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2025-12
Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon)
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Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

14/15.12.2025

  • Als Schwalbenschwanz (Papilio machaon) betrachte ich mich als ein prächtiger Vertreter der Familie der Papilionidae, bekannt für meine markanten, geschwungenen Flügel mit einer auffälligen Gelb- und Schwarzkombination. 

Mein Lebensraum erstreckt sich über weite Teile Europas, Asiens und Nordamerikas, wo ich in offenen Landschaften, Gärten und Wiesen anzutreffen bin.

Fachlich betrachtet gehöre ich zur Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera) und zeige typische Merkmale dieser Gruppe, wie zum Beispiel schuppige Flügel und einen saugenden Rüssel. Mein wissenschaftlicher Name, Papilio machaon, verweist auf meine Zugehörigkeit zur Gattung Papilio und spezifiziert meine Art.
Mein Leben beginnt als Ei, das an Pflanzen der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) abgelegt wird. Nach dem Schlüpfen entwickle ich mich durch mehrere Larvenstadien, in denen ich mich von den Blättern meiner Wirtspflanzen ernähre, typischerweise von Fenchel, Möhren oder Dill. Während dieser Phase bin ich anfällig für Prädatoren, weshalb meine auffällige Warnfärbung eine Rolle spielt, um Feinde abzuschrecken.

Nachdem ich mich verpuppt habe, verbringe ich einige Zeit als Puppe, während mein Körper umgestaltet wird und meine Flügel ihre endgültige Form annehmen. Als fertiger Schmetterling trage ich eine Mischung aus gelben, schwarzen und blauen Farben auf meinen Flügeln, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern auch meiner Art helfen, sich zu reproduzieren und zu überleben.

Mein Leben als erwachsener Schwalbenschwanz ist von kurzen, aber intensiven Flugphasen geprägt, während derer ich auf Nektarsuche bin und oft weite Strecken zurücklege, um geeignete Nahrungsquellen zu finden. Meine Flugweise ist elegant und oft von schnellen, zickzackförmigen Bewegungen geprägt, die es mir ermöglichen, mich geschickt vor potenziellen Fressfeinden zu schützen.

Insgesamt bin ich als Schmetterling ein faszinierendes Beispiel für die Schönheit und Anpassungsfähigkeit der Natur, deren Lebenszyklus und Verhalten durch eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien und Beobachtungen untersucht wurden, um das Verständnis für die ökologische Rolle und den Schutz meiner Art zu vertiefen.





Aufnahme von Dieter Zinßer
  •     Einer unserer schönsten Falter (auch im Raupenstadium farbschön) ist der Schwalbenschwanz.
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Rekordjahr für Seggenrohrsänger in Litauen
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Rekordjahr für Seggenrohrsänger in Litauen

13/14.12.2025

  • Lichtblick für Europas seltensten Singvogel: In diesem Jahr wurde in Litauen eine Rekordzahl von Seggenrohrsängern – eine der bedrohtesten Vogelarten Europas – registriert. 

Bei der Zählung im zurückliegenden Sommer konnten Vogelschützerinnen und Ornithologen 376 singende Männchen zählen. Gänzlich ungetrübt ist dieses Ergebnis allerdings nicht.
In Litauen wurde bei dem vom Aussterben bedrohten Seggenrohrsänger die erfolgreichste Brutsaison seit mehr als zwanzig Jahren verzeichnet. 376 singende Männchen – so wird diese eher unauffällige und promiskuitiv lebende Vogelart üblicherweise erfasst – wurden in den Seggensümpfen des baltischen Landes gezählt. Im Vergleich zum Schnitt der 2010er-Jahre ist das eine Verdreifachung der Bestände. 

EuroNatur engagiert sich seit rund einem Jahr im internationalen LIFE-Projekt zum Schutz des Seggenrohrsängers. „Die gute Nachricht dieses Sommers aus Litauen freut uns sehr“, sagt Dr. Justine Vansynghel, Zugvogel-Projektleiterin bei EuroNatur. „Es ist schön zu sehen, dass sich die Wiederherstellungsmaßnahmen und die Pflege der Wiesen und Sümpfe durch unsere Partner bezahlt machen, vor allem im Memeldelta.“

Ein weiterer möglicher, weniger erfreulicher Grund für den diesjährigen Rekord an Seggenrohrsängerbruten in Litauen sind die schlechten Bedingungen in anderen europäischen Brutgebieten. „In den Mooren des polnischen Nationalparks Biebrza war es dieses Jahr sehr trocken, auf einer Fläche von 500 Hektar wüteten Frühjahrsbrände. Ähnlich sah es in der Ukraine aus“, stellt Žymantas Morkvėnas von der litauischen EuroNatur-Partnerorganisation BEF dar. „Es ist wahrscheinlich, dass aufgrund der schlechten Brutbedingungen in der Ukraine und vor allem in Polen ein Teil der Vögel nach Litauen abgewandert ist und günstigere Lebensräume im Memeldelta und an der Küste gewählt hat. Dieses Verhalten ist für die Art nicht untypisch und zeigt, wie wichtig die Vernetzung von Feuchtgebieten ist“, sagt Morkvėnas.


Hintergrundinformationen:

  •     Der Seggenrohrsänger ist einer der seltensten Vögel Europas. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts ist seine Population um 95 Prozent zurückgegangen. Derzeit gibt es weltweit nur noch etwa 8.000 singende Männchen, und der Rückgang der Art hält an – vor allem aufgrund der Verschlechterung der Lebensräume, zum Beispiel durch Trockenlegung von Feuchtgebieten.
     
  •     Seit 2014 brütet der Seggenrohrsänger nur noch in vier europäischen Ländern: Belarus, Ukraine, Polen und Litauen. Der Singvogel ist eine sogenannte Schirmart: Wo sie lebt, herrschen gute Bedingungen für Dutzende andere Tier- und Pflanzenarten. Gemeinsam mit sieben Partnern aus fünf Ländern hat die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur das auf neun Jahre angelegte Projekt LIFE4AquaticWarbler zum Schutz des Seggenrohrsängers gestartet. Ziel des anteilig von der EU geförderten Projekts ist es, den insgesamt rückläufigen Trend der Teilpopulationen zu stoppen sowie den Wiederaufbau der Rohrsängerpopulationen in Deutschland und Ungarn zu initiieren. Das Projekt ist am 1. Oktober 2024 gestartet und auf neun Jahre angelegt.
     
  •     Die Population der Seggenrohrsänger wird anhand der singenden Männchen bestimmt. Methodisch wird dies zweimal im Jahr durchgeführt, jeweils wenn die Vögel brüten, also Anfang Juni und Anfang Juli. Nach der zweiten Zählung werden die Ergebnisse zusammengefasst.

Rückfragen: Christian Stielow, christian.stielow(at)euronatur.org, Tel.: 07732/927215

In der Aufnahme von © Zymantas Morkvenas, Baltic Environmental Forum Lithuania

  • Seltener Anblick: Ein Seggenrohrsängermännchen in seinem bevorzugten Habitat. EuroNatur engagiert sich mit ihren Partnern dafür, dass die vom Aussterben bedrohte Vogelart nicht verschwindet.

Quelle
EuroNatur - Stiftung Europäisches Naturerbe
Westendstraße 3
78315 Radolfzell

Stand
25.11.2025

Für diese Information trägt ausnahmslos der/die Autor*in/Urheber*in die redaktionelle Verantwortung.Die kommunizierten Informationen geben ausnahmslos die Meinung des Verfassers*in, nicht eine Stellungnahme unserer Organisation wieder.

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Die Gemeine Akelei / Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris)
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Die Gemeine Akelei / Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris)

12/13.12.2025

  • Die Geschichte einer kleinen Zufallsbegegnung

An einem frühen Sommermorgen wanderte ich durch einen alten Schlossgarten. Zwischen verblühten Tulpen und hohem Gras entdeckte ich plötzlich eine Pflanze, die mit ihren filigranen Blüten wie kleine, elegante Kleidchen im Wind schwebte. 

Eine ältere Dame, die dort oft spazieren ging, bemerkte meinen Blick und sagte lächelnd: „Das ist die Akelei – sie verneigt sich vor niemandem, aber sie grüßt jeden, der hinsieht.“ Seit diesem Moment blieb mir die Gewöhnliche Akelei als Symbol leiser, selbstbewusster Schönheit in Erinnerung.
Artbeschreibung – die Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris)

Die Gewöhnliche Akelei ist eine mehrjährige, heimische Staude, die zu den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae) gehört. Ihre blauen bis violettroten Blüten zeichnen sich durch längliche Sporne aus, die von Nektar gefüllte Röhren bilden – eine Spezialanpassung für langrüsselige Bestäuber wie Hummeln. Die Pflanzen erreichen in der Regel eine Höhe von 40 bis 80 Zentimetern und besitzen gefiederte, weiche Blätter, die schon ohne Blüte einen dekorativen Eindruck vermitteln.

Naturnah wachsend begegnet uns die Akelei vor allem in lichten Laubwäldern, an Waldrändern, auf Streuobstwiesen und in alten Bauerngärten. Sie besitzt eine besondere Fähigkeit zur genetischen Vielfalt: Akeleien kreuzen sich leicht untereinander, wodurch die Farben und Formen ihrer Blüten immer wieder variieren können.

Perspektive im Wandel – Lebensraumveränderung und Klimawandel

Die Gewöhnliche Akelei ist zwar bislang nicht akut bedroht, doch ihr natürlicher Lebensraum verändert sich merklich. Mit dem Rückgang traditioneller Wiesenlandschaften und halbschattiger Waldränder verliert sie Orte, an denen sie sich spontan ansiedeln kann. Hinzu kommt, dass der Klimawandel die Blühzeiten verschieben und die Zusammensetzung von Bestäubern beeinflussen kann. Fehlen Hummeln oder andere geeignete Insekten, mindert das langfristig die Vermehrung der Akelei.

Gleichzeitig liegt aber auch eine Chance im menschlichen Umdenken: Immer mehr naturnahe Gärten und Blühflächen entstehen. Wer die Akelei bewusst pflanzt und ihr Rückzugsorte bietet, unterstützt nicht nur diese Art, sondern auch ein ganzes Netzwerk von Insekten, die von ihrem reichhaltigen Nektar profitieren. Die Akelei wird damit zu einem lebendigen Bindeglied zwischen dem Wandel der Landschaft und der Verantwortung des Menschen, Vielfalt zu erhalten.


Aufnahme von Dieter Zinßer
  •     „Die filigrane Blüte der Akelei – ein Tanz im Sommerlicht.“
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Der Krokus
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Der Krokus – zarter Frühlingsbote mit farbenfroher Wirkung

11/12.12.2025

  • Der Krokus (Gattung Crocus) zählt zu den bekanntesten Frühjahrsblühern und ist aus Gärten, Parkanlagen und natürlichen Wiesen kaum wegzudenken. 

Sobald der Winter an Kraft verliert, erscheinen seine zarten Blüten in leuchtenden Farben wie Lila, Gelb oder Weiß. Diese frühen Farbtupfer kündigen nicht nur den Frühling an, sondern dienen auch den ersten Insekten als wichtige Nahrungsquelle.
Die Pflanze wächst aus einer kleinen Knolle und bildet schmale, grasartige Blätter. Dass Blätter und Blüten gleichzeitig erscheinen, ist ein hilfreiches Merkmal, um den Krokus in der Natur zu erkennen. Neben den bekannten Frühjahrsarten existieren auch herbstblühende Sorten, doch die meisten Menschen verbinden den Krokus eindeutig mit der milden Jahreszeit.

Unterschied zwischen Krokus und Herbstzeitlose

Immer wieder werden die ähnlichen Blütenformen von Krokus und Herbstzeitlose miteinander verwechselt. Dabei gibt es entscheidende Unterschiede:

  • Der Krokus ist ungiftig, die Herbstzeitlose dagegen hochgiftig, da sie den Stoff Colchicin enthält.

  • Beim Krokus erscheinen Blätter und Blüten gleichzeitig, während die Herbstzeitlose im Herbst ohne Blätter blüht – deren Blätter zeigen sich erst im darauffolgenden Frühjahr.

Auch die Familienzugehörigkeit differenziert sie deutlich: Der Krokus gehört zu den Schwertliliengewächsen (Iridaceae), die Herbstzeitlose zu den Zeitlosengewächsen (Colchicaceae).

Wer diese Merkmale kennt, kann beide Pflanzen in der Natur eindeutig unterscheiden und die Schönheit des Krokus ohne Risiko genießen.

In der Aufnahme von Dieter Zinßer
  •     Krokus 
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Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum)
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Die Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum)

10/11.12.2025

  • Am Rand eines klaren Sommersees saß ein Mädchen im Gras und ließ ihren Blick über das Wasser schweifen. Plötzlich huschte ein schimmernder blauer Strich durch die Luft, landete auf einem Schilfhalm und blieb dort elegant balancierend sitzen. 

Die Gemeine Becherjungfer war auf der Jagd nach winzigen Insekten – mit jener Leichtigkeit, die nur Libellen besitzen. Für einen Moment wurde der See zu einer Bühne, und dieses zarte Wesen spielte die Hauptrolle.
Artbeschreibung

Die Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum) ist eine zierliche Kleinlibelle, die weit verbreitet in Europa vorkommt. Männchen sind leuchtend blau mit schwarzen Zeichnungen auf Hinterleib und Thorax, während Weibchen etwas variabler gefärbt sind – oft bräunlich, bläulich oder olivfarben. Die Körperlänge beträgt etwa 30–35 mm.

Typisch für die Art ist das ruhige Sitzen auf Halmen oder Zweigen in der Nähe von Gewässern – Seen, Teichen, Stillgewässern oder langsam fließenden Flussbereichen. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen fliegenden Insekten wie Mücken, die sie im Flug erbeuten. Die Larven entwickeln sich unter Wasser, wo sie als geschickte Räuber ebenfalls Einfluss auf die Kleintierpopulationen nehmen.

Perspektive im Kontext von Lebensraumveränderung und Klimawandel

Die Gemeine Becherjungfer zählt zu den Arten, die vergleichsweise flexibel auf Umweltveränderungen reagieren können. Mildere Temperaturen, längere Sommer und eine Zunahme stehender Gewässer – etwa durch Regenrückhaltebecken oder künstliche Teiche in Städten – bieten ihr sogar erweiterte Lebensmöglichkeiten.

Doch die Medaille hat eine zweite Seite: Trockenperioden, Gewässeraustrocknung, Nährstoffeinträge durch Landwirtschaft und der Verlust natürlicher Ufervegetation können die Entwicklung der Art beeinträchtigen. Besonders empfindlich sind die aquatischen Larvenstadien, die stabile Wasserqualität benötigen.

Während empfindlichere Libellenarten bereits im Rückzug begriffen sind, scheint die Gemeine Becherjungfer aktuell noch als anpassungsfähiger Überlebenskünstler zu agieren. Wie lange diese Resilienz anhält, wird davon abhängen, ob unsere Gewässer auch in Zukunft vielfältig, naturnah und ökologisch gesund bleiben.


In der Aufnahme von Dieter Zinßer
  • „Paarungsrad der Gemeinen Becherjungfer – Symbol des sommerlichen Gewässerlebens.“
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Die Holzwespen-Schlupfwespe (Rhyssa persuasoria)
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Die Holzwespen-Schlupfwespe (Rhyssa persuasoria)

09/10.12.2025

  • An einem alten Fichtenstamm, der im Wald schon vor Jahren vom Sturm gefällt wurde, herrschte auf den ersten Blick Stille. Doch als ein Spaziergänger einen Moment verweilte, bemerkte er eine filigrane Wespe, die mit scheinbar endloser Geduld und hoch konzentriert an der Holzoberfläche arbeitete. 

