichten und den Boden. Ihre Augen sind klein, während Geruchs-, Tast- und Hörsinn besonders wichtig sind.
Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt gewöhnlich etwa sechs bis neun Zentimeter. Hinzu kommt ein mehrere Zentimeter langer Schwanz. Das Gewicht liegt meist nur im niedrigen zweistelligen Grammbereich. Damit ist die Hausspitzmaus zwar größer als einige andere heimische Spitzmausarten, bleibt aber dennoch ein ausgesprochen kleines Säugetier.
Das Fell erscheint auf der Oberseite grau- bis rötlichbraun. Die Unterseite ist heller, jedoch meist nicht scharf von der Rückenfärbung abgegrenzt. Am Schwanz fallen zwischen den kurzen Haaren einzelne längere Borsten auf.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal befindet sich im Maul: Die Hausspitzmaus gehört zu den Weißzahnspitzmäusen. Ihre Zähne besitzen nicht die dunkelrot gefärbten Spitzen, die bei den sogenannten Rotzahnspitzmäusen auftreten. Im lebenden Tier ist dieses Merkmal allerdings kaum zu erkennen und sollte niemals Anlass sein, eine Spitzmaus einzufangen.
Ständig auf der Suche nach Nahrung
Hausspitzmäuse haben einen hohen Energiebedarf. Sie sind deshalb während des Tages und der Nacht immer wieder aktiv. Längere Ruhephasen wechseln sich mit intensiven Suchgängen ab. Mit der beweglichen Schnauze und den Tasthaaren untersuchen sie ihre Umgebung.
Auf dem Speiseplan stehen vor allem wirbellose Tiere. Dazu gehören Insekten und deren Larven, Spinnen, Asseln, Würmer, Schnecken und andere kleine Bodenlebewesen. Gelegentlich kann auch größere tierische Nahrung aufgenommen werden. Hausspitzmäuse sind damit wichtige Bestandteile des natürlichen Nahrungsnetzes.
In Gärten werden sie manchmal vorschnell als unerwünschte „Mäuse“ betrachtet. Dabei benagen sie weder Möbel noch Vorräte in der für Nagetiere typischen Weise. Ihr Gebiss und ihre Ernährungsweise sind auf tierische Nahrung ausgerichtet.
Auch die Hausspitzmaus selbst ist eine wichtige Nahrungsquelle. Schleiereulen und andere Eulen, Marderartige, Schlangen sowie verschiedene weitere Beutegreifer können sie erbeuten. Nicht jedes Tier frisst eine gefangene Spitzmaus vollständig, denn ihre Duftdrüsen erzeugen einen intensiven Geruch. Dennoch sind Spitzmäuse ein fester Bestandteil der Nahrungsketten unserer Landschaft.
Leben zwischen Garten, Feldrand und Gebäude
Die Hausspitzmaus bevorzugt vergleichsweise warme, offene oder halboffene Lebensräume. Sie findet sich unter anderem in Gärten, an Hecken, auf Grünland, entlang von Feldrainen, in Weinbergen und auf strukturreichen landwirtschaftlichen Flächen. Auch Trockenmauern, Holzlager, Steinhaufen und Kompostplätze können geeignete Verstecke bieten.
In Mitteleuropa besteht eine enge Verbindung zu menschlichen Siedlungen. Besonders im Herbst können Hausspitzmäuse in Schuppen, Scheunen, Ställe, Keller oder andere Gebäude gelangen. Dort suchen sie Schutz vor Kälte und ein günstiges Nahrungsangebot. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich im Gebäude ein großer Bestand entwickelt. Häufig handelt es sich um einzelne Tiere auf der Suche nach einem geschützten Winterquartier.
Als Ruhe- und Fortpflanzungsplätze dienen Hohlräume unter Steinen, Holzstücken oder Wurzeln ebenso wie verlassene Gänge anderer Kleintiere. Geeignete Nester können mit trockenem Gras, Blättern und anderen weichen Pflanzenteilen ausgepolstert werden.
