Orang-Utans (Pongo)
Orang-Utans – wenn der Wald seinen Halt verliert
Eine Geschichte aus dem Kronendach
Der Regen war erst seit wenigen Minuten verstummt. Noch tropfte Wasser von den Blättern, während sich hoch über dem Waldboden ein Orang-Utan-Weibchen langsam durch das dichte Grün bewegte. Dicht an seinen Körper geklammert saß ein Jungtier, das jede Bewegung der Mutter aufmerksam verfolgte.
Die Route war ihr vertraut. Über Jahre hinweg hatte sie gelernt, welcher Baum zu welcher Jahreszeit Früchte trug, wo sich sichere Schlafplätze befanden und welche Äste das Gewicht zweier Tiere tragen konnten. Doch an diesem Morgen endete der gewohnte Weg unvermittelt.
Dort, wo sich früher Baumkronen berührt hatten, öffnete sich eine breite Lücke. Der Wald war verschwunden. Zurückgeblieben waren freigelegter Boden, einzelne Stämme und eine Schneise, die sich wie eine Wunde durch die Landschaft zog. Das Weibchen verharrte. Für einen Orang-Utan ist eine solche Lücke nicht lediglich eine Veränderung des Landschaftsbildes. Sie kann darüber entscheiden, ob Nahrung erreichbar bleibt, ob ein benachbartes Waldgebiet noch aufgesucht werden kann und ob Mutter und Jungtier einen sicheren Weg finden.
Schließlich wandte sich das Tier ab und verschwand wieder im verbliebenen Grün. Doch der Wald, in den es zurückkehrte, war kleiner geworden.
Für Artenschutz in Franken® steht eine solche Szene sinnbildlich für eine Entwicklung, die weit über das Schicksal eines einzelnen Tieres hinausreicht: Wo zusammenhängende Lebensräume zerbrechen, verliert die biologische Vielfalt ihre tragenden Strukturen.
Wer sind die Orang-Utans?
Orang-Utans gehören zu den Menschenaffen und bilden die Gattung Pongo. Heute werden drei Arten unterschieden:
Alle drei Arten gelten als vom Aussterben bedroht. Ihre natürlichen Vorkommen sind auf die südostasiatischen Inseln Borneo und Sumatra beschränkt.
Mit ihrem rötlich braunen Fell, den außerordentlich kräftigen Armen und den beweglichen Händen und Füßen sind Orang-Utans hervorragend an das Leben in den Baumkronen angepasst. Sie verbringen einen großen Teil ihres Lebens über dem Waldboden. Dort suchen sie nach Nahrung, ruhen und errichten aus Ästen und belaubten Zweigen ihre Schlafnester.
Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Früchten. Ergänzt wird sie durch Blätter, junge Pflanzentriebe, Rinde, Blüten, Samen, Honig und Insekten. Indem Orang-Utans Früchte aufnehmen und Samen über größere Entfernungen verbreiten, tragen sie zur natürlichen Erneuerung des Regenwaldes bei. Sie sind damit nicht nur Bewohner ihres Lebensraums, sondern wirken aktiv an seiner Entwicklung mit.
Erwachsene Tiere leben häufig weniger eng in Gruppen zusammen als andere Menschenaffen. Weibchen sind jedoch über viele Jahre mit ihrem Nachwuchs unterwegs. In dieser langen gemeinsamen Zeit lernt das Jungtier, welche Pflanzen als Nahrung dienen, wann bestimmte Bäume Früchte tragen und wie es sich sicher durch das Kronendach bewegt.
Gerade diese enge und langjährige Bindung macht deutlich, wie empfindlich Orang-Utan-Populationen auf Verluste reagieren. Weibchen bringen meist nur ein einzelnes Jungtier zur Welt; zwischen zwei Geburten können viele Jahre liegen. Geht ein erwachsenes Weibchen verloren, lässt sich dieser Verlust deshalb nicht innerhalb weniger Jahre ausgleichen.
