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2025-10
Der Bartgeier – Rückkehr eines verlorenen Königs der Alpen
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Der Bartgeier – Rückkehr eines verlorenen Königs der Alpen

14/15.10.2025

  • Eine Geschichte von Ausrottung und Hoffnung

Vor kaum mehr als hundert Jahren galt der Bartgeier in Bayern
als gefährlicher Räuber. In den Augen der Menschen jener Zeit war er ein „Lämmerdieb“, ein unheimlicher Greifvogel, der über die Alpen kreiste und angeblich ganze Herden bedrohte. Geschichten und Aberglauben machten ihn zum Sinnbild des Bösen in der Bergwelt – dabei war kaum jemandem bewusst, dass dieser majestätische Vogel sich fast ausschließlich von Aas ernährte.
Mit Fallen, Gift und Gewehr wurde der Bartgeier gnadenlos verfolgt. Das letzte Exemplar in Bayern wurde Ende des 19. Jahrhunderts erschossen. Damit verschwand eine Art, die über Jahrtausende hinweg fester Bestandteil der alpinen Ökosysteme gewesen war. Die Felsen wurden still, die Lüfte leer. Was blieb, war eine Lücke – nicht nur in der Natur, sondern auch in der Geschichte des Zusammenlebens von Mensch und Wildnis.

Porträt eines Himmelsbewohners

Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) ist einer der größten Greifvögel Europas und zugleich einer der außergewöhnlichsten. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,9 Metern gleitet er scheinbar mühelos durch die Bergwelt. Sein Name stammt von dem dunklen „Bart“ aus Borstenfedern unter dem Schnabel – ein unverwechselbares Merkmal.

Im Gegensatz zu vielen anderen Greifvögeln jagt der Bartgeier nicht aktiv. Er ist ein Spezialist unter den Aasfressern und ernährt sich fast ausschließlich von Knochen. Mit seiner kräftigen Magensäure kann er selbst große Knochenstücke vollständig verdauen – ein natürlicher Recycler, der dafür sorgt, dass in der Natur nichts verloren geht.

Seine Färbung verändert sich mit dem Alter: Jungvögel erscheinen dunkelbraun, während ausgewachsene Tiere ein helles, fast rostfarbenes Gefieder tragen. Diese rötliche Tönung ist kein Zufall – Bartgeier „baden“ freiwillig in eisenhaltiger Erde, vermutlich als Symbol für Stärke oder Reife.

Sein Lebensraum liegt in hochalpinen Regionen, dort, wo Felsen, Thermik und Einsamkeit zusammentreffen. In bis zu 3.000 Metern Höhe nistet er in unzugänglichen Felswänden und zieht dort – meist gemeinsam mit einem Partner – ein einzelnes Junges groß.

Ausblick – aus der Perspektive des Bartgeiers

„Lange war ich fort. Die Stille der Felsen kannte meinen Namen nicht mehr. Doch nun trage ich den Wind wieder unter meinen Flügeln. Ich kreise über den Tälern, über den Spuren derer, die mich einst fürchteten.Der Mensch hat gelernt, mich zu verstehen – zu sehen, dass ich kein Räuber bin, sondern Teil des Gleichgewichts.Wenn der Schnee schmilzt und das Sonnenlicht die Felsen wärmt, kehre ich heim in meine Berge.Ich bin der Bartgeier – Wächter der Höhen, Bote des Lebens im Vergehen.“

Hoffnung für die Zukunft

Dank engagierter Wiederansiedlungsprogramme in den Alpen – unter anderem in Österreich, der Schweiz und auch in Bayern – hat der Bartgeier heute eine neue Chance. Junge Vögel werden ausgewildert, Lebensräume gesichert und alte Vorurteile abgebaut.

Was einst als Geschichte von Verfolgung begann, entwickelt sich langsam zu einer Geschichte von Versöhnung. Der Bartgeier kehrt zurück – nicht als Symbol des Schreckens, sondern als Zeichen dafür, dass Natur und Mensch sich wieder annähern können, wenn wir bereit sind, aus der Vergangenheit zu lernen.


In der Aufnahme von Ulrich Rösch
  •     Bartgeier
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Aus Wiese wird ein Überlebensraum – Ein Projekt für Artenvielfalt und Naturschutz
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Aus Wiese wird ein Überlebensraum – Ein Projekt für Artenvielfalt und Naturschutz

13/14.10.2025

  • Der Erhalt der biologischen Vielfalt gehört zu den zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Viele Tier- und Pflanzenarten sind in ihrem Bestand gefährdet, weil geeignete Lebensräume zunehmend verschwinden. 

Besonders betroffen sind Feuchtgebiete – kleine Teiche, Sümpfe und nasse Wiesen, die früher selbstverständlich zur Kulturlandschaft gehörten. Mit unserem Projekt möchten wir zeigen, dass es möglich ist, diese wertvollen Lebensräume zurückzubringen. Auf einer vormals extensiv bewirtschafteten Wiesenfläche schaffen wir Schritt für Schritt neue Strukturen, in denen sich bedrohte Arten wieder ansiedeln können. Dabei steht die Entwicklung und Vernetzung von Feuchtlebensräumen im Mittelpunkt.
Die Ausgangssituation
Die Projektfläche wurde über viele Jahre hinweg landwirtschaftlich genutzt, jedoch nur in geringem Umfang. Dennoch führten Entwässerungsmaßnahmen, Nährstoffeinträge und die Verdrängung typischer Feuchtvegetation dazu, dass viele Arten ihren Lebensraum verloren. Heute bietet sich uns die Chance, diese Fläche neu zu gestalten – nicht als intensiv genutztes Grünland, sondern als vielfältiges Mosaik aus Feuchtwiesen, Kleingewässern und Übergangszonen, das ökologisch und landschaftlich wertvoll ist.

Die Zielsetzung
Unser Ziel ist es, einen dauerhaften Lebensraum für bedrohte und seltene Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Insbesondere Amphibien, Libellen, Schmetterlinge und Wiesenvögel sollen hier wieder geeignete Bedingungen finden.Darüber hinaus soll das Projekt einen Beitrag zur Sensibilisierung und Umweltbildung leisten. Besucherinnen und Besucher sollen die Entwicklung der Fläche beobachten können und erleben, wie Natur sich erholt, wenn man ihr Raum und Zeit gibt.



In der Aufnahme 

  •     Von uns jüngst erworben um sich zukünftig dem Erhalt der Biodiversität widmen zu können. 
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Anlieferung von Substrat zur Gestaltung von Zauneidechsenlebensräumen
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Anlieferung von Substrat zur Gestaltung von Zauneidechsenlebensräumen

12/13.10.2025

Um die ökologische Qualität unserer Naturschutzflächen nachhaltig zu verbessern, liefern wir bereits in den frühen Morgenstunden Substrat per LKW an. Das Material wird direkt auf der vorgesehenen Fläche abgeladen und zunächst zwischengelagert.

Dieses Vorgehen ist ein wichtiger erster Schritt, um im weiteren Verlauf geeignete Lebensräume für die streng geschützte Zauneidechse zu entwickeln. Mithilfe des Substrats können wir gezielt Strukturen schaffen – wie kleine Hügel, offene Bodenstellen oder lockere Böschungen –, die den Tieren ideale Bedingungen zum Sonnen, zur Eiablage und als Rückzugsorte bieten.
Die Maßnahme leistet nicht nur einen aktiven Beitrag zum Artenschutz, sondern trägt auch zur ökologischen Aufwertung der Fläche bei. Durch die geschaffenen Strukturen profitieren neben der Zauneidechse auch zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten, die auf offene, strukturreiche Lebensräume angewiesen sind.

Mit der frühen Anlieferung stellen wir sicher, dass die Arbeiten möglichst störungsarm und effizient durchgeführt werden können. So verbinden wir logistische Abläufe mit dem Ziel, langfristig wertvolle Naturschutzprojekte erfolgreich umzusetzen.


In der Aufnahme
  • Materialanlieferung in den frühen Morgenstunden
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Der Gewöhnliche Spindelstrauch (Euonymus europaeus)
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Der Gewöhnliche Spindelstrauch (Euonymus europaeus), auch Europäisches oder Gewöhnliches Pfaffenhütchen genannt.

11/12.10.2025

  • An einem sonnigen Herbsttag spazierte ein Kind mit seiner Großmutter durch den Waldrand. 

Zwischen buntem Laub blitzten plötzlich kleine, rosafarbene Kapseln hervor, die wie winzige Laternen aussahen. „Schau“, sagte die Großmutter, „das ist das Pfaffenhütchen. Hübsch, nicht wahr?“ Das Kind staunte über die leuchtenden Früchte – und lernte zugleich, dass Schönheit manchmal trügerisch ist, denn dieses Gewächs ist zwar faszinierend, aber nicht ungefährlich.
Artenbeschreibung
Der Gewöhnliche Spindelstrauch (Euonymus europaeus), auch Europäisches oder Gewöhnliches Pfaffenhütchen genannt, ist ein heimischer Strauch, der bis zu sechs Meter hoch werden kann. Er bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte und gedeiht besonders gut an Waldrändern, in Hecken und auf nährstoffreichen Böden.

Seine charakteristischen Früchte sind pinkfarbene Kapseln, die sich im Herbst öffnen und orangefarbene Samen freigeben. Besonders auffällig ist das Zusammenspiel der kräftigen Farben, das den Strauch zu einem beliebten Ziergehölz macht. Im Frühjahr schmückt er sich mit unscheinbaren grünlichen Blüten, während seine Blätter im Herbst eine leuchtend rote Färbung annehmen.

Lebensraumveränderung – eine Perspektive
Wie viele heimische Sträucher leidet das Pfaffenhütchen unter der Veränderung seines Lebensraums. Durch intensive Landwirtschaft, den Rückgang traditioneller Heckenstrukturen und die Bebauung vieler Landschaften gehen seine natürlichen Standorte zurück. Als Folge wird der Strauch mancherorts seltener, obwohl er eine wichtige ökologische Rolle spielt: Seine Früchte sind für Vögel eine wertvolle Nahrungsquelle im Herbst und Winter. Aus Sicht des Strauches könnte man sagen: „Meine Farben locken an, meine Früchte ernähren, doch ohne Raum zum Wachsen verliere ich meinen Platz im Geflecht der Natur.“

Gefahr für den Menschen
So schön der Strauch auch aussieht, er birgt für Menschen eine erhebliche Gefahr. Alle Pflanzenteile sind giftig, insbesondere die Samen und Früchte. Schon der Verzehr weniger Beeren kann Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kreislaufprobleme hervorrufen. Vor allem Kinder sind gefährdet, da die bunten Früchte essbar wirken. Auch für Haustiere stellt der Strauch ein Risiko dar. Aus diesem Grund sollte man ihn nicht unbeaufsichtigt in der Nähe von Kinderspielplätzen oder Gärten pflanzen, in denen Tiere frei herumlaufen.




In der Aufnahme von Helga Zinnecker
  •     „So schön wie gefährlich – die giftigen Früchte des Pfaffenhütchens wirken verlockend.“
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„Ein lila Gruß des Spätsommers“
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„Ein lila Gruß des Spätsommers“

10/11.010.2025

  • Als die ersten kühlen Nächte den Sommer verabschiedeten, entdeckte Anna auf der feuchten Wiese ein Büschel zarter, lilafarbener Blüten. 

Keine Blätter, nur Blüten – wie kleine Sterne, die aus der Erde sprießen. Fasziniert beugte sie sich hinab, doch ihre Großmutter warnte: „Bewundere sie nur mit den Augen. Das ist die Herbstzeitlose – schön, aber giftig.“
Artbeschreibung
Die  , auch Herbst-Zeitlose genannt, ist eine ausdauernde, krautige Pflanze aus der Familie der Zeitlosengewächse (Colchicaceae). Sie blüht, wie ihr Name verrät, im Herbst und wird oft mit Krokussen verwechselt – ein gefährlicher Irrtum. Ihre Blüten sind trichterförmig, zart violett bis rosa, und erscheinen meist zwischen September und Oktober. Die Blätter und Samen entwickeln sich erst im Frühjahr.

