Heiliger Ibis (Threskiornis aethiopicus)
Pharaonenibis oder Heiliger Ibis (Threskiornis aethiopicus)
Der schwarze Schnabel im Morgenlicht
Noch liegt ein leichter Schleier über dem flachen Wasser. Die ersten Sonnenstrahlen erreichen das Ufer, an dem Frösche rufen und kleine Insekten über der feuchten Vegetation tanzen. Dann erscheint zwischen den Gräsern eine auffällige Gestalt. Langsam setzt der Vogel einen schwarzen Fuß vor den anderen. Sein weißes Gefieder leuchtet im warmen Morgenlicht, während Kopf und Hals beinahe wie aus dunklem Stein gemeißelt wirken.
Immer wieder senkt er seinen langen, gebogenen Schnabel in den weichen Boden. Er stochert nicht planlos. Feinste Berührungen verraten ihm, wo sich ein Wurm, eine Insektenlarve oder ein anderes kleines Beutetier verborgen hält. Für einen kurzen Moment bleibt der Pharaonenibis stehen, richtet sich auf und blickt über die Wasserfläche. Fast scheint es, als trüge er die Erinnerung an eine sehr alte Welt in sich.
Vor Jahrtausenden wurde dieser Vogel im alten Ägypten verehrt und mit dem Gott Thot in Verbindung gebracht. Heute ist er aus Ägypten verschwunden. Geblieben ist sein Name – und die Aufgabe, seine heutige Rolle in einer vom Menschen tiefgreifend veränderten Welt differenziert zu betrachten.
Eine unverwechselbare Erscheinung
Der Pharaonenibis, der auch als Heiliger Ibis bezeichnet wird, trägt den wissenschaftlichen Namen Threskiornis aethiopicus. Er gehört zur Familie der Ibisse und Löffler. Erwachsene Vögel erreichen eine Körperlänge von etwa 70 bis 75 Zentimetern und eine Flügelspannweite von ungefähr 1,20 Metern.
Besonders auffällig ist der starke Farbkontrast: Der überwiegende Teil des Gefieders ist weiß, während der unbefiederte Kopf, der Hals, die Beine und der lange, nach unten gebogene Schnabel schwarz gefärbt sind. An den Flügeln und am hinteren Körperbereich befinden sich ebenfalls schwarze Federpartien. Jungvögel unterscheiden sich von den erwachsenen Tieren unter anderem dadurch, dass Kopf und Hals zunächst noch teilweise befiedert sind.
Im Flug wirkt der Pharaonenibis kraftvoll und zugleich erstaunlich elegant. Hals und Beine werden ausgestreckt, und mehrere Vögel können sich zu Linien oder lockeren Keilformationen zusammenschließen. Seine Stimme ist dagegen eher unauffällig. Am Brutplatz sind raue, grunzende oder krächzende Laute zu hören.
Mit dem Tastsinn auf Nahrungssuche
Der lange Schnabel ist ein hochspezialisiertes Werkzeug. Mit ihm durchsucht der Heilige Ibis Schlamm, seichtes Wasser, feuchte Wiesen und weichen Boden. Dabei orientiert er sich nicht ausschließlich mit den Augen. Empfindliche Sinnesstrukturen im Schnabel ermöglichen es ihm, Beutetiere durch Berührung aufzuspüren.
Sein Nahrungsspektrum ist breit. Dazu gehören unter anderem Insekten und deren Larven, Würmer, Schnecken, Krebstiere, kleine Fische, Amphibien und andere Kleintiere. Gelegentlich werden auch Eier oder Jungtiere anderer Vogelarten aufgenommen. Als anpassungsfähiger Nahrungsopportunist nutzt der Pharaonenibis außerdem bewässerte Felder, Viehweiden, städtische Grünflächen und sogar Abfalldeponien.