Bei ausgewachsenen Männchen können sich auffällige Wangenwülste und ein vergrößerter Kehlsack entwickeln. Ihre weithin hörbaren Rufe dienen unter anderem dazu, Weibchen auf sich aufmerksam zu machen und anderen Männchen die eigene Anwesenheit anzuzeigen.
Ein Leben, das an Bäumen hängt
Orang-Utans benötigen keine beliebige Ansammlung von Bäumen. Sie brauchen strukturreiche, zusammenhängende Wälder mit einem vielfältigen und über das Jahr verteilten Nahrungsangebot.
Wird ein Wald durch Straßen, Plantagen, Bergbauflächen oder Siedlungen zerschnitten, bleiben häufig nur voneinander getrennte Waldinseln zurück. Ein solches Fragment mag aus menschlicher Perspektive noch immer grün erscheinen. Für einen Orang-Utan kann es dennoch zu klein sein, um dauerhaft ausreichend Nahrung, Schutz und Fortpflanzungsmöglichkeiten zu bieten.
Besonders kritisch sind Lücken im Kronendach. Sie können die Tiere dazu zwingen, auf den Boden auszuweichen. Dort steigt das Risiko, auf Menschen zu treffen, Straßen überqueren zu müssen oder in Konflikte mit landwirtschaftlichen Nutzungen zu geraten.
Artenschutz in Franken® weist seit vielen Jahren darauf hin, dass die bloße Existenz einzelner Restflächen noch keinen funktionierenden Lebensraum ergibt. Diese Erkenntnis gilt für einen fränkischen Biotopverbund ebenso wie für die Regenwälder Südostasiens: Lebensräume müssen ausreichend groß, ökologisch wertvoll und miteinander verbunden sein.
Der Klimawandel als zusätzlicher Belastungsfaktor
Der Klimawandel ist nicht die einzige Ursache für die Bedrohung der Orang-Utans. Er trifft jedoch auf Lebensräume, die vielerorts bereits geschädigt, entwässert oder stark zerschnitten sind.
Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsverläufe und längere Trockenphasen können die Zusammensetzung der Wälder und das zeitliche Angebot an Früchten beeinflussen. Für Tiere, deren Fortpflanzung und körperliche Verfassung eng mit der Verfügbarkeit energiereicher Nahrung verbunden sind, können solche Veränderungen weitreichende Folgen haben.
Besonders gefährlich ist die Verbindung aus Trockenheit, entwässerten Torfböden und Feuer. Brennende Torf- und Regenwälder zerstören nicht nur unmittelbar Lebensräume. Rauch, Hitze und Nahrungsmangel können auch Tiere in vermeintlich noch vorhandenen Waldgebieten gefährden. Fachberichte warnen deshalb ausdrücklich vor den sich gegenseitig verstärkenden Folgen von Landnutzungsänderungen und Klimawandel für die Orang-Utan-Lebensräume.
Gleichzeitig können Starkregenereignisse, Überschwemmungen und Hangrutschungen geschwächte oder freigelegte Waldlandschaften zusätzlich verändern. Ein intakter Wald kann klimatische Extreme nicht vollständig verhindern. Er kann Wasser jedoch besser aufnehmen, Böden stabilisieren, Feuchtigkeit speichern und örtliche Temperaturspitzen abmildern.
Waldschutz ist deshalb immer auch Klimaschutz – und umgekehrt.
Die Bedrohung hat viele Gesichter
Die größte Gefahr für Orang-Utans bleibt der Verlust und die Verschlechterung ihrer natürlichen Lebensräume. Regenwälder werden eingeschlagen, durch Straßen erschlossen oder in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt. Dazu zählen insbesondere nicht nachhaltig angelegte Ölpalmen- und Holzplantagen. Auch Bergbau, Siedlungsentwicklung und weitere Infrastrukturprojekte können bislang zusammenhängende Waldgebiete zerschneiden.