Eine bemerkenswerte Verhaltensweise zeigt sich bei Spitzmausfamilien: Werden junge Tiere geführt oder muss ein Versteck gewechselt werden, können sie eine sogenannte „Spitzmauskarawane“ bilden. Das erste Jungtier hält sich am Fell beziehungsweise am Schwanzansatz der Mutter fest, die weiteren Jungtiere folgen auf die gleiche Weise. So bewegt sich die Familie wie eine kleine Kette durch die Vegetation.
Verbreitung und Bestandslage
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Hausspitzmaus umfasst große Teile des westlichen und südwestlichen Europas sowie Regionen Nordafrikas. In Deutschland liegt ein bedeutender Teil ihres mitteleuropäischen Vorkommens. Auch aus Bayern sind zahlreiche Nachweise bekannt, wobei die Art nicht gleichmäßig über das gesamte Bundesland verbreitet ist.
In der aktuellen Roten Liste der Säugetiere Deutschlands wird die Hausspitzmaus als ungefährdet eingestuft. Diese Einstufung darf jedoch nicht zu dem Schluss führen, dass ihre Lebensräume keiner Aufmerksamkeit bedürfen. Auch eine gegenwärtig nicht gefährdete Art kann regional unter dem Verlust geeigneter Strukturen leiden.
Aus der Sicht von Artenschutz in Franken® ist es besonders wichtig, nicht erst dann zu handeln, wenn eine Art auf einer Roten Liste weit oben erscheint. Vorsorgender Naturschutz erhält Lebensräume, bevor Bestände stark zurückgehen.
Bedrohungen im unmittelbaren Lebensumfeld
Die Hausspitzmaus gilt als anpassungsfähig. Dennoch ist sie verschiedenen Gefahren ausgesetzt, die häufig unmittelbar mit menschlichen Aktivitäten zusammenhängen.
Ein wesentliches Problem ist der Rückgang von Insekten und anderen wirbellosen Tieren. Werden Insektizide und weitere Pflanzenschutzmittel eingesetzt, können sie das Nahrungsangebot verringern. Auch sterile Schotterflächen und kurz gehaltene Rasenflächen bieten deutlich weniger Beutetiere als strukturreiche Gärten.
Hinzu kommt der Verlust von Verstecken. Alte Mauern werden verfugt, Scheunen abgerissen, Gebäudespalten verschlossen und Holz- oder Steinhaufen entfernt. In vielen Gärten fehlt inzwischen eine bodennahe Kraut- und Laubschicht. Dadurch verschwinden genau jene kleinen Rückzugsräume, auf die Hausspitzmäuse angewiesen sind.
Weitere Gefahren entstehen durch:
Besonders problematisch ist der Einsatz von Gift gegen vermeintliche „Mäuse“. Hausspitzmäuse können unbeabsichtigt mit Ködern oder belasteten Beutetieren in Kontakt kommen. Zudem drohen Sekundärvergiftungen bei Eulen und anderen Beutegreifern.
Wer eine Spitzmaus im Haus entdeckt, sollte deshalb nicht vorschnell zu Gift oder Fallen greifen. Zunächst gilt es herauszufinden, wie das Tier hineingelangt ist. Zugänge können nach dem Verlassen des Tieres verschlossen und mögliche Nahrungsquellen beseitigt werden. Bei Unsicherheit sollte fachkundiger Rat eingeholt werden.
Die Hausspitzmaus im Klimawandel
Die Hausspitzmaus ist eine eher wärmeliebende Art. Steigende Durchschnittstemperaturen und mildere Winter könnten ihr grundsätzlich ermöglichen, sich in bislang klimatisch ungünstigere Regionen auszubreiten. Tatsächlich wird sie als Art mit einer dynamischen Arealentwicklung betrachtet. Untersuchungen beschäftigen sich bereits mit ihrer Ausbreitung in neue Gebiete.