Gerade diese Anpassungsfähigkeit erklärt, weshalb die Art mit manchen Landschaftsveränderungen besser zurechtkommt als viele stärker spezialisierte Feuchtgebietsvögel. Doch sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch ein anpassungsfähiger Vogel auf funktionsfähige Lebensräume angewiesen bleibt.
Lebensraum zwischen Wasser und Offenland
Im natürlichen Verbreitungsgebiet lebt der Pharaonenibis vor allem in Afrika südlich der Sahara. Er besiedelt Feuchtgebiete, Flussauen, Überschwemmungsflächen, Sümpfe, Lagunen, Seen, feuchte Wiesen und Küstenbereiche. Auch landwirtschaftlich genutzte Flächen werden aufgesucht, sofern dort ausreichend Nahrung vorhanden ist.
Gebrütet wird häufig gemeinschaftlich in Kolonien. Die Nester befinden sich je nach Landschaft in Bäumen, Sträuchern, Röhrichtbeständen oder auf geeigneten Inseln. Nicht selten liegen Brutplätze verschiedener Wasservogelarten dicht beieinander. Solche Kolonien können einen eindrucksvollen Einblick in die Dynamik naturnaher Feuchtgebiete vermitteln.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® zeigt der Pharaonenibis sehr deutlich, wie wichtig die Verbindung unterschiedlicher Teillebensräume ist. Ein Brutplatz allein genügt nicht. Ebenso erforderlich sind erreichbare Nahrungsflächen, störungsarme Rückzugsräume, geeignete Schlafplätze und eine Landschaft, in der natürliche Wasserstandsschwankungen noch stattfinden dürfen.
Eine weltweit derzeit nicht akut bedrohte Art
Der Pharaonenibis wird gegenwärtig auf der internationalen Roten Liste in der Kategorie „nicht gefährdet“ geführt. Die Art ist in weiten Teilen ihres natürlichen Verbreitungsgebietes noch vergleichsweise häufig. Gleichzeitig ist sie aus Ägypten, wo sie einst eine außergewöhnliche kulturelle Bedeutung besaß, bereits seit Langem verschwunden.
„Nicht gefährdet“ bedeutet deshalb keineswegs „ohne Probleme“. Eine globale Einstufung kann regionale Rückgänge, den Verlust einzelner Populationen und die fortschreitende Verschlechterung wichtiger Lebensräume nur eingeschränkt abbilden. Auch häufigere Arten können innerhalb kurzer Zeit unter Druck geraten, wenn Feuchtgebiete entwässert, Flüsse reguliert, Überschwemmungsräume abgetrennt oder Nahrungsflächen mit Schadstoffen belastet werden.
Für Artenschutz in Franken® ist das eine zentrale Botschaft: Naturschutz darf nicht erst beginnen, wenn eine Art unmittelbar vor dem Verschwinden steht. Wer stabile Bestände erhalten möchte, muss handeln, solange noch genügend Lebensräume und ausreichend große Populationen vorhanden sind.
Klimawandel und Lebensraumveränderung
Die Perspektive des Pharaonenibisses ist eng mit der Zukunft der Feuchtgebiete verbunden. Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und veränderte Niederschlagsmuster können dazu führen, dass flache Gewässer früher austrocknen. Gleichzeitig können Starkregen und heftige Überschwemmungen Brutplätze innerhalb kurzer Zeit verändern oder zerstören.
In manchen Regionen könnten neue oder länger nutzbare Nahrungsräume entstehen. An anderen Orten werden bisher verlässliche Feuchtgebiete unregelmäßiger Wasser führen oder vollständig verloren gehen. Besonders kritisch ist das Zusammenwirken mehrerer Belastungen: Klimatische Veränderungen treffen auf Entwässerung, Gewässerausbau, intensive Landwirtschaft, Schadstoffeinträge und einen zunehmenden Nutzungsdruck.