Dabei ist eine differenzierte Betrachtung wichtig: Nicht die Pflanze Ölpalme ist das Problem, sondern eine Produktion, für die wertvolle Wälder und Torfböden zerstört werden. Entscheidend sind nachvollziehbare, entwaldungsfreie Lieferketten, wirksame Kontrollen und der dauerhafte Schutz ökologisch bedeutender Flächen.
Weitere Gefährdungen entstehen durch:
Wird ein Jungtier illegal gefangen, ist häufig davon auszugehen, dass seine Mutter zuvor getötet wurde. Hinter einem einzelnen beschlagnahmten Tier kann sich daher ein weit größeres Leid verbergen, als auf den ersten Blick erkennbar ist.
Schutz braucht mehr als Rettungsstationen
Auffang- und Rehabilitationsstationen leisten eine unverzichtbare Arbeit. Sie versorgen verletzte Tiere und verwaiste Jungtiere und bereiten geeignete Orang-Utans, wenn möglich, auf eine Rückkehr in die Natur vor.
Doch eine Auswilderung kann nur gelingen, wenn ausreichend große und dauerhaft geschützte Lebensräume vorhanden sind. Ohne intakte Wälder wird eine Rettungsstation schnell zum letzten Zufluchtsort, während die eigentliche Ursache der Bedrohung fortbesteht.
Nach Auffassung von Artenschutz in Franken® muss wirksamer Orang-Utan-Schutz deshalb mehrere Ebenen miteinander verbinden:
Artenschutz darf dabei nicht gegen die Menschen vor Ort organisiert werden. Dauerhafte Erfolge entstehen nur dort, wo Naturschutz, soziale Sicherheit, Landrechte und wirtschaftliche Perspektiven gemeinsam betrachtet werden.
Was haben Orang-Utans mit uns zu tun?
Borneo und Sumatra liegen weit von Franken entfernt. Die wirtschaftlichen Verbindungen reichen jedoch bis in unseren Alltag. Rohstoffe aus tropischen Regionen finden sich in Lebensmitteln, Kosmetik, Waschmitteln, Futtermitteln, Papier, Holzprodukten und zahlreichen weiteren Waren.
Unsere Verantwortung besteht deshalb nicht allein darin, Betroffenheit zu zeigen. Sie beginnt bei bewussten Kaufentscheidungen, bei der Nachfrage nach nachvollziehbarer Herkunft und bei der Unterstützung glaubwürdiger Schutzprojekte. Ein pauschaler Verzicht ist dabei nicht immer die wirksamste Lösung. Entscheidend ist, ob Produkte ohne weitere Zerstörung natürlicher Wälder erzeugt wurden.
Auch die Weitergabe von Wissen ist ein Beitrag. Wer versteht, weshalb ein geschlossenes Kronendach, ein Torfmoor oder ein einzelner fruchttragender Baum für das Überleben eines Orang-Utans wichtig sein kann, betrachtet Konsum und Flächennutzung mit anderen Augen.
Die Perspektive der Orang-Utans
Die Zukunft der Orang-Utans entscheidet sich nicht erst dann, wenn nur noch wenige Tiere vorhanden sind. Sie entscheidet sich bei jeder Straße durch einen bislang geschlossenen Wald, bei jedem entwässerten Torfboden und bei jeder Waldfläche, die dauerhaft unter Schutz gestellt wird.
Noch bestehen Gebiete, in denen Orang-Utans in freier Natur leben, ihre Jungtiere aufziehen und ihr über Generationen weitergegebenes Wissen bewahren können. Doch diese Wälder dürfen nicht als frei verfügbare Reserveflächen betrachtet werden. Sie sind gewachsene Lebensgemeinschaften und zugleich Klimaspeicher, Wasserrückhalter und Rückzugsräume für unzählige weitere Arten.
Für Artenschutz in Franken® steht fest: Das Überleben der Orang-Utans wird nicht allein durch die Rettung einzelner Tiere gesichert. Es hängt vor allem davon ab, ob wir bereit sind, ihren Lebensraum als unersetzlich anzuerkennen.