Die Pflanze wächst bevorzugt auf feuchten Wiesen, an Waldrändern oder in Flussauen. Sie vermehrt sich über Samen oder Tochterknollen, die tief im Boden liegen und so mehrere Jahre überdauern können.

Perspektive der Herbstzeitlosen: „Mein Raum wird kleiner“

„Ich bin die Herbstzeitlose oder Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale) . Schon seit Jahrhunderten färbe ich die Wiesen violett, wenn der Sommer geht. Doch mein Zuhause verschwindet: Feuchtwiesen werden entwässert, gemäht oder in Äcker verwandelt. Meine Blüten bleiben aus, wo ich keinen Platz mehr finde. Manche Menschen fürchten mich, weil ich giftig bin – aber ich bin auch ein Teil der Natur, ein Hinweis auf alte, artenreiche Wiesen, die Schutz verdienen.“

Gefahr für den Menschen

Die Herbstzeitlose enthält das hochgiftige Alkaloid Colchicin. Bereits kleine Mengen können schwere Vergiftungen verursachen. Alle Pflanzenteile sind giftig, besonders die Samen und Knollen. Symptome reichen von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall bis hin zu Kreislaufversagen. Da sie Blüten ohne Blätter trägt, wird sie häufig mit essbaren Wiesenpflanzen wie Bärlauch verwechselt – was lebensgefährlich sein kann. Deshalb ist Vorsicht beim Sammeln von Wildkräutern besonders im Frühjahr geboten.

In der Aufnahme von Albert Meier 
  •     Zarte, lilafarbene Blüten der Herbstzeitlose – ein typisches Zeichen des Herbstes.
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„Ein kleiner Helfer im Verborgenen“
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„Ein kleiner Helfer im Verborgenen“

09/10.010.2025

  • Es war eine kühle Sommernacht, als sich ein kleiner Käfer auf den Weg machte. Mit seinem kräftigen Geruchssinn fand er, was er suchte: ein kleines totes Mäuschen. 

Fleißig begann er, zusammen mit seinem Partner, die Beute unter der Erde zu vergraben. Für viele Menschen unsichtbar vollzieht sich so ein wichtiger Kreislauf – der Käfer sorgt dafür, dass das Leben weitergeht.
Artbeschreibung
Der Gemeine Totengräber (Nicrophorus vespillo)  gehört zur Familie der Aaskäfer (Silphidae). Er wird etwa 12–22 Millimeter lang und ist leicht an seinem schwarzen Körper mit zwei auffälligen, orangegelben Querbinden auf den Flügeldecken zu erkennen. Charakteristisch sind außerdem seine fächerförmigen Fühler, die ihm helfen, Aas schon aus großer Entfernung zu riechen. Der Käfer ist dämmerungs- und nachtaktiv und spielt eine zentrale Rolle beim Zersetzen kleiner Wirbeltiere.

Die Fortpflanzung dieses Käfers ist besonders spannend: Ein Paar arbeitet gemeinsam daran, ein gefundenes Tierkadaver zu vergraben, um darauf seine Larven aufzuziehen. Dabei säubern und konservieren sie das Aas mit antibakteriellen Sekreten – ein erstaunliches Beispiel für Insektenelternpflege.

Perspektive des Käfers: „Mein Lebensraum verändert sich“
„Ich bin Nicrophorus vespillo. Früher war mein Leben einfach – überall gab es Wiesen, Waldränder und Hecken, in denen ich auf Nahrungssuche gehen konnte. Heute wird mein Zuhause kleiner. Felder werden größer, alte Hecken verschwinden, und der Boden wird oft zu stark bearbeitet. 

Das macht es schwerer, einen sicheren Platz für meine Brut zu finden. Doch wo man mich noch lässt, halte ich die Natur im Gleichgewicht – ich räume auf, recycle Nährstoffe und sorge dafür, dass neues Leben entstehen kann. Wenn Menschen meine Lebensräume erhalten, können wir gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Welt gesund bleibt.“

In der Aufnahme
  •     Der Gemeine Totengräber bei der Arbeit – unermüdlich und nützlich für das Ökosystem.
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Erdmaus (Microtus agrestis)
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Die Erdmaus (Microtus agrestis)

08/09.10.2025

  • Ein leises Rascheln im hohen Gras verrät ihre Anwesenheit. Plötzlich huscht eine kleine, braune Gestalt über den Waldboden, stoppt kurz, schnuppert und verschwindet dann in einem schmalen Gang. 

Es ist eine Erdmaus, die emsig Nahrung für ihre Familie sammelt. In ihrem weit verzweigten unterirdischen Gangsystem ist sie vor Fressfeinden geschützt – und der Wintervorrat wächst mit jedem gefundenen Samen.
Artbeschreibung

Die Erdmaus (Microtus agrestis) gehört zur Familie der Wühlmäuse (Cricetidae) und ist eine der häufigsten Nagetierarten in Europa.


  •     Aussehen: Sie ist etwa 9–13 cm lang, hat einen kurzen, leicht behaarten Schwanz und ein dichtes, rotbraunes bis graubraunes Fell.

  •     Lebensraum: Feuchte Wiesen, Waldränder, Moore, aber auch Gärten und Felder. Sie bevorzugt Bereiche mit dichter Vegetation, in der sie sich gut verstecken kann.

  •     Verhalten: Erdmäuse sind tag- und nachtaktiv, leben in Kolonien und legen komplexe Gangsysteme an. Ihre Nahrung besteht aus Gräsern, Kräutern, Samen und gelegentlich Wurzeln.

  •     Fortpflanzung: Die Fortpflanzungszeit reicht vom Frühjahr bis in den Herbst. Ein Weibchen kann mehrere Würfe pro Jahr haben, was zu schnellen Populationsschwankungen führt.

Perspektive im Zuge der Lebensraumveränderung


Wenn die Erdmaus ihre Sicht schildern könnte, würde sie sagen:

"Mein Zuhause sind Wiesen mit dichtem Gras und feuchtem Boden. Doch viele Flächen werden gemäht, umgepflügt oder bebaut. Dann muss ich weiterziehen und neue Gänge graben. Wenn es zu wenig Deckung gibt, werde ich leichter von Greifvögeln oder Füchsen entdeckt. Dort, wo Hecken stehen und Wiesen länger wachsen dürfen, kann ich sicher leben und meine Jungen großziehen."


In der Aufnahme von Johannes Rother
  •     Vorsichtig neugierig: Erdmaus schaut aus ihrem Gang ins Freie.
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Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas)
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Die Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas) 

07/08.10.2025

  • Der Sommermorgen ist still, nur das leise Rascheln des Schilfes ist zu hören. Über der Wasseroberfläche glitzert Tau in der Sonne. 

Plötzlich setzt sich eine schmale, metallisch glänzende Libelle auf einen Halm. Ihre Flügel sind noch vom Tau beschlagen, sie wartet, bis die Sonne sie trocknet. Mit einem kurzen Flügelschlag erhebt sich die Glänzende Binsenjungfer und schwebt lautlos weiter entlang des Ufers – immer auf der Suche nach kleinen Insekten.
Artbeschreibung

Die Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas) ist eine Kleinlibelle aus der Familie der Teichjungfern (Lestidae).

  •     Aussehen: Sie erreicht eine Länge von etwa 35–40 mm. Ihr Körper schimmert grünlich-metallisch, manchmal mit einem bläulichen Hauch. Typisch sind die Flügel, die in Ruhestellung leicht gespreizt gehalten werden – ein Merkmal aller Teichjungfern.

  •     Lebensraum: Flache, sonnige Gewässer mit dichter Ufervegetation, oft in Mooren, Teichen oder langsam fließenden Gräben.

  •     Verhalten: Sie jagt kleine Fluginsekten im Schwebeflug und sitzt gerne an Grashalmen oder Binsen.

  •     Fortpflanzung: Die Eier werden in Pflanzenstängel in Wassernähe abgelegt. Die Larven leben im Wasser und entwickeln sich innerhalb einer Saison.


Perspektive im Zuge der Lebensraumveränderung

Würde die 
Glänzende Binsenjungfer selbst berichten, könnte sie sagen:

"Meine Heimat sind die stillen Teiche und Moore. Doch viele meiner Gewässer werden entwässert oder verbuschen, und manche verschwinden ganz. Wo es kein sonniges, klares Wasser mehr gibt, kann ich nicht leben. 

Gleichzeitig freue ich mich über renaturierte Teiche, wo neue Pflanzen wachsen und ich meine Eier ablegen kann. Wenn Menschen solche Lebensräume erhalten, kann ich auch in Zukunft im Sommer über dem Wasser tanzen."

In der Aufnahme von Albert Meier
  •     Morgentau: Eine Glänzende Binsenjungfer ruht auf einem Halm im ersten Sonnenlicht.
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Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans)
Bild zum Eintrag (1128188-160)
Die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) 

06/07.10.2025

  • Ein heißer Sommertag auf einer sandigen Lichtung: Staub steigt in der Luft, Grillen zirpen, und zwischen den Steinen sitzt reglos eine unscheinbare Heuschrecke. 

Plötzlich raschelt es – mit einem kräftigen Sprung fliegt sie auf und zeigt dabei ihre leuchtend blauen Hinterflügel. Für einen Augenblick blitzt Farbe in der sonst kargen Landschaft auf, dann verschwindet die Sandschrecke wieder zwischen den Steinen.
Artbeschreibung

Die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) gehört zur Familie der Feldheuschrecken (Acrididae).


  •     Aussehen: Sie ist etwa 15–25 mm groß, ihr Körper ist graubraun bis sandfarben und perfekt an den Untergrund angepasst. Beim Auffliegen zeigt sie auffällige, himmelblaue Hinterflügel – ein wichtiges Erkennungsmerkmal.

  •     Lebensraum: Bevorzugt trockene, offene und sandige Standorte wie Kiesgruben, Trockenrasen oder spärlich bewachsene Feldwege.

  •     Verhalten: Sie ist ein Meister der Tarnung und fällt erst auf, wenn sie auffliegt. Ihr Flug ist ruckartig, nach der Landung verharrt sie bewegungslos.

  •     Ernährung: Frisst vor allem Gräser und Kräuter.

  •     Fortpflanzung: Die Eier werden in den Boden gelegt und überwintern dort, bis sie im nächsten Jahr schlüpfen.


Perspektive im Klimawandel

Würde die  Blauflügelige Sandschrecke ihre Situation schildern, könnte es so klingen:
"Die Sommer sind heißer, und das gefällt mir – warme, offene Flächen sind mein Zuhause. Doch wenn der Boden zu lange austrocknet, fehlen die Pflanzen, von denen ich mich ernähre. 

Werden Flächen verbuscht oder zugebaut, verliere ich meinen Lebensraum. Ich hoffe, dass es auch in Zukunft genug offene, sandige Stellen gibt, auf denen ich meine blauen Flügel zeigen kann."


In der Aufnahme von Albert Meier 
  •     Perfekte Tarnung: Kaum zu erkennen zwischen Sand und Steinen.
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Labyrinthspinne (Agelena labyrinthica)
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Die Labyrinthspinne (Agelena labyrinthica)

05/06.10.2025

  • Es ist ein kühler Morgen auf einer blühenden Sommerwiese. Zwischen den Halmen liegt ein silbrig schimmerndes Netz, das wie ein kleiner Teppich gespannt ist. 