Der Pharaonenibis besitzt durch seine breite Nahrungspalette und seine Fähigkeit, auch vom Menschen geprägte Lebensräume zu nutzen, gewisse Anpassungsvorteile. Doch Anpassungsfähigkeit hat ihren Preis. Wo natürliche Feuchtgebiete verschwinden, weicht die Art möglicherweise auf Kläranlagen, bewässerte Kulturen, Deponien oder städtische Bereiche aus. Ein sichtbarer Bestand ist deshalb nicht automatisch ein Beleg für eine intakte Landschaft.
Für Europa könnte eine weitere Erwärmung mildere Winter und damit günstigere Überlebensbedingungen schaffen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass sich die Art allein infolge des Klimawandels zwangsläufig weiter ausbreiten wird. Entscheidend bleiben die durch Menschen verursachte Einführung, das vorhandene Nahrungsangebot, geeignete Brutplätze und das jeweilige Management.
In Europa eine gebietsfremde Art
Die europäische Situation unterscheidet sich grundlegend von jener im natürlichen afrikanischen Verbreitungsgebiet. In mehreren europäischen Regionen entstanden freilebende Bestände aus Vögeln, die aus zoologischen Haltungen entkommen waren oder freigesetzt wurden. In Frankreich bildeten sich beispielsweise größere Populationen entlang der Atlantik- und Mittelmeerküste.
Weil Pharaonenibisse Eier und Jungvögel heimischer Arten erbeuten, Brutkolonien aufsuchen und mit anderen Wasservögeln um Raum und Nahrung konkurrieren können, wird die Art in der Europäischen Union als invasive gebietsfremde Art von unionsweiter Bedeutung geführt.
Diese Einordnung verlangt eine sachliche Betrachtung. Der einzelne Vogel trägt keine Schuld daran, außerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebietes zu leben. Verantwortlich ist der Mensch, der Arten über natürliche Grenzen hinweg transportiert, hält, freisetzt oder entkommen lässt. Dennoch darf aus Mitgefühl mit dem einzelnen Tier nicht übersehen werden, dass sich größere Bestände nachteilig auf heimische und teilweise bereits gefährdete Arten auswirken können.
Artenschutz in Franken® steht deshalb für ein frühzeitiges, fachlich begründetes und möglichst konfliktarmes Vorgehen. Beobachtungen müssen dokumentiert, Bestandsentwicklungen kontrolliert und Auswirkungen auf heimische Arten sorgfältig bewertet werden. Je früher auf eine beginnende Ausbreitung reagiert wird, desto größer ist die Chance, spätere umfangreiche Eingriffe zu vermeiden.
Bedrohung im natürlichen Verbreitungsgebiet
Auch wenn der Pharaonenibis weltweit derzeit nicht als gefährdet gilt, können lokale Populationen durch vielfältige Veränderungen beeinträchtigt werden:
Besonders schwer wiegt der Verlust großräumiger Feuchtgebietskomplexe. Werden Wasserflächen, Schlammzonen, Feuchtwiesen und sichere Brutplätze voneinander getrennt, kann die ökologische Funktion einer Landschaft verloren gehen, obwohl einzelne Restflächen zunächst noch vorhanden sind.
Zwischen Faszination und Verantwortung
Der Pharaonenibis ist ein beeindruckender Vogel. Seine Gestalt erinnert an jahrtausendealte Darstellungen, seine Nahrungssuche zeigt eine erstaunliche Spezialisierung und seine Anpassungsfähigkeit ermöglicht ihm das Überleben in sehr unterschiedlichen Landschaften.
Doch seine Geschichte besitzt zwei Seiten. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet steht er für den notwendigen Schutz afrikanischer Feuchtgebiete. In Europa verdeutlicht er dagegen die Risiken, die entstehen können, wenn Arten durch menschliches Handeln außerhalb ihrer natürlichen Verbreitungsräume angesiedelt werden.
