Hohltaube (Columba oenas)
Ein leiser Ruf aus alten Buchen – die Hohltaube (Columba oenas)
Der Morgen im alten Laubwald ist noch kühl. Zwischen den hohen Stämmen liegt weiches Licht, und aus der Ferne ist ein tiefer, etwas gedämpfter Taubenruf zu hören. Zunächst lässt sich der Vogel kaum entdecken. Dann fliegt eine blaugraue Gestalt zwischen den Buchen hindurch und verschwindet plötzlich in einer Baumhöhle.
Eine Taube, die in einem Baumstamm brütet? Genau darin liegt eine Besonderheit der Hohltaube. Ihr Name beschreibt keinen hohlen Ruf, sondern ihre enge Verbindung zu alten Baumhöhlen.
Für Artenschutz in Franken® ist sie eine jener Arten, die uns besonders deutlich zeigen, welchen Wert alte Bäume besitzen. Was für manchen Menschen lediglich wie eine Öffnung im Stamm aussieht, kann für die Hohltaube ein unverzichtbarer Brutplatz sein.
Unauffälliger als die Ringeltaube
Die Hohltaube gehört zur Familie der Tauben und ist deutlich kleiner als die weitverbreitete Ringeltaube. In ihrer Größe erinnert sie eher an eine Stadt- oder Haustaube. Ihr Gefieder erscheint überwiegend blaugrau. An den Halsseiten kann sich je nach Lichteinfall ein grünlicher metallischer Glanz zeigen, während die Brust leicht rötlich oder weinfarben getönt ist.
Im Gegensatz zur Ringeltaube fehlen ihr die großen weißen Halsflecken und die auffälligen weißen Bereiche auf den Flügeln. Auch einen weißen Bürzel, wie ihn viele Fels- und Stadttauben zeigen, besitzt sie nicht. Ihre dunklen Augen verleihen ihr einen ruhigen Ausdruck.
Im Flug wirkt die Hohltaube schnell und geradlinig. Dennoch wird sie leicht übersehen, denn sie hält sich häufig im Bereich hoher Baumkronen auf oder wechselt zwischen Wald und angrenzenden Nahrungsflächen. Oft verrät ihr gedämpfter, wiederholt vorgetragener Ruf ihre Anwesenheit, bevor sie selbst sichtbar wird.
Eine Nachmieterin des Schwarzspechts
Die Hohltaube kann ihre Bruthöhle nicht selbst anlegen. Sie ist darauf angewiesen, dass geeignete Höhlen bereits vorhanden sind. Besonders wichtig sind aufgegebene Höhlen des Schwarzspechts. Dieser kräftige Specht schafft mit seiner Arbeit Bruträume, die später von zahlreichen anderen Tieren genutzt werden können.
Wo der Schwarzspecht eine alte Höhle verlässt, kann die Hohltaube einziehen. Auch andere Höhlenbewohner wie Fledermäuse, Käuze, Dohlen oder verschiedene Kleintiere profitieren von solchen Strukturen. Ein einziger alter Höhlenbaum kann dadurch über viele Jahre hinweg für unterschiedliche Arten von Bedeutung sein.
Die Hohltaube nimmt gelegentlich auch geeignete Großraum-Nistkästen an. Solche künstlichen Angebote können an höhlenarmen Standorten eine wertvolle Unterstützung darstellen. Sie ersetzen jedoch keinen alten, strukturreichen Wald. Ein Nistkasten ist eine gezielte Hilfsmaßnahme – ein dauerhaftes Netz aus Alt- und Höhlenbäumen bleibt das eigentliche Ziel.
Wald zum Brüten, Offenland zur Nahrungssuche
Die Hohltaube benötigt unterschiedliche, räumlich miteinander verbundene Lebensräume. Gebrütet wird vor allem in alten, höhlenreichen Laub- und Mischwäldern. Besonders günstig sind Altbuchengruppen und lichte Waldbestände mit vorhandenen Schwarzspechthöhlen.