In der Darstellung - Hinweis:Illustrative KI‑Bearbeitung – Darstellung entspricht nicht vollständig der ursprünglichen Aufnahmesituation - Hintergrund wurde verändert.
- Die „Menschen des Waldes“ zwischen schwindenden Baumkronen, Klimawandel und menschlicher Verantwortung
Eine Geschichte aus dem Kronendach
Der Regen war erst seit wenigen Minuten verstummt. Noch tropfte Wasser von den Blättern, während sich hoch über dem Waldboden ein Orang-Utan-Weibchen langsam durch das dichte Grün bewegte. Dicht an seinen Körper geklammert saß ein Jungtier, das jede Bewegung der Mutter aufmerksam verfolgte.
Die Route war ihr vertraut. Über Jahre hinweg hatte sie gelernt, welcher Baum zu welcher Jahreszeit Früchte trug, wo sich sichere Schlafplätze befanden und welche Äste das Gewicht zweier Tiere tragen konnten. Doch an diesem Morgen endete der gewohnte Weg unvermittelt.
Dort, wo sich früher Baumkronen berührt hatten, öffnete sich eine breite Lücke. Der Wald war verschwunden. Zurückgeblieben waren freigelegter Boden, einzelne Stämme und eine Schneise, die sich wie eine Wunde durch die Landschaft zog. Das Weibchen verharrte. Für einen Orang-Utan ist eine solche Lücke nicht lediglich eine Veränderung des Landschaftsbildes. Sie kann darüber entscheiden, ob Nahrung erreichbar bleibt, ob ein benachbartes Waldgebiet noch aufgesucht werden kann und ob Mutter und Jungtier einen sicheren Weg finden.
Schließlich wandte sich das Tier ab und verschwand wieder im verbliebenen Grün. Doch der Wald, in den es zurückkehrte, war kleiner geworden.
Für Artenschutz in Franken® steht eine solche Szene sinnbildlich für eine Entwicklung, die weit über das Schicksal eines einzelnen Tieres hinausreicht: Wo zusammenhängende Lebensräume zerbrechen, verliert die biologische Vielfalt ihre tragenden Strukturen.
Wer sind die Orang-Utans?
Orang-Utans gehören zu den Menschenaffen und bilden die Gattung Pongo. Heute werden drei Arten unterschieden:
- Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus)
- Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii)
- Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis)
Alle drei Arten gelten als vom Aussterben bedroht. Ihre natürlichen Vorkommen sind auf die südostasiatischen Inseln Borneo und Sumatra beschränkt.
Mit ihrem rötlich braunen Fell, den außerordentlich kräftigen Armen und den beweglichen Händen und Füßen sind Orang-Utans hervorragend an das Leben in den Baumkronen angepasst. Sie verbringen einen großen Teil ihres Lebens über dem Waldboden. Dort suchen sie nach Nahrung, ruhen und errichten aus Ästen und belaubten Zweigen ihre Schlafnester.
Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Früchten. Ergänzt wird sie durch Blätter, junge Pflanzentriebe, Rinde, Blüten, Samen, Honig und Insekten. Indem Orang-Utans Früchte aufnehmen und Samen über größere Entfernungen verbreiten, tragen sie zur natürlichen Erneuerung des Regenwaldes bei. Sie sind damit nicht nur Bewohner ihres Lebensraums, sondern wirken aktiv an seiner Entwicklung mit.
Erwachsene Tiere leben häufig weniger eng in Gruppen zusammen als andere Menschenaffen. Weibchen sind jedoch über viele Jahre mit ihrem Nachwuchs unterwegs. In dieser langen gemeinsamen Zeit lernt das Jungtier, welche Pflanzen als Nahrung dienen, wann bestimmte Bäume Früchte tragen und wie es sich sicher durch das Kronendach bewegt.