Plötzlich huscht ein winziger Schatten durch den trichterförmigen Eingang – die Bewohnerin des Netzes, eine Labyrinthspinne, ist erwacht. Sie wartet reglos, bis eine unachtsame Fliege in das Netz tappt. Mit blitzschnellen Bewegungen stürzt sie aus ihrem Versteck und verschwindet mit ihrer Beute im trichterförmigen Gang.
Artbeschreibung

Die Labyrinthspinne (Agelena labyrinthica) gehört zur Familie der Trichternetzspinnen (Agelenidae). Ihr Name stammt von dem auffälligen, labyrinthartigen Netz mit einem trichterförmigen Rückzugsort.

Aussehen: Sie wird bis zu 15 mm lang, Männchen bleiben etwas kleiner. Auffällig sind der länglich gestreckte Körper, das braun-gelbe Muster auf dem Hinterleib und die langen, kräftigen Beine.

Lebensraum: Bevorzugt Wiesen, Waldränder und Böschungen mit dichter Vegetation.

Verhalten: Sie baut horizontale, leicht schimmernde Netze knapp über dem Boden. Die Spinne sitzt im Trichter und wartet auf Beute, die sie blitzschnell überwältigt.

Fortpflanzung: Im Spätsommer legt das Weibchen Eikokons an geschützten Stellen an und bewacht sie bis zum Schlüpfen der Jungtiere.

Perspektive im Klimawandel

Wenn die Labyrinthspinne  selbst sprechen könnte, würde sie sagen:

"Die Sommer werden heißer, die Trockenperioden länger. Mein Netz trocknet schneller aus, und manche Pflanzen, an denen ich mein Zuhause baue, verschwinden.

Gleichzeitig gibt es mehr Insekten in milden Wintern, was mir Nahrung bringt. Aber wenn der Regen zu heftig fällt, wird mein Netz zerstört, und ich muss oft neu bauen. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt – doch solange es Gräser gibt, werde ich mein Labyrinth immer wieder weben."


In der Aufnahme von Helga Zinnecker
  •     Lebenswerk: Fein gesponnene Fäden umhüllen die kostbare Nachkommenschaft.
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"Totholz lebt – ein Schatz für die Artenvielfalt!"
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"Totholz lebt – ein Schatz für die Artenvielfalt!"
  • Artenschutzprojekt- Umweltbildungsprojekt in Deutschland

04/05.10.2025

Ein innovatives Kooperationsprojekt von Artenschutz in Franken® und Turmstationen Deutschland e.V. das von verschiedenen Projektpartnern unterstützt wird. 

Hintergrund und Zielsetzung
Extensiv genutzte Wiesenflächen stellen ein bedeutendes Rückzugsgebiet für viele bedrohte Arten dar, verlieren jedoch zunehmend ihre ökologische Funktion durch monotone Bewirtschaftung und den Verlust struktureller Vielfalt. 

Unser Projekt zielt darauf ab, diese wertvollen Lebensräume durch die Integration von Totholz zu optimieren, wodurch:

  •     Mikrohabitate für zahlreiche Insekten, Pilze, Amphibien und Reptilien geschaffen,

  •     Boden- und Nährstoffkreisläufe nachhaltig unterstützt und natürliche Rückzugsräume für Vögel und Kleinsäuger bereitgestellt werden. Leitarten sollen hier Schmetterlinge und Zauneidechsen darstellen Überlebensräume inmitten zunehmend einförmiger landschaftlicher Strukturen.
Aktueller Maßnahmenbericht – Einrichtung von Überlebenssektoren für die Zauneidechse (Lacerta agilis)

  • Projektstand Ende der Reproduktionsphase 2025

Zum Ende der diesjährigen Reproduktionsphase der Zauneidechse (Lacerta agilis) hat unser Verein mit der Anlage von Überlebenssektoren auf den eigens für den Artenschutz erworbenen Flächen begonnen. Diese Maßnahme ist ein zentraler Bestandteil unserer Bemühungen, den Fortbestand lokaler Populationen zu sichern und die Vernetzung von Teilhabitaten zu fördern.

Die Überlebenssektoren sind so konzipiert, dass sie sonnenexponierte, vegetationsarme Teilbereiche mit geeigneten Kleinstrukturen wie Wurzelstöcken, Totholz und Steinhaufen enthalten. Sie bieten den Jungtieren nach dem Schlupf sichere Aufenthalts- und Sonnenplätze, die sie für ihre Thermoregulation benötigen, sowie Verstecke, die Schutz vor Prädatoren wie Vögeln oder Säugetieren bieten.




In der Aufnahme
  • Anlieferung von Wurzelstöcken – diese dienen nach dem Einbau als Sonnenplätze und Versteckmöglichkeiten.
Artenschutz in Franken®  
Schutz und Lebensraum für Fledermäuse – Aus alt wird artenreich
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Schutz und Lebensraum für Fledermäuse – Aus alt wird artenreich

03/04.10.2025

  •             Revitalisierung eines Quellschachtes als Fledermaus-Winterquartier

Im Rahmen eines ökologisch ausgerichteten Naturschutzprojekts das wir mit Unterstützung des Vereins Turmstationen Deutschland e.V. umsetzen, wird ein stillgelegter, historischer Quellschacht umfassend umgestaltet, um einer besonders gefährdeten Tiergruppe – den heimischen Fledermäusen – ein sicheres und stabiles Winterquartier zu bieten. 

Der Umbau dieses ehemaligen technischen Bauwerks erfolgt unter Berücksichtigung aktueller Erkenntnisse der Quartierökologie, Mikroklimaregulierung und artspezifischer Habitatansprüche.
Fledermäuse (Chiroptera) sind auf eine Vielzahl unterschiedlicher Quartiere angewiesen. Während der kalten Jahreszeit ziehen sich viele Arten in unterirdische Winterquartiere (Hibernakel) zurück, in denen konstante Temperaturen zwischen 4 und 9 °C sowie eine hohe Luftfeuchtigkeit von über 85 % herrschen. 

Der ehemalige Quellschacht wird hierzu mit spezifischen Hang- und Spaltquartieren ausgestattet. Diese schaffen optimale Bedingungen für eine energiesparende Winterruhe (Torporphase), in der die Tiere ihre Körperfunktionen drastisch herunterfahren.Die Zugänglichkeit des Schachtes wird durch fledermausfreundliche Flugöffnungen gewährleistet. 

Gleichzeitig wird der Innenraum gegen Störungen, Raubfeinde und Witterungseinflüsse geschützt – essenziell, da Störungen im Winterquartier zum vorzeitigen Aufwachen und damit zur lebensbedrohlichen Erschöpfung der Tiere führen können.

Gestaltung einer artenreichen Offenlandschaft mit Baumquartieren
Im direkten Umfeld des Quellschachtes entsteht eine strukturreiche, naturnahe Offenfläche mit hoher Biodiversität. Alte Laubbäume – insbesondere höhlenreiche Eichen und Buchen – wurden erhalten und gezielt ergänzt. An diesen ökologisch wertvollen Habitatbäumen werden verschiedene Fledermaus-Sommerquartiere installiert, darunter spezielle Spalten- und Kastentypen, die den unterschiedlichen Ansprüchen von Quartiergemeinschaften gerecht werden. 

Diese sogenannten Wochenstubenquartiere bieten vor allem im Sommer weiblichen Tieren sichere Rückzugsräume zur Jungenaufzucht. Einige Quartiere fungieren zudem als Übergangs- und Schwärmquartiere während der Reproduktions- und Paarungszeit. Auch oberirdische Überwinterungsquartiere werden auf dem Gelände installiert werden, auch um die Quartiervielfalt weiter zu erhöhen und zu optimieren. Die angrenzenden Wiesenflächen werden extensiv gepflegt und als insektenreiche Jagdhabitate aufgewertet. Dabei kommen Maßnahmen wie Mahdgutübertragung, Staffelmahd und das gezielte Zulassen von Altgrasstreifen zum Einsatz – wichtige Nahrungsquellen für insektenfressende Fledermausarten.

Gefährdungssituation – warum wir handeln müssen
In Deutschland sind alle 25 heimischen Fledermausarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt (§44 BNatSchG). Dennoch gelten 18 von ihnen laut Roter Liste als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Hauptursachen sind der Verlust geeigneter Quartierstrukturen (Gebäudesanierungen, Baumfällungen), der Rückgang strukturreicher Landschaften sowie die Insektenverarmung infolge intensiver Landwirtschaft und Lichtverschmutzung.

Insbesondere gebäudebewohnende Arten wie die Große Mausohren (Myotis myotis), das Graue Langohr (Plecotus austriacus) oder die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) leiden unter dem Verlust traditioneller Dachböden und Spalten. Baumhöhlenbewohnende Arten wie die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) oder die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) finden immer seltener geeignete Altbäume in Wirtschaftswäldern oder Siedlungsnähe.Unsere Maßnahmen setzen genau hier an: durch gezielte Quartierschaffung, Habitataufwertung und langfristige Schutzkonzepte schaffen wir Lebensräume mit Zukunft – kleinräumig, nachhaltig und naturnah.

Ein Projekt mit Wirkung – für Artenvielfalt und Umweltbildung
Die Umgestaltung des Quellschachtes zu einem artenschutzgerechten Winterquartier sowie die Entwicklung der angrenzenden Offenfläche ist ein wichtiger Baustein im kommunalen Arten- und Habitatmanagement. Neben dem direkten Schutz der Fledermäuse leistet das Projekt auch einen Beitrag zur Umweltbildung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Belange des Artenschutzes. Infotafeln vor Ort sollen langfristig helfen, Akzeptanz und Verständnis für den Schutz dieser ökologisch bedeutsamen Tiergruppe zu fördern.

Fazit: Aus Verantwortung für die Nacht
Fledermäuse sind faszinierende, aber hochgradig gefährdete Begleiter unserer Kulturlandschaft. Ihr Schutz ist ein Maßstab für den Zustand unserer Umwelt – und zugleich ein Appell zum Handeln. Die Umgestaltung des alten Quellschachtes und der angrenzenden Fläche zeigt eindrucksvoll, wie technische Relikte der Vergangenheit zu wertvollen Biotopen der Zukunft werden können. Schützen wir gemeinsam die heimischen Fledermäuse – für die Artenvielfalt, für kommende Generationen, für eine lebendige Nacht.






In der Aufnahme vom 26.09.2025 -    Neue Holztür macht Quellschacht zum Fledermausquartier
  • Im Rahmen unseres umfangreichen Fledermausschutzprojektes konnten wir einen weiteren wichtigen Beitrag zum Erhalt der heimischen Arten leisten. Auf einer unserer vereinseigenen Flächen wurde der Zugang zu einem alten Quellschacht so umgestaltet, dass er künftig als wertvolles Winterquartier für Fledermäuse dienen kann.

Dazu ließen wir eine speziell angefertigte Holztür einbauen, die den Tieren den ungestörten Zugang ermöglicht und gleichzeitig das Innere des Schachtes vor unbefugtem Betreten schützt. Mit dieser Maßnahme schaffen wir einen geschützten Rückzugsort, der besonders in den kalten Monaten für das Überleben der Tiere entscheidend ist.

Unser Verein wird den Schacht regelmäßig kontrollieren, um sicherzustellen, dass er den ökologischen Anforderungen entspricht und die Fledermäuse ungestört bleiben.
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Neue Nistkastenform für den Wiedehopf
Bild zum Eintrag (1127948-160)
Schutzprojekt für Steinkauz und Wiedehopf

02/03.10.2025

  •         Zielgerichtetes Habitatmanagement für gefährdete Brutvogelarten

Im Rahmen eines praxisorientierten Artenschutzprojekts schaffen wir auf einer mehrere Hektar großen, extensiv beweideten Offenfläche gezielt Lebensräume für zwei streng geschützte Vogelarten: den Steinkauz (Athene noctua) sowie den Wiedehopf (Upupa epops). Beide Arten zeigen sich im Bestand in einer prekären Situation!