Zur Nahrungssuche verlässt die Hohltaube den Wald regelmäßig. Auf Wiesen, Feldern, Brachen und anderen offenen Flächen sucht sie überwiegend nach pflanzlicher Nahrung. Dazu gehören Samen, Getreidekörner, Früchte und grüne Pflanzenteile. Auch Samen von Wildkräutern spielen eine wichtige Rolle.
Genau diese Verbindung ist entscheidend: Ein geeigneter Höhlenbaum allein genügt nicht, wenn in seiner Umgebung kaum noch abwechslungsreiche Nahrungsflächen vorhanden sind. Ebenso hilft eine samenreiche Kulturlandschaft wenig, wenn die notwendigen Bruthöhlen fehlen. Die Hohltaube benötigt beides – alte Waldstrukturen und ein vielfältiges Offenland.
Nachwuchs in der dunklen Baumhöhle
Die Brutzeit der Hohltaube kann früh im Jahr beginnen und sich bis in den Spätsommer erstrecken. In der geschützten Baumhöhle legt das Weibchen gewöhnlich zwei weiße Eier. Beide Altvögel beteiligen sich an der Brut und an der Versorgung der Jungtiere.
Wie andere Tauben ernährt auch die Hohltaube ihren frisch geschlüpften Nachwuchs zunächst mit einer besonders nährstoffreichen Kropfmilch. Erst später wird die Nahrung schrittweise auf vorverdaute pflanzliche Bestandteile umgestellt.
Mehrere Bruten innerhalb eines Jahres sind möglich. Dadurch kann eine geeignete Baumhöhle über einen langen Zeitraum belegt sein. Störungen oder Fällarbeiten an einem besetzten Höhlenbaum können deshalb weitreichende Folgen haben. Ein Höhlenbaum muss nicht nur während weniger Frühjahrswochen betrachtet werden – seine Funktion kann sich über einen großen Teil des Jahres erstrecken.
Franken als bedeutender Lebensraum
In Bayern ist die Hohltaube lückenhaft verbreitet. Bedeutende Vorkommensschwerpunkte liegen nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt in den buchenreichen Landschaften Nordbayerns. Dazu gehören unter anderem die Frankenalb, die Frankenhöhe, der Steigerwald, der Spessart und die Rhön.
Damit besitzt Franken für diese Vogelart eine besondere Bedeutung. Artenschutz in Franken® sieht darin zugleich einen klaren Auftrag: Alte Buchenbestände, Höhlenbaumgruppen und die vom Schwarzspecht geschaffenen Strukturen müssen konsequent erhalten werden.
Die Hohltaube wird in Bayern derzeit als nicht gefährdet eingestuft. Auch ihre Bestandsentwicklung zeigte über längere Zeiträume eine positive Tendenz. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Vorkommen unmittelbar von geeigneten Brutplätzen abhängig bleibt. Werden Höhlenbäume entfernt, kann ein lokal vorhandener Bestand sehr schnell seine Grundlage verlieren.
Wenn der Wald seine alten Bäume verliert
Ein wesentlicher Engpass für die Hohltaube ist der Mangel an geeigneten Nistgelegenheiten. In intensiv genutzten oder gleichförmig aufgebauten Wäldern erreichen viele Bäume nicht mehr das Alter, in dem große Höhlen entstehen und über längere Zeit erhalten bleiben.
Auch sogenannte Sicherheitsfällungen können problematisch sein, wenn Höhlenbäume ohne sorgfältige Prüfung entfernt werden. Selbst ein abgestorbener oder geschädigter Baum kann noch viele Jahre lang ein wertvoller Lebensraum sein. Verkehrssicherheit ist wichtig, doch sie darf nicht pauschal als Begründung dienen, ökologisch bedeutsame Strukturen auch dort zu beseitigen, wo keine konkrete Gefahr besteht.
