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Der Wolf gehört zu unserer Natur
Bild zum Eintrag (1144999-160)
Der Wolf gehört zu unserer Natur

  • Warum wir uns gegen eine pauschale Wolfsjagd aussprechen

"Nicht der Wolf ist in unsere Welt zurückgekehrt – vielmehr kehrt unsere Natur ein Stück weit zu sich selbst zurück."

Als der Wald wieder vollständig wurde

Es ist kurz vor Sonnenaufgang. Der Wald liegt still unter einem feinen Schleier aus Nebel. Zwischen alten Buchen zeichnet sich für einen kurzen Augenblick die Silhouette eines Wolfes ab. Er bleibt stehen, hebt den Kopf und prüft die Luft. Kein Laut ist zu hören. Dann verschwindet er lautlos zwischen Farnen und jungen Bäumen. Nur wenige Menschen werden diesen Augenblick jemals erleben. Der Wolf lebt verborgen. Er meidet den Menschen und bewegt sich meist nachts oder in den frühen Morgenstunden durch sein Revier.

Und dennoch bewegt kaum ein anderes Wildtier die öffentliche Diskussion so sehr wie er.

Für die einen ist der Wolf ein Symbol unberührter Natur. Für andere steht er für Unsicherheit oder wirtschaftliche Sorgen. Zwischen diesen Positionen stehen wissenschaftliche Erkenntnisse, jahrzehntelange Erfahrungen aus vielen europäischen Ländern und die Aufgabe, Lösungen zu finden, die sowohl den Artenschutz als auch die berechtigten Interessen der Menschen berücksichtigen. Als Naturschutzorganisation sprechen wir uns deshalb gegen eine pauschale Bejagung des Wolfs aus. Nicht aus Ideologie, sondern weil wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass dauerhafter Artenschutz, wirksamer Herdenschutz und ein verantwortungsvolles Wildtiermanagement langfristig erfolgreicher sind als eine allgemeine Jagd auf diese streng geschützte Tierart.

Der Wolf – ein heimischer Europäer

Der Wolf (Canis lupus) gehört seit Hunderttausenden von Jahren zur europäischen Tierwelt. Lange bevor der Mensch begann, Wälder zu roden oder Städte zu errichten, durchstreiften Wolfsrudel die Landschaften unseres Kontinents. Erst über viele Jahrhunderte hinweg wurde der Wolf nahezu vollständig ausgerottet. Intensive Bejagung, Fangprämien und Lebensraumverluste führten dazu, dass die Art in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschwand. Erst durch europaweite Schutzmaßnahmen und internationale Naturschutzabkommen konnte sich die Population langsam erholen. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts besiedeln Wölfe wieder Teile Deutschlands – nicht weil sie ausgesetzt wurden, sondern weil sie auf natürlichem Weg aus benachbarten Populationen zurückgewandert sind.

Die Rückkehr des Wolfs zählt heute zu den bedeutendsten Erfolgen des europäischen Artenschutzes.

Warum der Wolf für unsere Natur wichtig ist

In jedem funktionierenden Ökosystem erfüllen Beutegreifer eine wichtige Aufgabe. Der Wolf bildet dabei die Spitze einer natürlichen Nahrungskette. Seine Hauptbeute besteht überwiegend aus wildlebenden Huftieren wie Rehen, Rothirschen und Wildschweinen. Dabei bevorzugt er häufig junge, kranke oder geschwächte Tiere. Dies trägt zur natürlichen Regulation der Wildbestände bei. Durch seine Anwesenheit verändert sich außerdem das Verhalten vieler Wildtiere. Rehe und Hirsche verweilen seltener dauerhaft an denselben Stellen. Dadurch erhalten junge Waldbäume bessere Chancen, heranzuwachsen. Wälder können sich vielfältiger entwickeln, was wiederum zahlreichen Vogel-, Insekten- und Pflanzenarten zugutekommt.

Ökologen sprechen hierbei von sogenannten trophischen Wechselwirkungen – einem Zusammenspiel innerhalb des Ökosystems, bei dem das Vorhandensein eines Spitzenprädators weitreichende Auswirkungen auf viele andere Arten haben kann.

Der Wolf schützt den Wald also nicht direkt – aber er trägt dazu bei, dass natürliche Prozesse wieder besser funktionieren können.

Der Wolf und der Mensch


Wölfe gehören zu den scheuesten großen Säugetieren Europas. Sie meiden vielfach den direkten Kontakt mit Menschen und verlassen ihre Verstecke meist lange bevor ein Spaziergänger ihre Nähe bemerkt. Die meisten Menschen werden niemals einen freilebenden Wolf sehen.Das Bild des gefährlichen Wolfs stammt überwiegend aus historischen Überlieferungen, Märchen und einer Zeit, in der Tollwut weit verbreitet war. Heute zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass frei lebende Wölfe in Mitteleuropa dem Menschen gegenüber grundsätzlich vorsichtig reagieren.

Ein respektvoller Abstand bleibt dennoch selbstverständlich wichtig – so wie bei jedem Wildtier.

Herdenschutz statt Abschuss

  • Die Rückkehr des Wolfs bringt Herausforderungen mit sich.

Besonders Weidetierhalter können von Wolfsrissen betroffen sein. Für die betroffenen Betriebe bedeuten solche Ereignisse oft nicht nur wirtschaftliche Verluste, sondern auch eine erhebliche emotionale Belastung. Diese Sorgen verdienen Anerkennung und Unterstützung.Gerade deshalb setzen wir auf Lösungen, die langfristig wirken. Erfahrungen aus Deutschland, Italien, Frankreich oder Spanien zeigen, dass professioneller Herdenschutz das Risiko von Wolfsübergriffen deutlich senken kann.