Unsere vereinseigene Fläche wird als Vielweide mit Mutterkühen und deren Kälbern genutzt. Durch diese extensive Form der nahezu Ganzjahresbeweidung bleibt das Gelände offen, nährstoffarm und mosaikartig strukturiert – eine entscheidende Grundlage für den Erhalt halboffener Kulturlandschaften, wie sie beide Zielarten benötigen. Das Projekt verbindet somit Landwirtschaft mit praktischer Biodiversitätsförderung.
Habitatoptimierung durch gezielte Maßnahmen

Um die Habitatqualität für Steinkauz und Wiedehopf signifikant zu verbessern, setzen wir eine Kombination bewährter und innovativer Artenschutzmaßnahmen um:

  •             Installation artspezifischer Nisthilfen: Für den Steinkauz und en Wiedehopf werden optimal ausgerichtete Brutkästen mit geeigneter Mikroklimatisierung angebracht – teils als Pilotmodelle mit verbessertem Prädatorenschutz. 

  •             Pflege offener Landschaftsstrukturen: Durch die Beweidung mit robusten Mutterkühen erfolgt eine natürliche Vegetationskontrolle. So entstehen Trittstellen, Rohbodenbereiche und Insektenhabitate, die für den Wiedehopf als Nahrungsspezialist (z. B. auf Feldgrillen und Engerlinge) essenziell sind.

  •             Erhalt von Altbaumbeständen und Einzelstrukturen: Alte Obstbäume, Lesesteinwälle und abgestorbene Baumstämme bleiben gezielt erhalten und bieten zusätzliche Habitatstrukturen für Eulen und Insekten.


Mehrwert für die Agrarlandschaft

Unser Projekt wirkt nicht nur auf die beiden Zielarten, sondern entfaltet eine Leitbildfunktion für Agrarökosysteme mit hoher biologischer Vielfalt. Auch Begleitarten wie Neuntöter (Lanius collurio), Feldlerche (Alauda arvensis), Schachbrettfalter (Melanargia galathea) oder Wildbienen profitieren unmittelbar von den Maßnahmen.

Kooperation und wissenschaftliche Begleitung 

Das Projekt wird in enger Kooperation mit verschiedenen Partnern realisiert. Eine fortlaufende Erfolgskontrolle (Monitoring) begleitet die Umsetzung und liefert u.a. wertvolle Daten zur Reproduktionsrate, Revierbindung und Habitatnutzung der Zielarten. Dieses Projekt ist ein Beispiel dafür, wie landwirtschaftliche Nutzung und Artenschutz Hand in Hand gehen können – konkret, wirksam und zukunftsorientiert.

Wir möchten uns auf diesem Weg bei der BEATRICE NOLTE STIFTUNG FÜR NATUR- UND UMWELTSCHUTZ, der Hans Georg Schneider Stiftung, sowie der Stiftung Unsere Erde für die gewährte Projektunterstützung bedanken. 

In der Aufnahme

  • Neue Nistkastenform für den Wiedehopf 

Der Wiedehopf (Upupa epops) ist eine charakteristische Vogelart offener Landschaften und auf geeignete Bruthöhlen angewiesen. Da natürliche Baumhöhlen in vielen Regionen fehlen, werden künstliche Nisthilfen immer wichtiger. Ziel unseres Projekts ist die auch die Entwicklung einer optimierten Nistkastenform, die den Ansprüchen des Wiedehopfs besonders gut entspricht. Dabei stehen eine sichere Konstruktion, ein optimales Mikroklima sowie eine einfache Reinigung im Vordergrund. Mit dieser Maßnahme möchten wir die Ansiedlung des Wiedehopfs gezielt unterstützen und seinen Bruterfolg in unserer Region langfristig fördern. Über ein rennomiertes Unternehmen wurde diese spezielle Nisthilfe nach unseren Vorstellung in die Umsetzung gebracht.

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Die Deutsche Wespe (Vespula germanica) – Sauberkeitstruppe der Natur
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Die Deutsche Wespe (Vespula germanica) – Sauberkeitstruppe der Natur

01/02.10.2025

...  eine kleine Geschichte am Straßenrand


Ein sonniger Spätsommertag. Der Asphalt schimmert in der Hitze, die Felder sind goldgelb, und der Verkehr rollt monoton über die Landstraße. Am Rand liegt eine Erdkröte (Bufo bufo), deren Wanderung hier leider endete. Für den Menschen ein trauriger Anblick, für andere aber eine wertvolle Nahrungsquelle. Plötzlich taucht Bewegung auf: Eine Deutsche Wespe (Vespula germanica) landet und untersucht den Kadaver.
Wenige Sekunden später beginnt sie, kleine Stücke herauszubeißen, zerkaut sie sorgfältig und fliegt damit davon – um wenig später zurückzukehren und erneut ihre Arbeit aufzunehmen.

Was hier passiert, ist weit mehr als eine skurrile Beobachtung: Es ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie selbst die kleinsten Insekten einen entscheidenden Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht leisten.

  • Mehr zur Deutschen Wespe (Vespula germanica) hier auf unseren Seiten 


In der Aufnahme
  •     „Deutsche Wespe (Vespula germanica) beim Zerlegen einer überfahrenen Erdkröte – ein wichtiger Schritt im natürlichen Recyclingprozess.“
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Kroatien Vogelbeobachtungen 2025
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Kroatien Vogelbeobachtungen 2025

30.09 / 01.10.2025


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Der Erdbeerbaumfalter (Charaxes jasius)
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Der Erdbeerbaumfalter (Charaxes jasius)

29/30.09.2025

  • Es ist ein Spätsommertag am Mittelmeer. Die Luft riecht nach trockenen Gräsern und dem süßen Harz der Erdbeerbäume. 

Plötzlich fliegt etwas Großes, Dunkles vorbei – so schnell, dass man nur einen Schatten erahnt. Man folgt der Bewegung mit den Augen, bis er sich auf einem Ast niederlässt: ein Erdbeerbaumfalter. Langsam öffnet er seine Flügel und die Sonne bringt das Blau seiner Augenflecken zum Leuchten. Der Falter wirkt fast wie ein exotischer Schmetterling aus einem tropischen Regenwald, dabei ist er ein Bewohner Europas – wenn auch ein seltener und oft verborgener.
Beobachter:innen beschreiben den ersten Anblick oft als besonders: Der kräftige Körper, die breiten Flügel und der energische Flug wirken fast wie bei einem kleinen Vogel. Es ist ein Moment der Begegnung mit einem Tier, das gleichzeitig wild, schön und fragil ist.

Der Erdbeerbaumfalter (Charaxes jasius) gehört zur Familie der Edelfalter (Nymphalidae) und ist der größte Tagfalter Europas. Er ist in den warmen Regionen des Mittelmeerraums verbreitet, von der Iberischen Halbinsel über Südfrankreich, Italien, Griechenland bis nach Nordafrika. Auch auf einigen Mittelmeerinseln, wie Korsika, Sardinien oder Kreta, ist er zu finden....



In der Aufnahme von Helga Zinnecker
  • Eine Begegnung zwischen Mensch und Falter
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Die Feldgrille (Gryllus campestris) – Stimme der Wiesen
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Die Feldgrille (Gryllus campestris) – Stimme der Wiesen

28/29.09.2025

  • An einem warmen Maiabend bleibt man manchmal unvermittelt stehen, weil aus dem niedrigen Gras ein feines, rhythmisches Zirpen ertönt. 

Es ist, als hätte jemand ein winziges Instrument gestimmt, das nun unermüdlich ein Lied vom Sommer spielt. Wer sich Zeit nimmt und vorsichtig der Quelle des Tons folgt, entdeckt vielleicht eine Feldgrille, die am Eingang ihres Ganges sitzt und mit ihren Flügeldecken musiziert. Dieses Erlebnis hat schon viele Menschen in seinen Bann gezogen – und es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
Artbeschreibung und Lebensraum

Die Feldgrille (Gryllus campestris) ist eine der bekanntesten einheimischen Grillenarten Europas. Mit ihrer glänzend schwarzen bis dunkelbraunen Färbung und einer Körperlänge von 20–26 mm ist sie unverwechselbar. Männchen besitzen kurze Flügel, die hauptsächlich zur Lauterzeugung dienen, während die Weibchen über eine auffällige, gerade Legeröhre verfügen, mit der sie ihre Eier in den Boden einbringen.

Feldgrillen bewohnen sonnige, offene Lebensräume: trockene Wiesen, Magerrasen, Wegränder, Böschungen oder Brachflächen. Sie graben tiefe, bis zu 30 cm lange Wohnröhren in den Boden, die ihnen Schutz vor Feinden und Witterung bieten. Vor dem Gang liegt oft ein kleiner „Vorplatz“, auf dem die Grille sonnt und ihren Gesang anstimmt.

Verhalten und Lebensweise

Der charakteristische Gesang der Feldgrille entsteht, indem das Männchen seine Flügeldecken gegeneinander reibt – dieser Vorgang heißt Stridulation. Das laute, durchdringende Zirpen dient sowohl der Reviermarkierung als auch der Anlockung der Weibchen. Feldgrillen sind vor allem in den warmen Monaten von April bis Juli aktiv.

Die Tiere sind Allesfresser, ernähren sich aber überwiegend von pflanzlichem Material wie Gräsern, Samen und abgestorbenen Pflanzenteilen. Gelegentlich nehmen sie auch kleine Insekten oder Aas auf. Nach der Paarung legt das Weibchen bis zu mehrere Hundert Eier in den Boden. Aus ihnen schlüpfen Larven, die dem erwachsenen Tier schon ähneln, aber noch keine Flügel besitzen. Sie durchlaufen mehrere Häutungen, bevor sie nach etwa einem Jahr selbst zur singenden Grille werden.

Bedeutung im Ökosystem

Feldgrillen sind ein wichtiger Bestandteil der Nahrungsnetze in Wiesenökosystemen. Sie dienen als Beute für Vögel, Igel, Eidechsen und zahlreiche Spinnen- und Insektenarten. Gleichzeitig tragen sie durch ihre Fraßaktivität zur Zersetzung von Pflanzenmaterial bei und halten so den Stoffkreislauf in Gang.

Gefährdung und Schutz

Leider ist die Feldgrille in vielen Regionen seltener geworden. Intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, Bodenverdichtung und der Verlust von extensiv bewirtschafteten Wiesen führen zu einem Rückgang geeigneter Lebensräume. In einigen Bundesländern steht sie bereits auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Arten.

Ausblick

Wenn wir Feldgrillen auch in Zukunft hören möchten, müssen wir ihnen Raum geben. Extensive Wiesenpflege, das Belassen von Brachen und der Verzicht auf Pestizide helfen dieser Art, sich zu halten oder neue Gebiete zu besiedeln. Vielleicht wird ihr zirpendes Lied in kommenden Jahren wieder häufiger unser Sommerabende begleiten – ein kleines Naturwunder, das uns daran erinnert, wie wertvoll artenreiche Landschaften sind.


In der Aufnahme von Klaus Sanwald 
  •     „Feldgrille (Gryllus campestris) – auf dem Vorplatz ihrer Röhre, aufmerksam und zum nächsten Gesang bereit.“
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Wenn der Wind den Wald neu schreibt
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Wenn der Wind den Wald neu schreibt – Herbststürme als Mahnung für die Zukunft

27/28.09.2025

  • Die Stille nach dem Sturm ist trügerisch. Wo gestern noch dichtes Blätterdach war, klafft heute eine Schneise. 