Millimeter für Millimeter führte sie ein dünnes, nadelartiges Organ in das Holz ein – wie eine geheimnisvolle Handwerkerin. Die Holzwespen-Schlupfwespe suchte nach der unsichtbaren Beute im Inneren des Stammes: den Larven der Holzwespen. Ein verborgenes Drama im Mikroreich des Waldes spielte sich ab.
Artbeschreibung

Die Holzwespen-Schlupfwespe (Rhyssa persuasoria) gehört zur Familie der Schlupfwespen. Sie ist auffällig groß, mit einer Körperlänge von 1,5 bis 3 cm, und einem der markantesten Merkmale: dem langen, dünnen Legebohrer des Weibchens, der fast die Körperlänge übersteigen kann.

Die Färbung ist typisch schwarz mit weißen Flecken auf dem Hinterleib; Beine und Teile des Brustbereichs zeigen rötliche bis gelblich-braune Färbungen. Trotz der beeindruckenden Erscheinung ist sie für Menschen vollkommen ungefährlich – der Legebohrer ist kein Stachel und dient ausschließlich der Eiablage.

Rhyssa persuasoria parasitiert die Larven der Holzwespen, indem das Weibchen mit ihrem Legebohrer tief ins Holz vordringt und dort ein Ei ablegt. Die schlüpfende Larve ernährt sich von der Wirtslarve und beendet so deren Entwicklung.

Perspektive im Kontext von Klima- und Lebensraumveränderung

Die Holzwespen-Schlupfwespe ist eng mit dem Vorhandensein von totem Holz und Holzwespenpopulationen verknüpft. In Wirtschaftswäldern, in denen abgestorbenes Holz oft entfernt wird, findet sie seltener geeignete Brutstätten. Gleichzeitig führen wärmere Temperaturen zu einer verstärkten Ausbreitung von Holzwespen, wodurch indirekt auch ihr Lebensraum und Nahrungspotenzial steigen kann.

Mit zunehmendem Klimawandel verändert sich jedoch die Struktur naturnaher Wälder. Stürme, Trockenheit und Schädlingsbefall sorgen für mehr Totholz – kurzfristig ein Vorteil für die Holzwespen-Schlupfwespe. Langfristig können jedoch großflächige Waldsterben und Habitatzersplitterung ihre fein abgestimmten ökologischen Beziehungen empfindlich stören.

Ob sie als Balancefaktor im Wald künftig weiterhin gedeiht, hängt davon ab, ob die Waldökosysteme widerstandsfähig und vielfältig genug bleiben, um sowohl Holzwespen als auch deren natürlichen Gegenspielern stabile Nischen zu bieten.



In der Aufnahme von Dieter Zinßer
  •     „Weibliche Holzwespen-Schlupfwespe bei der Eiablage im Holz.“
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Die Büffelzikade (Stictocephala bisonia)
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Die Büffelzikade (Stictocephala bisonia)

08/09-12-2025

  • Es war ein stiller Morgen im Spätsommer, als ein Gärtner im hohen Gras eine winzige grüne Gestalt bemerkte, die sich kaum von den Blättern unterschied. Erst bei näherem Hinsehen erkannte er ein kleines Insekt mit einer verblüffend bulligen Silhouette – wie ein Miniaturbüffel mit sechs Beinen. 

Die Büffelzikade hatte sich dort niedergelassen, um friedlich Pflanzensaft zu saugen, unbemerkt von Mensch und Tier, ein Wesen, das nur wenige überhaupt bewusst wahrnehmen.
Die Büffelzikade (Stictocephala bisonia) ist ein kleines Zikadeninsekt mit einer Körperlänge von etwa 6–8 mm. Charakteristisch ist die „Büffelform“ ihrer Halsschildstruktur: ein breiter und vorn hochgezogener „Kragen“, der an einen Büffelkopf erinnert und der Art zu ihrem Namen verholfen hat. Die Färbung ist meist grün, oft leicht gelblich oder bräunlich überlaufen, was ihr eine vorzügliche Tarnung in krautigen Pflanzen, Sträuchern und jungen Gehölzen ermöglicht. Die Tiere ernähren sich durch das Anstechen von Pflanzenteilen und Saugen des Saftes, wobei sie allgemein als wenig schädlich gelten.

Als ursprünglich aus Nordamerika stammende Art hat sich die Büffelzikade mittlerweile auch in Europa etabliert und breitet sich hier seit dem 20. Jahrhundert zunehmend aus.

Perspektive im Kontext von Klimawandel & Lebensraumveränderung


Die Büffelzikade profitiert – anders als viele empfindliche Arten – von wärmeren Temperaturen und strukturreichen, halboffenen Landschaften. Durch mildere Winter erhöht sich ihre Überlebensrate, und längere Vegetationsperioden begünstigen ihre Entwicklung. Während andere Insektenpopulationen unter Trockenheit, Hitze und Landschaftsverlust leiden, findet die Büffelzikade in Gärten, urbanen Grünflächen und auf extensiv genutzten Flächen zunehmend geeignete Bedingungen.

Gleichzeitig verändert jedoch der Klimawandel auch die Interaktionen mit Pflanzen und anderen Insekten. Neue Konkurrenzen entstehen, ebenso wie mögliche Verschiebungen im Verbreitungsgebiet. Ob die Büffelzikade langfristig stabil bleibt, sich stärker ausbreitet oder wieder zurückgedrängt wird, hängt maßgeblich davon ab, wie sich lokale Ökosysteme und die Vegetationsstrukturen in den kommenden Jahrzehnten entwickeln.

  • Mehr zur Büffelzikade (Stictocephala bisonia) hier auf unseren Seiten


In der Aufnahme von Dieter Zinßer
  •         Büffelzikade an einem rostigen Zaun
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Der Große Frostspanner (Erannis defoliaria)
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Große Frostspanner (Erannis defoliaria)

07/08.12.2025

  • Eine Nacht im Herbst

Es war eine der ersten kühlen Nächte im Spätherbst, als sich die kleine Frostspanner-Larve zum ersten Mal aus ihrer schützenden Hülle wagte. Ein schwacher Wind strich durch die kahlen Äste des Apfelbaums, und die Nachtluft roch nach Erde und feuchtem Laub. 

Unsichtbar für die meisten, aber mit einem festen Platz im Rhythmus der Natur, begann der Große Frostspanner seinen Lebenszyklus. In dieser Stille, zwischen dämmerndem Licht und scheinbarer Ruhe, lag die Geschichte einer Art, die sich seit Jahrhunderten an die Jahreszeiten und Menschenlandschaften anpasst.
Artbeschreibung des Große Frostspanner (Erannis defoliaria)

Der Große Frostspanner ist ein nachtaktiver Schmetling aus der Familie der Geometridae. Die adulten Männchen besitzen zarte, bräunlich gemusterte Flügel mit einer Spannweite von etwa 35–40 Millimetern. Weibchen hingegen sind flugunfähig und erscheinen flügellos, eher wie kleine, hellbraune Krabbeltierchen mit einem rundlichen Körper.

Weitere Merkmale:

  •     Flugzeit der Männchen: Spätherbst bis Winteranfang

  •     Eiablage: an Knospen, Zweigen oder Rindenrissen

  •     Larvenstadium: im Frühjahr, oft als typische „Spanner-Raupen“, die sich bogenförmig fortbewegen

  •     Nahrung der Raupen: Blätter von Laubbäumen (z. B. Eiche, Obstbäume, Hainbuche, Ahorn)

  •     Rolle im Ökosystem: sowohl natürlicher Bestandteil der Nahrungskette als auch gelegentlicher Forst- und Obstanbauschädling

Perspektive des Große Frostspanner – über Lebensraumveränderung und Klimawandel

„Ich bin der Große Frostspanner – ein Wesen der Übergangszeiten. Früher war meine Welt klar strukturiert: kalte Winter, bestimmter Rhythmus der Knospenbildung, verlässliche Jahreszeiten. Doch immer öfter erwacht die Natur zu früh oder zu spät. Ich erkenne meine alten Signale kaum wieder.

Wenn die Winter milder werden, verlängert sich meine Flugzeit. Meine Raupen finden häufiger junge Blätter, bevor ihre natürlichen Feinde bereitstehen. Doch gleich­zeitig verschwinden alte Baumlandschaften, Hecken und Streuobstwiesen. Ich sehe Licht in Städten heller werden, Straßen breiter, Gärten steriler. Manche nennen mich Schädling – doch ich folge nur meinem alten Kalender.

Ich bin kein Störenfried, sondern ein Teil des größeren Ganzen. Der Wandel der Welt zwingt mich, mich anzupassen. Ob ich darin gedeihe oder verschwinde, hängt nicht nur von mir ab — sondern von der Art, wie der Mensch mit seiner Umgebung umgeht.“

In der Aufnahme von Dieter Zinßer
  •     Großer Frostspanner - Raupe 
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Die Große Königslibelle (Anax imperator)
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Die Große Königslibelle (Anax imperator)

06/07.12.2025

  • Ein Sommermoment im Flug

An einem stillen Nachmittag am Wasser gleitet ein grünes Flimmern über die Oberfläche des Teiches. Es ist ein beinahe lautloser Flug, streng kontrolliert und doch spielerisch leicht. 

Die Große Königslibelle (Anax imperator) erscheint wie ein lebendiger Edelstein, ein Wesen aus einer anderen Zeit, uralt und doch hochmodern in ihrer Eleganz. Dieser kurze Augenblick – das Vorüberziehen einer der größten und prachtvollsten Libellen Europas – erzählt von der Kraft und Schönheit der Natur, die uns umgibt.
Artbeschreibung – Die Königin der Lüfte

Aussehen und Größe

Die Große Königslibelle zählt zu den größten heimischen Libellenarten. Mit einer Körperlänge von etwa 7–8 cm und einer Flügelspannweite von etwa 10–11 cm ist sie eine beeindruckende Erscheinung. Das Männchen trägt einen leuchtend himmelblauen Hinterleib mit schwarzer Mittellinie, während das Weibchen meist in einem kräftigen Grün erscheint – Tarnung und Signal zugleich.

Lebensraum und Verbreitung
Anax imperator bevorzugt stehende oder langsam fließende Gewässer: Teiche, Seen, Gartengewässer, Altarme und Moore. Die Art ist in großen Teilen Europas verbreitet und kann in warmen Sommern auch weiter nördlich gesichtet werden. Entscheidend für ihr Vorkommen sind Gewässer mit ausreichend Vegetation und einem reichhaltigen Nahrungsangebot.

Verhalten und Flugkunst

Ihr Flug ist kraftvoll, stetig und gleichzeitig äußerst präzise. Große Königslibellen sind Luftjäger: Sie fangen Beute im Flug – darunter Mücken, Fliegen, kleinere Libellen und andere Insekten. Dabei vollführen sie abrupte Richtungswechsel, stehen scheinbar schwebend in der Luft und tragen Beute mit ihren kräftigen Beinen.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Die Paarung findet in der Luft oder an einer Sitzwarte über dem Wasser statt. Das Weibchen legt anschließend die Eier direkt in Wasserpflanzen ab. Dort beginnen die Larven ihren mehrjährigen Lebenszyklus, der 2–3 Jahre dauern kann. Die Larven sind ebenfalls räuberisch und leben zwischen Wasserpflanzen und im Sediment. Erst nach mehreren Häutungen verlassen sie das Wasser und vollziehen an einem Stängel oder Stein die Verwandlung zum flugfähigen Insekt.

Ökologische Bedeutung
Die Große Königslibelle ist ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. Sie reguliert Insektenpopulationen, fungiert als Beute für Vögel und Fische und dient als Indikator für die Wasserqualität. Ein Vorkommen von Anax imperator deutet häufig auf ein ökologisch gut funktionierendes, relativ naturbelassenes Gewässer hin.

Zukunft – Herausforderungen und Hoffnung
Die Große Königslibelle steht exemplarisch für eine Natur, die unter Druck gerät. Klimawandel verändert Lebensräume: längere Trockenperioden lassen Teiche verschwinden, während extreme Wetterlagen Laich- und Larvenentwicklung beeinträchtigen. Zugleich führt Nutzungsdruck auf Landschaft und Gewässer – etwa durch Bebauung, Landwirtschaft und Pestizide – zu einem Verlust geeigneter Brut- und Jagdgebiete.

Doch es gibt auch Hoffnung: Schaffung und Pflege naturnaher Gewässer, Verzicht auf chemische Gifte im Garten, Renaturierungsprojekte und nachhaltiger Umgang mit Wasserressourcen können der Großen Königslibelle neue Lebensräume eröffnen. Wenn wir es schaffen, Wasserlandschaften lebendig zu halten und ihnen Raum zu geben, wird auch die Königin der Libellen weiterhin über unsere Teiche gleiten – als Botschafterin einer intakten und faszinierenden Natur.



In der Aufnahme von Dieter Zinßer
  •     Die Große Königslibelle (Anax imperator) 
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„Der Kolkrabe – Wächter der Lüfte und Spiegel einer veränderten Welt“
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„Der Kolkrabe – Wächter der Lüfte und Spiegel einer veränderten Welt“

05/06.12.2025

  • Hoch oben in den Felsen eines zerklüfteten Gebirges lebte ein alter Kolkrabe, den die Menschen „Schwarzflug“ nannten. Sein Gefieder glänzte im Sonnenlicht wie polierter Obsidian, und sein Ruf hallte weithin durch das Tal. 

Schwarzflug war neugierig wie wenige seiner Artgenossen und liebte es, über die Grenzen seines Reviers hinauszufliegen, um die Welt zu beobachten.
Eines Tages bemerkte er einen jungen Hirten, der vergeblich versuchte, eine verlorene Ziege zu finden. Der Hirte rief besorgt in die Stille hinein, doch nur der Wind antwortete. Schwarzflug setzte sich auf einen Felsvorsprung, schief den Kopf und krächzte einmal laut. Die Ziege antwortete mit einem leisen Meckern aus einer Felsspalte, die dem Jungen verborgen geblieben war.

Der Kolkrabe breitete seine mächtigen Flügel aus und flog in einem weiten Bogen zur Spalte. Der Hirte folgte seinem kreisenden Schatten und entdeckte schließlich die verängstigte Ziege. Dankbar sah er zu dem Vogel hinauf, der nun wieder im Wind schwebte, als gehöre er selbst zum Himmel. 

Seitdem erzählte man im Tal die Geschichte von Schwarzflug, dem Wächter der Berge – einem Vogel, der mit kluger Beobachtung und stiller Präsenz die Herzen der Menschen berührte.


In der Aufnahme von Wernre Opermann
  • Der Kolkrabe ist der größte Vertreter der Rabenvögel und zählt zu den beeindruckendsten Vogelarten der Nordhalbkugel.
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Gewöhnlicher Besenginster (Sarothamnus scoparius)
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Der Gewöhnliche Besenginster (Sarothamnus scoparius) 

12/13.01.2026

  • Der Sand knirscht leise unter den Schuhen, während der Weg durch eine offene Heidelandschaft führt. Zwischen grauen Steinen und trockenem Boden leuchten plötzlich gelbe Farbtupfer auf. 

Der Wind streicht durch die biegsamen Zweige, und ein leichter Duft liegt in der Luft. Der Besenginster steht in voller Blüte – ein Strauch, der dort wächst, wo andere längst aufgegeben haben, und der die karge Landschaft für einen Moment in ein Meer aus Gelb verwandelt.
Artbeschreibung: Besenginster (Cytisus scoparius)

Der Besenginster, auch bekannt als Geißklee, gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Es handelt sich um einen sommergrünen, meist aufrecht wachsenden Strauch, der Höhen von etwa 1 bis 3 Metern erreichen kann. Charakteristisch sind seine grünen, kantigen Zweige, die einen Großteil der Photosynthese übernehmen, da die kleinen, meist dreiteiligen Blätter früh abgeworfen werden.

Die auffälligen, goldgelben Schmetterlingsblüten erscheinen von Mai bis Juni und sind reich an Nektar und Pollen. Nach der Blüte bilden sich dunkle, behaarte Hülsenfrüchte, die sich bei Trockenheit mit einem hörbaren Knacken öffnen und ihre Samen weit verstreuen. Der Besenginster ist an nährstoffarme, sandige und saure Böden angepasst und kommt häufig auf Heideflächen, Böschungen, Waldrändern und in lichten Kiefernwäldern vor.