Für Artenschutz in Franken® bedeutet verantwortungsvoller Naturschutz, beide Perspektiven zusammenzuführen. Es geht weder um eine pauschale Verurteilung noch um eine romantische Verklärung. Entscheidend sind der Schutz natürlicher Lebensgemeinschaften, die ehrliche Bewertung menschlicher Eingriffe und der Respekt vor dem einzelnen Lebewesen.
Der Heilige Ibis trägt keine Verantwortung dafür, wohin ihn der Mensch gebracht hat. Die Verantwortung liegt bei uns: Lebensräume in den natürlichen Verbreitungsgebieten zu bewahren, die Freisetzung gebietsfremder Arten zu verhindern und dort fachgerecht zu handeln, wo ihre Ausbreitung heimische Arten gefährden kann.
So wird aus der Begegnung mit diesem außergewöhnlichen Vogel mehr als ein kurzer Blick auf eine exotisch wirkende Erscheinung. Sie wird zu einer Mahnung, biologische Vielfalt nicht erst dann zu schützen, wenn ihr Verlust bereits sichtbar und kaum noch umkehrbar geworden ist.
Aufnahme von Vogelfotos.de
Artenschutz in Franken®
- Zwischen uralter Verehrung, bedrohten Feuchtgebieten und neuer Verantwortung
Der schwarze Schnabel im Morgenlicht
Noch liegt ein leichter Schleier über dem flachen Wasser. Die ersten Sonnenstrahlen erreichen das Ufer, an dem Frösche rufen und kleine Insekten über der feuchten Vegetation tanzen. Dann erscheint zwischen den Gräsern eine auffällige Gestalt. Langsam setzt der Vogel einen schwarzen Fuß vor den anderen. Sein weißes Gefieder leuchtet im warmen Morgenlicht, während Kopf und Hals beinahe wie aus dunklem Stein gemeißelt wirken.
Immer wieder senkt er seinen langen, gebogenen Schnabel in den weichen Boden. Er stochert nicht planlos. Feinste Berührungen verraten ihm, wo sich ein Wurm, eine Insektenlarve oder ein anderes kleines Beutetier verborgen hält. Für einen kurzen Moment bleibt der Pharaonenibis stehen, richtet sich auf und blickt über die Wasserfläche. Fast scheint es, als trüge er die Erinnerung an eine sehr alte Welt in sich.
Vor Jahrtausenden wurde dieser Vogel im alten Ägypten verehrt und mit dem Gott Thot in Verbindung gebracht. Heute ist er aus Ägypten verschwunden. Geblieben ist sein Name – und die Aufgabe, seine heutige Rolle in einer vom Menschen tiefgreifend veränderten Welt differenziert zu betrachten.
Eine unverwechselbare Erscheinung
Der Pharaonenibis, der auch als Heiliger Ibis bezeichnet wird, trägt den wissenschaftlichen Namen Threskiornis aethiopicus. Er gehört zur Familie der Ibisse und Löffler. Erwachsene Vögel erreichen eine Körperlänge von etwa 70 bis 75 Zentimetern und eine Flügelspannweite von ungefähr 1,20 Metern.
Besonders auffällig ist der starke Farbkontrast: Der überwiegende Teil des Gefieders ist weiß, während der unbefiederte Kopf, der Hals, die Beine und der lange, nach unten gebogene Schnabel schwarz gefärbt sind. An den Flügeln und am hinteren Körperbereich befinden sich ebenfalls schwarze Federpartien. Jungvögel unterscheiden sich von den erwachsenen Tieren unter anderem dadurch, dass Kopf und Hals zunächst noch teilweise befiedert sind.
Im Flug wirkt der Pharaonenibis kraftvoll und zugleich erstaunlich elegant. Hals und Beine werden ausgestreckt, und mehrere Vögel können sich zu Linien oder lockeren Keilformationen zusammenschließen. Seine Stimme ist dagegen eher unauffällig. Am Brutplatz sind raue, grunzende oder krächzende Laute zu hören.