Damit könnte die Hausspitzmaus auf den ersten Blick zu den möglichen Gewinnerinnen des Klimawandels gehören. Doch diese Betrachtung bleibt unvollständig. Entscheidend ist nicht allein die Temperatur, sondern das gesamte Gefüge ihres Lebensraumes.
Lange Trockenperioden können die Zahl und Erreichbarkeit von Regenwürmern, Schnecken, Insektenlarven und anderen Bodentieren reduzieren. Trocknen Laubschichten und Böden über Wochen aus, verliert die Hausspitzmaus einen Teil ihrer Nahrungsgrundlage. Gleichzeitig kann die Hitze in ungedämmten Dachräumen, Schuppen oder anderen oberirdischen Verstecken extreme Werte erreichen.
Auch milde Winter sind nicht automatisch vorteilhaft. Häufige Wechsel zwischen Wärme, Nässe und Frost können den Energiehaushalt kleiner Säugetiere belasten. Werden die Tiere bei milden Temperaturen aktiver, benötigen sie mehr Nahrung. Fehlt gleichzeitig ein ausreichendes Angebot an Wirbellosen, kann eine energetische Mangelsituation entstehen.
Eine weitere Entwicklung verdient Aufmerksamkeit: Wenn sich die Hausspitzmaus nach Osten oder Norden ausbreitet, kann es zu stärkeren Überschneidungen mit anderen Weißzahnspitzmäusen kommen. Für einzelne Regionen ist dokumentiert, dass die sich ausbreitende Hausspitzmaus mit der kleineren Gartenspitzmaus in Konkurrenz treten und zu deren Verdrängung beitragen kann.
Der Klimawandel schafft somit nicht einfach nur Gewinner und Verlierer. Er verändert Verbreitungsgrenzen, Konkurrenzverhältnisse und ganze Lebensgemeinschaften. Eine Art kann ihr Areal erweitern und dennoch lokal unter Nahrungsmangel, Extremwetter und Lebensraumverlust leiden.
Perspektive für die Hausspitzmaus
Der Schutz der Hausspitzmaus lässt sich bereits mit überschaubaren Maßnahmen fördern. Strukturreiche Gärten, blütenreiche Säume und ein weitgehender Verzicht auf Pestizide sichern die Grundlage für ein vielfältiges Nahrungsangebot.
Hilfreich sind außerdem:
Gebäudesanierungen sollten so geplant werden, dass keine Tiere eingeschlossen oder verletzt werden. Bevor Hohlräume dauerhaft verschlossen werden, ist zu prüfen, ob sie aktuell als Quartier genutzt werden. Dabei können neben Spitzmäusen auch Fledermäuse, Vögel und andere geschützte Tierarten betroffen sein.
Artenschutz in Franken® setzt sich dafür ein, dass auch die kleinen und häufig übersehenen Säugetiere stärker wahrgenommen werden. Die Hausspitzmaus benötigt keine aufwendig gestaltete künstliche Welt. Sie braucht vielmehr etwas Unordnung, gewachsene Strukturen und ausreichend natürliche Nahrung.
Ein Garten, der Raum für Spitzmäuse lässt, bietet meist auch Laufkäfern, Wildbienen, Schmetterlingen, Igeln und zahlreichen weiteren Arten bessere Lebensbedingungen. Artenschutz beginnt daher nicht immer mit großen Projekten. Manchmal beginnt er mit einem Laubhaufen, einer unverfugten Mauerritze oder der Entscheidung, auf Gift zu verzichten.
Die Hausspitzmaus ist klein, schnell und meist verborgen. Dennoch erfüllt sie eine wichtige ökologische Aufgabe. Wenn wir ihr auch künftig Lebensraum zugestehen, bewahren wir nicht nur eine einzelne Säugetierart, sondern zugleich einen Teil jener biologischen Vielfalt, die unsere Gärten und Kulturlandschaften lebendig macht.