Wie viele Leguminosen lebt auch der Besenginster in Symbiose mit stickstoffbindenden Bakterien und trägt so zur Anreicherung des Bodens bei.

Perspektive des Besenginsters im Wandel von Lebensraum und Klima

Der Besenginster ist ein ausgesprochener Pionierstrauch. Er besiedelt offene, sonnige Flächen und profitiert kurzfristig von Störungen wie Kahlschlägen oder brachliegenden Arealen. Gleichzeitig ist er auf regelmäßige Offenhaltung der Landschaft angewiesen. Verbuschung, Aufforstung und der Rückgang traditioneller Heidepflege führen in vielen Regionen zu einem Verlust geeigneter Standorte.

Im Zuge des Klimawandels könnten steigende Temperaturen und längere Trockenperioden dem Besenginster zunächst entgegenkommen, da er Trockenheit gut toleriert. Extreme Wetterereignisse und veränderte Feuerregime stellen jedoch neue Unsicherheiten dar. Zudem kann sich der Strauch in manchen Gebieten stark ausbreiten und andere Arten verdrängen, was ein angepasstes Management erforderlich macht.

Die Zukunft des Besenginsters hängt daher von einem ausgewogenen Umgang mit Offenlandflächen ab – zwischen Förderung seiner ökologischen Funktionen und der Erhaltung artenreicher Lebensräume.



In der Aufnahme von Dieter Zinßer
  •     Ginster mit Tropfen
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Waldzustandsberichte, Wirtschaftsforste und echte Urwälder
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Waldzustandsberichte, Wirtschaftsforste und echte Urwälder

04/05.12.2025

  • Waldzustandsberichte werden in Politik und Öffentlichkeit häufig als Spiegelbild der „Gesundheit unserer Wälder“ verstanden. Doch dieser Eindruck führt nicht selten in die Irre. 

Tatsächlich basieren viele dieser Berichte überwiegend auf der Analyse von Beständen, die nur bedingt den Begriff „Wald“ im ökologischen oder historischen Sinn verdienen. Stattdessen handelt es sich bei großen Teilen der erhobenen Flächen um Wirtschaftsforste – menschengemachte, intensiv genutzte Holzerzeugungsräume, die sich deutlich von natürlichen Waldökosystemen unterscheiden.
Wirtschaftsforste – vom Menschen geformte Landschaften

Wirtschaftsforste sind auf ein zentrales Ziel ausgerichtet: die Produktion von Holz in möglichst kalkulierbaren Zeiträumen. Um diese Planung zu ermöglichen, wurden viele Bestände über Jahrzehnte hinweg in Monokulturen überführt oder stark vereinfacht strukturiert. Fichten- oder Kiefernreinbestände, aber auch junge Laubholzkulturen, prägen vielerorts das Bild.

Solche Wälder besitzen mehrere charakteristische Merkmale:

  • Geringe Arten- und Strukturvielfalt: Gleichaltrige, eng gepflanzte Bäume reduzieren die ökologischen Nischen für Tiere, Pilze und Pflanzen.

  • Hohe Vulnerabilität: Monokulturen reagieren empfindlich auf Störungen wie Trockenheit, Stürme oder Schädlinge, da ihnen die Resilienz natürlicher Mischwälder fehlt.

  • Gesteuerte Dynamik: Eingriffe wie Durchforstungen, Pflanzungen oder Bodenbearbeitungen bestimmen wesentliche Entwicklungsphasen.

  • Zeitlich fixierte Nutzung: Die Umtriebszeiten dienen der Holzernte und nicht der natürlichen Entwicklung des Ökosystems.

Waldzustandsberichte spiegeln daher oft den Zustand eines forstwirtschaftlichen Systems, nicht den eines ökologisch gewachsenen Waldes. Wenn Baumkronen auflichten oder Bäume absterben, wird dies häufig als „Waldschaden“ interpretiert – obwohl es in naturbelassenen Wäldern ein völlig normaler Prozess wäre.

Was echte, unberührte Wälder ausmacht

Ein vom Menschen unberührter Wald – häufig als Urwald, Primärwald oder Naturwald bezeichnet – ist etwas grundlegend anderes als ein Wirtschaftsforst. Er entsteht nicht durch Pflanzung oder Bewirtschaftung, sondern durch Jahrhunderte bis Jahrtausende spontaner Entwicklung.

Solche Wälder zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Große Altersvielfalt: Junge Bäumchen, ausgewachsene Bäume und uralte Giganten existieren gleichzeitig.

  • Totholz in allen Formen: Liegendes und stehendes Totholz ist kein „Schadensbild“, sondern ein ökologisches Herzstück, das unzähligen Arten Habitat bietet.

  • Keine linearen Wachstumsphasen: Der Wald entwickelt sich in kleinteiligen, dynamischen Zyklen von Zerfall, Regeneration und Stabilisierung.

  • Hohe Biodiversität: Unberührte Wälder zählen zu den artenreichsten Ökosystemen überhaupt – nicht trotz, sondern wegen ihrer Wildnisprozesse.

  • Selbstregulation: Stürme, Insektenkalamitäten oder Pilzausbrüche sind keine Katastrophen, sondern integrale Bestandteile der natürlichen Entwicklung.

  • Mehrdimensionale Struktur: Lichtungen, Schattensäume, Baumriesen, Kleinsträucher, Moospolster, Moderholz und mikroskopische Lebensräume bilden ein komplexes Mosaik.

Solche Wälder sind in Mitteleuropa extrem selten geworden.
Die wenigen verbliebenen Urwaldreste – etwa in streng geschützten Kernzonen großer Nationalparks – zeigen jedoch eindrucksvoll, wie widerstandsfähig und vielfältig Wald sein kann, wenn er sich selbst überlassen bleibt.

Warum dieser Unterschied für die Bewertung von Wäldern entscheidend ist


Waldzustandsberichte bewerten in erster Linie das „Funktionieren“ von Wirtschaftsforsten unter modernen Umweltbedingungen. Wenn Fichtenreinbestände wegen Trockenheit kollabieren, zeigt das nicht, dass „der Wald stirbt“, sondern dass unsere forstwirtschaftlichen Modelle an klimatische Grenzen stoßen.

Ohne dieses Verständnis entstehen mehrere Missverständnisse:


  • Natürliche Prozesse werden als Katastrophen bewertet.

  • Der Eindruck entsteht, Wald müsse „aufgeräumt“ oder „gesund gepflegt“ werden.

  • Politische Maßnahmen orientieren sich eher an Ertragszielen als an ökologischen Notwendigkeiten.

  • Die Bevölkerung erhält ein verzerrtes Bild davon, was ein gesunder Wald überhaupt ist.

Was echte Wälder für uns bedeuten

Naturbelassene Wälder haben einen Wert, der weit über den wirtschaftlichen Nutzen hinausgeht:

  • Sie speichern langfristig Kohlenstoff im Boden und im Totholz.

  • Sie bieten Rückzugsräume für seltene und spezialisierte Arten.

  • Sie wirken wie ökologische Stabilitätsanker im Klimawandel.

  • Sie zeigen, wie resiliente Ökosysteme funktionieren – ein Wissen, das wir dringend brauchen.

  • Sie besitzen eine kulturelle, ästhetische und spirituelle Bedeutung, die sich nicht quantifizieren lässt.

  • Unberührte Wälder sind lebende Archive natürlicher Abläufe – und Blaupausen für die Wälder der Zukunft.

Warum wir mehr Naturwald und weniger Missverständnisse brauchen

Ein modernes Waldverständnis muss unterscheiden, welchen Wald wir betrachten:
den menschengemachten Produktionswald oder den natürlichen Wald in seiner ursprünglichen Form.

Je klarer diese Unterscheidung kommuniziert wird, desto besser lassen sich folgende Ziele erreichen:


  • realistischere Waldzustandsbewertungen

  • wirksamere Strategien zur klimaangepassten Waldentwicklung

  • mehr Akzeptanz für Naturprozesse, die früher als „Schäden“ galten

  • langfristiger Schutz letzter Urwaldreste

  • die Wiederentstehung von Naturwäldern durch konsequente Prozessschutzflächen


In der Aufnahme 
  • Wirtschaftsforst der häufig als Wald bezeichnet wird.
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Die Bedeutung des Wolfes im Ökosystem ...
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Die Bedeutung des Wolfes im Ökosystem und die gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit großen Beutegreifern

03/04.21.2025

  • Der Wolf ist weit mehr als ein einzelnes Tier in unserer Landschaft – er ist ein Schlüsselakteur innerhalb funktionierender Ökosysteme. Als Spitzenprädator nimmt er eine zentrale Rolle im natürlichen Gleichgewicht ein. 

Wo Wölfe vorkommen, regulieren sie nicht nur Wildbestände, sondern beeinflussen auch deren Verhalten und Verteilung im Raum. Dieses natürliche Regulierungssystem wirkt sich langfristig positiv auf Vegetation, Artenvielfalt und Landschaftsdynamik aus. Studien aus unterschiedlichsten Regionen zeigen, dass die Anwesenheit von Wölfen vielfältige ökologische Prozesse wieder in Gang setzt, die zuvor durch menschliche Eingriffe oder den Verlust großer Beutegreifer zum Erliegen gekommen waren.
Vor diesem Hintergrund wirken aktuelle Diskussionen, die in erster Linie auf eine erleichterte Tötung von Wölfen abzielen, kurzsichtig und wenig zielführend. Sie greifen nur einen Aspekt heraus – Konflikte zwischen Menschen und großen Beutegreifern – und blenden die übergeordneten Zusammenhänge vollständig aus. 

Die Vorstellung, komplexe Mensch-Natur-Beziehungen ließen sich durch verstärkten Abschuss großer Wildtiere „lösen“, verengt die Perspektive auf kurzfristige, aber ökologisch problematische Maßnahmen. Solche Eingriffe können nicht nur das soziale Gefüge eines Rudels zerstören, sondern auch zu unvorhersehbaren Folgereaktionen führen, die Konflikte sogar verstärken – etwa durch vermehrte Einzeltiere ohne Rudelbindung oder Veränderungen im Jagdverhalten.

Stattdessen braucht es eine konsequente Förderung von Herdenschutzmaßnahmen, eine praxisnahe Unterstützung für Tierhaltende sowie sachliche, wissenschaftlich fundierte Aufklärung. Nachhaltiges Konfliktmanagement bedeutet, Ursachen zu verstehen und präventive Lösungen zu stärken – nicht, funktionierende Ökosystemprozesse auszubremsen, indem man ein wichtiges Glied der Nahrungskette schwächt oder entfernt.

Darüber hinaus berührt die Debatte um den Wolf eine grundsätzliche Frage: Wie definieren wir Wohlstand? 

Jahrzehntelang wurde Wohlstand vor allem in wirtschaftlichen Kategorien gedacht – als Summe aus Produktion, Einkommen, Konsum und Wachstum. Doch diese Sichtweise ist längst überholt. Immer deutlicher wird, dass ein Land nicht nur an wirtschaftlichen Kennzahlen gemessen werden darf, sondern an der Qualität und Stabilität seiner natürlichen Lebensgrundlagen. Intakte Ökosysteme sind eine Form von Wohlstand, die nicht in Geldwerten quantifizierbar ist, aber die Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft maßgeblich bestimmt.

Ein funktionierendes Ökosystem mit gesunden Wildtierpopulationen, vielfältiger Flora und stabilen Landschaftsprozessen ist ein Schatz, der weit über materiellen Reichtum hinausgeht. Es beeinflusst Wasserqualität, Bodenfruchtbarkeit, Klimaresilienz, Artenvielfalt und sogar kulturelle Identität. Ein Land, das in der Lage ist, große Beutegreifer wie den Wolf in seine Landschaft zu integrieren, zeigt ein hohes Maß an ökologischer Reife, Verantwortung und Weitsicht. Die Fähigkeit, mit komplexen Naturprozessen zu koexistieren, ist ein Indikator für echten Fortschritt – nicht deren Unterdrückung.

Der Wolf steht daher symbolisch für den grundlegenden Umgang mit unserer Umwelt: Geht es uns darum, natürlichen Prozessen wieder Raum zu geben und unsere eigenen Systeme darauf abzustimmen? Oder versuchen wir weiterhin, alles bereits im Vorhinein zu kontrollieren und zu reduzieren, was nicht vollständig unseren kurzfristigen Interessen entspricht?

Eine moderne, zukunftsfähige Gesellschaft erkennt, dass Natur nicht Gegner, sondern Partner ist – und dass Wohlstand im 21. Jahrhundert untrennbar mit ökologischer Stabilität verbunden ist. Die Diskussion über die erleichterte Tötung von Wölfen wirft uns in eine Denkweise zurück, die langfristige Schäden in Kauf nimmt, um kurzfristige „Lösungen“ zu schaffen. Stattdessen sollten wir den Blick auf umfassende Werte richten: Die Wiederkehr großer Wildtiere ist ein Hinweis darauf, dass wir auf dem richtigen Weg sind, unsere Landschaften nicht weiter zu verarmen, sondern zu revitalisieren.

Der Wolf erinnert uns daran, dass echter Wohlstand nicht nur in Wirtschaftsleistung besteht, sondern in der Fähigkeit, unsere Lebensräume gesund, dynamisch und vielfältig zu erhalten. 


Ein Land, das diese Werte verteidigt, handelt nicht nur im Interesse seiner Natur – sondern auch im Interesse seiner Menschen und kommenden Generationen.




In der Aufnahme von Andreas Gehrig
  • Der Wolf ist weit mehr als ein einzelnes Tier in unserer Landschaft – er ist ein Schlüsselakteur innerhalb funktionierender Ökosysteme. Als Spitzenprädator nimmt er eine zentrale Rolle im natürlichen Gleichgewicht ein. 
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Vom Gebäude- zum Baumbrüter?
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Der Turmfalke – Anpassungskünstler in unserer Kulturlandschaft

02/03.12.2025

  • Bundesweites Pilotprojekt gestartet

Der Turmfalke (Falco tinnunculus)  gehört zu den bekanntesten heimischen Greifvögeln. Mit seinem rüttelnden Suchflug über Feldern, Wiesen und Stadträndern ist er für viele Menschen ein vertrauter Anblick. 

Ursprünglich in Felslandschaften und an Waldrändern verbreitet, hat sich die Art im Laufe der Jahrhunderte hervorragend an den Lebensraum des Menschen angepasst. Besonders hohe Gebäude, Kirchtürme oder Industrieanlagen bieten dem Turmfalken ideale Brutplätze, die seine Vorliebe für exponierte, übersichtliche Standorte widerspiegeln.
Artbeschreibung
Der Turmfalke ist ein mittelgroßer Greifvogel mit einer Körperlänge von etwa 30–35 Zentimetern und einer Spannweite von 70–80 Zentimetern. Sein Gewicht liegt zwischen 180 und 250 Gramm. Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich:

  • Das Männchen zeigt einen grauen Kopf, grauen Schwanz mit schwarzer Endbinde sowie rostbraune Oberflügel und einen fein gefleckten Rücken.

  • Das Weibchen wirkt insgesamt brauner und stärker quergebändert, Kopf und Schwanz sind ebenfalls braun.

  • Beide Geschlechter besitzen lange, spitze Flügel und einen schlanken Körperbau, was dem Turmfalken sein elegantes Flugbild verleiht.

Typisch ist das sogenannte „Rütteln“: Im Schwirrflug steht der Falke fast regungslos in der Luft, um von oben nach Beute Ausschau zu halten. Hauptnahrung sind Kleinsäuger wie Feldmäuse, daneben werden auch kleine Vögel und größere Insekten erbeutet. Mit seiner Fähigkeit, sich an verschiedene Landschaftstypen anzupassen, ist der Turmfalke heute sowohl in Städten als auch in ländlichen Regionen weit verbreitet.

