Feldlerche 2013
Die Feldlerche (Alauda arvensis) – wenn der Himmel über unseren Feldern verstummt
Ein Frühlingsmorgen, der zum Nachdenken anregt
Es sind die ersten milden Tage des Vorfrühlings. Über den offenen Feldfluren Frankens liegt noch die Kühle der vergangenen Nacht. Die Sonne steigt langsam über den Horizont, während auf den Äckern und Wiesen die ersten Anzeichen des nahenden Frühlings sichtbar werden.
Plötzlich erklingt hoch über der Landschaft ein lebhaftes, beinahe ununterbrochenes Tirilieren.
Wer den Blick hebt, entdeckt zunächst nichts. Erst nach längerem Suchen wird ein kleiner, braun gefiederter Vogel sichtbar, der mit raschen Flügelschlägen immer höher in den Himmel steigt.
Es ist die Feldlerche.
Minutenlang trägt sie ihren Gesang vor, während unter ihr Felder, Wiesen und Wege liegen. Schließlich beendet sie ihren eindrucksvollen Singflug und kehrt zum Erdboden zurück, wo sie zwischen der niedrigen Vegetation nahezu unsichtbar wird.
Ein solches Erlebnis gehört für uns zu den besonders eindrucksvollen Begegnungen mit der heimischen Vogelwelt.
Doch wir von Artenschutz in Franken® betrachten diesen kleinen Sänger zunehmend mit Sorge.
Denn die Feldlerche, einst ein selbstverständlicher Bestandteil unserer offenen Kulturlandschaft, ist vielerorts deutlich seltener geworden.
Ihr Rückgang vollzieht sich häufig nahezu unbemerkt.
Wo früher mehrere Feldlerchen gleichzeitig über den Feldern sangen, bleiben heute an manchen Orten nur einzelne Reviere zurück.
Eine unscheinbare Erscheinung mit einer außergewöhnlichen Stimme
Die Feldlerche (Alauda arvensis) gehört zur Familie der Lerchen (Alaudidae) und erreicht eine Körperlänge von etwa 16 bis 18 Zentimetern.
Ihr Federkleid ist überwiegend in unterschiedlichen Braun- und Beigetönen gehalten. Dunkle Längsstrichelungen auf der Oberseite sorgen für eine hervorragende Tarnung zwischen Erde, trockenen Pflanzenresten und niedriger Vegetation. Die Brust ist hell und fein gestrichelt, während der Bauch überwiegend weißlich erscheint. Auf dem Kopf befindet sich eine kurze Federhaube, die besonders bei Erregung aufgerichtet werden kann. Der Schnabel ist relativ kurz und kräftig. Die Beine sind an die überwiegend bodenbewohnende Lebensweise angepasst. Im Flug fallen bei genauer Beobachtung die hellen Flügelhinterränder und die weißen Außenkanten der Schwanzfedern auf. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich nur wenig.
Ihre eigentliche Besonderheit ist jedoch der Gesang.
Während des charakteristischen Singfluges steigt das Männchen häufig viele Dutzend Meter über den Boden auf und trägt dort eine außergewöhnlich abwechslungsreiche Folge aus trillernden, flötenden und zwitschernden Lauten vor. Mit diesem Gesang markiert es sein Revier und wirbt um eine Partnerin.
Für uns ist es darüber hinaus ein akustisches Zeichen einer Landschaft, in der noch geeignete Lebensbedingungen für diesen anspruchsvollen Offenlandvogel vorhanden sind.
Aufnahme von Johannes Rother
- Ein unscheinbarer Vogel, ein unverwechselbarer Gesang und die Frage, wie viel Leben unsere moderne Agrarlandschaft noch zulässt.
Ein Frühlingsmorgen, der zum Nachdenken anregt
Es sind die ersten milden Tage des Vorfrühlings. Über den offenen Feldfluren Frankens liegt noch die Kühle der vergangenen Nacht. Die Sonne steigt langsam über den Horizont, während auf den Äckern und Wiesen die ersten Anzeichen des nahenden Frühlings sichtbar werden.