Im Offenland wirkt sich die intensive Nutzung ebenfalls aus. Der Einsatz von Herbiziden, die Beseitigung von Ackerwildkräutern und der Verlust von Brachen und Säumen verringern das natürliche Samenangebot. Aus einer scheinbar kleinen Veränderung kann so ein großräumiger Nahrungsmangel entstehen.
Die Hohltaube im Klimawandel
Die Folgen des Klimawandels sind für die Hohltaube nicht ausschließlich in eine Richtung zu bewerten. Mildere Winter können dazu führen, dass einzelne Tiere früher in ihre Brutgebiete zurückkehren oder näher am Brutgebiet überwintern. Gleichzeitig nehmen Hitzeperioden, lang anhaltende Trockenheit und extreme Wetterereignisse zu.
Trockenheit verändert sowohl Wälder als auch Offenlandflächen. Pflanzen bilden möglicherweise weniger Samen, während geschwächte Altbäume durch Dürre, Krankheiten oder Stürme verloren gehen können. Besonders kritisch wird es, wenn abgestorbene oder geschädigte Bäume anschließend großflächig entfernt werden. Mit ihnen verschwinden häufig genau jene Höhlenstrukturen, auf welche die Hohltaube angewiesen ist.
Ein klimaangepasster Wald darf daher nicht nur aus jungen, vermeintlich widerstandsfähigen Bäumen bestehen. Er braucht weiterhin alte Bäume, stehendes Totholz, unterschiedliche Altersklassen und geschützte Höhlenbaumgruppen. Strukturvielfalt ist kein Hindernis für einen zukunftsfähigen Wald – sie ist eine seiner wichtigsten Voraussetzungen.
Artenschutz beginnt mit dem Erhalt vorhandener Strukturen
Zum Schutz der Hohltaube müssen alte und bereits vorhandene Höhlenbäume konsequent gesichert werden. Besonders wertvoll sind Gruppen alter Buchen mit mehreren Schwarzspechthöhlen. Solche Bereiche sollten dauerhaft von einer regulären Nutzung ausgenommen und vor Störungen geschützt werden.
Ergänzend können geeignete Großraum-Nistkästen eingesetzt werden. Ihre Anbringung, Kontrolle und Reinigung sollten fachgerecht erfolgen. Gleichzeitig muss im angrenzenden Offenland ein vielfältiges Angebot aus Wildkräutern, Säumen, Brachen und extensiv bewirtschafteten Flächen erhalten bleiben.
Für Artenschutz in Franken® ist die Hohltaube ein eindrucksvolles Beispiel für die Vernetzung innerhalb eines Ökosystems: Der Schwarzspecht baut die Höhle, der alte Baum bewahrt sie und die umgebende Landschaft stellt die Nahrung bereit. Fällt nur ein Teil dieses Zusammenspiels aus, gerät das gesamte System unter Druck.
Die Hohltaube braucht keine spektakulären Einzelmaßnahmen. Sie braucht etwas, das in unserer schnelllebigen Zeit immer seltener wird: Bäume, die alt werden dürfen, Höhlen, die erhalten bleiben, und Landschaften, in denen auch Wildkräuter noch einen Platz finden.
Wenn ihr leiser Ruf durch einen alten Buchenwald klingt, hören wir deshalb mehr als nur die Stimme einer Taube. Wir hören ein Zeichen dafür, dass in diesem Wald noch Strukturen vorhanden sind, die über viele Jahrzehnte entstehen mussten. Sie zu bewahren, ist für uns gelebter Artenschutz.
In der Aufnahme von Peter Zeininger
- Eine Stimme, die aus dem Baum zu kommen scheint
Der Morgen im alten Laubwald ist noch kühl. Zwischen den hohen Stämmen liegt weiches Licht, und aus der Ferne ist ein tiefer, etwas gedämpfter Taubenruf zu hören. Zunächst lässt sich der Vogel kaum entdecken. Dann fliegt eine blaugraue Gestalt zwischen den Buchen hindurch und verschwindet plötzlich in einer Baumhöhle.