Verlust traditioneller Brutplätze
Im Zuge von Sanierungen und Umbauten an Gebäuden verschwinden jedoch nicht selten die bisherigen Brutplätze. Nischen, Mauerlöcher oder offene Balkenlagen, die der Turmfalke über Jahre hinweg genutzt hat, werden verschlossen. Dies führt dazu, dass die Tiere auf der Suche nach Alternativen in Bedrängnis geraten können. Da der Turmfalke nicht selbst baut, sondern auf vorhandene Nischen, alte Krähen- oder Elsternester oder künstliche Nisthilfen angewiesen ist, ist der Erhalt bzw. Ersatz seiner Brutplätze ein entscheidender Faktor für seinen Fortpflanzungserfolg.

Pilotprojekt: Prädatorensichere Spezialnisthilfen
Um die Auswirkungen solcher baulichen Veränderungen abzufedern, erproben wir im Rahmen eines Pilotprojektes den Einsatz spezieller Nisthilfen. Ziel ist es herauszufinden, ob der Turmfalke auch dann erfolgreich brütet, wenn ihm prädatorensichere Ersatzstrukturen angeboten werden.

Dabei spielt vor allem der Schutz vor Fressfeinden eine große Rolle. Jungvögel sind in offenen Nischen besonders gefährdet durch Krähen, Marder oder Katzen. Die neuen Spezialkästen sind so konzipiert, dass sie den Ansprüchen des Turmfalken an Höhe, Raumangebot und freie Anflugmöglichkeiten entsprechen – gleichzeitig aber einen deutlich verbesserten Schutz vor Prädatoren bieten.

Klimawandel als zusätzliche Herausforderung
Neben der Gefährdung durch den Verlust geeigneter Brutplätze wirkt sich zunehmend auch der Klimawandel negativ auf den Bruterfolg des Turmfalken aus. Steigende Durchschnittstemperaturen und immer häufigere Hitzewellen belasten vor allem die Jungvögel in den Nestern. Besonders problematisch wird dies, wenn Nisthilfen an Gebäuden in südlicher Ausrichtung installiert sind. Diese Flächen heizen sich in den Sommermonaten stark auf und können die Temperaturen im Nistkasten so weit ansteigen lassen, dass die Küken unter Hitzestress geraten.

Während Altvögel bei Hitze durch Schattenaufenthalte oder Ortswechsel ausweichen können, sind die Jungtiere den Bedingungen im Kasten ausgeliefert. Ab einer bestimmten Temperaturspanne reicht das Federkleid nicht mehr zur Regulierung aus, sodass Kreislaufbelastungen, geringere Überlebenschancen oder gar Totalausfälle einzelner Bruten auftreten können.

Diese Problematik macht deutlich, dass die Planung von Nisthilfen künftig auch den Aspekt des Klimawandels berücksichtigen muss. Eine kluge Ausrichtung – bevorzugt nach Osten oder Norden – sowie eine gute Belüftung und Wärmedämmung der Kästen sind entscheidend, um den Turmfalken auch unter veränderten klimatischen Bedingungen sichere Brutplätze zu gewährleisten.


Fragen, die das Projekt beantworten soll

  • Akzeptanz: Nimmt der Turmfalke die neuen Nisthilfen überhaupt an, wenn sein ursprünglicher Standort entfällt?

  • Bruterfolg: Sind die Bruten in den prädatorensicheren Kästen erfolgreicher als in offenen Nischen?

  • Langfristige Nutzung: Bleiben die Falken den Ersatzplätzen über mehrere Jahre treu?

  • Klimatischer Vorteil: Kann die Baummontage einen Vorteil gegenüber südlich ausgerichteten Bauwerkbrutplätzen haben, da hier eine Beschattung der Nistplätze und damit ein klimatischer Vorteil dergleichen erreicht werden kann. 

Bedeutung für den Artenschutz
Der Turmfalke ist in Mitteleuropa zwar noch relativ häufig, seine Bestände reagieren jedoch empfindlich auf Veränderungen im Brut- und Nahrungsangebot. Projekte wie dieses leisten einen wichtigen Beitrag, um den Fortbestand dieser an den Menschen gebundenen Greifvogelart auch in dichter besiedelten Räumen zu sichern.

Monitoring als Schlüssel zum Erfolg
Um die Wirksamkeit des Projektes fundiert beurteilen zu können, wird es in ein mehrjähriges Monitoring eingebettet. Über systematische Beobachtungen sollen die Nutzung der Nisthilfen, der Bruterfolg sowie die Rückkehrwahrscheinlichkeit der Falken über mehrere Brutperioden hinweg dokumentiert werden. 

Erst durch diese langfristige Begleitung lässt sich erkennen, ob die prädatorensicheren Spezialkästen tatsächlich eine nachhaltige Lösung darstellen und als Modellprojekt auf andere Standorte übertragen werden können.

In der Aufnahme
  • Mit einer neuen, preisgünstigen Variante gehen wir hier mit einer Prädatorenschutzreihe in das Projekt hinein. Die kommenden Jahre werden sichtbar werden lassen ob sich dieser Schutzmechanismus bewähren konnte. 
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Die Zwergseeschwalbe ist Seevogel des Jahres 2026
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Die Zwergseeschwalbe ist Seevogel des Jahres 2026

01/02.12.2025

  • Die letzten gefiederten Zwerge benötigen Schutz 

Ahrensburg, 21.11.2025. Die Zwergseeschwalbe (Sternula albifrons) ist Seevogel des Jahres 2026. Der Verein Jordsand macht mit dieser Wahl auf den immer geringeren Bruterfolg dieser kleinen Seeschwalbenart und den somit stark gefährdeten Bestand in Deutschland aufmerksam.

„Die Zwergseeschwalbe wurde ausgewählt, da sich ihre verbliebenen Brutvorkommen in Deutschland nur noch auf sehr wenige Gebiete an den Küsten von Nord- und Ostsee beschränken und sie dort als typischer Strandbrüter einer Vielzahl von Störungen und Gefahren ausgesetzt ist“, sagt Dr. Steffen Gruber, Geschäftsführer des Vereins Jordsand.

Die Gesamtzahl der Zwergseeschwalben-Brutpaare an den norddeutschen Küsten hat von 2010 bis 2019 durchschnittlich um 33 % abgenommen. Die Rote Liste für Deutschland führt die Zwergseeschwalbe in der Kategorie 1: „vom Aussterben bedroht“.
 „Fünf Faktoren sind für den Rückgang der Brutbestandszahlen in Deutschland verantwortlich“, so Steffen Gruber.

 Diese sind:

  •     Verlust geeigneter Brutplätze, auch durch notwendige Küstenschutzmaßnahmen
  •     Verluste von Gelegen und Jungvögeln durch immer häufigere Sommerhochwässer in Folge des Klimawandels
  •     Nicht ausreichend ungestörte Strandabschnitte während der Brutzeit (, sodass die Zwergseeschwalben sich nicht ansiedeln bzw. nicht ausreichend Zeit zum Brutgeschäft haben)
  •     Verschlechterung der ökologischen Leistung / ökologischen Zustände der Meere und der damit einhergehende Einfluss auf z. B. Nahrungsverfügbarkeiten zur Jungenaufzucht
  •     Plünderung von Eiern und Jungvögeln durch Prädatoren (z. B. Fuchs, Marder, Marderhund, Ratte)

„Aus diesen Punkten lassen sich“, so Steffen Gruber, „Schutzmaßnahmen ableiten, die wir in den von uns betreuten Schutzgebieten bereits umsetzen bzw. angehen“.

  •     Strandbesucher werden durch Absperrseile und entsprechende Informationsschilder darauf aufmerksam gemacht, bestimmte Strandbereiche nicht zu betreten, um damit Störungen innerhalb von Brut- und Ruhezonen zu vermeiden.
  •     Mit der Errichtung von Schutzzäunen um Brutkolonien kann die Prädation durch Raubsäuger, wie Steinmarder und Füchse, innerhalb der umzäunten Areale verhindert werden.
  •     Durch die Betreuung der Bruträume durch Mitarbeiter vor Ort werden Bruterfolg und Störungen dokumentiert und Besucher informiert sowie für den Schutz der Strandbrüter sensibilisiert.
  •     Das Aufkommen höherer bzw. dichterer Vegetation in den Nistarealen wird durch landschaftspflegerische Maßnahmen außerhalb der Brutzeit reguliert.

„Mit solchen (präventiven) Maßnahmen leistet der Verein Jordsand einen wichtigen Beitrag, um den Bestand der letzten Zwergseeschwalben in Deutschland effektiv zu schützen“, so Steffen Gruber.

Die etwa mauerseglergroße Zwergseeschwalbe ist in unseren Breiten die kleinste Seeschwalbenart. Sie brütet in Deutschland heute fast ausschließlich auf Muschelschillfeldern und Kiessandflächen der Nord- und Ostseeküste, die weitgehend frei von Vegetation sind. Zwergseeschwalben sind also typische Strandbrüter.

Zwergseeschwalben nisten in der Regel in kleinen lockeren Kolonien mit einem Nestabstand von bis zu drei Metern. In einfache Mulden im Sand werden zwei bis drei Eier gelegt und bebrütet. Die Jungen schlüpfen nach 16 bis 23 Tagen und werden mit kleinen Fischchen gefüttert. Ab Anfang August verlassen die Zwergseeschwalben die Brutgebiete in Europa, um ihre Überwinterungsgebiete an den afrikanischen Küsten aufzusuchen.

Seit 2014 kürt der Verein Jordsand jährlich eine Vogelart zum Seevogel des Jahres, die stellvertretend für eine akute Problematik steht, die eine besondere Bedrohung für eine Artengemeinschaft oder einen Lebensraum darstellt.

Seit 117 Jahren verschreibt sich der Verein Jordsand dem Schutz von Seevögeln an unseren Küsten. Er betreut rund 20 Schutzgebiete vorwiegend an Nord- und Ostsee, von Helgoland über das Nordfriesische und Hamburgische Wattenmeer, die Unterelbe, bis zur schleswig-holsteinischen und vorpommerschen Ostseeküste. 

In der Aufnahme von Philipp Meister
  • Zwergseeschwalbe im Flug

Quelle
Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.
Bornkampsweg 35
22926 Ahrensburg 

Für diese Information trägt ausnahmslos der/die Autor*in/Urheber*in die redaktionelle Verantwortung. Die kommunizierten Informationen geben ausnahmslos die Meinung des Verfassers*in, nicht eine Stellungnahme unserer Organisation wieder.

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Außergewöhnliche Zwergschwanansammlung
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Außergewöhnliche Zwergschwanansammlung

  • Seltene Zwergschwäne rasten derzeit in den Speicherbecken des Hauke-Haien-Koogs.

Ahrensburg/Schlüttsiel, 20.11.2025.
Die melodischen Stimmen der Zwergschwäne klingen weit über den nordfriesischen Hauke-Haien-Koog hinaus. Die seltenen Zugvögel sind gerade aus der russischen Tundra bei uns eingetroffen. Ihr Gesang verleiht der Dämmerung eine einzigartige Atmosphäre und ist ein ganz besonderes Naturschauspiel. Mehr als 1.300 Vögel dieser bedrohten Art halten sich derzeit auf den Gewässern im Vogelschutzgebiet auf und können bei naturkundlichen Führungen des Vereins Jordsand ab Schlüttsiel bestaunt werden.
„Diese große Ansammlung unserer kleinsten europäischen Schwanenart ist etwas ganz besonderes“, sagt Paul-August Schult, Ornithologe des Vereins Jordsand. „Wir haben hier etwa 10 % der Nordwest-europäischen Brutpopulation an einem Ort versammelt. Sie finden in den Speicherbecken direkt nach ihrer Ankunft ausreichend Wasserpflanzen als Nahrung und nutzen die Gewässer als sicheren Schlafplatz.“

Der Zwergschwan ist deutlich kleiner als der Höcker- und der Singschwan. Die Vögel sind sehr stimmfreudig und bei uns in Mitteleuropa nur im Winterhalbjahr von Ende Oktober bis Mitte März zu Gast. Sie brüten in der russischen Tundra und durchqueren auf ihrem Zug das Baltikum. Die Population hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen, sodass die Art in Europa als gefährdet gilt. Deutschland trägt eine internationale Verantwortung für den Erhalt dieser Art, da hier bis zu 50 % aller Vögel der nordwesteuropäischen Brutpopulation überwintern. Zwergschwäne benötigen ungestörte Schlafgewässer und Ruheplätze, geeignete Nahrungsgebiete und Flugwege, die frei von Hindernissen wie Windenergieanlagen und Freileitungen sind.

Im Hauke-Haien-Koog und dem Umfeld finden die Vögel gerade offenbar alles, was sie nach ihrer kräftezehrenden Reise benötigen. Das Stationsteam des Vereins Jordsand zählt die nordischen Gäste in diesen Monaten mehrmals wöchentlich. Jakob Neuenschwander macht hier sein Freiwilliges Ökologisches Jahr und ist begeistert: „Bei unserer letzten Zählrunde haben wir 1.301 Individuen gezählt. Die morgendliche Zählung ist immer wieder ein besonderes Erlebnis und ich bin gespannt, ob es noch mehr werden. Wir unterscheiden auch zwischen den diesjährigen Jungschwänen und den Altvögeln. Die Jungvögel sind dabei leicht am grauen Gefieder zu erkennen“. Die Zahlen liefern einen wertvollen Beitrag zum Wissensstand um die Zwergschwanpopulation und um den Bruterfolg der Vögel. Unter den rund 1.300 Individuen wurden weniger als 40 Jungvögel gezählt. Ein deutliches Zeichen dafür, dass der Bruterfolg in diesem Jahr schlecht ausgefallen ist.

Ursprünglich dienen die Speicherbecken des Hauke-Haien-Koogs seit dem Ende der 1950er Jahre dem Hochwasserschutz. Unmittelbar angrenzend an das Wattenmeer haben sie sich jedoch schnell zu einem Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung für den Vogelzug entwickelt. Sie bieten alljährlich zehntausenden Wat- und Wasservögeln einen sicheren Rastplatz. Seit 1967 engagiert sich der Verein Jordsand im Hauke-Haien-Koog für den Schutz des Gebietes und bietet für die interessierte Öffentlichkeit natur- und vogelkundliche Führungen an. Aktuelle Termine der Führungen können auf der Homepage des Vereins unter: www.jordsand.de/hauke-haien-koog/führungen-im-hauke-haien-koog/ eingesehen werden.

 
In der Aufnahme von Jakob Neuenschwander
  • Zwergschwanportrait im Morgenlicht

Quelle
Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.
Bornkampsweg 35
22926 Ahrensburg 

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Der Biber – ein stiller Architekt des Lebens und warum er unsere Stimme braucht
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Der Biber – ein stiller Architekt des Lebens und warum er unsere Stimme braucht

29/30.11.2025

  • Wenn man an die großen Tiere denkt, die unsere Landschaft formen, fallen einem vielleicht Hirsche, Adler oder Wölfe ein. 

Doch einer der wichtigsten Baumeister unserer Natur ist ein eher unscheinbares, friedliches Wesen: der Biber. Still, ausdauernd und in enger Verbindung mit seinem Lebensraum arbeitet er Tag und Nacht daran, Wasser und Land in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen. Und genau diese Fähigkeit macht ihn zu einem Schlüsselwesen für die Biodiversität.
Ein Tier, das Landschaften zum Atmen bringt

Wo immer Biber leben, beginnt die Natur buchstäblich aufzuatmen. Durch das Fällen von Bäumen und das Errichten ihrer typischen Dämme verlangsamen sie den Wasserfluss. Aus einem streng kanalisierten Bach entsteht eine vielfältige Wasserlandschaft: mal ruhige Teiche, mal seichte Uferzonen, mal kleine Seitenarme und Tümpel. Diese Strukturen schaffen einen Lebensraum, der von Artenvielfalt geradezu explodiert.

Für Amphibien entstehen geschützte Laichplätze, die sie in unserer ausgeräumten Kulturlandschaft oft vergeblich suchen. Fische profitieren von Sauerstoffanreicherung und abwechslungsreicher Strömung. Libellen und Wasserinsekten finden Brutstätten und Jagdreviere. Eisvögel nutzen die neu entstandenen Uferabbrüche als Brutwände, und seltene Wat- und Wasservögel finden Nahrung und Ruhe. Selbst Säugetiere wie Otter oder Fledermäuse profitieren indirekt von dieser neuen Wasserwelt.