Dazu gehören:

  • ausreichend hohe Elektrozäune,
  • wolfssichere Festzäune,
  • fachgerecht ausgebildete Herdenschutzhunde,
  • Nachtpferche bei gefährdeten Herden,
  • regelmäßige Zaunkontrollen,
  • Beratung der Tierhalter,
  • schnelle und unbürokratische Entschädigungen.

Ein wirksamer Herdenschutz schützt nicht nur Nutztiere – er verhindert zugleich Konflikte zwischen Mensch und Wolf.

Wir selbst haben bereits vor rund 10 Jahren Lösungen aufgezeigt wie die Vergrämung von Wölfen effektiv funktionieren kann. Dieser Lösungsansatz wurde jedoch von keinem Akteur aufgegriffen! Und nun finden seit geraumer Zeit Ansätze statt die hätten bereits viel früher hätten greifen sollen. 

Warum wir eine pauschale Wolfsjagd ablehnen

Immer wieder wird gefordert, den Wolf stärker zu bejagen. Aus naturschutzfachlicher Sicht sprechen jedoch mehrere Gründe gegen eine allgemeine Wolfsjagd. Wölfe leben in stabilen Familienverbänden. Erfahrene Elterntiere führen ihre Jungen über viele Monate und vermitteln ihnen erfolgreiches Jagdverhalten.Werden diese Rudelstrukturen zerstört, können junge, unerfahrene Tiere häufiger auf leichter erreichbare Beutetiere ausweichen.

Zudem werden frei werdende Reviere oftmals rasch von anderen Wölfen besetzt. Eine dauerhafte Verringerung der Population wird dadurch häufig nicht erreicht. Eine pauschale Bejagung löst daher viele Konflikte nicht dauerhaft. Stattdessen sollten Maßnahmen gefördert werden, die nachweislich präventiv wirken und sowohl dem Artenschutz als auch der Weidetierhaltung dienen.

Der Wolf im Zeichen des Klimawandels

Auch der Wolf bleibt von den Folgen des Klimawandels nicht unberührt.

Längere Trockenperioden verändern Wälder und Offenlandschaften. Wildtiere passen ihre Wanderungen an, Wasserstellen trocknen aus und die Verteilung geeigneter Lebensräume verändert sich. Hinzu kommt die zunehmende Zerschneidung der Landschaft durch Straßen, Gewerbegebiete und Siedlungen. Für wandernde Jungwölfe bedeutet dies ein höheres Risiko, bei Straßenquerungen ums Leben zu kommen.

Naturschutz bedeutet deshalb heute mehr denn je, Lebensräume miteinander zu vernetzen und Wildtierkorridore zu erhalten. Davon profitieren nicht nur Wölfe, sondern Luchse, Wildkatzen, Fischotter und viele weitere Tierarten.

Verantwortung statt Polarisierung

Die Diskussion um den Wolf wird häufig sehr emotional geführt. Dabei stehen sich oftmals scheinbar unvereinbare Positionen gegenüber. Wir sind überzeugt, dass dauerhafte Lösungen nur gelingen können, wenn Naturschutz, Landwirtschaft, Jagd, Wissenschaft und Politik gemeinsam handeln.

Konflikte dürfen weder verharmlost noch dramatisiert werden.

  • Sie müssen sachlich bewertet und auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse gelöst werden.

Unsere Haltung

  • Wir setzen uns für den Schutz des Wolfs als heimische Wildtierart ein.

Wir befürworten:


  • einen wissenschaftlich fundierten Umgang mit dem Wolf,
  • wirksamen Herdenschutz,
  • faire Unterstützung der Weidetierhalter,
  • den Erhalt zusammenhängender Lebensräume,
  • unabhängige Forschung,
  • langfristiges Monitoring der Population,
  • Aufklärung statt Angstmache,
  • den Schutz der biologischen Vielfalt.

Wir lehnen eine pauschale Wolfsjagd ab, weil sie nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand keine nachhaltige Lösung für die bestehenden Herausforderungen darstellt.

Der Schutz des Wolfs ist kein Selbstzweck.


Er ist Ausdruck unseres verantwortungsvollen Umgangs mit einer Tierart, die seit Jahrtausenden Teil unserer heimischen Natur ist und eine wichtige Rolle für funktionierende Ökosysteme spielt.

Unsere Vision

Wir wünschen uns eine Zukunft, in der Menschen, Weidetiere und Wölfe in einer vielfältigen Kulturlandschaft miteinander leben können. Eine Zukunft, in der Konflikte nicht mit Angst oder pauschalen Forderungen beantwortet werden, sondern mit Wissen, Respekt und Verantwortung. Denn der Wolf ist weit mehr als ein Wildtier.

Er ist ein Symbol dafür, dass Naturschutz funktionieren kann.

Seine Rückkehr erinnert uns daran, dass wir die Fähigkeit besitzen, verlorene Arten wieder in unsere Landschaften zu integrieren – wenn wir bereit sind, Natur als gemeinsamen Lebensraum zu begreifen.Der Wolf gehört nicht nur in unsere Wälder.

Er gehört zu unserem natürlichen Erbe.


Artenschutz in Franken
Stand 09.07.2026
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