Eine Taube, die in einem Baumstamm brütet? Genau darin liegt eine Besonderheit der Hohltaube. Ihr Name beschreibt keinen hohlen Ruf, sondern ihre enge Verbindung zu alten Baumhöhlen.
Für Artenschutz in Franken® ist sie eine jener Arten, die uns besonders deutlich zeigen, welchen Wert alte Bäume besitzen. Was für manchen Menschen lediglich wie eine Öffnung im Stamm aussieht, kann für die Hohltaube ein unverzichtbarer Brutplatz sein.
Unauffälliger als die Ringeltaube
Die Hohltaube gehört zur Familie der Tauben und ist deutlich kleiner als die weitverbreitete Ringeltaube. In ihrer Größe erinnert sie eher an eine Stadt- oder Haustaube. Ihr Gefieder erscheint überwiegend blaugrau. An den Halsseiten kann sich je nach Lichteinfall ein grünlicher metallischer Glanz zeigen, während die Brust leicht rötlich oder weinfarben getönt ist.
Im Gegensatz zur Ringeltaube fehlen ihr die großen weißen Halsflecken und die auffälligen weißen Bereiche auf den Flügeln. Auch einen weißen Bürzel, wie ihn viele Fels- und Stadttauben zeigen, besitzt sie nicht. Ihre dunklen Augen verleihen ihr einen ruhigen Ausdruck.
Im Flug wirkt die Hohltaube schnell und geradlinig. Dennoch wird sie leicht übersehen, denn sie hält sich häufig im Bereich hoher Baumkronen auf oder wechselt zwischen Wald und angrenzenden Nahrungsflächen. Oft verrät ihr gedämpfter, wiederholt vorgetragener Ruf ihre Anwesenheit, bevor sie selbst sichtbar wird.
Eine Nachmieterin des Schwarzspechts
Die Hohltaube kann ihre Bruthöhle nicht selbst anlegen. Sie ist darauf angewiesen, dass geeignete Höhlen bereits vorhanden sind. Besonders wichtig sind aufgegebene Höhlen des Schwarzspechts. Dieser kräftige Specht schafft mit seiner Arbeit Bruträume, die später von zahlreichen anderen Tieren genutzt werden können.
Wo der Schwarzspecht eine alte Höhle verlässt, kann die Hohltaube einziehen. Auch andere Höhlenbewohner wie Fledermäuse, Käuze, Dohlen oder verschiedene Kleintiere profitieren von solchen Strukturen. Ein einziger alter Höhlenbaum kann dadurch über viele Jahre hinweg für unterschiedliche Arten von Bedeutung sein.
Die Hohltaube nimmt gelegentlich auch geeignete Großraum-Nistkästen an. Solche künstlichen Angebote können an höhlenarmen Standorten eine wertvolle Unterstützung darstellen. Sie ersetzen jedoch keinen alten, strukturreichen Wald. Ein Nistkasten ist eine gezielte Hilfsmaßnahme – ein dauerhaftes Netz aus Alt- und Höhlenbäumen bleibt das eigentliche Ziel.
Wald zum Brüten, Offenland zur Nahrungssuche
Die Hohltaube benötigt unterschiedliche, räumlich miteinander verbundene Lebensräume. Gebrütet wird vor allem in alten, höhlenreichen Laub- und Mischwäldern. Besonders günstig sind Altbuchengruppen und lichte Waldbestände mit vorhandenen Schwarzspechthöhlen.
Zur Nahrungssuche verlässt die Hohltaube den Wald regelmäßig. Auf Wiesen, Feldern, Brachen und anderen offenen Flächen sucht sie überwiegend nach pflanzlicher Nahrung. Dazu gehören Samen, Getreidekörner, Früchte und grüne Pflanzenteile. Auch Samen von Wildkräutern spielen eine wichtige Rolle.