Was der Biber baut, ist mehr als ein Damm: Es ist ein kleines Netzwerk aus Leben, ein Rückzugsort, ein Motor der Artenvielfalt.

Ein Helfer im Kampf gegen Klimafolgen

Doch die Leistungen der Biber reichen weit über ihre Rolle als Lebensraumgestalter hinaus. Ihre Gewässerlandschaften wirken wie natürliche Schwämme. Sie halten Wasser in trockenen Zeiten länger zurück, spenden Feuchtigkeit an die Umgebung und stabilisieren so den Grundwasserpegel. In Zeiten des Klimawandels, in denen Dürre und Starkregen immer häufiger auftreten, erfüllen sie damit eine Aufgabe, die kein technisches Bauwerk so effizient übernehmen kann.

In Hochwasserlagen bremsen Biberdämme die Wassermassen, verteilen sie in Tümpel und Seitenarme, verzögern den Abfluss und verhindern so stärkere Überflutungen flussabwärts. In Trockenperioden sichern ihre Teiche das Überleben vieler Arten, die sonst keine Chance hätten. Der Biber ist also nicht nur ein Naturschützer im Kleinen – er ist ein Verbündeter beim Schutz unserer Landschaften.

Konflikte mit dem Menschen – und warum Abschüsse keine Lösung sind

Natürlich kommt es immer wieder zu Reibungen. Felder werden unter Wasser gesetzt, Uferwege überschwemmt, Bäume angenagt. Das sind echte Herausforderungen, die für Landwirtinnen, Kommunen oder Grundstückseigentümer unangenehm und belastend sein können. Doch sie sind lösbar – und zwar ohne die Tiere zu töten.

Der Ruf nach Abschüssen klingt manchmal nach einer schnellen Lösung, doch in Wahrheit verlagert er das Problem nur. Frei gewordene Reviere werden in der Regel rasch von neuen Bibern besetzt – denn geeignete Lebensräume sind begrenzt und daher begehrt. Die Konflikte beginnen so immer wieder von vorn, während wertvolle Ökosysteme zerstört werden.

Hinzu kommt: Jeder Abschuss nimmt der Natur ein Tier, das eigentlich für sie arbeitet. Ein Tier, das Lebensräume schafft, Wasser reguliert und Biodiversität schützt. Ein Tier, das unermüdlich für ein Gleichgewicht kämpft, das wir Menschen an vielen Stellen aus den Fugen gebracht haben.

Es gibt bessere Wege – Wege, die funktionieren

Glücklicherweise existieren zahlreiche erprobte und wirksame Alternativen zum Abschuss. Baumschutzgitter, Wasserstandsregulierungen an Biberdämmen oder gezielte Lenkung der Tiere durch Lebensraumgestaltung können Konflikte erheblich reduzieren. Gemeinden, die solche Maßnahmen einsetzen, zeigen, dass ein friedliches Miteinander möglich ist – und dass es langfristig sogar kostengünstiger ist als der regelmäßige Eingriff in die Tierpopulation.

Es geht nicht darum, den Biber über alles zu stellen. Es geht darum, Lösungen zu finden, die Respekt vor der Natur zeigen und gleichzeitig die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen.

Ein Appell an unser Verantwortungsgefühl


Der Biber erinnert uns an etwas, das wir allzu oft vergessen: Natur funktioniert nicht, indem man sie kontrolliert oder unterdrückt – sie funktioniert durch Vielfalt, Zugehörigkeit und Balance. Der Biber leistet dafür einen unersetzlichen Beitrag. Ihn zu schützen bedeutet, die Gesundheit unserer gesamten Landschaft zu schützen.

Wenn wir uns entscheiden, mit dieser Art zu leben, statt gegen sie, entscheiden wir uns für eine Zukunft, in der Flüsse lebendig bleiben, Kinder wieder Frösche und Libellen entdecken können und unsere Natur widerstandsfähiger wird. Eine Zukunft, von der wir alle profitieren.

Der Biber braucht uns – aber noch viel mehr brauchen wir ihn.



In der Aufnahme von Johannes Rother
  • Biber im Ökosystem
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Die faszinierende Welt der Würfelnatter: Ein Blick auf ihr Fortpflanzungsverhalten
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Die faszinierende Welt der Würfelnatter: Ein Blick auf ihr Fortpflanzungsverhalten

28/29.11.2025

  • Die Würfelnatter (Natrix tessellata) zählt zu den beeindruckendsten Wasserschlangen Europas. Besonders spannend ist ihr Fortpflanzungsverhalten, das eng mit den jahreszeitlichen Veränderungen in ihrem Lebensraum verknüpft ist. 

Wenn im Frühjahr die Temperaturen steigen, beginnen die Tiere ihre Paarungszeit, in der sie sich an warmen Uferbereichen oder im flachen Wasser begegnen. Dabei zeigen sie ein vielfältiges Repertoire natürlicher Verhaltensweisen, die sowohl für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als auch für Naturinteressierte aufschlussreiche Einblicke bieten.
Helga und Hubertus Zinnecker haben hierzu einen sehr interessanten Film gedreht der hier zu finden ist:

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Die Würfelnatter – Meisterin des Wassers
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Die Würfelnatter – Meisterin des Wassers

27/28.11.2025

  • Ein warmer Nachmittag am Flussufer. Das Wasser glitzert, Libellen schwirren über den Wellen, und auf einem flachen Stein sonnt sich reglos eine schlanke Gestalt. 

Nur die Augen verraten Wachsamkeit. Als ein Fisch nahe der Oberfläche auftaucht, gleitet die Natter lautlos ins Wasser – schnell, elegant, zielstrebig. Ein kurzer Moment, ein Wirbel – und sie taucht mit ihrer Beute wieder auf. So lebt sie, die Würfelnatter (Natrix tessellata), eine der verborgensten, aber faszinierendsten Schlangen Europas.
Artbeschreibung
Die Würfelnatter ist eine nicht giftige Wasserschlange aus der Familie der Nattern (Colubridae). Sie erreicht meist eine Länge von 70 bis 100 Zentimetern, in seltenen Fällen bis zu 130 cm. Ihren Namen verdankt sie der würfelförmigen Zeichnung aus dunklen Flecken, die ihren oliv- bis graubraunen Körper zieren.

Im Gegensatz zu ihrer nahen Verwandten, der Ringelnatter (Natrix natrix), besitzt sie keine auffälligen gelben Nackenflecken. Ihr Lebensraum ist eng an Wasser gebunden – sie bewohnt Flüsse, Seen, Teiche und Küstenbereiche mit reichem Fischbestand. Ihre Nahrung besteht fast ausschließlich aus Fischen und Amphibien, die sie geschickt unter Wasser jagt. Dabei kann sie bis zu 15 Minuten tauchen und bewegt sich elegant zwischen Steinen und Wasserpflanzen. In Deutschland ist die Würfelnatter vor allem entlang des Rheins, an Mosel, Main und in Teilen Süddeutschlands zu finden – dort, wo sie ungestörte Ufer und sauberes Wasser vorfindet.

Eine Stimme aus dem Wasser – die Perspektive der Würfelnatter


„Ich bin leise. Ich brauche nur das Wasser, die Sonne und etwas Schutz zwischen Steinen. Doch mein Fluss verändert sich. Früher war das Ufer voller Leben – Fische, Frösche, Röhricht. Jetzt sind die Steine verschwunden, die Ufer befestigt, das Wasser rauscht schneller. Ich finde kaum noch ruhige Buchten, um meine Eier zu legen. Die Menschen fürchten mich, obwohl ich ihnen nichts tue. Ich bin nur ein Teil dieses Flusses – so wie der Wind, das Schilf und das Licht.“

Die Veränderung der Gewässerlandschaften – durch Bauarbeiten, Uferbefestigungen, Verschmutzung und Hochwasserschutzmaßnahmen – führt dazu, dass der Lebensraum der Würfelnatter vielerorts schwindet. Auch die zunehmende Freizeitnutzung von Flussufern stört ihre Rückzugsorte.

Doch wo man ihr Lebensumfeld schützt – naturnahe Ufer, Kiesbänke und ungestörte Flachwasserzonen – kann sie sich wieder ansiedeln. Die Würfelnatter ist ein wichtiger Indikator für gesunde Gewässer und erinnert uns daran, dass selbst kleine ökologische Nischen Lebensräume von großer Bedeutung sind.


In der Aufnahme von Helga Zinnecker 
  •     „Der schmale Kopf der Würfelnatter ragt neugierig hervor.“
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Die stille Kraft der Novembersonne – Ein Landschaftsbild der Mittelgebirge
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Die stille Kraft der Novembersonne – Ein Landschaftsbild der Mittelgebirge

26/27.11.2025

  • Der November ist ein Monat, in dem sich die Natur spürbar zurücknimmt. Die Farben des Herbstes sind verblasst, das Gold und Rot der Blätter längst verschwunden. Was bleibt, ist eine Landschaft in gedeckten Tönen, klaren Formen und einer fast meditativen Ruhe. Gerade in den Mittelgebirgen, wo Täler und Höhenzüge sich in weichen Linien abwechseln, entfaltet diese Schlichtheit ihren ganz eigenen Zauber.

In dieser Übergangszeit tritt die Novembersonne in Erscheinung – leise, zurückhaltend und zugleich von einem besonderen, kaum greifbaren Charakter. Sie steigt spät über die Hügel und sinkt früh wieder dahin, und doch prägt sie in diesen wenigen Stunden den gesamten Tag. Ihr Licht ist kein strahlendes Weiß des Sommers und kein goldenes Glühen des Oktoberherbstes. Es ist ein sanftes, fast gedämpftes Leuchten, das sich wie ein hauchzarter Schleier über die Landschaft legt.
Nebel als Bühne für ein flüchtiges Schauspiel

Besonders eindrucksvoll wirkt die Novembersonne, wenn der Nebel tief in die Täler sinkt und seine graue Ruhe über Wiesen, Wälder und Hänge breitet. In den Mittelgebirgen ist dieser morgendliche oder manchmal sogar ganztägige Nebel ein vertrauter Begleiter. Er füllt die Senken wie ein stilles Meer, lässt Baumkronen wie Inseln daraus hervorragen und verwandelt Wege und Pfade in geheimnisvolle Linien, die irgendwo im Ungewissen verschwinden.

Die Sonne versucht, sich durch diese weiche Wand zu arbeiten. Man sieht, wie ihre Strahlen zwischen den kahlen Ästen der Bäume aufblitzen, wie sie sich an den feinen Nebeltröpfchen bricht und kleine Lichtkegel erzeugt, die sofort wieder verschluckt werden. Es ist ein Kampf, doch keiner mit Gewalt – eher ein zartes Ringen zwischen Licht und Feuchtigkeit. Oft bleibt die Sonne am Ende hinter dieser Nebelschicht verborgen, und gerade dieses „Nicht-Ganz-Durchdringen“ ist es, das der Landschaft eine unverwechselbare Stimmung verleiht.

Die Rolle der laublosen Wälder

Ohne ihre Blätter stehen die Bäume wie filigrane Zeichnungen im Raum. Ihre Äste wirken wie mit feiner Tinte gezeichnet, scharf und gleichzeitig verletzlich. Durch diesen offenen Blick entstehen Tiefe und Weite, die im Sommer verborgen bleiben. Die Novembersonne betont diese Strukturen, ohne sie je voll zu erhellen: Sie tastet sich an ihnen entlang, bleibt in den Verzweigungen hängen, erzeugt schemenhafte Schatten und verleiht dem Wald eine beinahe grafische Ästhetik.

Jeder Baum, jeder Ast tritt aus der Anonymität hervor. Formen und Linien werden deutlicher, und die vertraute Landschaft zeigt sich in einer ungewöhnlichen Klarheit – nicht trotz des Nebels, sondern durch ihn.

Eine Atmosphäre zwischen Melancholie und Geborgenheit

Der Reiz dieser Novemberstimmung ist schwer in Worte zu fassen, denn er lebt von Gegensätzen:

  •     Die Luft ist kühl, doch das Licht wirkt warm.

  •     Die Wälder sind kahl, doch nicht karg.

  •     Die Landschaft erscheint reduziert, und gleichzeitig voller Details.

  •     Die Sonne bleibt verborgen, und dennoch ist ihr Einfluss spürbar.


Es entsteht eine Atmosphäre, die sowohl etwas Melancholisches als auch etwas Beruhigendes in sich trägt. Man fühlt sich nicht überwältigt, sondern eingeladen, genauer hinzusehen. Geräusche werden gedämpft, Entfernungen verschwimmen, die Welt wirkt für einen Moment kleiner und zugleich größer, weil sie Raum für Gedanken lässt.

Ein stilles Schauspiel von kurzer Dauer

Gerade weil diese Stimmung so flüchtig ist, entfaltet sie ihre besondere Wirkung. Ein leichter Windstoß kann den Nebel vertreiben, ein paar Minuten später zeigt sich der Himmel wolkig und grau, oder aber die Sonne setzt sich doch durch und bringt klare Sicht. Das Schauspiel der Novembersonne geschieht nicht jeden Tag und oft nur für kurze Augenblicke – aber genau diese Unbeständigkeit macht es so kostbar.

Wer zu dieser Zeit in den Mittelgebirgen unterwegs ist, erlebt einen Moment, der sich kaum wiederholen lässt. Es sind jene Augenblicke, die weniger laut und aufmerksamkeitsheischend sind als die großen Naturspektakel des Jahres, aber dafür von einer leisen Schönheit, die lange nachhallt. 





In der Aufnahme
  • Licht und Nebel formen ein leises Novemberpanorama.
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Wenn der Wald erzählt – die heimlichen Wege der Wildschweine
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Wenn der Wald erzählt – die heimlichen Wege der Wildschweine

25/26.11.2025

  • Es gibt Tage, an denen der Wald still wirkt. Morgentau liegt wie ein feiner Schleier über den Farnen, das Licht schimmert zwischen den Bäumen, und der Waldweg scheint unberührt und friedlich. 

Doch wer genauer hinsieht, erkennt, dass der Wald niemals wirklich schläft. Unter der Oberfläche des scheinbaren Schweigens erzählen Spuren Geschichten – von Tieren, die wir kaum sehen, die aber jede Nacht den Wald mit ihren geheimen Wegen durchziehen.

Eine dieser Geschichten gehört dem Wildschwein.
Die unsichtbaren Bewohner der Dämmerung

Wildschweine gehören zu den verborgensten und zugleich lebendigsten Charakteren des Waldes. Am Tag bleiben sie im Dickicht, geschützt vom Geäst, das wie natürliche Wände wirkt. Doch wenn die Abenddämmerung herabsinkt, wenn das helle Rauschen des Tages von einem gedämpften Flüstern abgelöst wird, erwachen sie.

Zuerst hört man vielleicht nur ein leichtes Rascheln. Ein tiefes Grunzen, das irgendwo zwischen den Stämmen widerhallt. Dann bewegen sich dunkle Schatten lautlos über den Waldboden. Die Rotte beginnt ihre nächtliche Suche nach Nahrung – oft direkt entlang der Waldwege, die wir am nächsten Morgen betreten.

Spuren, die mehr verraten als ein Foto

Es braucht keinen direkten Blickkontakt, um die Präsenz von Wildschweinen zu erkennen. Die Natur selbst zeigt ihre Signatur.

Entlang vieler Wege findet man aufgewühlte Erde, als hätte jemand mit unsichtbaren Händen in den Boden gegriffen. Dort, wo am Vortag noch Gras stand, liegt nun die nackte Erde frei. Halme liegen zur Seite gedrückt, kleine Wurzeln ragen wie feine Finger aus dem Boden, und Steine sind sauber herumgedreht, als hätten sie eine Inspektion hinter sich.