Äste liegen kreuz und quer, eine Buche versperrt den Forstweg, als wolle sie zeigen, wie verwundbar dieser Wald, der vielfach ein Wirtschaftsforst ist, geworden ist. Die ersten Herbststürme dieses Jahres haben in einigen Teilen Deutschlands deutliche Spuren hinterlassen – und sie sind mehr als nur ein kurzes Wetterereignis. Sie sind ein Spiegel der Zeit.
Unsere Wälder und Forste sind angeschlagen. Jahre der Trockenheit, wiederholte Hitzewellen und ein nie dagewesener "Schädlingsdruck" haben sie mürbe gemacht. Fichten, einst das Rückgrat der Forstwirtschaft, sterben in ganzen Landstrichen ab. Kiefern und Buchen zeigen Risse in der Rinde, werfen Blätter zu früh ab. Die Böden sind ausgedörrt, die Wurzeln verlieren Halt. Und dann kommt der Sturm.

Die Böen der letzten Tage haben nicht nur einzelne Bäume gefällt, sie haben ganze Bestände umgestaltet. Was wie ein Naturereignis wirkt, ist in Wahrheit ein Beschleuniger eines Prozesses, der längst im Gange ist: Der Wald verändert sich, ob wir es wollen oder nicht.

Der Klimawandel ist dabei der große Taktgeber. Steigende Temperaturen, verschobene Niederschlagsmuster, häufigere Wetterextreme – sie alle setzen den Bäumen zu. Und sie machen Herbststürme zu echten Stress-Tests. Jeder Windwurf, jeder abgebrochene Ast erzählt von einem Wald, der um seine Zukunft ringt.

Doch in dieser Krise steckt auch eine Chance. Forstleute und Naturschützer sprechen längst von einem "Waldumbau". Weg von monotonen Fichten- und Kiefernforsten, hin zu widerstandsfähigen Mischwäldern, die Stürmen trotzen und Trockenheit überstehen können. Tiefwurzelnde Eichen, robuste Hainbuchen, artenreiche Waldränder – sie sollen die Wälder der Zukunft prägen.

Die kommenden Jahrzehnte werden entscheidend sein. Deutschland wird wärmer, Sommer werden trockener, extreme Wetterlagen häufiger. Wenn wir jetzt handeln, können wir Wälder schaffen, die auch unter diesen Bedingungen überleben – und weiterhin Lebensraum, Kohlenstoffspeicher und Erholungsort bleiben.

Die Stille nach dem Sturm kann so zum Anfang einer neuen Geschichte werden: der Geschichte eines Waldes, der nicht nur Opfer ist, sondern zum Symbol des Wandels. 

Doch werden es diese Strukturen tatsächlich schaffen sich dem Klimawandel entgegen zu stellen? 

Wenn wir manchen Prognosen folgen, dann könnten die Temperaturen bis zur Jahrhundertwende bei bis zu 4 Grad über dem liegen was wir heute als Jahresdurchschnittstemperatur bezeichnen und dann wird es wohl auch für die heute neu geschaffenen "Klimaforste" eng. 

Was wir dringend brauchen sind in unseren Augen Großschutzgebiete die einen Wald entstehen lassen der die realistische Chance erhält, uns die Möglichkeit zu eröffnen,erkennen zu können was einen Bereich ausmacht der die Bezeichnung Wald tatsächlich auch verdient. 

In der Aufnahme
Eine vom Sturm abgerissene Buche liegt quer über den Waldweg – ein stilles Mahnmal für die Verletzlichkeit unserer Wälder und die Kraft der Natur.
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Ein stiller Schatz unserer Landschaft – und ein tragischer Verlust
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Ein stiller Schatz unserer Landschaft – und ein tragischer Verlust

26/27.09.2025

  • Es war ein sonniger Nachmittag, als Spaziergänger in einer lichten Hecke am Wegesrand eine seltene Beobachtung machen konnten: eine Gelbgrüne Zornnatter, die anmutig durch das Gras glitt, kurz innehielt, um sich in der Wärme der Sonne aufzuwärmen, und dann blitzschnell in einem Gebüsch verschwand. 

Solche Begegnungen sind kostbar – sie zeigen, dass unsere Kulturlandschaft noch immer Lebensräume für seltene und faszinierende Tiere bereithält.

Die Gelbgrüne Zornnatter gilt in vielen Regionen als Symbol einer intakten Natur. Ihre Anwesenheit ist ein Zeichen dafür, dass offene, strukturreiche Lebensräume noch existieren. Sie ist eine Meisterin der Geschwindigkeit, erstaunlich kräftig und ein wichtiger Bestandteil des ökologischen Gleichgewichts.
Die Gelbgrüne Zornnatter – Porträt einer faszinierenden Schlange

Die Gelbgrüne Zornnatter (Hierophis viridiflavus) gehört zur Familie der Nattern und ist eine der bekanntesten Schlangenarten Südeuropas und des westlichen Mitteleuropas. Erwachsene Tiere können bis zu 150 Zentimeter lang werden. Ihr Körper ist schwarz mit einem feinen, gelbgrünen Muster durchzogen – ein auffälliges, aber zugleich erstaunlich gut getarntes Schuppenkleid, das sie in der Vegetation beinahe unsichtbar macht.

Die Art ist tagaktiv und bevorzugt warme, trockene Standorte: sonnige Waldränder, extensiv genutzte Wiesen, Weinberge, Heckenlandschaften und Trockenmauern. Dort jagt sie Echsen, kleine Säugetiere und gelegentlich Vögel. Sie ist ein flinker Jäger und kann sich blitzschnell fortbewegen. Trotz ihres Namens und ihres lebhaften Verteidigungsverhaltens ist die Gelbgrüne Zornnatter für den Menschen ungefährlich.

Bedrohung durch Lebensraumverlust und Verkehr

Doch diese faszinierende Schlange steht unter Druck. Viele ihrer Lebensräume sind durch intensive Landwirtschaft, Bebauung und den Ausbau von Straßen verloren gegangen. Besonders der Straßenverkehr stellt eine massive Gefahr dar: Zornnattern sind neugierig und mobil, sie überqueren regelmäßig Wege, um neue Jagdreviere oder Partner zu finden. Straßen zerschneiden jedoch ihre Lebensräume und wirken wie tödliche Fallen.

Der Tod einer Gelbgrünen Zornnatter auf der Straße ist daher kein Einzelfall, sondern ein Hinweis auf ein größeres Problem. Jedes überfahrene Tier bedeutet nicht nur den Verlust eines Individuums, sondern auch eine Schwächung der ohnehin empfindlichen lokalen Population.

Warum ihr Schutz wichtig ist

Der Anblick einer überfahrenen Schlange ist verstörend – und doch eine Realität, die uns zum Handeln auffordert. Schutzmaßnahmen wie Amphibien- und Reptilienleiteinrichtungen, Querungshilfen, die Erhaltung von Hecken und naturnahen Strukturen sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung können helfen, das Überleben dieser Art zu sichern.

Die Gelbgrüne Zornnatter erinnert uns daran, dass auch kleine, oft übersehene Tiere eine wichtige Rolle in unseren Ökosystemen spielen. Ihr Verlust wäre nicht nur ein biologischer, sondern auch ein kultureller. Jede Begegnung mit ihr ist ein Geschenk – und ihr Schutz liegt in unserer Verantwortung.




In der Aufnahme von Helga Zinnecker 

Ein stiller Zeuge der Gefahr

Auf diesem Bild ist eine Gelbgrüne Zornnatter (Hierophis viridiflavus) zu sehen, die Opfer des Straßenverkehrs wurde. Ihr Tod steht stellvertretend für viele Reptilien, die Jahr für Jahr auf unseren Straßen verunglücken.

Diese Aufnahme ist kein leichter Anblick – sie erinnert uns jedoch daran, dass Straßen nicht nur Menschen verbinden, sondern auch Lebensräume zerschneiden. Für wandernde Tiere wie die Gelbgrüne Zornnatter bedeutet das ein tödliches Risiko.

Jeder Verlust schwächt die lokale Population und macht Schutzmaßnahmen noch dringlicher: Querungshilfen, vernetzte Lebensräume und Rücksicht im Straßenverkehr sind entscheidend, um das Überleben dieser faszinierenden Art zu sichern.
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Biotope als Schlüsselstrukturen für die Biodiversität
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Biotope als Schlüsselstrukturen für die Biodiversität

25/26.09.2025

  • Die biologische Vielfalt steht weltweit unter Druck. 

In Mitteleuropa sind die Hauptursachen für den Rückgang der Artenvielfalt die Intensivierung der Landnutzung, der Verlust strukturreicher Lebensräume und die zunehmende Homogenisierung der Landschaft. Besonders betroffen sind Arten, die auf ungestörte, mehrjährige Vegetationsbestände und mikroklimatisch vielfältige Strukturen angewiesen sind.
Strukturvielfalt statt Monotonie

Unser Biotop ist ein bewusst gestalteter, extensiv gepflegter Lebensraum, der aus artenreichen Hochstaudenfluren, einem Mosaik von Sukzessionsflächen und gezielt eingebrachtem Totholz besteht. Diese Elemente sind aus ökologischer Sicht von besonderer Bedeutung:

  • Hochstaudenfluren bieten ein über die gesamte Vegetationsperiode reiches Blütenangebot, das eine hohe Diversität an Bestäubern fördert.

  • Totholzstrukturen sind essenziell für xylobionte Käfer, Pilze und andere Destruenten. Sie fördern den Nährstoffkreislauf und erhöhen die Habitatdiversität.

  • Unregelmäßige Pflegezyklen schaffen Rückzugsräume für bodenbrütende Vögel, Kleinsäuger und Insektenlarven, die in intensiv genutzten Flächen kaum überleben können.

Vergleich zu intensiv bewirtschafteten Flächen

Intensiv genutzte Grünflächen – oft als „Grünland“ oder „Futterwiesen“ bezeichnet – werden mehrmals pro Jahr gemäht, um Silage oder Heu zu erzeugen. Dabei werden blühende Pflanzen, Insekten und Kleinlebewesen in großen Mengen entfernt oder zerstört. Der Artenreichtum dieser Flächen ist daher deutlich geringer, ihre ökologische Funktion beschränkt sich weitgehend auf die Futterproduktion.

Demgegenüber bilden Biotope wie das unsere Trittsteinbiotope im Biotopverbund, die Populationen seltener Arten stabilisieren können. Studien zeigen, dass selbst kleine, dauerhaft ungestörte Flächen entscheidend zum Erhalt genetischer Vielfalt beitragen und die Resilienz von Ökosystemen gegenüber Klima- und Landnutzungsänderungen erhöhen.

Ganzjährige Habitatverfügbarkeit

Der ökologische Wert unseres Biotops liegt nicht nur in seiner Artenvielfalt, sondern auch in der Kontinuität seiner Strukturen:


  • Frühjahr: frühe Blütenpflanzen sichern Bestäubern wie Wildbienen und Schwebfliegen den Saisonstart.

  • Sommer: dichter Wuchs bietet Brut- und Nahrungshabitate für Insekten, Amphibien und Vögel.

  • Herbst/Winter: Samenstände und Altgrasbestände stellen Überwinterungsquartiere bereit; Totholz dient als Frostschutz und Nahrungsquelle.

Ökosystemleistungen

Neben dem direkten Artenschutz liefern unsere Biotope eine Reihe wichtiger Ökosystemleistungen:


  • Klimaschutz: Speicherung von Kohlenstoff in Biomasse und Boden.

  • Wasserrückhalt: erhöhte Infiltration und reduzierte Oberflächenabflüsse.

  • Bodenfruchtbarkeit: Förderung von Bodenfauna und Humusbildung.

  • Bestäubungsleistungen: Stärkung lokaler Bestäuberpopulationen, von denen auch die Landwirtschaft profitiert.