Plötzlich erklingt hoch über der Landschaft ein lebhaftes, beinahe ununterbrochenes Tirilieren.
Wer den Blick hebt, entdeckt zunächst nichts. Erst nach längerem Suchen wird ein kleiner, braun gefiederter Vogel sichtbar, der mit raschen Flügelschlägen immer höher in den Himmel steigt.
Es ist die Feldlerche.
Minutenlang trägt sie ihren Gesang vor, während unter ihr Felder, Wiesen und Wege liegen. Schließlich beendet sie ihren eindrucksvollen Singflug und kehrt zum Erdboden zurück, wo sie zwischen der niedrigen Vegetation nahezu unsichtbar wird.
Ein solches Erlebnis gehört für uns zu den besonders eindrucksvollen Begegnungen mit der heimischen Vogelwelt.
Doch wir von Artenschutz in Franken® betrachten diesen kleinen Sänger zunehmend mit Sorge.
Denn die Feldlerche, einst ein selbstverständlicher Bestandteil unserer offenen Kulturlandschaft, ist vielerorts deutlich seltener geworden.
Ihr Rückgang vollzieht sich häufig nahezu unbemerkt.
Wo früher mehrere Feldlerchen gleichzeitig über den Feldern sangen, bleiben heute an manchen Orten nur einzelne Reviere zurück.
- Und nicht selten ist es irgendwann ganz still geworden.
Eine unscheinbare Erscheinung mit einer außergewöhnlichen Stimme
Die Feldlerche (Alauda arvensis) gehört zur Familie der Lerchen (Alaudidae) und erreicht eine Körperlänge von etwa 16 bis 18 Zentimetern.
Ihr Federkleid ist überwiegend in unterschiedlichen Braun- und Beigetönen gehalten. Dunkle Längsstrichelungen auf der Oberseite sorgen für eine hervorragende Tarnung zwischen Erde, trockenen Pflanzenresten und niedriger Vegetation. Die Brust ist hell und fein gestrichelt, während der Bauch überwiegend weißlich erscheint. Auf dem Kopf befindet sich eine kurze Federhaube, die besonders bei Erregung aufgerichtet werden kann. Der Schnabel ist relativ kurz und kräftig. Die Beine sind an die überwiegend bodenbewohnende Lebensweise angepasst. Im Flug fallen bei genauer Beobachtung die hellen Flügelhinterränder und die weißen Außenkanten der Schwanzfedern auf. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich nur wenig.
Ihre eigentliche Besonderheit ist jedoch der Gesang.
Während des charakteristischen Singfluges steigt das Männchen häufig viele Dutzend Meter über den Boden auf und trägt dort eine außergewöhnlich abwechslungsreiche Folge aus trillernden, flötenden und zwitschernden Lauten vor. Mit diesem Gesang markiert es sein Revier und wirbt um eine Partnerin.
- Für viele Menschen ist das Lied der Feldlerche untrennbar mit dem Frühling verbunden.
Für uns ist es darüber hinaus ein akustisches Zeichen einer Landschaft, in der noch geeignete Lebensbedingungen für diesen anspruchsvollen Offenlandvogel vorhanden sind.
Aufnahme von Johannes Rother
Feldlerche 2013
Ein Leben am Boden – trotz aller Flugkunst
So eindrucksvoll sich die Feldlerche im Luftraum präsentiert, so eng ist ihr eigentliches Leben mit dem Erdboden verbunden.
Ihr Nest legt sie in einer kleinen Bodenmulde an, die zwischen Gräsern und anderen niedrig wachsenden Pflanzen verborgen wird. Dabei bevorzugt sie offene Landschaften mit einer vergleichsweise niedrigen, nicht zu dichten Vegetation. Besonders günstig sind Flächen, auf denen sich bewachsene Bereiche mit kleinen offenen Bodenstellen abwechseln. Denn die Feldlerche benötigt ausreichend Deckung für ihr Nest, gleichzeitig aber auch Bewegungsfreiheit, um am Boden nach Nahrung zu suchen.