Mit dem Tastsinn auf Nahrungssuche
Der lange Schnabel ist ein hochspezialisiertes Werkzeug. Mit ihm durchsucht der Heilige Ibis Schlamm, seichtes Wasser, feuchte Wiesen und weichen Boden. Dabei orientiert er sich nicht ausschließlich mit den Augen. Empfindliche Sinnesstrukturen im Schnabel ermöglichen es ihm, Beutetiere durch Berührung aufzuspüren.
Sein Nahrungsspektrum ist breit. Dazu gehören unter anderem Insekten und deren Larven, Würmer, Schnecken, Krebstiere, kleine Fische, Amphibien und andere Kleintiere. Gelegentlich werden auch Eier oder Jungtiere anderer Vogelarten aufgenommen. Als anpassungsfähiger Nahrungsopportunist nutzt der Pharaonenibis außerdem bewässerte Felder, Viehweiden, städtische Grünflächen und sogar Abfalldeponien.
Gerade diese Anpassungsfähigkeit erklärt, weshalb die Art mit manchen Landschaftsveränderungen besser zurechtkommt als viele stärker spezialisierte Feuchtgebietsvögel. Doch sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch ein anpassungsfähiger Vogel auf funktionsfähige Lebensräume angewiesen bleibt.
Lebensraum zwischen Wasser und Offenland
Im natürlichen Verbreitungsgebiet lebt der Pharaonenibis vor allem in Afrika südlich der Sahara. Er besiedelt Feuchtgebiete, Flussauen, Überschwemmungsflächen, Sümpfe, Lagunen, Seen, feuchte Wiesen und Küstenbereiche. Auch landwirtschaftlich genutzte Flächen werden aufgesucht, sofern dort ausreichend Nahrung vorhanden ist.
Gebrütet wird häufig gemeinschaftlich in Kolonien. Die Nester befinden sich je nach Landschaft in Bäumen, Sträuchern, Röhrichtbeständen oder auf geeigneten Inseln. Nicht selten liegen Brutplätze verschiedener Wasservogelarten dicht beieinander. Solche Kolonien können einen eindrucksvollen Einblick in die Dynamik naturnaher Feuchtgebiete vermitteln.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® zeigt der Pharaonenibis sehr deutlich, wie wichtig die Verbindung unterschiedlicher Teillebensräume ist. Ein Brutplatz allein genügt nicht. Ebenso erforderlich sind erreichbare Nahrungsflächen, störungsarme Rückzugsräume, geeignete Schlafplätze und eine Landschaft, in der natürliche Wasserstandsschwankungen noch stattfinden dürfen.
Eine weltweit derzeit nicht akut bedrohte Art
Der Pharaonenibis wird gegenwärtig auf der internationalen Roten Liste in der Kategorie „nicht gefährdet“ geführt. Die Art ist in weiten Teilen ihres natürlichen Verbreitungsgebietes noch vergleichsweise häufig. Gleichzeitig ist sie aus Ägypten, wo sie einst eine außergewöhnliche kulturelle Bedeutung besaß, bereits seit Langem verschwunden.
„Nicht gefährdet“ bedeutet deshalb keineswegs „ohne Probleme“. Eine globale Einstufung kann regionale Rückgänge, den Verlust einzelner Populationen und die fortschreitende Verschlechterung wichtiger Lebensräume nur eingeschränkt abbilden. Auch häufigere Arten können innerhalb kurzer Zeit unter Druck geraten, wenn Feuchtgebiete entwässert, Flüsse reguliert, Überschwemmungsräume abgetrennt oder Nahrungsflächen mit Schadstoffen belastet werden.
Für Artenschutz in Franken® ist das eine zentrale Botschaft: Naturschutz darf nicht erst beginnen, wenn eine Art unmittelbar vor dem Verschwinden steht. Wer stabile Bestände erhalten möchte, muss handeln, solange noch genügend Lebensräume und ausreichend große Populationen vorhanden sind.