In der Aufnahme von Petra Bucher
- Rascheln in der Dämmerung
Der Tag geht langsam zu Ende. Zwischen einer alten Trockenmauer und dem Rand eines Gartenschuppens beginnt es im trockenen Laub zu rascheln. Für einen kurzen Augenblick erscheint ein kleines, graubraunes Tier. Mit seiner langen, beweglichen Schnauze untersucht es jede Ritze und jeden Spalt. Es hält kaum inne, denn sein kleiner Körper verlangt fast ununterbrochen nach neuer Nahrung.
Plötzlich verschwindet das Tier unter einem Holzstück. Wenig später taucht es an einer anderen Stelle wieder auf. Eine Spinne wird entdeckt, dann eine Käferlarve. Was zunächst wie eine kleine Maus aussieht, ist tatsächlich eine Hausspitzmaus (Crocidura russula).
Für Artenschutz in Franken® steht diese unscheinbare Säugetierart beispielhaft für die vielen kleinen Helfer, die in Gärten, an Gebäuden und in strukturreichen Kulturlandschaften nahezu unbemerkt ihren Aufgaben nachgehen. Die Hausspitzmaus braucht keine große Wildnis. Doch sie benötigt Verstecke, Nahrung und jene kleinen Zwischenräume, die in unserer zunehmend aufgeräumten und versiegelten Umwelt immer seltener werden.
Eine Spitzmaus ist keine Maus
Trotz ihres deutschen Namens gehört die Hausspitzmaus nicht zu den Nagetieren. Sie ist damit weder mit Hausmäusen noch mit Ratten näher verwandt. Gemeinsam mit Maulwürfen und Igeln zählt sie zu einer anderen Säugetiergruppe, die heute als Insektenfresserartige bezeichnet wird.
Der Unterschied zeigt sich bereits am Kopf. Die Hausspitzmaus besitzt eine auffallend lang ausgezogene, sehr bewegliche Schnauze. Mit ihr erkundet sie Spalten, Laubschichten und den Boden. Ihre Augen sind klein, während Geruchs-, Tast- und Hörsinn besonders wichtig sind.
Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt gewöhnlich etwa sechs bis neun Zentimeter. Hinzu kommt ein mehrere Zentimeter langer Schwanz. Das Gewicht liegt meist nur im niedrigen zweistelligen Grammbereich. Damit ist die Hausspitzmaus zwar größer als einige andere heimische Spitzmausarten, bleibt aber dennoch ein ausgesprochen kleines Säugetier.
Das Fell erscheint auf der Oberseite grau- bis rötlichbraun. Die Unterseite ist heller, jedoch meist nicht scharf von der Rückenfärbung abgegrenzt. Am Schwanz fallen zwischen den kurzen Haaren einzelne längere Borsten auf.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal befindet sich im Maul: Die Hausspitzmaus gehört zu den Weißzahnspitzmäusen. Ihre Zähne besitzen nicht die dunkelrot gefärbten Spitzen, die bei den sogenannten Rotzahnspitzmäusen auftreten. Im lebenden Tier ist dieses Merkmal allerdings kaum zu erkennen und sollte niemals Anlass sein, eine Spitzmaus einzufangen.
Ständig auf der Suche nach Nahrung
Hausspitzmäuse haben einen hohen Energiebedarf. Sie sind deshalb während des Tages und der Nacht immer wieder aktiv. Längere Ruhephasen wechseln sich mit intensiven Suchgängen ab. Mit der beweglichen Schnauze und den Tasthaaren untersuchen sie ihre Umgebung.
Auf dem Speiseplan stehen vor allem wirbellose Tiere. Dazu gehören Insekten und deren Larven, Spinnen, Asseln, Würmer, Schnecken und andere kleine Bodenlebewesen. Gelegentlich kann auch größere tierische Nahrung aufgenommen werden. Hausspitzmäuse sind damit wichtige Bestandteile des natürlichen Nahrungsnetzes.