Gerade hierin liegt jedoch eines ihrer größten Probleme.
Denn während die Jungvögel noch auf geeignete Deckung, Nahrung und eine möglichst ungestörte Umgebung angewiesen sind, werden zahlreiche landwirtschaftliche Flächen bereits wieder bearbeitet oder gemäht.
Die moderne Agrarlandschaft – ein zunehmend schwieriger Lebensraum
Die Feldlerche war über lange Zeit eng mit der traditionellen Landwirtschaft verbunden.
Eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit unterschiedlichen Feldfrüchten, extensiv genutzten Wiesen, Brachflächen, Feldrainen und offenen Bodenstellen bot ihr vielerorts geeignete Lebensbedingungen. Doch die landwirtschaftliche Nutzung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten tiefgreifend verändert. Größere Bewirtschaftungseinheiten, dichte Pflanzenbestände, hohe Nährstoffeinträge, häufigere Bearbeitungsgänge und der Rückgang ungenutzter Randstrukturen prägen inzwischen weite Teile unserer Agrarlandschaft.
Für die Feldlerche ist diese Entwicklung besonders problematisch.
Ein intensiv gedüngter Getreidebestand kann bereits früh im Jahr so dicht und hoch werden, dass der Vogel nur noch eingeschränkt geeignete Nistplätze findet oder sich zwischen den Pflanzen kaum noch fortbewegen kann. Was aus landwirtschaftlicher Sicht einen guten Pflanzenaufwuchs darstellt, kann sich für einen Bodenbrüter somit zu einem nahezu unzugänglichen Lebensraum entwickeln.
Dort können wiederholte Mahdtermine während der Brutzeit dazu führen, dass Nester zerstört werden oder noch nicht flugfähige Jungvögel ums Leben kommen. Dabei muss die Feldlerche nicht durch jede einzelne Bewirtschaftungsmaßnahme zwangsläufig beeinträchtigt werden.
Dennoch bleibt festzuhalten:
Eine Landschaft, die nahezu ausschließlich auf möglichst hohe Erträge ausgerichtet ist, lässt für die natürlichen Entwicklungszyklen vieler Offenlandarten zunehmend weniger Raum.
Aufnahme von Johannes Rother
So eindrucksvoll sich die Feldlerche im Luftraum präsentiert, so eng ist ihr eigentliches Leben mit dem Erdboden verbunden.
- Sie ist ein ausgesprochener Bodenbrüter.
Ihr Nest legt sie in einer kleinen Bodenmulde an, die zwischen Gräsern und anderen niedrig wachsenden Pflanzen verborgen wird. Dabei bevorzugt sie offene Landschaften mit einer vergleichsweise niedrigen, nicht zu dichten Vegetation. Besonders günstig sind Flächen, auf denen sich bewachsene Bereiche mit kleinen offenen Bodenstellen abwechseln. Denn die Feldlerche benötigt ausreichend Deckung für ihr Nest, gleichzeitig aber auch Bewegungsfreiheit, um am Boden nach Nahrung zu suchen.
- Das Gelege besteht gewöhnlich aus zwei bis fünf Eiern. Nach einer Brutdauer von etwa elf bis zwölf Tagen schlüpfen die Jungvögel. Diese verlassen das Nest bereits, bevor sie vollständig flugfähig sind. Während dieser empfindlichen Entwicklungsphase bewegen sie sich zunächst noch überwiegend am Boden. Je nach Witterung und Lebensraumqualität können Feldlerchen während einer Brutsaison mehrere Brutversuche unternehmen, häufig sind es zwei Jahresbruten.
Gerade hierin liegt jedoch eines ihrer größten Probleme.
Denn während die Jungvögel noch auf geeignete Deckung, Nahrung und eine möglichst ungestörte Umgebung angewiesen sind, werden zahlreiche landwirtschaftliche Flächen bereits wieder bearbeitet oder gemäht.