Unser Auftrag seit drei Jahrzehnten

Seit fast 30 Jahren setzt sich unsere Organisation für die Erhaltung und Entwicklung solcher ökologisch wertvollen Strukturen ein. Wir kombinieren praktische Naturschutzarbeit – wie das Anlegen und Pflegen von Biotopen – mit Bildungsarbeit, um das Bewusstsein für die Bedeutung von Biodiversität in der Bevölkerung zu schärfen.

Unsere Projekte orientieren sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und berücksichtigen Prinzipien der Landschaftsökologie, des Populationsmanagements und der Habitatvernetzung.

Beteiligung und Zukunftsperspektiven

Der Erhalt und die Ausweitung solcher Biotope erfordern eine langfristige Strategie und breite gesellschaftliche Unterstützung. Wir laden daher alle Interessierten ein, sich einzubringen – durch finanzielle Beiträge, ehrenamtliches Engagement oder die Bereitstellung geeigneter Flächen.

Nur durch gemeinsames Handeln kann die biologische Vielfalt unserer Kulturlandschaft gesichert und eine nachhaltige Koexistenz von Landwirtschaft und Naturschutz ermöglicht werden.

In der Aufnahme
  • Wir schaffen wertvolle Überlebensräume für gefährdete Tier- und Pflanzenarten inmitten ausgeräumter "grüner Wüsten"!
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Wenn der Sommer schweigt – Die letzten Tage der Feldwespen
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Wenn der Sommer schweigt – Die letzten Tage der Feldwespen

24/25.09.2025

  • Der September legte sich wie ein blasser Schleier über den Garten. 

Die Sonne war nur noch eine müde Begleiterin, ihr Licht nicht mehr scharf, sondern sanft, fast wehmütig. Unter dem Dachvorsprung hing das kleine Wespennest – grau und still, wie eine Erinnerung an die heißen Tage.

Die Haus-Feldwespen bewegten sich langsamer. Ihr Summen war kaum mehr als ein Flüstern, das der Wind forttrug. Die Königin saß still in der Mitte, ihre Fühler hingen wie in Gedanken. Der Sommer lag hinter ihr, und sie wusste, dass ihre Zeit fast vorbei war.
An diesem stillen Morgen stellte der Mensch eine kleine Schale Zuckerwasser unter das Nest. Ein leuchtender Tropfen darin fing das schwache Sonnenlicht ein, als wolle er den Sommer festhalten.

Eine einzelne Arbeiterin flog hinunter. Ihr Flug war nicht mehr so schnell wie im Juni, doch sie landete und trank. Der süße Geschmack war wie ein Versprechen, das sie nicht mehr ganz glauben konnte – ein letzter Kuss des Sommers.

„Noch ein wenig,“ summte sie leise, als sie zurückkehrte. „Noch ein paar Tage.“

Die Schwestern sammelten sich enger im Nest, wie um die Wärme der anderen zu spüren. Draußen färbten sich die Blätter rot und gold, die Nächte wurden länger. Manchmal trug der Wind schon einen kalten Hauch heran, und dann bebten ihre feinen Körper vor Frost.

Sie wussten, dass es bald Zeit war. Dass der Herbst ihr Lied zum Schweigen bringen würde.

Und so summten sie, sanft, leise, fast wie ein Gebet:

„Wir haben getan, wozu wir geboren wurden. Wir haben Blüten besucht, Kinder großgezogen, den Sommer begleitet. Nun gehen wir heim in die Stille.“


Als die Sonne sank, war der Garten still, bis auf den Ruf einer fernen Amsel. Und unter dem Dachvorsprung schimmerte das Nest im letzten Licht – ein kleines, graues Denkmal für einen Sommer, der nicht mehr wiederkommt.

In der Aufnahme 
  • Haus-Feldwespe (Polistes dominula) an einer Schale Zuckerwasser
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Verantwortung für kommende Generationen?
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Feldgehölze in Bayern – Schutz, Gesetzgebung und Verantwortung für kommende Generationen

23/24.09.2025

Rechtlicher Rahmen in Bayern
Feldgehölze – also kleinere Baum- und Strauchgruppen, Hecken und Saumstrukturen – sind ein wichtiger Bestandteil der bayerischen Kulturlandschaft. Sie sind Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, dienen als Windschutz, verhindern Bodenerosion und tragen maßgeblich zur ökologischen Vernetzung bei.

In Bayern sind Feldgehölze durch mehrere Rechtsvorschriften geschützt:

Bayerisches Naturschutzgesetz (BayNatSchG):

Nach Art. 16 BayNatSchG sind alle Hecken, Feldgehölze und Ufergehölze in der freien Landschaft grundsätzlich geschützt. Sie dürfen nicht ohne Genehmigung entfernt, zerstört oder erheblich beeinträchtigt werden.
Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG):
§ 39 Abs. 5 BNatSchG regelt ein generelles Fäll- und Schnittverbot für Gehölze vom 1. März bis 30. September. In dieser Zeit dürfen Bäume, Hecken und Gebüsche weder gerodet noch auf den Stock gesetzt werden – zum Schutz der brütenden Vögel und anderer Tiere.

Zulässig sind nur schonende Form- und Pflegeschnitte, wenn sie der Erhaltung der Gehölze dienen.

Eigentumsrecht:
Auch wenn eine Fläche öffentlich zugänglich ist, bedeutet das nicht, dass jeder dort Eingriffe vornehmen darf. Wer ohne Erlaubnis Gehölze auf fremdem Grund entnimmt oder beschädigt, handelt rechtswidrig und kann sich schadensersatzpflichtig machen.

Wann und wie Gehölze entnommen werden dürfen
Die Entnahme von Feldgehölzen ist nur in streng geregelten Ausnahmefällen möglich – beispielsweise wenn eine behördlich genehmigte Maßnahme (z. B. Straßenbau, Leitungsverlegung) vorliegt oder aus naturschutzfachlichen Gründen ein Pflegemanagement erforderlich ist.

In solchen Fällen:

  • Wird die Maßnahme von Fachleuten geplant,
  • erfolgt eine naturschutzrechtliche Prüfung,
  • werden Ausgleichs- oder Ersatzpflanzungen vorgesehen.

Ein unkontrolliertes Entfernen von Gehölzen auf eigene Faust – insbesondere auf fremden oder öffentlichen Flächen – ist nicht nur illegal, sondern kann auch Bußgelder oder strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Ökologische Bedeutung und Verantwortung
Jede Entfernung von Hecken und Feldgehölzen bedeutet den Verlust von Lebensraum für Insekten, Vögel, Igel und viele andere Tiere. In Zeiten, in denen Artenvielfalt dramatisch abnimmt, sind diese Strukturen oft die letzten Rückzugsräume in einer intensiv genutzten Landschaft.


Wer eigenmächtig Gehölze entfernt, trägt damit aktiv zur weiteren Verarmung unserer Natur bei.


Die Folgen sind weitreichend: weniger Bestäuber, weniger Bodenfruchtbarkeit, weniger Schutz vor Klimaextremen. Am Ende schaden wir uns selbst – und nehmen unseren Kindern und Enkelkindern die Chance auf eine intakte, artenreiche Umwelt.

Stellen wir uns vor, wir machen so weiter: Felder ohne Hecken, monotone Landschaften, kaum noch Vögel oder summende Insekten im Sommer. Eine Natur, die ihre ökologischen Funktionen nicht mehr erfüllt, ist nicht nur ärmer – sie bedroht unsere Ernährungssicherheit und unser Wohlbefinden.

Wer Verantwortung übernimmt, handelt anders:
Er oder sie achtet auf die gesetzlichen Vorgaben, beteiligt sich an naturschutzfachlich abgestimmten Pflegeplänen und sieht sich als Teil eines größeren Ganzen. Wer wirklich an das Wohlergehen der kommenden Generationen denkt, schützt Feldgehölze und arbeitet für deren Erhalt – nicht dagegen.


In der Aufnahme
  • „Gesetzesverstoß mit Folgen – nicht nur für die Umwelt, sondern auch für kommende Generationen.“
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Totholz und Pilze – Schatzkammern des Waldes
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Totholz und Pilze – Schatzkammern des Waldes

22/23.09.2025

  • Wer durch einen naturnahen Wald spaziert, wird vielleicht an einem morschen Baumstamm vorbeikommen, der langsam von Moosen überwachsen wird. 

Für viele Menschen ist er nur ein „toter Baum“. Doch dieser Eindruck täuscht: Totholz ist voller Leben und ein unverzichtbarer Bestandteil des Ökosystems Wald.
Vom Baum zum Biotop

Wenn ein Baum abstirbt, beginnt eine faszinierende Verwandlung. Rinde löst sich, der Stamm reißt auf, Feuchtigkeit dringt ein – und schon beginnt das große Werk der Zersetzung. Dieser Prozess wird von einer Vielzahl von Organismen gesteuert: Bakterien, Insekten, Moose – und ganz besonders von Pilzen. Sie sind die wahren Hauptakteure dieses unsichtbaren Kreislaufs.

Pilze als Meister der Zersetzung

Pilze besitzen ein weit verzweigtes Myzel, das tief in das Holz eindringt. Dort setzen sie Enzyme frei, die selbst die widerstandsfähigen Holzbestandteile wie Lignin und Zellulose abbauen. Dabei entstehen humusbildende Stoffe und wertvolle Nährstoffe, die wieder in den Boden zurückgeführt werden.

Zu den typischen „Holzzersetzern“ gehören:

  • Zunderschwamm (Fomes fomentarius) – ein Klassiker auf alten Buchenstämmen.

  • Hallimasch (Armillaria mellea) – bekannt für seine leuchtend gelben Fruchtkörper und seine Fähigkeit, große Flächen zu besiedeln.

  • Lackporling (Ganoderma applanatum) – auch als „Künstlerporling“ bekannt, weil sich seine Porenschicht einritzen lässt.

  • Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor) – farbenprächtig wie ein Pfauenrad.

  • Judasohr (Auricularia auricula-judae) – gallertartig, oft an Holunder zu finden.

Jede dieser Arten hat ihre eigene ökologische Nische, ihren eigenen „Zeitpunkt“ im Zersetzungsprozess. Manche erscheinen bereits kurz nach dem Absterben des Baumes, andere erst Jahre später, wenn das Holz weich geworden ist.

Ein Paradies für Tiere

Wo Pilze und Mikroorganismen das Holz aufweichen, entsteht eine Fülle an Nischen. Käferlarven bohren ihre Gänge, Ameisen legen Kammern an, Spinnen weben ihre Netze, und Vögel wie Spechte zimmern ihre Bruthöhlen in das mürbe Holz. Selbst große Säugetiere profitieren: Fledermäuse nutzen verlassene Spechthöhlen als Quartiere, und Rehe finden hier Nahrung.

Ökologische Bedeutung – mehr als nur Recycling

Totholz ist kein Abfallprodukt, sondern ein zentraler Motor der Biodiversität. Es speichert Wasser, fördert die Humusbildung, bindet CO₂ und sorgt für ein stabiles Mikroklima. Wälder mit hohem Totholzanteil sind meist artenreicher und widerstandsfähiger gegenüber Stürmen, Trockenheit und Schädlingen.

Fazit: Leben im vermeintlichen Tod

Totholz zeigt uns, dass im Wald nichts verloren geht. Jeder umgestürzte Stamm erzählt die Geschichte eines fortwährenden Kreislaufs – vom Leben, Sterben und Wiederentstehen. Indem wir Totholz liegen lassen, unterstützen wir nicht nur Pilze, Käfer und Vögel, sondern tragen dazu bei, dass der Wald gesund und lebendig bleibt.