In Gärten werden sie manchmal vorschnell als unerwünschte „Mäuse“ betrachtet. Dabei benagen sie weder Möbel noch Vorräte in der für Nagetiere typischen Weise. Ihr Gebiss und ihre Ernährungsweise sind auf tierische Nahrung ausgerichtet.
Auch die Hausspitzmaus selbst ist eine wichtige Nahrungsquelle. Schleiereulen und andere Eulen, Marderartige, Schlangen sowie verschiedene weitere Beutegreifer können sie erbeuten. Nicht jedes Tier frisst eine gefangene Spitzmaus vollständig, denn ihre Duftdrüsen erzeugen einen intensiven Geruch. Dennoch sind Spitzmäuse ein fester Bestandteil der Nahrungsketten unserer Landschaft.
Leben zwischen Garten, Feldrand und Gebäude
Die Hausspitzmaus bevorzugt vergleichsweise warme, offene oder halboffene Lebensräume. Sie findet sich unter anderem in Gärten, an Hecken, auf Grünland, entlang von Feldrainen, in Weinbergen und auf strukturreichen landwirtschaftlichen Flächen. Auch Trockenmauern, Holzlager, Steinhaufen und Kompostplätze können geeignete Verstecke bieten.
In Mitteleuropa besteht eine enge Verbindung zu menschlichen Siedlungen. Besonders im Herbst können Hausspitzmäuse in Schuppen, Scheunen, Ställe, Keller oder andere Gebäude gelangen. Dort suchen sie Schutz vor Kälte und ein günstiges Nahrungsangebot. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich im Gebäude ein großer Bestand entwickelt. Häufig handelt es sich um einzelne Tiere auf der Suche nach einem geschützten Winterquartier.
Als Ruhe- und Fortpflanzungsplätze dienen Hohlräume unter Steinen, Holzstücken oder Wurzeln ebenso wie verlassene Gänge anderer Kleintiere. Geeignete Nester können mit trockenem Gras, Blättern und anderen weichen Pflanzenteilen ausgepolstert werden.
Eine bemerkenswerte Verhaltensweise zeigt sich bei Spitzmausfamilien: Werden junge Tiere geführt oder muss ein Versteck gewechselt werden, können sie eine sogenannte „Spitzmauskarawane“ bilden. Das erste Jungtier hält sich am Fell beziehungsweise am Schwanzansatz der Mutter fest, die weiteren Jungtiere folgen auf die gleiche Weise. So bewegt sich die Familie wie eine kleine Kette durch die Vegetation.
Verbreitung und Bestandslage
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Hausspitzmaus umfasst große Teile des westlichen und südwestlichen Europas sowie Regionen Nordafrikas. In Deutschland liegt ein bedeutender Teil ihres mitteleuropäischen Vorkommens. Auch aus Bayern sind zahlreiche Nachweise bekannt, wobei die Art nicht gleichmäßig über das gesamte Bundesland verbreitet ist.
In der aktuellen Roten Liste der Säugetiere Deutschlands wird die Hausspitzmaus als ungefährdet eingestuft. Diese Einstufung darf jedoch nicht zu dem Schluss führen, dass ihre Lebensräume keiner Aufmerksamkeit bedürfen. Auch eine gegenwärtig nicht gefährdete Art kann regional unter dem Verlust geeigneter Strukturen leiden.
Aus der Sicht von Artenschutz in Franken® ist es besonders wichtig, nicht erst dann zu handeln, wenn eine Art auf einer Roten Liste weit oben erscheint. Vorsorgender Naturschutz erhält Lebensräume, bevor Bestände stark zurückgehen.
Bedrohungen im unmittelbaren Lebensumfeld
Die Hausspitzmaus gilt als anpassungsfähig. Dennoch ist sie verschiedenen Gefahren ausgesetzt, die häufig unmittelbar mit menschlichen Aktivitäten zusammenhängen.