Die moderne Agrarlandschaft – ein zunehmend schwieriger Lebensraum
Die Feldlerche war über lange Zeit eng mit der traditionellen Landwirtschaft verbunden.
Eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit unterschiedlichen Feldfrüchten, extensiv genutzten Wiesen, Brachflächen, Feldrainen und offenen Bodenstellen bot ihr vielerorts geeignete Lebensbedingungen. Doch die landwirtschaftliche Nutzung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten tiefgreifend verändert. Größere Bewirtschaftungseinheiten, dichte Pflanzenbestände, hohe Nährstoffeinträge, häufigere Bearbeitungsgänge und der Rückgang ungenutzter Randstrukturen prägen inzwischen weite Teile unserer Agrarlandschaft.
Für die Feldlerche ist diese Entwicklung besonders problematisch.
Ein intensiv gedüngter Getreidebestand kann bereits früh im Jahr so dicht und hoch werden, dass der Vogel nur noch eingeschränkt geeignete Nistplätze findet oder sich zwischen den Pflanzen kaum noch fortbewegen kann. Was aus landwirtschaftlicher Sicht einen guten Pflanzenaufwuchs darstellt, kann sich für einen Bodenbrüter somit zu einem nahezu unzugänglichen Lebensraum entwickeln.
- Ähnliche Probleme entstehen auf intensiv bewirtschaftetem Grünland.
Dort können wiederholte Mahdtermine während der Brutzeit dazu führen, dass Nester zerstört werden oder noch nicht flugfähige Jungvögel ums Leben kommen. Dabei muss die Feldlerche nicht durch jede einzelne Bewirtschaftungsmaßnahme zwangsläufig beeinträchtigt werden.
- Entscheidend sind vielmehr der Zeitpunkt, die Häufigkeit und die konkrete Durchführung der Arbeiten.
Dennoch bleibt festzuhalten:
Eine Landschaft, die nahezu ausschließlich auf möglichst hohe Erträge ausgerichtet ist, lässt für die natürlichen Entwicklungszyklen vieler Offenlandarten zunehmend weniger Raum.
Aufnahme von Johannes Rother
Feldlerche 2013
Grüne Wüsten – warum sattgrüne Wiesen nicht automatisch gute Lebensräume sind
In unserer Naturschutzarbeit beschäftigen wir uns immer wieder mit intensiv bewirtschafteten Grünlandflächen, die auf den ersten Blick einen ausgesprochen gesunden Eindruck vermitteln.
Dichte, gleichmäßig grüne Pflanzenbestände bedecken große Flächen. Blühende Wildpflanzen sind dagegen kaum noch erkennbar.
Für die Feldlerche können sie gleich in mehrfacher Hinsicht problematisch sein.
Zum einen erschwert ein dichter Pflanzenbestand die Nahrungssuche und die Auswahl geeigneter Brutplätze. Zum anderen reduziert eine intensive Bewirtschaftung häufig das Angebot an blütenreichen und strukturreichen Vegetationsbereichen. Damit können sich auch die Lebensbedingungen jener Insekten verschlechtern, die insbesondere während der Jungenaufzucht eine wichtige Nahrungsquelle darstellen. Hinzu kommt, dass eine häufige Mahd mit den empfindlichen Entwicklungsphasen der Jungvögel zusammenfallen kann.
Eine Fläche kann landwirtschaftlich ausgesprochen produktiv sein, während ihre Bedeutung als Fortpflanzungslebensraum für typische Wiesenvögel immer weiter zurückgeht. Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass eine maßvolle, fachgerechte Düngung nicht grundsätzlich im Widerspruch zum Artenschutz stehen muss. Problematisch ist vielmehr das Zusammenwirken einer sehr intensiven Nährstoffversorgung, dichter Pflanzenbestände, häufiger Nutzung und fehlender Rückzugsflächen.
Gerade deshalb sehen wir in einer extensiveren und stärker differenzierten Bewirtschaftung erhebliche Möglichkeiten für den Schutz der Feldlerche.