Diese Spuren wirken an manchen Stellen chaotisch, doch dahinter steckt ein erstaunlich kraftvolles und zielgerichtetes Verhalten: Wildschweine sind Meister im Wühlen.

Ihr kräftiger Rüssel funktioniert wie ein Werkzeug – zugleich Hebel, Spaten und feines Suchinstrument. Mit ihm durchkämmen sie den Boden nach Schätzen: Engerlingen, Käfern, Pilzgeflechten, Wurzeln, Knollen und allem, was nährstoffreich ist.

Je nach Futterverfügbarkeit kann ein einziger nächtlicher Besuch eine ganze Fläche verwandeln. Was uns am Morgen überrascht, war für die Tiere ein intensiver Prozess der Nahrungssuche, der instinktiv, präzise und kraftvoll abläuft.

Das Wühlen – Naturkraft und Naturnutzen

  • Das Aufreißen des Bodens wirkt auf den ersten Blick wie eine Verwüstung – doch im Verborgenen passiert viel mehr.

  • Der Boden wird gelockert, was Luft und Wasser besser eindringen lässt.

  • Samen werden verteilt, die zuvor im Boden ruhten.

  • Neue Mikrohabitate entstehen, die Käfern, Würmern und unzähligen Bodenorganismen Lebensraum bieten.

  • Nährstoffe gelangen an die Oberfläche, wo sie anderen Pflanzen zugutekommen.

Das Wühlen der Wildschweine ist ein kleiner, aber bedeutender Beitrag zur natürlichen Dynamik des Waldes. Es ist ein Prozess, der schon stattfand, lange bevor Menschen Regeln, Wege oder Forstgrenzen gezogen haben.

Warum die Spuren zunehmen

In den letzten Jahren sieht man solche aufgewühlten Stellen jedoch häufiger – nicht nur im tiefen Wald, sondern auch an seinen Rändern und manchmal erstaunlich nah an Wegen und Siedlungen.

Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Milde Winter erhöhen die Überlebensrate der Frischlinge.

  • Maisfelder und Mastfutter bieten reichlich Nahrung in der Umgebung.

  • Weniger Störungen im Wald durch zunehmende Randgebiete und Rückzugsmöglichkeiten.

  • Verlust natürlicher Rückzugsräume, wodurch Wildschweine sich häufiger entlang von Wegen bewegen.

So rückt das Schwarzwild näher an unsere Beobachtungsorte heran – und seine Spuren werden sichtbarer.

Ein stiller Dialog zwischen Mensch und Wildtier

Wer die aufgewühlten Wege sieht, kann sie als Einladung zu einem stillen Dialog verstehen. Sie erinnern uns daran, dass wir den Wald nicht allein nutzen. Jede Spur ist ein Hinweis darauf, dass hier Leben pulsiert, das sich unseren Augen entzieht, aber dennoch fest mit diesem Ort verbunden ist.

Wildschweine hinterlassen keine Botschaften im herkömmlichen Sinn. Und doch erzählt ihr Tun viel über den Zustand des Waldes: über seine Fruchtbarkeit, seine Ruhe, seine Belastungen und seine Chancen.

Manchmal ist es gerade das, was wir nicht sehen, das uns am meisten über die Natur verrät.


In der Aufnahme von Johannes Rother
  • Junges Wildschwein (Frischling) 
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Wenn eine Wiese verstummt – die Geschichte eines langsamen Sterbens
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Wenn eine Wiese verstummt – die Geschichte eines langsamen Sterbens

24/25.11.2025

  • Am Rand eines kleinen Dorfes lag eine Wiese, die so lebendig war, dass man fast glaubte, sie atme. Im Morgengrauen, wenn der Tau wie ein feiner Schleier über den Halmen hing, erhob sich aus ihr ein Summen, ein Knistern, ein Wispern – das Stimmengewirr eines Ökosystems, das seit Generationen in einem empfindlichen Gleichgewicht lebte.

Hier öffneten sich im Frühling die ersten Schlüsselblumen, zwischen denen Bienen taumelten wie kleine gelbe Funken. Später gesellten sich bunte Farbtupfer dazu: violetter Wiesensalbei, weiß schimmernde Margeriten, leuchtender Klee. Schmetterlinge schwebten darüber, als würden sie das Licht selbst tragen. Kinder kamen gerne hierher, um Grashüpfer zu fangen, nur um sie wenig später lachend wieder freizulassen.

Diese Wiese war nicht einfach nur ein Stück Land – sie war ein kleiner Kosmos, ein Ort, an dem man die Vielfalt des Lebens in all ihren Formen spüren konnte. Manchmal saß der alte Bauer am Zaun und sagte leise: „Solange die Wiese singt, geht’s der Welt gut.“

Doch der Gesang sollte verstummen.
Als die Veränderung begann

Es geschah nicht von heute auf morgen. Veränderungen in der Natur kommen selten mit einem Knall – sie schleichen sich an, erst kaum sichtbar, dann unübersehbar.

Die Landwirtschaft im Dorf wurde intensiver, moderner, produktiver. Kühe standen zahlreicher in den Ställen, neue Maschinen wurden angeschafft. Und mit jedem Jahr rückte die Wiese tiefer in die Logik des Wirtschaftens hinein. Sie sollte nicht mehr nur Lebensraum sein, sondern Ertrag liefern.

Als zum ersten Mal Gülle auf ihr ausgebracht wurde, erfüllte ein schwerer Geruch die Luft. Der Boden sog die braune Flüssigkeit auf, und die Wiese schien sie zunächst dankbar anzunehmen. Das Gras wuchs dichter, schneller, ein sattes Grün, das nach „Erfolg“ aussah.

Doch was wie ein Fortschritt wirkte, war der Beginn einer schleichenden Überversorgung. Mehr Gülle wurde ausgebracht – regelmäßig, immer wieder. Denn Gülle musste weg, die Tanks mussten leer, die Felder mussten fressen, ob sie wollten oder nicht.

Der stille Kampf im Boden


Die Natur hat eine bemerkenswerte Fähigkeit: Sie versucht, Ungleichgewichte auszugleichen. Doch selbst die widerstandsfähigste Wiese kann überlastet werden.

Mit jeder weiteren Ausbringung stiegen die Nährstoffmengen im Boden. Pflanzen, die nur wenig Stickstoff vertragen, gerieten ins Hintertreffen. Die zarten Arten, die die Wiese so bunt gemacht hatten – Glockenblumen, Schafgarbe, knallgelber Hahnenfuß – bekamen immer weniger Licht und Raum.

Stattdessen breiteten sich kräftige, schnellwüchsige Gräser aus. Sie schossen aus dem Boden, verdeckten alles unter sich und nahmen kleineren Arten die Luft zum Atmen. Die Vielfalt, die einst wie ein fein komponiertes Musikstück klang, wurde überlagert von einer einzigen, eintönigen Melodie.

Auch im Boden selbst geschahen Dinge, die man mit bloßem Auge nicht sehen konnte:

  • Regenwürmer verschwanden durch Verdichtung und hohe Nährstoffbelastung.
  • Die Bodenstruktur verlor ihre Stabilität.
  • Wasser blieb stehen, wo es früher versickerte.
  • Pilze und Mikroorganismen, die den natürlichen Nährstoffkreislauf ermöglichten, starben ab.
  • Die Wiese begann, innerlich zu erlahmen, lange bevor man es außen sah.

Zehn Jahre später – eine erstickte Weite

Heute – ein Jahrzehnt nach Beginn der intensiven Gülleausbringung – liegt die Wiese immer noch am Dorfrand. Doch sie ist kaum wiederzuerkennen.

Wo einst Farben tanzten, sieht man jetzt eine gleichförmige Fläche. Der Duft von Kräutern und Blüten ist einem schweren Grün gewichen, das zwar gesund scheint, aber leer wirkt. Das Summen der Insekten ist verstummt – nur vereinzelt hört man noch eine Biene, die sich verirrt hat.

Die Schmetterlinge, die früher wie lebendige Pinselstriche durch die Luft flogen, sind verschwunden. Die Kinder, die einst lachend Grashüpfer jagten, finden heute kaum mehr einen. Stille hat sich über die Wiese gelegt – eine Stille, die nicht beruhigt, sondern bedrückt.

Der alte Bauer setzt sich manchmal noch an den Zaun. Doch nun schweigt er. Denn die Wiese singt nicht mehr.

Was diese Wiese uns lehrt

Die Geschichte dieser Wiese ist kein Einzelfall. Sie steht für viele Landschaften, die langsam, aber sicher ihre Vielfalt verlieren. Sie zeigt, wie empfindlich Ökosysteme auf Überdüngung reagieren – und wie schnell ein artenreicher Lebensraum zu einer monotonen Fläche werden kann.

Doch sie ist auch eine Mahnung, wie wertvoll unsere natürlichen Flächen sind. Eine Einladung, genauer hinzuschauen, bevor der letzte Summton verklungen ist.

Denn eine Wiese kann sterben, ohne dass sie verbrennt, verdorrt oder unter Beton verschwindet. Sie kann sterben, indem sie erstickt wird – unter einer Last, die nie für sie bestimmt war.

In der Aufnahme 
  • Gülleausgringung auf Grünland denn den Namen Wiese hat diese Fläche vor geraumer Zeit verloren!
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Fellhorn-Ausbau zeigt Folgen des Modernisierungsgesetzes
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Fellhorn-Ausbau zeigt Folgen des Modernisierungsgesetzes

23/24.11.2025

  • Vor dem Ausbau der Seilbahn hätte es früher eine Umweltprüfung gegeben. Durch neues Modernisierungsgesetz können Bauarbeiten zu Lasten der Natur sofort umgesetzt werden. Ziel des Gesetzes ist es, die kritische Öffentlichkeit auszuschließen.

Der BUND Naturschutz in Bayern sieht seine Kritik am 3. Modernisierungsgesetz durch aktuelle Entwicklungen am Skigebiet Fellhorn im Allgäu bestätigt. „Dort ist erstmalig nach Inkrafttreten des Modernisierungsgesetztes genau das eingetreten, was wir befürchtet haben“, erklärt der BN-Landesbeauftragte Martin Geilhufe.

 „Umfangreiche Eingriffe in die sensible Bergwelt können jetzt viel leichter ohne 
Umweltverträglichkeitsprüfung durchgezogen werden – zum Schaden der Natur und einem nachhaltigen, zukunftsgerichteten Tourismus.“
Durch das dritten Modernisierungsgesetz werde die Beteiligung der kritischen Öffentlichkeit bei solchen Vorhaben deutlich erschwert, so Geilhufe weiter: „Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist automatisch mit einer Öffentlichkeitsbeteiligung verbunden. Umweltverbände wie der BUND Naturschutz können dabei Stellung nehmen und wichtige Impulse geben. Diese Möglichkeit wird nun systematisch beschränkt. Das ist eine gefährliche und zutiefst undemokratische Entwicklung. Abgesehen davon gehen wir davon aus, dass das Gesetz nicht mit EU-Recht vereinbar ist.“

Konkret geht es um die geplante Erweiterung der Scheidtobelbahn, deren Förderkapazität verdreifacht werden soll. Die Trasse führt durch ein Naturschutzgebiet, FFH-Gebiet, ein europäisches Vogelschutzgebiet, ein Landschaftsschutzgebiet und ein im Winter gesperrtes Wildschutzgebiet. Früher wäre für ein solches Vorhaben zwingend eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben gewesen. Erst auf Nachfrage des BN wurden die Unterlagen vom Landratsamt zur Verfügung gestellt. Im Zusammenhang mit dem Sessellift sind vier Pistenausbauten geplant, drei weitere sollen zusätzlich folgen. 

Auch die Speicherkapazität für die Beschneiungsanlagen soll massiv erweitert werden: Das bisherige Speicherbecken im Skigebiet Fellhorn-Kanzelwand umfasst 58 Mio. Liter. Ein zusätzlicher Neubau soll 170 Mio. Liter Wasser für Kunstschnee bereithalten – ein weiterer erheblicher Eingriff in das Ökosystem. 
„Der ohnehin schon problematische Ausbau der Bahn zieht eine ganze Kette naturzerstörerischer Maßnahmen nach sich“, kritisiert Irmela Fischer, Vorstandsmitglied der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu. „Der Umbau der ersten Piste läuft bereits. Praktisch unbemerkt von der Öffentlichkeit werden hier harte Fakten geschaffen. Ich habe mir die Baustelle angeschaut und mir blutet das Herz zu sehen, wie rücksichtslos mit unserer heimischen Natur umgegangen wird.“

Der BN befürchtet, dass die am Fellhorn begonnene Salamitaktik auch im übrigen bayerischen Alpenraum Schule machen wird. „Ohne Umweltprüfungen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit sollen so die letzten großen Projekte auf Kosten der Natur und zum Schaden der Allgemeinheit umgesetzt werden. Im Zeichen des Klimawandels und immer weniger Schnee im bayerischen Alpenraum eine höchst verstörende Vorstellung“, so Fischer abschließend.

In der Aufnahme von BN - Irmela Fischer 
  • Pisten-Bauarbeiten am Fellhorn

Quelle
BUND NATURSCHUTZ IN BAYERN E.V.

Stand 11-11-2025


Für diese Information trägt ausnahmslos der/die Autor*in/Urheber*in die redaktionelle Verantwortung. Die kommunizierten Informationen geben ausnahmslos die Meinung des Verfassers*in, nicht eine Stellungnahme unserer Organisation wieder.

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Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)
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Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)

22/2311.2025

  • Als die Sonne über den Olivenhainen aufgeht, erwacht eine kleine Schildkröte unter einem dichten Lavendelstrauch. 

Gemächlich schiebt sie sich ins Licht, spürt die Wärme auf ihrem Panzer und blickt auf die weite, goldene Landschaft. Seit Jahrzehnten wandert sie hier zwischen Steinen und Kräutern, jedes Jahr etwas weiser, jedes Jahr ein wenig langsamer – und doch stets im Rhythmus der Natur. Sie ist eine Zeugin der Zeit: die Griechische Landschildkröte.
Artbeschreibung – Charakteristisch und anpassungsfähig

Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) gehört zu den bekanntesten europäischen Landschildkröten. Ihr natürlicher Lebensraum erstreckt sich über Südosteuropa – von Griechenland über Italien bis nach dem Balkan.

Typisch für diese Art ist ihr hochgewölbter, goldbrauner Panzer mit dunklen Flecken und der gelbe Fleck am Schwanzschild, der sie gut von anderen Arten unterscheidet. Erwachsene Tiere erreichen meist eine Größe von 18 bis 25 Zentimetern, wobei Weibchen in der Regel etwas größer als Männchen sind.

Griechische Landschildkröten bevorzugen trockene, sonnige Habitate mit lockerem Boden, in dem sie sich eingraben können. Sie sind tagaktiv und verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit der Nahrungssuche – Wildkräuter, Gräser und Blüten stehen ganz oben auf ihrem Speiseplan.

Aus der Sicht der Schildkröte – Wandel im Lebensraum

„Früher,“ könnte die Schildkröte sagen, „gab es hier so viele Plätze zum Sonnen und Verstecken. Die Wiesen dufteten nach Thymian, und zwischen den Steinen summten die Insekten.“

Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich ihr Lebensraum stark verändert. Zersiedelung, Landwirtschaft und Straßenbau haben viele natürliche Flächen verkleinert oder zerstört. Wo einst Olivenhaine standen, liegen nun Ferienhäuser; wo es einst summte und brummte, ist heute Asphalt.

Trotzdem gibt es Hoffnung: Schutzprogramme, naturnahe Gärten und Aufklärungsarbeit helfen, diesen faszinierenden Reptilien wieder mehr Raum zu geben. Wer seinen Garten schildkrötenfreundlich gestaltet – mit Steinen, Sandflächen, Wildkräutern und Rückzugsorten – leistet einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser uralten Art.