Ein wesentliches Problem ist der Rückgang von Insekten und anderen wirbellosen Tieren. Werden Insektizide und weitere Pflanzenschutzmittel eingesetzt, können sie das Nahrungsangebot verringern. Auch sterile Schotterflächen und kurz gehaltene Rasenflächen bieten deutlich weniger Beutetiere als strukturreiche Gärten.
Hinzu kommt der Verlust von Verstecken. Alte Mauern werden verfugt, Scheunen abgerissen, Gebäudespalten verschlossen und Holz- oder Steinhaufen entfernt. In vielen Gärten fehlt inzwischen eine bodennahe Kraut- und Laubschicht. Dadurch verschwinden genau jene kleinen Rückzugsräume, auf die Hausspitzmäuse angewiesen sind.
Weitere Gefahren entstehen durch:
- Straßenverkehr und versiegelte Flächen,
- tiefe Schächte, Lichtschächte und offene Behälter,
- Klebefallen, Schlagfallen und Giftköder,
- freilaufende Hauskatzen,
- intensive Bodenbearbeitung,
- das Entfernen von Hecken, Säumen und Feldrainen,
- ungeeignete oder ungesicherte Mähtechnik,
- den Verlust alter, extensiv genutzter Gebäude.
Besonders problematisch ist der Einsatz von Gift gegen vermeintliche „Mäuse“. Hausspitzmäuse können unbeabsichtigt mit Ködern oder belasteten Beutetieren in Kontakt kommen. Zudem drohen Sekundärvergiftungen bei Eulen und anderen Beutegreifern.
Wer eine Spitzmaus im Haus entdeckt, sollte deshalb nicht vorschnell zu Gift oder Fallen greifen. Zunächst gilt es herauszufinden, wie das Tier hineingelangt ist. Zugänge können nach dem Verlassen des Tieres verschlossen und mögliche Nahrungsquellen beseitigt werden. Bei Unsicherheit sollte fachkundiger Rat eingeholt werden.
Die Hausspitzmaus im Klimawandel
Die Hausspitzmaus ist eine eher wärmeliebende Art. Steigende Durchschnittstemperaturen und mildere Winter könnten ihr grundsätzlich ermöglichen, sich in bislang klimatisch ungünstigere Regionen auszubreiten. Tatsächlich wird sie als Art mit einer dynamischen Arealentwicklung betrachtet. Untersuchungen beschäftigen sich bereits mit ihrer Ausbreitung in neue Gebiete.
Damit könnte die Hausspitzmaus auf den ersten Blick zu den möglichen Gewinnerinnen des Klimawandels gehören. Doch diese Betrachtung bleibt unvollständig. Entscheidend ist nicht allein die Temperatur, sondern das gesamte Gefüge ihres Lebensraumes.
Lange Trockenperioden können die Zahl und Erreichbarkeit von Regenwürmern, Schnecken, Insektenlarven und anderen Bodentieren reduzieren. Trocknen Laubschichten und Böden über Wochen aus, verliert die Hausspitzmaus einen Teil ihrer Nahrungsgrundlage. Gleichzeitig kann die Hitze in ungedämmten Dachräumen, Schuppen oder anderen oberirdischen Verstecken extreme Werte erreichen.
Auch milde Winter sind nicht automatisch vorteilhaft. Häufige Wechsel zwischen Wärme, Nässe und Frost können den Energiehaushalt kleiner Säugetiere belasten. Werden die Tiere bei milden Temperaturen aktiver, benötigen sie mehr Nahrung. Fehlt gleichzeitig ein ausreichendes Angebot an Wirbellosen, kann eine energetische Mangelsituation entstehen.