Nahrung – kleine Lebewesen mit großer Bedeutung
Die Nahrung der Feldlerche verändert sich im Verlauf des Jahres.
Während der warmen Jahreszeit nimmt sie zahlreiche Insekten, Spinnen und andere kleine wirbellose Tiere auf. Besonders während der Jungenaufzucht ist tierische Nahrung von großer Bedeutung, weil die heranwachsenden Vögel ausreichend Eiweiß benötigen. Im Herbst und Winter spielen dagegen Samen und grüne Pflanzenteile eine größere Rolle.
Die Qualität eines Feldlerchenlebensraumes hängt daher nicht allein davon ab, ob ein geeigneter Neststandort vorhanden ist. Ebenso wichtig ist ein ausreichendes Nahrungsangebot in erreichbarer Entfernung. Wo blütenreiche Feldraine verschwinden, Ackerwildkräuter zurückgedrängt werden und Insektenlebensräume verloren gehen, kann sich auch die Ernährungssituation der Feldlerche verschlechtern. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann hierbei sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften der Agrarlandschaft haben.
Insbesondere der Rückgang von Wildpflanzen und wirbellosen Tieren kann die Nahrungsgrundlage vieler Feldvögel beeinträchtigen.
Für uns ergibt sich daraus eine grundlegende Erkenntnis:
Wer die Feldlerche schützen möchte, muss nicht nur ihren Brutplatz erhalten, sondern auch die Lebensbedingungen ihrer Beutetiere verbessern.
Wenn die Bewirtschaftung schneller ist als die Entwicklung der Jungvögel
Besonders kritisch betrachten wir die zeitliche Überschneidung landwirtschaftlicher Arbeitsgänge mit der Brut- und Aufzuchtperiode.Die Feldlerche beginnt in Bayern unter günstigen Bedingungen bereits im zeitigen Frühjahr mit der Revierbildung.
Während dieser Zeit können Bodenbearbeitung, Striegeln oder Mahd erhebliche Verluste verursachen, wenn besetzte Nester oder noch nicht flugfähige Jungvögel betroffen sind. Gerade auf intensiv bewirtschafteten Grünlandflächen bleibt zwischen zwei Nutzungen mitunter nur ein vergleichsweise kurzer Zeitraum.
Dieser kann für eine erfolgreiche Brut einschließlich der anschließenden Jungenentwicklung zu knapp sein. Die Feldlerche versucht zwar häufig, Verluste durch weitere Brutversuche auszugleichen. Doch auch diese benötigen ausreichend geeignete Flächen und störungsarme Zeiträume. Gelingen über mehrere Jahre hinweg zu wenige erfolgreiche Bruten, können lokale Bestände langfristig zurückgehen.
Es bedarf einer Bewirtschaftung, die über größere Landschaftsausschnitte hinweg ausreichend geeignete Lebensräume und Zeitfenster für die Fortpflanzung ermöglicht.
Aufnahme von Johannes Rother
In unserer Naturschutzarbeit beschäftigen wir uns immer wieder mit intensiv bewirtschafteten Grünlandflächen, die auf den ersten Blick einen ausgesprochen gesunden Eindruck vermitteln.
Dichte, gleichmäßig grüne Pflanzenbestände bedecken große Flächen. Blühende Wildpflanzen sind dagegen kaum noch erkennbar.
- Solche Flächen bezeichnen wir kritisch als sogenannte „grüne Wüsten“.
Für die Feldlerche können sie gleich in mehrfacher Hinsicht problematisch sein.
Zum einen erschwert ein dichter Pflanzenbestand die Nahrungssuche und die Auswahl geeigneter Brutplätze. Zum anderen reduziert eine intensive Bewirtschaftung häufig das Angebot an blütenreichen und strukturreichen Vegetationsbereichen. Damit können sich auch die Lebensbedingungen jener Insekten verschlechtern, die insbesondere während der Jungenaufzucht eine wichtige Nahrungsquelle darstellen. Hinzu kommt, dass eine häufige Mahd mit den empfindlichen Entwicklungsphasen der Jungvögel zusammenfallen kann.