Gerade diese enge und langjährige Bindung macht deutlich, wie empfindlich Orang-Utan-Populationen auf Verluste reagieren. Weibchen bringen meist nur ein einzelnes Jungtier zur Welt; zwischen zwei Geburten können viele Jahre liegen. Geht ein erwachsenes Weibchen verloren, lässt sich dieser Verlust deshalb nicht innerhalb weniger Jahre ausgleichen.
Bei ausgewachsenen Männchen können sich auffällige Wangenwülste und ein vergrößerter Kehlsack entwickeln. Ihre weithin hörbaren Rufe dienen unter anderem dazu, Weibchen auf sich aufmerksam zu machen und anderen Männchen die eigene Anwesenheit anzuzeigen.
Ein Leben, das an Bäumen hängt
Orang-Utans benötigen keine beliebige Ansammlung von Bäumen. Sie brauchen strukturreiche, zusammenhängende Wälder mit einem vielfältigen und über das Jahr verteilten Nahrungsangebot.
Wird ein Wald durch Straßen, Plantagen, Bergbauflächen oder Siedlungen zerschnitten, bleiben häufig nur voneinander getrennte Waldinseln zurück. Ein solches Fragment mag aus menschlicher Perspektive noch immer grün erscheinen. Für einen Orang-Utan kann es dennoch zu klein sein, um dauerhaft ausreichend Nahrung, Schutz und Fortpflanzungsmöglichkeiten zu bieten.
Besonders kritisch sind Lücken im Kronendach. Sie können die Tiere dazu zwingen, auf den Boden auszuweichen. Dort steigt das Risiko, auf Menschen zu treffen, Straßen überqueren zu müssen oder in Konflikte mit landwirtschaftlichen Nutzungen zu geraten.
Artenschutz in Franken® weist seit vielen Jahren darauf hin, dass die bloße Existenz einzelner Restflächen noch keinen funktionierenden Lebensraum ergibt. Diese Erkenntnis gilt für einen fränkischen Biotopverbund ebenso wie für die Regenwälder Südostasiens: Lebensräume müssen ausreichend groß, ökologisch wertvoll und miteinander verbunden sein.
Der Klimawandel als zusätzlicher Belastungsfaktor
Der Klimawandel ist nicht die einzige Ursache für die Bedrohung der Orang-Utans. Er trifft jedoch auf Lebensräume, die vielerorts bereits geschädigt, entwässert oder stark zerschnitten sind.
Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsverläufe und längere Trockenphasen können die Zusammensetzung der Wälder und das zeitliche Angebot an Früchten beeinflussen. Für Tiere, deren Fortpflanzung und körperliche Verfassung eng mit der Verfügbarkeit energiereicher Nahrung verbunden sind, können solche Veränderungen weitreichende Folgen haben.
Besonders gefährlich ist die Verbindung aus Trockenheit, entwässerten Torfböden und Feuer. Brennende Torf- und Regenwälder zerstören nicht nur unmittelbar Lebensräume. Rauch, Hitze und Nahrungsmangel können auch Tiere in vermeintlich noch vorhandenen Waldgebieten gefährden. Fachberichte warnen deshalb ausdrücklich vor den sich gegenseitig verstärkenden Folgen von Landnutzungsänderungen und Klimawandel für die Orang-Utan-Lebensräume.
Gleichzeitig können Starkregenereignisse, Überschwemmungen und Hangrutschungen geschwächte oder freigelegte Waldlandschaften zusätzlich verändern. Ein intakter Wald kann klimatische Extreme nicht vollständig verhindern. Er kann Wasser jedoch besser aufnehmen, Böden stabilisieren, Feuchtigkeit speichern und örtliche Temperaturspitzen abmildern.
Waldschutz ist deshalb immer auch Klimaschutz – und umgekehrt.