Genau diese Verbindung ist entscheidend: Ein geeigneter Höhlenbaum allein genügt nicht, wenn in seiner Umgebung kaum noch abwechslungsreiche Nahrungsflächen vorhanden sind. Ebenso hilft eine samenreiche Kulturlandschaft wenig, wenn die notwendigen Bruthöhlen fehlen. Die Hohltaube benötigt beides – alte Waldstrukturen und ein vielfältiges Offenland.
Nachwuchs in der dunklen Baumhöhle
Die Brutzeit der Hohltaube kann früh im Jahr beginnen und sich bis in den Spätsommer erstrecken. In der geschützten Baumhöhle legt das Weibchen gewöhnlich zwei weiße Eier. Beide Altvögel beteiligen sich an der Brut und an der Versorgung der Jungtiere.
Wie andere Tauben ernährt auch die Hohltaube ihren frisch geschlüpften Nachwuchs zunächst mit einer besonders nährstoffreichen Kropfmilch. Erst später wird die Nahrung schrittweise auf vorverdaute pflanzliche Bestandteile umgestellt.
Mehrere Bruten innerhalb eines Jahres sind möglich. Dadurch kann eine geeignete Baumhöhle über einen langen Zeitraum belegt sein. Störungen oder Fällarbeiten an einem besetzten Höhlenbaum können deshalb weitreichende Folgen haben. Ein Höhlenbaum muss nicht nur während weniger Frühjahrswochen betrachtet werden – seine Funktion kann sich über einen großen Teil des Jahres erstrecken.
Franken als bedeutender Lebensraum
In Bayern ist die Hohltaube lückenhaft verbreitet. Bedeutende Vorkommensschwerpunkte liegen nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt in den buchenreichen Landschaften Nordbayerns. Dazu gehören unter anderem die Frankenalb, die Frankenhöhe, der Steigerwald, der Spessart und die Rhön.
Damit besitzt Franken für diese Vogelart eine besondere Bedeutung. Artenschutz in Franken® sieht darin zugleich einen klaren Auftrag: Alte Buchenbestände, Höhlenbaumgruppen und die vom Schwarzspecht geschaffenen Strukturen müssen konsequent erhalten werden.
Die Hohltaube wird in Bayern derzeit als nicht gefährdet eingestuft. Auch ihre Bestandsentwicklung zeigte über längere Zeiträume eine positive Tendenz. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Vorkommen unmittelbar von geeigneten Brutplätzen abhängig bleibt. Werden Höhlenbäume entfernt, kann ein lokal vorhandener Bestand sehr schnell seine Grundlage verlieren.
Wenn der Wald seine alten Bäume verliert
Ein wesentlicher Engpass für die Hohltaube ist der Mangel an geeigneten Nistgelegenheiten. In intensiv genutzten oder gleichförmig aufgebauten Wäldern erreichen viele Bäume nicht mehr das Alter, in dem große Höhlen entstehen und über längere Zeit erhalten bleiben.
Auch sogenannte Sicherheitsfällungen können problematisch sein, wenn Höhlenbäume ohne sorgfältige Prüfung entfernt werden. Selbst ein abgestorbener oder geschädigter Baum kann noch viele Jahre lang ein wertvoller Lebensraum sein. Verkehrssicherheit ist wichtig, doch sie darf nicht pauschal als Begründung dienen, ökologisch bedeutsame Strukturen auch dort zu beseitigen, wo keine konkrete Gefahr besteht.
Im Offenland wirkt sich die intensive Nutzung ebenfalls aus. Der Einsatz von Herbiziden, die Beseitigung von Ackerwildkräutern und der Verlust von Brachen und Säumen verringern das natürliche Samenangebot. Aus einer scheinbar kleinen Veränderung kann so ein großräumiger Nahrungsmangel entstehen.
Die Hohltaube im Klimawandel
Die Folgen des Klimawandels sind für die Hohltaube nicht ausschließlich in eine Richtung zu bewerten. Mildere Winter können dazu führen, dass einzelne Tiere früher in ihre Brutgebiete zurückkehren oder näher am Brutgebiet überwintern. Gleichzeitig nehmen Hitzeperioden, lang anhaltende Trockenheit und extreme Wetterereignisse zu.