In der Aufnahme 
  • Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor) an Totholz
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Der Zweigriffelige Weißdorn – heimischer Schatz in unseren Hecken
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Der Zweigriffelige Weißdorn – heimischer Schatz in unseren Hecken

21/22.09.2025

  • An einem milden Frühlingsmorgen, wenn der Tau noch auf den Gräsern liegt, erwacht am Waldrand ein kleiner Zauber: Der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata) steht in voller Blüte. 

Sein süßlicher Duft liegt in der Luft, und das leise Summen von Bienen verrät, dass hier ein wichtiges Kapitel der heimischen Natur geschrieben wird. Schon seit Jahrhunderten prägt dieser Strauch unsere Landschaft – als Heckenpflanze, als Schutzgehölz und als stille Apotheke.
Artmerkmale und Erkennungszeichen

Der Zweigriffelige Weißdorn ist ein sommergrüner Strauch oder kleiner Baum, der zwischen 3 und 6 Meter hoch werden kann. Charakteristisch sind:


  •     Blüten: Weiße, duftende Doldenblüten von Mai bis Juni, jeweils mit zwei Griffeln (daher der Name).

  •     Blätter: Eiförmig bis gelappt, glänzend grün, etwas breiter als beim Eingriffeligen Weißdorn.

  •     Dornen: Kurze, kräftige Dornen an den Zweigen – ein natürlicher Schutz für viele Tierarten.

  •     Früchte: Leuchtend rote, rundliche „Mehlbeeren“, die im Herbst reifen und bis in den Winter hinein am Strauch bleiben.

Er gedeiht auf nährstoffreichen Böden, bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte und ist äußerst schnittverträglich – ein Grund, warum er seit Jahrhunderten in Hecken und Knicks angepflanzt wird.

Bedeutung für die Biodiversität

Der Zweigriffelige Weißdorn ist ein wahres Biotop im Kleinformat:


  •     Für Insekten: Über 100 Wildbienen- und Käferarten nutzen seine Blüten als Nahrungsquelle.

  •     Für Vögel: Das dichte Geäst bietet sicheren Nistplatz für Arten wie Goldammer, Neuntöter oder Zaunkönig.

  •     Für Säugetiere: Igel und Kleinsäuger finden unter den dornigen Zweigen Schutz vor Fressfeinden.

  •     Für den Menschen: Früher nutzte man Blüten und Früchte in der Volksmedizin zur Herzstärkung – ein Brauch, der bis heute in der Phytotherapie fortlebt.


Der Weißdorn erfüllt damit eine Doppelfunktion: Er bewahrt alte Kulturlandschaften und unterstützt moderne Naturschutzkonzepte, indem er Lebensräume vernetzt und ökologisch wertvolle Blüh- und Fruchtstrukturen bietet.

Warum er heute wichtiger denn je ist
Angesichts schwindender Hecken und monotoner Agrarflächen sind Sträucher wie der Zweigriffelige Weißdorn unverzichtbar, um Insekten- und Vogelpopulationen zu stabilisieren. Wer ihn in seinem Garten pflanzt, schafft nicht nur ein Stück Geschichte, sondern auch eine lebendige Oase für unzählige Tierarten.




In der Aufnahme von Albert Meier 
  •     Blütenpracht im Mai: Zweigriffeliger Weißdorn in voller Blüte – ein Festmahl für Bienen und Schmetterlinge.
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Der Ammen-Dornfinger – ein Sommerabend mit einer besonderen Spinne
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Der Ammen-Dornfinger – ein Sommerabend mit einer besonderen Spinne

20/21.09.2025

  • An einem warmen Spätsommertag durchstreifte ich eine Wiese am Waldrand. 

Die Gräser standen hoch, und zwischen ihnen blitzten zahllose kleine Insekten auf. Während ich vorsichtig durch das Gras ging, entdeckte ich etwas Ungewöhnliches: Ein weißlich schimmerndes, trichterförmiges Gespinst spannte sich zwischen zwei Halmen. Es wirkte fest und kunstvoll – fast wie eine kleine Höhle aus Seide.
Neugierig beugte ich mich näher. Plötzlich bewegte sich etwas: Eine schlanke, gelblich-grüne Spinne trat aus dem Eingang. Ihr Vorderkörper wirkte dunkel und glänzend, die Cheliceren kräftig und schwarz. Ich war einem Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) begegnet – einer der wenigen Spinnen Mitteleuropas, die tatsächlich in der Lage sind, ihre Bisse spürbar zu hinterlassen.

Artbeschreibung – Merkmale, Lebensweise und Verbreitung

Der Ammen-Dornfinger gehört zur Familie der Eutichuridae und ist in vielen Teilen Europas verbreitet. Die Spinne erreicht eine Körperlänge von bis zu 15 Millimetern, wobei die Weibchen größer und massiger werden als die Männchen. Ihre Färbung reicht von hellgelb bis orangebraun, der Kopfbereich (Prosoma) hebt sich durch seine dunklere Tönung deutlich vom Hinterleib (Opisthosoma) ab. Besonders charakteristisch sind die kräftigen, schwarzen Cheliceren, die wie kleine Zangen wirken.

Die Art ist überwiegend nachtaktiv. Tagsüber hält sie sich in einem stabilen, aus Grashalmen versponnenen Röhrengespinst auf. Besonders im Spätsommer bauen die Weibchen ihre Brutgespinste, in denen sie die Eier bewachen – daher der Name „Ammen“-Dornfinger. Während dieser Zeit sind sie sehr standorttreu und zeigen ein ausgeprägtes Verteidigungsverhalten.

Die Nahrung des Ammen-Dornfingers besteht aus Heuschrecken, Käfern und anderen Insekten, die er durch einen gezielten Biss lähmt. Mit dem Klimawandel und der Zunahme trockener, warmer Habitate breitet sich diese Art zunehmend auch nach Norden aus. Sie ist inzwischen in vielen Regionen Deutschlands und Mitteleuropas anzutreffen, wo sie früher kaum vorkam.

Mögliche Gefahren – und warum keine Panik nötig ist

Obwohl der Ammen-Dornfinger einen vergleichsweise kräftigen Biss hat, der die menschliche Haut durchdringen kann, ist seine Giftwirkung nicht gefährlich. Der Biss ist schmerzhaft wie ein Wespenstich und kann Rötung, leichte Schwellung und selten auch Kopfschmerzen oder Übelkeit verursachen. Meist klingen die Beschwerden innerhalb weniger Stunden bis zu zwei Tagen von selbst ab.
Wichtig zu wissen: Die Spinne beißt nur, wenn sie sich stark bedrängt fühlt, insbesondere wenn ihr Brutgespinst geöffnet oder beschädigt wird. Wer ihre Nester in Ruhe lässt, wird sie kaum jemals aggressiv erleben.

Ein faszinierender Teil unserer Natur

Der Ammen-Dornfinger ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie selbst kleine Tiere komplexe Strategien zum Überleben entwickelt haben. Seine Brutpflege, sein kluges Jagdverhalten und die zunehmende Ausbreitung in neue Regionen zeigen, wie dynamisch sich die Natur verändert. Wer die Chance hat, diese Spinne zu beobachten, erlebt nicht nur einen spannenden Moment, sondern gewinnt auch ein Stück Respekt für die oft übersehene Vielfalt der heimischen Tierwelt.

In der Aufnahme von Albert Meier 
  •     Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) – auffällige Cheliceren und leuchtend gelber Körper machen ihn unverwechselbar.
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Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) – der sanfte Riese der Wiese
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Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) – der sanfte Riese der Wiese

19/20.09.2025

  • Eine Begegnung in der Sommerwiese

Es war ein warmer Junimorgen, als ich über eine blühende Wiese spazierte. Das Summen der Bienen lag wie ein sanfter Klangteppich in der Luft, Schmetterlinge flatterten zwischen Margeriten und Glockenblumen. 

Plötzlich blieb mein Blick an einer besonders hohen Pflanze hängen: kräftige Stängel, große gefiederte Blätter und eine majestätische weiße Blütendolde, die sich wie ein Sonnenschirm über das Gras erhob.
Ich trat näher und beobachtete, wie unzählige Insekten die winzigen Blüten besuchten. Die Pflanze wirkte wie ein Treffpunkt – ein kleines Ökosystem für sich. Es war der Moment, in dem ich den Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) kennenlernte, einen der beeindruckendsten und zugleich wichtigsten Vertreter unserer heimischen Flora.


In der Aufnahme 
  • Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) Stauden am Waldrand
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Hagebutten – die roten Vorratskammern der Natur
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Hagebutten – die roten Vorratskammern der Natur

18/19.09.2025

  • Wenn der Sommer zu Ende geht und die Tage kürzer werden, beginnt die Zeit der Hagebutten. 

Die kleinen, leuchtend roten Früchte der Wildrosenarten – allen voran der Hunds-Rose (Rosa canina) – hängen bis weit in den Winter hinein an Hecken und Waldrändern. Sie sind nicht nur ein Blickfang in der herbstlichen Landschaft, sondern auch eine der wertvollsten Nahrungsquellen für viele Tiere.
Was Hagebutten ausmacht

Botanisch gesehen sind Hagebutten Sammelfrüchte, in deren Innerem zahlreiche kleine Nüsschen liegen – die eigentlichen Samen der Rose. Das rote Fruchtfleisch ist reich an Vitamin C, Mineralstoffen und natürlichen Antioxidantien. Damit sind Hagebutten nicht nur für den Menschen ein traditionelles Winterstärkungsmittel, sondern auch für die Tierwelt eine ideale Energiequelle in der kargen Jahreszeit.

Bedeutung für die Tierwelt

Hagebutten übernehmen in der Natur eine Schlüsselfunktion:


  • Nahrung für Vögel: Viele heimische Singvögel sind auf Hagebutten angewiesen, wenn andere Früchte längst verzehrt oder von Frost zerstört sind. Amseln, Rotkehlchen, Heckenbraunellen, Dompfaffen und auch Wintergäste wie Seidenschwänze nutzen die Früchte, um ihre Energiereserven aufzufüllen.

  • Winternahrung für Säugetiere: Feldhasen und Rehe knabbern gerne an den vitaminreichen Früchten, wenn Schnee die übrigen Pflanzenbedeckungen verdeckt. Selbst Mäuse und andere Kleinsäuger profitieren von den energiereichen Kernen.

  • Lebensraum für Insekten: Schon vor der Fruchtbildung haben Wildrosen einen hohen ökologischen Wert: Ihre Blüten bieten von Mai bis Juni reichlich Nektar und Pollen für Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen. Im Spätsommer bieten die reifen Hagebutten Käfern und anderen Insekten Nahrung.

Ein wichtiger Baustein im Ökosystem

Hagebutten sind nicht nur Nahrung, sondern auch Teil eines Kreislaufs: Wenn Vögel die Früchte fressen, verbreiten sie die Samen weit über den Standort der Mutterpflanze hinaus. Auf diese Weise tragen sie zur Vermehrung der Wildrosen bei und erhalten damit die Heckenlandschaften, die wiederum Brutplätze, Schutzräume und Nahrungsquellen für zahlreiche Tierarten bieten.

Warum sie für die Artenvielfalt wichtig sind

Hecken mit Wildrosen und Hagebutten gehören zu den artenreichsten Lebensräumen unserer Kulturlandschaft. Sie verbinden Felder, Wiesen und Wälder miteinander, dienen als „grüne Leitlinien“ für wandernde Tiere und bieten ganzjährig Struktur:

  • Im Frühjahr Nistplätze und Blüten für Insekten

  • Im Sommer Schutzräume und Verstecke

  • Im Herbst und Winter Früchte als Nahrung

Tipps für Naturfreunde und Gärtner

Wildrosen pflanzen:
Wer Platz im Garten oder an Ackerrändern hat, kann mit heimischen Wildrosenarten einen wertvollen Lebensraum schaffen.

Verblühte Sträucher nicht zurückschneiden: So können sich Hagebutten ausbilden und den Tieren bis in den Winter zur Verfügung stehen.