- Es entsteht eine Situation, die aus Sicht des Artenschutzes besonders nachdenklich macht:
Eine Fläche kann landwirtschaftlich ausgesprochen produktiv sein, während ihre Bedeutung als Fortpflanzungslebensraum für typische Wiesenvögel immer weiter zurückgeht. Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass eine maßvolle, fachgerechte Düngung nicht grundsätzlich im Widerspruch zum Artenschutz stehen muss. Problematisch ist vielmehr das Zusammenwirken einer sehr intensiven Nährstoffversorgung, dichter Pflanzenbestände, häufiger Nutzung und fehlender Rückzugsflächen.
Gerade deshalb sehen wir in einer extensiveren und stärker differenzierten Bewirtschaftung erhebliche Möglichkeiten für den Schutz der Feldlerche.
Nahrung – kleine Lebewesen mit großer Bedeutung
Die Nahrung der Feldlerche verändert sich im Verlauf des Jahres.
Während der warmen Jahreszeit nimmt sie zahlreiche Insekten, Spinnen und andere kleine wirbellose Tiere auf. Besonders während der Jungenaufzucht ist tierische Nahrung von großer Bedeutung, weil die heranwachsenden Vögel ausreichend Eiweiß benötigen. Im Herbst und Winter spielen dagegen Samen und grüne Pflanzenteile eine größere Rolle.
Die Qualität eines Feldlerchenlebensraumes hängt daher nicht allein davon ab, ob ein geeigneter Neststandort vorhanden ist. Ebenso wichtig ist ein ausreichendes Nahrungsangebot in erreichbarer Entfernung. Wo blütenreiche Feldraine verschwinden, Ackerwildkräuter zurückgedrängt werden und Insektenlebensräume verloren gehen, kann sich auch die Ernährungssituation der Feldlerche verschlechtern. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann hierbei sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften der Agrarlandschaft haben.
Insbesondere der Rückgang von Wildpflanzen und wirbellosen Tieren kann die Nahrungsgrundlage vieler Feldvögel beeinträchtigen.
Für uns ergibt sich daraus eine grundlegende Erkenntnis:
Wer die Feldlerche schützen möchte, muss nicht nur ihren Brutplatz erhalten, sondern auch die Lebensbedingungen ihrer Beutetiere verbessern.
Wenn die Bewirtschaftung schneller ist als die Entwicklung der Jungvögel
Besonders kritisch betrachten wir die zeitliche Überschneidung landwirtschaftlicher Arbeitsgänge mit der Brut- und Aufzuchtperiode.Die Feldlerche beginnt in Bayern unter günstigen Bedingungen bereits im zeitigen Frühjahr mit der Revierbildung.
- Ihre Brutaktivitäten können sich bis in den Hochsommer erstrecken.
Während dieser Zeit können Bodenbearbeitung, Striegeln oder Mahd erhebliche Verluste verursachen, wenn besetzte Nester oder noch nicht flugfähige Jungvögel betroffen sind. Gerade auf intensiv bewirtschafteten Grünlandflächen bleibt zwischen zwei Nutzungen mitunter nur ein vergleichsweise kurzer Zeitraum.
Dieser kann für eine erfolgreiche Brut einschließlich der anschließenden Jungenentwicklung zu knapp sein. Die Feldlerche versucht zwar häufig, Verluste durch weitere Brutversuche auszugleichen. Doch auch diese benötigen ausreichend geeignete Flächen und störungsarme Zeiträume. Gelingen über mehrere Jahre hinweg zu wenige erfolgreiche Bruten, können lokale Bestände langfristig zurückgehen.
- Die Anlage einzelner kleiner Ausgleichsflächen allein genügt deshalb nicht immer.
Es bedarf einer Bewirtschaftung, die über größere Landschaftsausschnitte hinweg ausreichend geeignete Lebensräume und Zeitfenster für die Fortpflanzung ermöglicht.
Aufnahme von Johannes Rother
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