Eine weitere Entwicklung verdient Aufmerksamkeit: Wenn sich die Hausspitzmaus nach Osten oder Norden ausbreitet, kann es zu stärkeren Überschneidungen mit anderen Weißzahnspitzmäusen kommen. Für einzelne Regionen ist dokumentiert, dass die sich ausbreitende Hausspitzmaus mit der kleineren Gartenspitzmaus in Konkurrenz treten und zu deren Verdrängung beitragen kann.
Der Klimawandel schafft somit nicht einfach nur Gewinner und Verlierer. Er verändert Verbreitungsgrenzen, Konkurrenzverhältnisse und ganze Lebensgemeinschaften. Eine Art kann ihr Areal erweitern und dennoch lokal unter Nahrungsmangel, Extremwetter und Lebensraumverlust leiden.
Perspektive für die Hausspitzmaus
Der Schutz der Hausspitzmaus lässt sich bereits mit überschaubaren Maßnahmen fördern. Strukturreiche Gärten, blütenreiche Säume und ein weitgehender Verzicht auf Pestizide sichern die Grundlage für ein vielfältiges Nahrungsangebot.
Hilfreich sind außerdem:
- Laub- und Reisighaufen in ruhigen Gartenbereichen,
- Trockenmauern mit geeigneten Hohlräumen,
- naturnah gestaltete Kompostplätze,
- Hecken mit dichter bodennaher Vegetation,
- unversiegelte Bodenflächen,
- Totholz und alte Wurzelstöcke,
- sichere Ausstiegshilfen in Lichtschächten und Wasserbehältern,
- Durchlässe zwischen benachbarten Grundstücken.
Gebäudesanierungen sollten so geplant werden, dass keine Tiere eingeschlossen oder verletzt werden. Bevor Hohlräume dauerhaft verschlossen werden, ist zu prüfen, ob sie aktuell als Quartier genutzt werden. Dabei können neben Spitzmäusen auch Fledermäuse, Vögel und andere geschützte Tierarten betroffen sein.
Artenschutz in Franken® setzt sich dafür ein, dass auch die kleinen und häufig übersehenen Säugetiere stärker wahrgenommen werden. Die Hausspitzmaus benötigt keine aufwendig gestaltete künstliche Welt. Sie braucht vielmehr etwas Unordnung, gewachsene Strukturen und ausreichend natürliche Nahrung.
Ein Garten, der Raum für Spitzmäuse lässt, bietet meist auch Laufkäfern, Wildbienen, Schmetterlingen, Igeln und zahlreichen weiteren Arten bessere Lebensbedingungen. Artenschutz beginnt daher nicht immer mit großen Projekten. Manchmal beginnt er mit einem Laubhaufen, einer unverfugten Mauerritze oder der Entscheidung, auf Gift zu verzichten.
Die Hausspitzmaus ist klein, schnell und meist verborgen. Dennoch erfüllt sie eine wichtige ökologische Aufgabe. Wenn wir ihr auch künftig Lebensraum zugestehen, bewahren wir nicht nur eine einzelne Säugetierart, sondern zugleich einen Teil jener biologischen Vielfalt, die unsere Gärten und Kulturlandschaften lebendig macht.
In der Aufnahme von Petra Bucher
- Die Hausspitzmaus (Crocidura russula) ist keine Maus, sondern gehört zu den insektenfressenden Säugetieren. Sie bevorzugt auch die Nähe zum Menschen - Die Hausspitzmaus.Ähnlich der Gartenspitzmaus bewohnt diese Art Offenlebensräume die im besten Falle mosaikförmige Strukturen aufweisen. Zu Beginn der kälteren Jahreszeit zieht es die Tiere an/in Bauwerke wo sie nicht immer als gern gesehener Gast in Erscheinung treten.Hausspitzmäuse werden zwischen 6 und 8,5 Zentimter lang
Hausspitzmaus
Gesundheitlicher Hinweis – Vorsicht ohne unbegründete Angst
Spitzmäuse sollten grundsätzlich nicht mit bloßen Händen angefasst werden. In Bayern wird dabei besonders auf das sehr seltene, jedoch gefährliche Borna Disease Virus 1 hingewiesen. Als natürlicher Reservoirwirt wurde bislang die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) identifiziert. Sie kann das Virus über Speichel, Urin und Kot ausscheiden, ohne selbst sichtbar zu erkranken. Für die Hausspitzmaus (Crocidura russula) ist eine entsprechende Rolle als Reservoir nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht belegt. Eine Verwechslung beider Arten ist für Laien allerdings leicht möglich.