Klimawandel und Lebensraumveränderung
Die Perspektive des Pharaonenibisses ist eng mit der Zukunft der Feuchtgebiete verbunden. Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und veränderte Niederschlagsmuster können dazu führen, dass flache Gewässer früher austrocknen. Gleichzeitig können Starkregen und heftige Überschwemmungen Brutplätze innerhalb kurzer Zeit verändern oder zerstören.
In manchen Regionen könnten neue oder länger nutzbare Nahrungsräume entstehen. An anderen Orten werden bisher verlässliche Feuchtgebiete unregelmäßiger Wasser führen oder vollständig verloren gehen. Besonders kritisch ist das Zusammenwirken mehrerer Belastungen: Klimatische Veränderungen treffen auf Entwässerung, Gewässerausbau, intensive Landwirtschaft, Schadstoffeinträge und einen zunehmenden Nutzungsdruck.
Der Pharaonenibis besitzt durch seine breite Nahrungspalette und seine Fähigkeit, auch vom Menschen geprägte Lebensräume zu nutzen, gewisse Anpassungsvorteile. Doch Anpassungsfähigkeit hat ihren Preis. Wo natürliche Feuchtgebiete verschwinden, weicht die Art möglicherweise auf Kläranlagen, bewässerte Kulturen, Deponien oder städtische Bereiche aus. Ein sichtbarer Bestand ist deshalb nicht automatisch ein Beleg für eine intakte Landschaft.
Für Europa könnte eine weitere Erwärmung mildere Winter und damit günstigere Überlebensbedingungen schaffen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass sich die Art allein infolge des Klimawandels zwangsläufig weiter ausbreiten wird. Entscheidend bleiben die durch Menschen verursachte Einführung, das vorhandene Nahrungsangebot, geeignete Brutplätze und das jeweilige Management.
In Europa eine gebietsfremde Art
Die europäische Situation unterscheidet sich grundlegend von jener im natürlichen afrikanischen Verbreitungsgebiet. In mehreren europäischen Regionen entstanden freilebende Bestände aus Vögeln, die aus zoologischen Haltungen entkommen waren oder freigesetzt wurden. In Frankreich bildeten sich beispielsweise größere Populationen entlang der Atlantik- und Mittelmeerküste.
Weil Pharaonenibisse Eier und Jungvögel heimischer Arten erbeuten, Brutkolonien aufsuchen und mit anderen Wasservögeln um Raum und Nahrung konkurrieren können, wird die Art in der Europäischen Union als invasive gebietsfremde Art von unionsweiter Bedeutung geführt.
Diese Einordnung verlangt eine sachliche Betrachtung. Der einzelne Vogel trägt keine Schuld daran, außerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebietes zu leben. Verantwortlich ist der Mensch, der Arten über natürliche Grenzen hinweg transportiert, hält, freisetzt oder entkommen lässt. Dennoch darf aus Mitgefühl mit dem einzelnen Tier nicht übersehen werden, dass sich größere Bestände nachteilig auf heimische und teilweise bereits gefährdete Arten auswirken können.
Artenschutz in Franken® steht deshalb für ein frühzeitiges, fachlich begründetes und möglichst konfliktarmes Vorgehen. Beobachtungen müssen dokumentiert, Bestandsentwicklungen kontrolliert und Auswirkungen auf heimische Arten sorgfältig bewertet werden. Je früher auf eine beginnende Ausbreitung reagiert wird, desto größer ist die Chance, spätere umfangreiche Eingriffe zu vermeiden.
Bedrohung im natürlichen Verbreitungsgebiet
Auch wenn der Pharaonenibis weltweit derzeit nicht als gefährdet gilt, können lokale Populationen durch vielfältige Veränderungen beeinträchtigt werden:
- Entwässerung und Trockenlegung von Feuchtgebieten,
- Verlust natürlicher Überschwemmungsflächen,
- Regulierung und Verbauung von Flüssen,
- zunehmende Trockenheit und unregelmäßige Wasserführung,
- Verschmutzung von Gewässern und Böden,
- Störungen an Brut- und Schlafplätzen,
- Umwandlung strukturreicher Landschaften in intensiv genutzte Agrarflächen,
- direkte Verfolgung in einzelnen Regionen.