Die Bedrohung hat viele Gesichter
Die größte Gefahr für Orang-Utans bleibt der Verlust und die Verschlechterung ihrer natürlichen Lebensräume. Regenwälder werden eingeschlagen, durch Straßen erschlossen oder in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt. Dazu zählen insbesondere nicht nachhaltig angelegte Ölpalmen- und Holzplantagen. Auch Bergbau, Siedlungsentwicklung und weitere Infrastrukturprojekte können bislang zusammenhängende Waldgebiete zerschneiden.
Dabei ist eine differenzierte Betrachtung wichtig: Nicht die Pflanze Ölpalme ist das Problem, sondern eine Produktion, für die wertvolle Wälder und Torfböden zerstört werden. Entscheidend sind nachvollziehbare, entwaldungsfreie Lieferketten, wirksame Kontrollen und der dauerhafte Schutz ökologisch bedeutender Flächen.
Weitere Gefährdungen entstehen durch:
- illegale Jagd und Tötung bei Mensch-Tier-Konflikten,
- den illegalen Handel mit Jungtieren,
- Wald- und Torfbrände,
- Holzeinschlag und Bergbau,
- Straßenbau und die Erschließung bislang abgelegener Waldgebiete,
- die Isolation kleiner Teilpopulationen,
- den Verlust fruchttragender Bäume und sicherer Schlafplätze.
Wird ein Jungtier illegal gefangen, ist häufig davon auszugehen, dass seine Mutter zuvor getötet wurde. Hinter einem einzelnen beschlagnahmten Tier kann sich daher ein weit größeres Leid verbergen, als auf den ersten Blick erkennbar ist.
Schutz braucht mehr als Rettungsstationen
Auffang- und Rehabilitationsstationen leisten eine unverzichtbare Arbeit. Sie versorgen verletzte Tiere und verwaiste Jungtiere und bereiten geeignete Orang-Utans, wenn möglich, auf eine Rückkehr in die Natur vor.
Doch eine Auswilderung kann nur gelingen, wenn ausreichend große und dauerhaft geschützte Lebensräume vorhanden sind. Ohne intakte Wälder wird eine Rettungsstation schnell zum letzten Zufluchtsort, während die eigentliche Ursache der Bedrohung fortbesteht.
Nach Auffassung von Artenschutz in Franken® muss wirksamer Orang-Utan-Schutz deshalb mehrere Ebenen miteinander verbinden:
- bestehende Primär- und Torfwälder konsequent bewahren,
- Waldkorridore zwischen isolierten Lebensräumen sichern,
- geschädigte Flächen mit standortgerechten Baumarten entwickeln,
- Feuer frühzeitig verhindern und entwässerte Torfböden wiedervernässen,
- Wilderei und illegalen Tierhandel wirksam verfolgen,
- die örtliche Bevölkerung partnerschaftlich einbeziehen,
- naturverträgliche Einkommensmöglichkeiten fördern,
- Lieferketten transparent und entwaldungsfrei gestalten,
- langfristige Forschung und Bestandskontrollen unterstützen.
Artenschutz darf dabei nicht gegen die Menschen vor Ort organisiert werden. Dauerhafte Erfolge entstehen nur dort, wo Naturschutz, soziale Sicherheit, Landrechte und wirtschaftliche Perspektiven gemeinsam betrachtet werden.
Was haben Orang-Utans mit uns zu tun?
Borneo und Sumatra liegen weit von Franken entfernt. Die wirtschaftlichen Verbindungen reichen jedoch bis in unseren Alltag. Rohstoffe aus tropischen Regionen finden sich in Lebensmitteln, Kosmetik, Waschmitteln, Futtermitteln, Papier, Holzprodukten und zahlreichen weiteren Waren.
Unsere Verantwortung besteht deshalb nicht allein darin, Betroffenheit zu zeigen. Sie beginnt bei bewussten Kaufentscheidungen, bei der Nachfrage nach nachvollziehbarer Herkunft und bei der Unterstützung glaubwürdiger Schutzprojekte. Ein pauschaler Verzicht ist dabei nicht immer die wirksamste Lösung. Entscheidend ist, ob Produkte ohne weitere Zerstörung natürlicher Wälder erzeugt wurden.