Wer eine tote Spitzmaus findet – etwa nachdem sie von einer Katze ins Haus gebracht wurde –, sollte sie niemals mit bloßen Händen aufnehmen. Empfohlen werden Einmalhandschuhe sowie bei möglicher Staubentwicklung eine eng anliegende Maske, möglichst vom Typ FFP2. Das Tier und mögliche Ausscheidungen sollten zunächst mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel angefeuchtet werden, damit kein Staub aufgewirbelt wird. Anschließend kann die Spitzmaus mithilfe einer über die Hand gestülpten Plastiktüte aufgenommen, sicher verpackt und über den Hausmüll entsorgt werden. Danach sind Hände und verwendete Gegenstände gründlich zu reinigen.
Artenschutz in Franken® hält eine sachliche Einordnung für besonders wichtig: Begegnungen mit Spitzmäusen sind kein Anlass zur Panik. Infektionen des Menschen mit BoDV‑1 treten äußerst selten auf. Dennoch ist es richtig, direkten Kontakt mit lebenden oder toten Spitzmäusen sowie mit deren Ausscheidungen zu vermeiden. Vorsicht und Artenschutz schließen sich dabei keineswegs aus – ein respektvoller Abstand schützt Mensch und Tier gleichermaßen.
In der Aufnahme von Petra Bucher
Spitzmäuse sollten grundsätzlich nicht mit bloßen Händen angefasst werden. In Bayern wird dabei besonders auf das sehr seltene, jedoch gefährliche Borna Disease Virus 1 hingewiesen. Als natürlicher Reservoirwirt wurde bislang die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) identifiziert. Sie kann das Virus über Speichel, Urin und Kot ausscheiden, ohne selbst sichtbar zu erkranken. Für die Hausspitzmaus (Crocidura russula) ist eine entsprechende Rolle als Reservoir nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht belegt. Eine Verwechslung beider Arten ist für Laien allerdings leicht möglich.
Wer eine tote Spitzmaus findet – etwa nachdem sie von einer Katze ins Haus gebracht wurde –, sollte sie niemals mit bloßen Händen aufnehmen. Empfohlen werden Einmalhandschuhe sowie bei möglicher Staubentwicklung eine eng anliegende Maske, möglichst vom Typ FFP2. Das Tier und mögliche Ausscheidungen sollten zunächst mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel angefeuchtet werden, damit kein Staub aufgewirbelt wird. Anschließend kann die Spitzmaus mithilfe einer über die Hand gestülpten Plastiktüte aufgenommen, sicher verpackt und über den Hausmüll entsorgt werden. Danach sind Hände und verwendete Gegenstände gründlich zu reinigen.
Artenschutz in Franken® hält eine sachliche Einordnung für besonders wichtig: Begegnungen mit Spitzmäusen sind kein Anlass zur Panik. Infektionen des Menschen mit BoDV‑1 treten äußerst selten auf. Dennoch ist es richtig, direkten Kontakt mit lebenden oder toten Spitzmäusen sowie mit deren Ausscheidungen zu vermeiden. Vorsicht und Artenschutz schließen sich dabei keineswegs aus – ein respektvoller Abstand schützt Mensch und Tier gleichermaßen.
In der Aufnahme von Petra Bucher
- Mit ihrer langen, beweglichen Schnauze sucht die Hausspitzmaus Spalten, Laub und Bodenoberflächen nach Nahrung ab.
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