Hecken erhalten: Alte Hecken mit Wildrosen sind wertvolle Rückzugsorte und sollten gepflegt, aber nicht zu stark beschnitten werden.

Fazit
Hagebutten sind weit mehr als nur ein herbstlicher Farbtupfer. Sie sind Nahrungsquelle, Lebensraum, Überlebenshilfe und Samenbank in einem. Sie helfen, die Zeit zwischen Spätherbst und Frühling zu überbrücken, wenn das Nahrungsangebot für viele Tiere knapp wird. Wer Hagebuttensträucher in seiner Umgebung erhält oder pflanzt, leistet einen aktiven Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt und macht die Landschaft lebendiger – für Tiere und für uns Menschen.

In der Aufnahme 
  • Heckenrose bildet Hagebutten aus
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Wenn Felder leer werden – ein tiefer Einschnitt für Wildtiere und Landschaft
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Wenn Felder leer werden – ein tiefer Einschnitt für Wildtiere und Landschaft

17/18.09.2025

  • Die Erntezeit ist für uns Menschen ein vertrautes Bild: Mähdrescher ziehen ihre Bahnen, der Duft von Stroh liegt in der Luft, und innerhalb weniger Stunden verwandeln sich hohe, dichte Pflanzenbestände in offene, abgeerntete Flächen. 

Für viele von uns ist dies der sichtbare Abschluss eines erfolgreichen landwirtschaftlichen Jahres. Doch für unzählige Wildtiere bedeutet dieser Moment eine Zäsur – eine plötzliche, tiefgreifende Veränderung ihres Lebensraums.

Der Lebensraum vor der Ernte

Getreidefelder, Wiesen und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen sind für viele Tiere mehr als nur Produktionsstätten des Menschen. Sie dienen als Kinderstube, Schutzraum und Nahrungsquelle. In den Wochen und Monaten vor der Ernte finden Rehkitze hier sichere Liegeplätze, Feldhasen ziehen ihren Nachwuchs groß, und Bodenbrüter wie Rebhühner oder Feldlerchen nutzen die Deckung der Pflanzen zum Brüten und Aufziehen ihrer Küken. Auch unzählige Insektenarten – von Wildbienen über Heuschrecken bis zu Käfern – leben in und von der Vegetation.

Der plötzliche Wandel

Wenn die Ernte beginnt, geschieht die Veränderung in kürzester Zeit. Aus einem geschlossenen, schützenden Habitat wird eine offene Fläche. Nester, Verstecke und Deckung verschwinden buchstäblich über Nacht. Für erwachsene Tiere bedeutet dies Stress, für Jungtiere kann es lebensbedrohlich sein.

  • Schutzverlust: Ohne Deckung sind viele Tiere Fressfeinden ausgesetzt.

  • Orientierungsprobleme: Jungtiere kennen nur den vertrauten, dichten Pflanzenbestand und finden sich in der neuen offenen Umgebung kaum zurecht.

  • Nahrungsverlust: Insekten, Samen und Kräuter verschwinden oder werden durch die Bearbeitung der Felder zerstört.

  • Erhöhtes Risiko: Bei der Ernte selbst können Tiere verletzt oder getötet werden, wenn sie nicht rechtzeitig fliehen.

Eine stille Herausforderung

Diese Umbrüche geschehen jedes Jahr, doch sie bleiben oft unbemerkt. Die betroffenen Tiere leiden leise. Ihr Verlust wird selten sichtbar – höchstens dann, wenn Rehkitze oder Junghasen verletzt auf den Flächen gefunden werden. Gerade diese Unsichtbarkeit macht das Problem so schwierig.

Möglichkeiten, zu helfen

Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Ansätze, um den Übergang für die Tierwelt abzumildern, ohne die landwirtschaftliche Produktion zu beeinträchtigen.

  • Staffelernte und Mosaikmahd: Nicht alle Flächen auf einmal abernten oder mähen – so bleiben Rückzugsräume erhalten.

  • Blühstreifen und Feldraine: Diese bieten ganzjährig Deckung und Nahrung.

  • Technische Hilfsmittel: Drohnen mit Wärmebildkameras können vor der Mahd Jungtiere aufspüren.

  • Späte Bearbeitung einzelner Flächen: Gibt Jungtieren Zeit, sich an die neue Situation anzupassen.

  • Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz: Gemeinsame Planung und Förderprogramme können ökologische Ausgleichsflächen sichern.

Die schlechte Nachricht: Diese Vorgehensweisen werden leider nur sehr zurückhaltend verfolgt!

Ein Aufruf zum achtsamen Handeln

Die plötzliche Freistellung der Felder zeigt uns, wie eng unser Tun mit dem Leben der Wildtiere verbunden ist. Jeder Schnitt, jede Ernte, jede Bewirtschaftung ist Teil eines größeren Kreislaufs, der nicht nur uns, sondern auch unzähligen anderen Lebewesen Lebensgrundlage ist. Mit einem bewussten Blick auf die Folgen können wir Landwirtschaft und Artenvielfalt besser in Einklang bringen.

Indem wir gemeinsam Rücksicht nehmen, schaffen wir eine Kulturlandschaft, die sowohl Nahrung für uns Menschen als auch Lebensraum für Tiere und Pflanzen bietet. Die Ernte darf ein Moment der Freude sein – für uns und für die Natur.

In der Aufnahme
  • Lebensraumveränderung über Nacht - für viele Wildtiere ein elementarer Lebenseinschnitt!
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Käferkeller anlegen – Natürliche Lebensräume für Käfer & Co. schaffen
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Käferkeller anlegen – Natürliche Lebensräume für Käfer & Co. schaffen

16/17.09.2025

  • Ein Käferkeller ist ein bewusst gestalteter Bereich im Garten oder auf einem Grundstück, der Käfern und anderen nützlichen Insekten einen geschützten Ort zum Leben, Überwintern und Vermehren bietet. 

Während Insektenhotels oft für Wildbienen gebaut werden, richtet sich ein Käferkeller speziell an jene Arten, die auf feuchtes, verrottendes Holz oder humusreiche Erde angewiesen sind.
Warum ein Käferkeller wichtig ist

Käfer sind faszinierende und nützliche Lebewesen. Viele Arten zersetzen abgestorbene Pflanzenreste und helfen so, Nährstoffe in den Boden zurückzuführen. Andere, wie der Marienkäfer, fressen Blattläuse und wirken als natürliche Schädlingsbekämpfer. 

Leider verschwinden ihre natürlichen Lebensräume immer mehr – Totholz wird aus Gärten entfernt, Laubhaufen werden zu früh weggeräumt und Flächen werden versiegelt. Ein Käferkeller ist eine einfache Möglichkeit, diesen Tieren einen sicheren Rückzugsort zu bieten und damit aktiv den Artenschutz zu unterstützen.




In der Aufnahme von Mario Will
  • Impression zur Gestaltung eines Käferkellers
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Das Mauer-Drehzahnmoos – ein kleiner Überlebenskünstler an unseren Mauern
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Das Mauer-Drehzahnmoos – ein kleiner Überlebenskünstler an unseren Mauern

15/16.09.2025

  • Wer aufmerksam durch Städte und Dörfer spaziert, entdeckt ihn fast überall: den zähen, grünlichen Teppich, der Mauern, Dachziegel oder Betonfugen überzieht. 

Dabei handelt es sich um das Mauer-Drehzahnmoos (Tortula muralis) – eine erstaunliche Pflanze, die direkt vor unserer Haustür eine ganze Welt im Miniaturformat erschafft.
Ein Moos mit Charakter
Das Moos bildet kleine, dichte Polster, die sich oft wie kleine Inseln aus dem grauen Stein abheben. Besonders auffällig sind die Blätter mit ihren durchsichtigen Haarspitzen, die im Sonnenlicht fast glitzern. Wenn es Sporen bildet, trägt es winzige Stiele mit Kapseln, deren gezähnter Rand sich je nach Luftfeuchtigkeit verdreht. Dieses „Zahnrädchen“ ist der Ursprung seines Namens.

Zuhause in der Stadt
Während viele Pflanzen nährstoffreiche Böden brauchen, fühlt sich das Mauer-Drehzahnmoos auch dort wohl, wo kaum etwas anderes wächst: auf Mauerkronen, alten Ziegeln oder blankem Stein. Es gilt als echter Stadtbewohner und passt sich perfekt an die vom Menschen geprägte Umgebung an.

Meister der Anpassung
Eine seiner erstaunlichsten Eigenschaften ist die Fähigkeit, wochen- oder sogar monatelang komplett auszutrocknen – um dann bei Regen oder Nebel wieder „zum Leben zu erwachen“. Diese Überlebensstrategie nennt man Poikilohydrie. So wird aus einem scheinbar leblosen, grauen Polster im Handumdrehen wieder ein frisches Grün.

Mehr als nur Grünzeug

Auch wenn es unscheinbar wirkt, erfüllt das Mauer-Drehzahnmoos wichtige Aufgaben:


  • Es bindet Staub und Schadstoffe aus der Luft.

  • Seine Polster bieten Unterschlupf für winzige Insekten und Mikroorganismen.

  • Es bringt selbst in die kargsten Ecken ein Stück Natur zurück.

Tipp: Beim nächsten Spaziergang lohnt sich ein genauer Blick auf Mauern oder Dächer. Vielleicht entdeckst du das Mauer-Drehzahnmoos – einen kleinen, aber faszinierenden Überlebenskünstler, der zeigt, wie viel Leben selbst an den unscheinbarsten Orten steckt.

Mehr zum Mauer-Drehzahnmoos hier auf unseren Seiten

In der Aufnahme von Albert Meier
  • Mauer-Drehzahnmoos
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Die Ohrenqualle (Aurelia aurita)
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Die Ohrenqualle (Aurelia aurita)

14/15.09.2025

  • Die Ohrenqualle gehört zu den bekanntesten Quallenarten in europäischen Küstengewässern. 

Ihren Namen verdankt sie den vier ringförmigen Strukturen im Inneren des Schirms, die wie helle „Ohren“ wirken. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um ihre Geschlechtsorgane.
Merkmale

  •     Aussehen: Der Schirm ist meist durchsichtig bis leicht milchig trüb und kann einen Durchmesser von 20 bis 40 Zentimetern erreichen.

  •     Fortbewegung: Sie treibt überwiegend mit den Strömungen, kann sich aber durch sanftes Pulsieren des Schirms etwas steuern.

  •     Nahrung: Mit ihren feinen Tentakeln fängt sie winzige Planktonorganismen wie Kleinkrebse und Larven.


Lebensweise

Die Ohrenqualle kommt in Küstenregionen fast weltweit vor und ist häufig in Häfen, Buchten und ruhigen Meeresbereichen zu beobachten. Sie hat einen typischen Lebenszyklus: Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich winzige Larven, die sich am Boden festsetzen und zu sogenannten Polypen werden. Aus diesen entstehen später durch Abschnürung die frei schwimmenden Medusen – das sind die bekannten Quallen.

Bedeutung und Gefährdung

Für den Menschen ist die Ohrenqualle weitgehend harmlos. Ihre Nesselzellen können zwar leichte Hautreizungen verursachen, sind aber nicht gefährlich. Ökologisch spielt sie eine wichtige Rolle, weil sie große Mengen Plankton frisst und zugleich Nahrung für Fische, Meeresschildkröten und andere Tiere ist.

Obwohl die Art derzeit nicht bedroht ist, reagieren Quallenpopulationen empfindlich auf Veränderungen im Ökosystem. Überfischung, Meeresverschmutzung und Klimawandel können ihr Vorkommen beeinflussen – manchmal sogar zu Massenauftreten führen.

In der Aufnahme von Jürgen Wolf
  •     Ohrenqualle
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