Trockenheit verändert sowohl Wälder als auch Offenlandflächen. Pflanzen bilden möglicherweise weniger Samen, während geschwächte Altbäume durch Dürre, Krankheiten oder Stürme verloren gehen können. Besonders kritisch wird es, wenn abgestorbene oder geschädigte Bäume anschließend großflächig entfernt werden. Mit ihnen verschwinden häufig genau jene Höhlenstrukturen, auf welche die Hohltaube angewiesen ist.
Ein klimaangepasster Wald darf daher nicht nur aus jungen, vermeintlich widerstandsfähigen Bäumen bestehen. Er braucht weiterhin alte Bäume, stehendes Totholz, unterschiedliche Altersklassen und geschützte Höhlenbaumgruppen. Strukturvielfalt ist kein Hindernis für einen zukunftsfähigen Wald – sie ist eine seiner wichtigsten Voraussetzungen.
Artenschutz beginnt mit dem Erhalt vorhandener Strukturen
Zum Schutz der Hohltaube müssen alte und bereits vorhandene Höhlenbäume konsequent gesichert werden. Besonders wertvoll sind Gruppen alter Buchen mit mehreren Schwarzspechthöhlen. Solche Bereiche sollten dauerhaft von einer regulären Nutzung ausgenommen und vor Störungen geschützt werden.
Ergänzend können geeignete Großraum-Nistkästen eingesetzt werden. Ihre Anbringung, Kontrolle und Reinigung sollten fachgerecht erfolgen. Gleichzeitig muss im angrenzenden Offenland ein vielfältiges Angebot aus Wildkräutern, Säumen, Brachen und extensiv bewirtschafteten Flächen erhalten bleiben.
Für Artenschutz in Franken® ist die Hohltaube ein eindrucksvolles Beispiel für die Vernetzung innerhalb eines Ökosystems: Der Schwarzspecht baut die Höhle, der alte Baum bewahrt sie und die umgebende Landschaft stellt die Nahrung bereit. Fällt nur ein Teil dieses Zusammenspiels aus, gerät das gesamte System unter Druck.
Die Hohltaube braucht keine spektakulären Einzelmaßnahmen. Sie braucht etwas, das in unserer schnelllebigen Zeit immer seltener wird: Bäume, die alt werden dürfen, Höhlen, die erhalten bleiben, und Landschaften, in denen auch Wildkräuter noch einen Platz finden.
Wenn ihr leiser Ruf durch einen alten Buchenwald klingt, hören wir deshalb mehr als nur die Stimme einer Taube. Wir hören ein Zeichen dafür, dass in diesem Wald noch Strukturen vorhanden sind, die über viele Jahrzehnte entstehen mussten. Sie zu bewahren, ist für uns gelebter Artenschutz.
In der Aufnahme von Peter Zeininger
- Ihren Namen trägt die rund 33cm große, 280 Gramm schwere, die auf Grund fehlender weißer Flügelzeichnung recht leicht von der Ringeltaube zu unterscheidende Taubenart, weil sie ihren Nistplatz bevorzugt in Baumhöhlen anlegt.
Hohltaube, Bewohner von Baumhöhlen
In der Aufnahme von Blesch / Sperber
- Im März besetzt die Hohltaube meist alte Schwarzspechthöhlen, polstert diese mit kleinen Zweigen u.ä. aus, worauf sie ihr meist 2-3 Eier umfassendes Gelege absetzt. 16 – 17 Tage brüten beide Elterntiere die Eier aus. Als Jungvogelnahrung wird ein, in den Kröpfen der Alttiere gebildeter, Futterbrei gereicht.Erwachsene Hohltauben ernähren sich unter anderem von Samen und Beeren. Nach etwa 3 Wochen verlassen die kleinen Hohltauben, werden jedoch noch einige Zeit von den Hohltaubeneltern mit Vorverdautem gefüttert.Pro Jahr sind 2-3 Bruten zu erwarten.
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