In der Aufnahme von Helga Zinnecker 
  • „Der charakteristische Panzer: goldbraun mit dunklen Mustern – perfekt getarnt in mediterraner Landschaft.“
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Novemberlicht im Laubmischwald
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Novemberlicht im Laubmischwald

21/22.11.2025

  • Eindrücke einer stillen, verletzlichen Jahreszeit

Der November legt seinen Schleier über den Wald. Nebel zieht zwischen den Stämmen hindurch, legt sich auf das feuchte Moos, glättet die Konturen der Welt. Die Farben des Sommers sind verblasst, zurück bleibt ein sanftes Spektrum aus Ocker, Braun und Grau. Die Luft ist kühl, schwer vom Duft nach Erde, Pilzen und vergehendem Laub. Hier, im Halbdunkel eines Laubmischwaldes, offenbart sich eine ganz eigene Form von Schönheit – leise, gedämpft und voller Bedeutung.

Wer in diesen Tagen den Wald betritt, spürt das Atmen des Bodens, das Knacken der Äste, das leise Rascheln eines Rotkehlchens im Unterholz. Die Vielfalt des Lebens ist noch immer da – aber sie wirkt zarter, zerbrechlicher als je zuvor. Zwischen den knorrigen Buchen, den mächtigen Eichen und den filigranen Birken ruht eine Gemeinschaft, die über Jahrhunderte gewachsen ist. Doch diese Gemeinschaft steht unter Druck.
Die stille Krise der Vielfalt

Biodiversität – das ist mehr als ein Wort aus wissenschaftlichen Berichten. Es ist das unsichtbare Netz, das alles Leben trägt. Jeder Käfer, jede Moosart, jede unscheinbare Flechte ist Teil eines Systems, das sich selbst reguliert, erneuert, verwandelt. Doch dieses Gleichgewicht gerät zunehmend ins Wanken.

Trockenere Sommer setzen den Bäumen zu, Hitzeperioden stressen den Boden, während plötzliche Starkregen das Erdreich fortspülen. Manche Arten ziehen sich zurück, andere wandern ein – ein stetes Ringen um Anpassung beginnt. Was über Jahrtausende in feinen Abstimmungen entstanden ist, verändert sich nun in einem Tempo, das die Natur kaum bewältigen kann.

Wo früher im November Nebel und Frost den Rhythmus bestimmten, herrschen heute milde Tage und unerwartetes Grün. Der Zyklus verschiebt sich – kaum merklich von Jahr zu Jahr, aber unübersehbar in seiner Summe. Die Grenzen zwischen den Jahreszeiten lösen sich auf, und mit ihnen verschwimmen die Lebensräume vieler Arten.

Der Wald als Zeuge des Wandels

Der Laubmischwald ist mehr als ein Ort – er ist ein Gedächtnis. In seinen Jahrringen trägt er die Spuren vergangener Sommer, die Narben von Stürmen, das Echo vergangener Jahrhunderte. Jetzt, im beginnenden Anthropozän, wird er zum stillen Zeugen einer beschleunigten Veränderung.

Die Eiche, einst Symbol für Beständigkeit, leidet zunehmend unter Trockenstress. Die Buche, lange Zeit die dominierende Baumart Mitteleuropas, kämpft um ihre Zukunft. Und auch wenn neue Arten – wie die Hainbuche, die Robinie oder wärmeliebende Insekten – ihren Platz finden, verändert sich damit das Gesicht des Waldes. Was bleibt, ist die Frage, wie viel von dem alten Klang des Waldes wir bewahren können.

Ein Blick in die Zukunft

Prognosen deuten darauf hin, dass wir zum Jahrhundertwechsel 2,5-Grad im Jahresmittel über dem aktuellen Temperaturspiegel liegen könnten – mit tiefgreifenden Folgen für Wälder weltweit. Hitzesommer, Schädlingsbefall, Wasserknappheit und Stürme könnten das Ökosystem grundlegend umformen. Der Wald der Zukunft wird ein anderer sein: lichter, bunter vielleicht, aber auch weniger vertraut.

Dennoch bleibt Hoffnung. Wälder sind Orte der Anpassung und der Regeneration. Wenn wir Raum lassen, achtsam gestalten, natürliche Prozesse fördern und Vielfalt als Wert erkennen, kann auch dieser Wandel neue Formen von Leben hervorbringen. Vielleicht wird der Wald von morgen anders aussehen – aber er kann dennoch Leben spenden, atmen, schützen.

Die Melancholie des Novemberlichts

Im diffusen Licht dieses Monats liegt eine besondere Ehrlichkeit. Der Wald zeigt sich ungeschminkt, reduziert auf das Wesentliche. Kein prunkvolles Grün, kein Vogelchor, keine Fülle – nur die pure Struktur, die das Leben trägt. Und vielleicht ist genau das die Botschaft des Novemberwaldes: Dass Schönheit auch in der Stille liegt, in der Verletzlichkeit, im Wandel selbst.

Wenn man hier verweilt, zwischen Nebel und fallendem Laub, versteht man, dass der Wald nicht nur eine Kulisse ist – er ist ein Gegenüber. Er spiegelt unsere Zeit, unsere Verantwortung, unsere Sehnsucht nach Beständigkeit.

So endet der November nicht im Vergehen, sondern im Innehalten. In jedem feuchten Blatt, das zu Boden sinkt, liegt das Versprechen neuen Lebens. Und vielleicht beginnt darin ein neuer Anfang – nicht nur für den Wald, sondern auch für uns.


In der Aufnahme 
  • Zwischen Nebel und Erinnerung – Der November legt den Wald in Schweigen, doch jedes Blatt erzählt noch vom Sommer.
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Die Europäische Hornisse (Vespa crabro) im Jagdmodus
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Herbstbegegnung: Die Europäische Hornisse (Vespa crabro) im Jagdmodus

21/22.11.2025


  • Ein kühler Wind zieht über den Garten. Die Sonne steht tiefer, das Licht wirkt sanfter, fast golden. Zwischen welkendem Laub und den letzten Blüten summt es leise – eine Europäische Hornisse (Vespa crabro) zieht langsam ihre Kreise.

Plötzlich verharrt sie in der Luft, richtet ihren Blick auf eine Feldwespe (Polistinae), die sich an den letzten süßen Tropfen einer bereit bereit gestellten Zuckerlösung gütlich tut. Ein kurzer, präziser Angriff – kaum ein Flügelschlag, und die Hornisse hat ihre Beute ergriffen. Mit kräftigen Mandibeln beginnt sie, die Wespe in ihre Einzelteile zu zerlegen: Kopf, Brust, Hinterleib. Nur die nährstoffreichen Muskelpartien werden verzehrt.

Ein stilles Schauspiel der Natur, das zeigt: Der Herbst ist nicht nur eine Zeit des Vergehens, sondern auch des Überlebens.
Artbeschreibung – Die Europäische Hornisse (Vespa crabro)

Die Europäische Hornisse ist die größte einheimische Faltenwespe Europas und erreicht eine Körperlänge von bis zu 35 Millimetern bei den Königinnen. Ihr gelb-schwarz gezeichneter Körper mit rotbraunem Kopf und Brustabschnitt macht sie unverwechselbar. Trotz ihres respekteinflößenden Aussehens ist sie friedlich, solange man ihr Nest nicht stört. Hornissen stehen in vielen Ländern – darunter auch in Deutschland – unter besonderem Schutz, da sie eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht spielen.

Sie sind erfahrene Jägerinnen und erbeuten eine Vielzahl anderer Insekten, darunter Fliegen, Schmetterlingsraupen, Bremsen und auch kleinere Wespenarten. Diese Beutetiere dienen als Eiweißquelle, insbesondere zur Aufzucht der Brut.

Ende September, wenn die Temperaturen sinken und das Nahrungsangebot abnimmt, zeigt sich die Hornisse noch einmal aktiv. Einzelne Arbeiterinnen streifen durch Gärten, Wälder und Obstwiesen – auf der Suche nach energiereicher Nahrung, um die letzten Larven im Nest zu versorgen und selbst Kraft zu schöpfen.

Eine Perspektive der Hornisse – Überleben im Herbst

„Die Sonne wärmt nur noch kurz. Die Blüten welken, die Nächte werden lang. Doch ich fliege noch – leise, kraftvoll, hungrig. Jede Beute zählt. Mein Volk wird bald vergehen, nur die junge Königin bleibt. Sie wird ruhen, bis neues Leben erwacht.“

So könnte die Europäische Hornisse den Herbst beschreiben. Ihre Jagd auf andere Insekten ist kein grausames Schauspiel, sondern Teil eines fein abgestimmten ökologischen Kreislaufs. Indem sie schwächere oder verletzte Insekten erbeutet, trägt sie zur natürlichen Regulation vieler Arten bei. Gleichzeitig dient ihr Verhalten als Vorbereitung auf das bevorstehende Ende des Lebenszyklus: Nur die begatteten Jungköniginnen überwintern, während Arbeiterinnen und Männchen mit dem Einbruch des Frosts sterben.

Was für uns nach einem dramatischen Moment wirkt, ist für die Hornisse reine Notwendigkeit – der letzte Ausdruck eines Sommers, der zu Ende geht. 




In der Aufnahme
  • „Herbstliche Begegnung – eine Europäische Hornisse entdeckt ihre Beute.“
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Die Hänge-Birke (Betula pendula)
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Die Hänge-Birke (Betula pendula) – Eine Pionierin im Wandel der Zeit

19/20.11.2025

  • Ein Windstoß fährt durch die junge Birke. Ihre Zweige rauschen leise, silbern schimmernd im Sonnenlicht. 

Zwischen den Wipfeln wiegt sich ihr zartes Laub – flirrend wie grüne Flammen im Sommerwind. Vor vielen Jahren war hier nichts als karger Boden. Doch die Birke kam als eine der Ersten. Ihre Samen, leicht wie Staub, fanden Halt in der Erde, und langsam begann neues Leben zu wachsen. Sie ist ein Baum der Hoffnung – zart im Erscheinungsbild, aber stark im Überleben.
Artbeschreibung

Die Hänge-Birke (Betula pendula), auch Sandbirke genannt, ist eine der bekanntesten Baumarten Europas. Ihr Name verrät ihre typische Erscheinung: schlanke Gestalt, weiß-silberne Rinde und herabhängende Zweige, die ihr eine unverwechselbare Eleganz verleihen.Sie gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae) und kann eine Höhe von bis zu 30 Metern erreichen.

Die Rinde der Hänge-Birke ist anfangs glatt und glänzend weiß, mit dunklen, waagerechten Lentizellen (Korkporen). Im Alter wird sie dunkler und schuppig. Ihre Blätter sind dreieckig bis rautenförmig, mit doppelt gesägtem Rand, und verfärben sich im Herbst leuchtend gelb.Im Frühling schmückt sie sich mit Kätzchen – den Blütenständen, die vom Wind bestäubt werden. Ihre Samen sind winzig und leicht, was sie zu einer typischen Pionierpflanze macht: Sie besiedelt offene, nährstoffarme Flächen und schafft Lebensraum für viele andere Arten.

Die Hänge-Birke ist äußerst lichtliebend, wächst auf mageren, sandigen Böden und kommt sowohl in Wäldern als auch auf Brachflächen, Heiden oder Böschungen vor.

Eine Perspektive der Hänge-Birke – Wurzeln im Wandel

„Ich wachse dort, wo andere nicht bleiben können. Doch auch ich spüre den Wandel – die Sommer werden heißer, der Regen seltener, und der Boden, auf dem ich stehe, wird müde.“

So könnte die Hänge-Birke die Veränderungen ihrer Umwelt beschreiben. Sie ist zwar anpassungsfähig und anspruchslos, doch selbst eine Pionierin stößt an ihre Grenzen. Durch Klimaveränderung, Bodenversauerung und den Rückgang offener Flächen verliert sie zunehmend ihren natürlichen Lebensraum.

Gleichzeitig zeigt sie uns, was Widerstandskraft bedeutet: Wo Brände, Stürme oder Rodungen die Landschaft verändern, ist sie oft die Erste, die zurückkehrt. Ihr helles Holz, ihr Schatten, ihr Rascheln im Wind – sie bringt Leben, wo Stillstand war.

Die Hänge-Birke ist nicht nur ein Baum, sondern ein Sinnbild für Neubeginn, Leichtigkeit und Wandel – und vielleicht ein stiller Appell, die Natur in ihrer Einfachheit wieder wertzuschätzen.


In der Aufnahme 
  •     Feldholzinseln sind gerne frequentierter Standort dieser Pionierpflanze 
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Die Gemeine Breitstirnblasenkopffliege (Sicus ferrugineus)
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Die Gemeine Breitstirnblasenkopffliege (Sicus ferrugineus) – Ein verborgenes Leben im Sommergras

18/19.11.2025

  • Zwischen den Halmen einer sonnenbeschienenen Wiese summt es leise. Eine kleine, rostbraune Fliege bewegt sich ruckartig von Blüte zu Blüte. 

Für den flüchtigen Blick kaum von anderen Fliegen zu unterscheiden, verbirgt sie ein außergewöhnliches Geheimnis: die Gemeine Breitstirnblasenkopffliege (Sicus ferrugineus). Während andere Fliegen Pollen sammeln oder um Süßes kreisen, führt sie ein verborgenes Doppelleben – eng verbunden mit den Hummeln, die um sie herum brummen.
Artbeschreibung

Die Gemeine Breitstirnblasenkopffliege gehört zur Familie der Blasenkopffliegen (Conopidae). Ihr Name leitet sich von der charakteristisch aufgeblähten Kopfstruktur ab, die ihr ein fast kugelförmiges Aussehen verleiht. Erwachsene Tiere sind etwa 10 bis 13 Millimeter lang und tragen eine auffällig rostbraune bis rötlich-gelbe Färbung. Der Körper ist glatt und glänzend, die Beine und Fühler sind dunkel gefärbt.

Typisch für diese Art ist das gebogene Hinterleib, mit dem die Weibchen ihre Eier an Hummeln anheften. Die Larven entwickeln sich dann parasitisch im Inneren der Hummel – ein faszinierender, wenn auch grausamer Teil des natürlichen Kreislaufs. Trotz dieser ungewöhnlichen Lebensweise spielt Sicus ferrugineus eine wichtige Rolle im Ökosystem, indem sie Teil des komplexen Zusammenspiels zwischen Blütenpflanzen, Bestäubern und Räubern ist.

Die Art ist in fast ganz Europa verbreitet, bevorzugt blütenreiche Wiesen, Waldränder und Wegränder, und lässt sich meist zwischen Mai und September beobachten.

Eine Perspektive der Gemeinen Breitstirnblasenkopffliege – Leben zwischen Verschwinden und Anpassung

„Früher schwebte ich über weite Wiesen, über Farben und Düfte. Jetzt finde ich nur noch wenige Orte, an denen das Leben summt. Wo einst Hummeln tanzten, ist Stille.“

So könnte die Gemeine Breitstirnblasenkopffliege die Veränderungen ihrer Umwelt empfinden. Ihr Schicksal hängt eng mit dem ihrer Wirte – den Hummeln – zusammen. Schrumpfen deren Lebensräume durch intensive Landwirtschaft, Pestizideinsatz oder fehlende Blühflächen, verschwindet auch die Blasenkopffliege.

Doch Sicus ferrugineus zeigt, wie fein verwoben die Natur ist: Selbst ein kleines, unscheinbares Insekt kann ein Indikator für den Zustand der Umwelt sein. Wenn wir Wiesen blühen lassen und Vielfalt fördern, öffnen wir auch ihr die Tür zurück in eine lebendige Landschaft.



Aufnahme von Bernhard Schmalisch
  •     „Klein, aber auffällig – die rostbraune Gemeine Breitstirnblasenkopffliege auf einer Sommerwiese.“
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Der Damhirsch (Dama dama)
Bild zum Eintrag (1130203-160)
Der Damhirsch (Dama dama) – Ein stiller Beobachter unserer Landschaft

17/18.11.2025

  • Am frühen Morgen, wenn der Nebel noch wie ein Schleier über den Wiesen liegt, tritt ein Damhirsch aus dem Schatten des Waldes. 