Auch die Weitergabe von Wissen ist ein Beitrag. Wer versteht, weshalb ein geschlossenes Kronendach, ein Torfmoor oder ein einzelner fruchttragender Baum für das Überleben eines Orang-Utans wichtig sein kann, betrachtet Konsum und Flächennutzung mit anderen Augen.
Die Perspektive der Orang-Utans
Die Zukunft der Orang-Utans entscheidet sich nicht erst dann, wenn nur noch wenige Tiere vorhanden sind. Sie entscheidet sich bei jeder Straße durch einen bislang geschlossenen Wald, bei jedem entwässerten Torfboden und bei jeder Waldfläche, die dauerhaft unter Schutz gestellt wird.
Noch bestehen Gebiete, in denen Orang-Utans in freier Natur leben, ihre Jungtiere aufziehen und ihr über Generationen weitergegebenes Wissen bewahren können. Doch diese Wälder dürfen nicht als frei verfügbare Reserveflächen betrachtet werden. Sie sind gewachsene Lebensgemeinschaften und zugleich Klimaspeicher, Wasserrückhalter und Rückzugsräume für unzählige weitere Arten.
Für Artenschutz in Franken® steht fest: Das Überleben der Orang-Utans wird nicht allein durch die Rettung einzelner Tiere gesichert. Es hängt vor allem davon ab, ob wir bereit sind, ihren Lebensraum als unersetzlich anzuerkennen.
In der Darstellung - Hinweis:Illustrative KI‑Bearbeitung – Darstellung entspricht nicht vollständig der ursprünglichen Aufnahmesituation - Hintergrund wurde verändert.
- Der Blick eines Orang-Utans berührt uns, weil wir darin Ruhe, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar etwas Vertrautes erkennen. Doch Mitgefühl allein wird nicht genügen. Es muss sich in verantwortungsvolles Handeln verwandeln.Damit das Weibchen aus unserer Geschichte eines Tages nicht vor der letzten Baumkrone seines Waldes steht.
Aktueller Ordner:
Säugetiere
Parallele Themen:
Amurleopard
Auerochse
Axishirsch
Banteng
Baummarder
Berberaffe
Biber
Bisam
Braunbär
Dachs
Dammwild
Eichhörnchen
Eisbär
Elch
Erdmännchen
Erdmaus
Feldhamster
Feldhase
Feldmaus
Fischotter
Flusspferd (Hippopotamus amphibius)
Frettchen
Fuchs
Fuchs-Bau
Gämse
Galloway
Gartenspitzmaus (Crocidura suaveolens)
Gelbhalsmaus
Gepard
Goldschakal
Gorilla
Graurötelmaus
Haselmaus
Hausmaus westliche
Hausratte
Hermelin
Igel
Iltis Europäischer
Kammfinger
Kaukasus-Leopard
Kegelrobbe
Kleiner Panda
Kurzohr - Rüsselspringer
Löwe
Lemming
Luchs
Marderhund
Maulwurf
Mauswiesel
Mongolische Rennmaus ( Neozon )
Moschusochse
Mufflon
Murmeltier
Nashörner und WWF
Nutria
Orang-Utans
Ostseeschweinswal
Polarfuchs
Przewalski-Pferde
Rötelmaus
Reh
Reh Albino
Rentier
Rothirsch
Schermaus
Schneehase
Schneeziege
Seehund
Siebenschläfer
Sika
Spitzmäuse
Steinbock
Steinmarder
Waldbirkenmaus
Waldmaus
Waldspitzmaus
Wanderratte
Waschbär
Wasserbüffel
Weißkopfsaki
Wiesel
Wildkaninchen
Wildkatze
Wildpferde
Wildschwein
Wisent
Wolf
Ziege
Ziesel
Zwergmaus