Besonders schwer wiegt der Verlust großräumiger Feuchtgebietskomplexe. Werden Wasserflächen, Schlammzonen, Feuchtwiesen und sichere Brutplätze voneinander getrennt, kann die ökologische Funktion einer Landschaft verloren gehen, obwohl einzelne Restflächen zunächst noch vorhanden sind.
Zwischen Faszination und Verantwortung
Der Pharaonenibis ist ein beeindruckender Vogel. Seine Gestalt erinnert an jahrtausendealte Darstellungen, seine Nahrungssuche zeigt eine erstaunliche Spezialisierung und seine Anpassungsfähigkeit ermöglicht ihm das Überleben in sehr unterschiedlichen Landschaften.
Doch seine Geschichte besitzt zwei Seiten. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet steht er für den notwendigen Schutz afrikanischer Feuchtgebiete. In Europa verdeutlicht er dagegen die Risiken, die entstehen können, wenn Arten durch menschliches Handeln außerhalb ihrer natürlichen Verbreitungsräume angesiedelt werden.
Für Artenschutz in Franken® bedeutet verantwortungsvoller Naturschutz, beide Perspektiven zusammenzuführen. Es geht weder um eine pauschale Verurteilung noch um eine romantische Verklärung. Entscheidend sind der Schutz natürlicher Lebensgemeinschaften, die ehrliche Bewertung menschlicher Eingriffe und der Respekt vor dem einzelnen Lebewesen.
Der Heilige Ibis trägt keine Verantwortung dafür, wohin ihn der Mensch gebracht hat. Die Verantwortung liegt bei uns: Lebensräume in den natürlichen Verbreitungsgebieten zu bewahren, die Freisetzung gebietsfremder Arten zu verhindern und dort fachgerecht zu handeln, wo ihre Ausbreitung heimische Arten gefährden kann.
So wird aus der Begegnung mit diesem außergewöhnlichen Vogel mehr als ein kurzer Blick auf eine exotisch wirkende Erscheinung. Sie wird zu einer Mahnung, biologische Vielfalt nicht erst dann zu schützen, wenn ihr Verlust bereits sichtbar und kaum noch umkehrbar geworden ist.
Aufnahme von Vogelfotos.de
- Pharaonenibis oder Heiliger Ibis (Threskiornis aethiopicus) - Etwa 75 cm Körperlänge, eine Flügelspannweite von nahe an 125cm ,sowie ein fast weißes Gefieder – lediglich Kopf und einige Schwungfedern sind schwarz gefärbt bzw. ohne Gefieder, so stellt sich der Heilige Ibis vor. Ibisse leben in Afrika, warum also stellen wir diesen Vogel auf unserer Internetseite vor? Ganz einfach, vor wenigen Wochen konnten wir einen dieser Vögel (mutmaßlich ein Tier das aus der Gefangenschaft geflüchtet war) erstmals an einem Stillgewässer des nördlichen Steigerwaldes dokumentieren. Vormals im alten Ägypten beheimatet – hier galten die Vögel als heilige Tiere – sind sie nunmehr frei fast ausnahmslos nur noch südlich der Sahara anzutreffen. Typischer Nistplatz dieser Koloniebildenden Vogelart ist der direkte Boden bzw. Brutplatzhöhen in Bäumen / Büschen von etwa bis zu 4 Metern.Das Gelege an sich besteht aus meist 4 Eiern und wird etwa 20 Tage bebrütet. Nestlingszeit etwa 35 – 40 Tage – je nach Nahrungsangebot.
Diese besteht aus Reptilien Insekten oder auch Aas.
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