Seine Augen spiegeln das erste Licht des Tages, das goldene Geweih glänzt im Morgentau. Einen Moment lang verharrt er – lauschend, vorsichtig. Dann setzt er seine Schritte fort, ruhig und bedacht. Er gehört hierher, und doch spürt er, dass sich seine Welt langsam verändert.
Artbeschreibung

Der Damhirsch (Dama dama) ist ein Vertreter der Familie der Hirsche (Cervidae) und stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Heute ist er in vielen Teilen Europas heimisch und gilt als anpassungsfähige Art. Charakteristisch sind das schaufelförmige Geweih der männlichen Tiere und das gefleckte Sommerfell, das im Winter dichter und grauer wird.

Damhirsche erreichen eine Schulterhöhe von etwa 90 bis 110 Zentimetern und ein Gewicht von bis zu 100 Kilogramm bei den Männchen (den sogenannten „Schauflern“). Weibchen bleiben deutlich kleiner.

Ihr Verhalten ist geprägt von Ruhigkeit und sozialer Struktur: Damhirsche leben meist in getrennten Gruppen – Weibchen und Jungtiere einerseits, Männchen andererseits. Erst zur Brunftzeit im Herbst begegnen sie sich intensiver. Dann hallen ihre Rufe durch den Wald, und eindrucksvolle Kämpfe um Rang und Paarungspartner bestimmen die Szenerie.

Eine Perspektive des Damhirsches – Wandel im Lebensraum

„Früher war der Wald dichter, die Lichtungen weiter entfernt. Jetzt stoße ich oft an Grenzen, wo einst Bäume standen. Wege, Felder, Zäune – sie führen mich in neue Richtungen, doch nicht immer finde ich, was ich suche.“ So könnte der Damhirsch denken, wenn er den Wandel seines Lebensraums betrachten würde.

Durch landwirtschaftliche Nutzung, Siedlungsausbau und zunehmenden Verkehr schrumpfen viele seiner Rückzugsräume. Offene Landschaften und Wälder werden zerschnitten, alte Wanderpfade unterbrochen. Dennoch gelingt es dieser Art, sich anzupassen – sie findet neue Äsungsflächen und nutzt Waldränder oder Parks als Lebensraum.

Doch Anpassung hat Grenzen: Wenn Ruhe fehlt und Rückzugsräume schwinden, leidet das natürliche Verhalten der Tiere. Der Damhirsch wird zum stillen Zeugen einer Landschaft, die sich wandelt – zwischen Tradition und Moderne, Wildnis und Zivilisation.



In der Aufnahme von Johannes Rother
  •     „Schaufler in voller Pracht: das beeindruckende Geweih des Damhirsches.“
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Neue Springspinnenart entdeckt
Bild zum Eintrag (1130169-160)
Sumpfhockling ist bereits die dreißigste Art im Nationalpark

16/17.11.2025

  • Mauth/Grafenau. Ein Biberstau im Reschbachtal bei Mauth hielt dieses Jahr eine nur wenige Millimeter große Überraschung bereit. 

Dort konnte eine für den Nationalpark bislang unbekannte Springspinne entdeckt werden. Attulus floricola oder zu Deutsch Sumpfhockling ist damit bereits die dreißigste Springspinnenart, die im Schutzgebiet nachgewiesen werden konnte.
„Wie der deutsche Name bereits vermuten lässt, sind diese Springspinnen besonders an feuchte Lebensräume, wie Moore oder Feuchtwiesen angepasst“, erklärt Dr. Verena Riedinger, die sich um die Erfassung und Sammlung von Nachweisen aller Art und Arten im Nationalpark kümmert. „Die Tiere halten sich meist auf unterschiedlichen Gräsern, sogar direkt über dem Wasser auf und springen dort zielsicher von Halm zu Halm.“ Ihre Gemeinschaftsnester bauen die Spinnen an Blütenständen von Binsen oder horstig wachsenden Wollgräsern, die im Spätsommer oft von gleich mehreren Weibchen bewacht werden. Die Männchen werden zwar nur vier bis sechs Millimeter groß, dennoch zählt der Sumpfhockling zu den großen Springspinnenarten im Nationalpark. Die Weibchen sind meist etwas größer. Entdeckt hat die für den Nationalpark neue Art Fotograf Lukas Haselberger.

„Für uns als Nationalpark ist es großartig, wenn ein naturbegeisterter Fotograf wie Lukas Haselberger, der große Sensibilität für Arten und Lebensräume besitzt, uns unterstützt, noch mehr über unsere wilden Waldlandschaften zu erfahren. Allein auf seine Kappe gehen inzwischen fünf Nachweise von für den Nationalpark bislang unbekannten Springspinnenarten“, erklärt Riedinger. Insgesamt konnten bislang 30 verschiedene Springspinnenarten im Schutzgebiet entdeckt werden. Der nächstgelegene Nachweis der neuen Art liegt laut Recherchen im Raum Deggendorf. Da Sumpfhocklinge in Hoch- und Übergangsmooren, Niedermoorwiesen und an Biberseen vorkommen können, sind künftig weitere Nachweise dieser Art im Nationalpark möglich.

In der Aufnahme von Lukas Haselberger/Nationalpark Bayerischer Wald
  • Die Sumpfhockling-Männchen werden gerade einmal vier bis sechs Millimeter groß.


Quelle
Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald
Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Freyunger Straße 2
94481 Grafenau

Pressemitteilung Nr. 93/2025
Datum: 07.11.2025


Für diese Information trägt ausnahmslos der/die Autor*in/Urheber*in die redaktionelle Verantwortung. Die kommunizierten Informationen geben ausnahmslos die Meinung des Verfassers*in, nicht eine Stellungnahme unserer Organisation wieder.

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Erste Kegelrobbe der Saison auf der Helgoländer Düne geboren
Bild zum Eintrag (1130138-160)
Robbensaison 2025: Erste Kegelrobbe der Saison auf der Helgoländer Düne geboren

15/16.11.2025

  • Ahrensburg/Helgoland, 07.11.2025. Die Kegelrobben haben erneut die Helgoländer Düne als ihr winterliches Kinderstubenparadies gewählt. 

Wie in den vergangenen Jahren sind die ersten vier Geburten der Saison bereits zu verzeichnen – ein wahres Naturspektakel für alle, die das Glück haben, Zeuge dieses beeindruckenden Ereignisses zu werden. Helgoland beherbergt den größten Kegelrobbenbestand Deutschlands und bietet den Tieren ideale Bedingungen, um ihre Jungen in Ruhe und Sicherheit zur Welt zu bringen.
Seit der ersten Geburt im Winter 1996/97 hat sich die Zahl der neugeborenen Kegelrobben jährlich stetig erhöht, in der letzten Wintersaison wurden zum geburtenstärksten Zeitpunkt 971 Jungtiere gezählt. Die tatsächliche Zahl liegt allerdings höher, da nicht alle Tiere, die bereits vorher schon geboren und abgeschwommen sind, dokumentiert werden konnten, und auch anschließend noch einige Geburten zu verzeichnen waren, sodass man wohl bereits in der Saison 2024/25 das 1000. Kegelrobbenbaby begrüßen durfte. Eine erfreuliche Entwicklung, die jedoch auch Herausforderungen mit sich bringt. Denn die Geburt von Kegelrobben ist nicht nur ein faszinierendes Naturereignis, sondern auch ein bedeutender Magnet für Touristen, die das Geschehen aus der Nähe beobachten möchten. Dabei müssen jedoch stets die Bedürfnisse und das Wohl der Tiere – und auch die Sicherheit der Besucher – berücksichtigt werden.

Die Helgoländer Düne bietet für die Kegelrobben beste Bedingungen:
Breite, ungestörte Strände, Rückzugsmöglichkeiten und ausreichend Ruhephasen sind entscheidend für das Wohlergehen der Tiere. Besonders in den ersten Lebenswochen sind die Jungtiere sehr empfindlich und benötigen eine geschützte Umgebung. Die Gemeinde Helgoland, unterstützt vom Verein Jordsand e.V., hat deshalb eine Reihe von Schutzmaßnahmen ergriffen, um das empfindliche Gleichgewicht zwischen Mensch und Tier zu wahren und gleichzeitig den Gästen ein unvergessliches Erlebnis zu ermöglichen. Unter den ergriffenen Maßnahmen sticht besonders der Wintererlebnispfad hervor, der speziell für Gäste geschaffen wurde, die die faszinierenden Kegelrobben in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten möchten und der direkt – unter Einhaltung der 30m Abstandsregelung – zu den besten Aussichtspunkten führt.

Parallel zu den Geburten der Robben verläuft die winterliche Paarungszeit der Tiere, ein weiteres faszinierendes Naturphänomen, das Helgoland in den kommenden Wochen zum Hotspot der Kegelrobbenbeobachtung macht. Die Paarung und die damit verbundene Interaktion zwischen den Tieren ist eine weitere Besonderheit, die jährlich zahlreiche Naturfreunde und Fotografen anzieht.

Um den Besuchern ein umfassendes und sicheres Erlebnis zu bieten, gibt es auf Helgoland mehrere Informationsstationen. An der Landungsbrücke sowie in der Hummerbude 35 des Vereins Jordsand können Interessierte alles über die Kegelrobben und ihre Lebensweise erfahren. Aktuelle Besonderheiten zur Robbensaison werden hier ebenso vermittelt wie Informationsmaterial, das die Besucher in die spannende Welt der Kegelrobben eintauchen lässt.

Führungen, Hinweistafeln und ein Showroom am Dünenfähranleger bieten zusätzlich eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Lebensweise der Kegelrobben. Ein eigens eingerichteter Panoramaweg (Bohlenweg) gibt den Gästen einen einzigartigen Blick auf die Kinderstube der Robben – ein exklusives Highlight, das ausschließlich auf Helgoland erlebbar ist.

„Es freut mich sehr, dass die Maßnahmen der letzten Jahre zur Förderung des Robbenschutzes und zur Schaffung einer optimalen Balance zwischen Natur und Tourismuserlebnis ihre Wirkung zeigen. Die Kegelrobbenpopulation fühlt sich auf der Düne offensichtlich sehr wohl, und das positive Feedback der Gäste bestätigt, dass wir einen respektvollen Umgang mit der Natur ermöglichen“, erklärt Katharina Schlicht, Tourismusdirektorin der Insel Helgoland. „Besucher sind begeistert davon, diese beeindruckenden Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben, ohne sie zu stören.“

Die Helgoländer Tourist Information unterstützt zudem jeden kurzentschlossenen Gast, der dem Naturspektakel noch beiwohnen möchte – ob als Tagesgast oder auch für einen Kurztrip mit Übernachtung. Die Tourist Information ist unter der Telefonnummer 04725 – 808 808 oder per E-Mail unter info@helgoland.de erreichbar.

Die Naturschutzbeauftragten beantworten jederzeit und gerne die Fragen von interessierten Gästen und Anwohnenden. Für weitere Informationen und aktuelle Termine zur Robbensaison 2025/26 besuchen Sie bitte die Website des Vereins Jordsand e. V. und des Helgoland Tourismus-Service:

  • https://www.jordsand.de/naturakademie
  • https://www.helgoland.de/kegelrobben-und-seehunde-auf-helgoland/

Veranstaltungen des Vereins Jordsand:

Dünenführung

Täglich (außer montags)
Treffpunkt: 9.45 Uhr, Landungsbrücke

Tickets bitte zuvor in der Hummerbude des Vereins Jordsand oder der Tourist Information erwerben!

Wind und Wetter sowie Änderungen vorbehalten!
Mindestteilnehmerzahl: 5 Personen

 
Winterkurs "Kegelrobben im Fokus"

Dreitägiges Programm zu den Meeressäugern und Naturschutz auf Helgoland

Termine:

28.-30.11.2025

05.-07.12.2025

12.-14.12.2025

Anmeldung und Infos unter: naturakademie@jordsand.de und im Veranstaltungskalender

 

Kurzportrait Helgoland:

DIE Hochseeinsel Helgoland, die zum Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein gehört, liegt etwa 60 km von der deutschen Küste entfernt und ist mehr als nur eine Insel. Jährlich „entschleunigen“ etwa 350.000 Gäste und lernen die Einzigartigkeit Helgolands auf beeindruckende Weise kennen. Das Nordseeheilbad Helgoland bietet Allergikern das wohl pollenärmste Klima Deutschlands mit der Möglichkeit, frei durchzuatmen. Für Ornithologen ist Helgoland ein Muss: rund 240 Vogelarten, darunter Trottellummen, Basstölpel, Dreizehenmöwe und Eissturmvogel, nutzen DIE Insel zwischen Frühjahr und Herbst als Rastoder Brutgebiet. Das größte Raubtier Deutschlands, die Kegelrobbe, verwandelt in den Wintermonaten die Nebeninsel Düne zu einem der größten Kreißsäle Deutschlands. Über den Wintererlebnispfad lassen sich die Geburten der Kegelrobbe-Nachkömmlinge als beeindruckendes Naturschauspiel live miterleben.

 
Kontakte:
Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.
Elmar Ballstaedt, Stellv. Stationsleitung Helgoland
E-Mail: elmar.ballstaedt@jordsand.de

 
Gemeinde Helgoland/Helgoland Tourismus-Service
Maren Becker, Rangerin
E-Mail: m.becker@helgoland.de

Michael Janßen, Ranger
E-Mail: m.janssen@helgoland.de


In der Aufnahme von Copyright: Rolf Behlert/Verein Jordsand
  • Kegelrobbenweibchen mit Jungtier


Quelle
Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e.V.
Katja Schmela
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0151 70319239
E-Mail: katja.schmela@jordsand.de
Stand07.11.2025


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Eingriff auf der Königshovener Höhe – Verlust eines wertvollen Lebensraums
Bild zum Eintrag (1130074-160)
Eingriff auf der Königshovener Höhe – Verlust eines wertvollen Lebensraums

14/15.11.2025

  • Auf der Königshovener Höhe wurde kürzlich ein über viele Jahre gewachsener Grünstreifen entlang eines Ackers vollständig gerodet. 

Was aus Sicht des Hochwasserschutzes als notwendige Maßnahme gedacht war, hat leider zu einem erheblichen Verlust an Biodiversität geführt.
Der betroffene Graben war seit der Rekultivierung vor mehr als fünfzehn Jahren sich selbst überlassen und hatte sich zu einem wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tierarten entwickelt. In den dichten Hecken aus Brombeeren, Weiden, Hartriegel und Schlehen fanden viele Vogelarten – darunter der Neuntöter, verschiedene Finkenarten, Hänflinge und Schwarzkehlchen – ideale Brutbedingungen. Auch Rebhühner, Wachteln und Fasane nutzten den Grünsaum als Rückzugsort und Nahrungsquelle.

Durch die vollständige Rodung ist dieser wichtige Lebensraum verloren gegangen. Neben der ökologischen Bedeutung hat sich auch das Landschaftsbild deutlich verändert – ein Rückschritt für die Natur- und Artenvielfalt in der Region.

Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass derartige Eingriffe – so nachvollziehbar sie aus technischer Sicht sein mögen – in enger Abstimmung mit Naturschutzbehörden erfolgen sollten. Oft genügt eine maßvolle Pflege, bei der lediglich der eigentliche Wasserlauf freigehalten wird, während der Bewuchs am Grabenrand als ökologisch wertvoller Grünsaum erhalten bleibt.

Ein achtsamer Umgang mit diesen Flächen trägt wesentlich zum Erhalt der Biodiversität, zur Förderung des Artenschutzes und zur ökologischen Stabilität unserer Agrarlandschaften in NRW bei. Jeder Grünstreifen ist ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Gleichgewichts – und verdient unseren besonderen Schutz.


In der Aufnahme
  •     Blühender Grünsaum auf der Königshovener Höhe – Ein artenreicher Streifen mit vielfältiger Strauch- und Krautschicht als Brutplatz für Neuntöter, Finken und Hänfling.

Quelle und Aufnahme
Gewässer und Naturschutz im Erftkreis
Flora-Fauna-Artenschutz
Naturschutzökologie

Rolf Thiemann
Naturschutzberater
Eisvogelweg 1
50181 Bedburg


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