Gartengrasmücke
Gartengrasmücke (Sylvia borin) – die verborgene Stimme aus dem grünen Dickicht
Es war einer jener milden Maitage, an denen sich das frische Grün beinahe unbemerkt über Hecken, Waldränder und Bachufer gelegt hatte. Während wir von Artenschutz in Franken® eine strukturreiche Gehölzzeile betrachteten, drang aus dem dichten Blätterwerk plötzlich ein erstaunlich voller Gesang. Die Töne flossen ohne erkennbare Pause ineinander – weich, perlend und doch kraftvoll.
Der Sänger selbst blieb zunächst verborgen. Erst nach längerem Warten bewegte sich ein Zweig. Für einen kurzen Augenblick zeigte sich ein kleiner, graubrauner Vogel, bevor er wieder in der Vegetation verschwand. Keine auffällige Kopfzeichnung, kein leuchtendes Gefieder und kein markanter Farbfleck verrieten seine Identität. Es war eine Gartengrasmücke.
Diese Begegnung steht für das Wesen dieser Vogelart. Die Gartengrasmücke möchte offenbar nicht gesehen werden. Sie lebt im Schutz dichter Vegetation und überlässt es ihrem Gesang, ihre Anwesenheit zu verraten.
Unauffälliges Gefieder – eindrucksvolle Stimme
Die Gartengrasmücke erreicht eine Körperlänge von ungefähr 13 bis 14 Zentimetern. Ihre Oberseite erscheint überwiegend grau- bis olivbraun, während die Unterseite heller und leicht beigefarben wirkt. Der Kopf ist rundlich, das Auge dunkel und von einem nur schwach erkennbaren hellen Ring umgeben. Männchen und Weibchen sehen sich so ähnlich, dass sie im Gelände kaum voneinander unterschieden werden können.
Gerade das Fehlen auffälliger Merkmale ist eines ihrer wichtigsten Erkennungszeichen. Im Gegensatz zur Mönchsgrasmücke besitzt sie keine schwarze oder braune Kopfkappe. Auch die bei anderen Grasmücken sichtbaren Flügelzeichnungen fehlen weitgehend.
Ganz anders präsentiert sich die Gartengrasmücke akustisch. Ihr Gesang besteht aus längeren, fließenden Strophen, in denen sich zahlreiche Laute dicht aneinanderreihen. Er erinnert an den Gesang der Mönchsgrasmücke, wirkt jedoch häufig gleichmäßiger und endet meist ohne deren charakteristische flötende Schlussmotive.
Für Artenschutz in Franken® ist sie deshalb ein wunderbares Beispiel dafür, dass sich die Bedeutung einer Art nicht an der Auffälligkeit ihres Äußeren bemessen lässt. Manchmal trägt gerade ein unscheinbarer Vogel eine der eindrucksvollsten Stimmen unserer heimischen Gehölzlandschaften.
Ein Name, der leicht in die Irre führt
Trotz ihres Namens ist die Gartengrasmücke keineswegs ein typischer Bewohner sorgfältig gepflegter Hausgärten. Kurz geschnittene Hecken, großflächiger Rasen und lückenlos aufgeräumte Beete bieten ihr kaum geeigneten Lebensraum.
Sie bevorzugt dichte, mehrschichtige Gehölzstrukturen mit gut entwickelter Strauch- und Krautschicht. Solche Bedingungen findet sie unter anderem an naturnahen Waldrändern, in Feldgehölzen, breiten Hecken, jungen Waldstadien, Auwäldern, verwachsenen Uferbereichen sowie in größeren Parks und naturnah gestalteten Gärten.
Wichtig ist nicht allein das Vorhandensein einzelner Sträucher. Entscheidend ist deren räumliche Verbindung. Die Gartengrasmücke braucht geschützte Bereiche, in denen sie Nahrung suchen, singen, ruhen und ihren Nachwuchs aufziehen kann.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® zeigt diese Art sehr deutlich, welchen Wert vermeintlich ungeordnete Vegetation besitzt. Was für manchen Menschen lediglich als „zugewachsen“ erscheint, kann für die Gartengrasmücke einen vollständigen Lebensraum darstellen.
Nahrung und Fortpflanzung
Während der Brutzeit ernährt sich die Gartengrasmücke überwiegend von Insekten, Spinnen und anderen kleinen Wirbellosen. Sie liest ihre Beute von Blättern, Zweigen und aus der dichten Krautschicht ab. Damit ist sie auf eine vielfältige und möglichst unbelastete Insektenwelt angewiesen.
Im Spätsommer verändert sich ihr Speiseplan. Beeren und kleine Früchte gewinnen nun an Bedeutung. Holunder, Hartriegel, Brombeere und andere fruchttragende Gehölze können wichtige Energiequellen darstellen, wenn sich die Vögel auf ihren langen Zug nach Afrika vorbereiten.
Das napfförmige Nest wird meist niedrig und gut verborgen in dichtem Gebüsch angelegt. Das Gelege umfasst häufig vier bis fünf Eier. Beide Eltern beteiligen sich an der Bebrütung und später an der Versorgung der Jungvögel. Da das Nest oft nur wenig über dem Boden liegt, kann bereits ein unbedachter Rückschnitt der Vegetation eine vollständige Brut gefährden.
Deshalb bedeutet Heckenschutz für Artenschutz in Franken® weit mehr als das bloße Erhalten einer grünen Linie. Eine ökologisch wertvolle Hecke braucht Breite, unterschiedliche Höhen, heimische Gehölze, einen geschützten Saumbereich und vor allem ausreichend Zeit, um sich ungestört entwickeln zu können.
Eine Reisende zwischen zwei Kontinenten
Die Gartengrasmücke ist ein ausgeprägter Langstreckenzieher. Im Spätsommer und Frühherbst verlässt sie ihre europäischen Brutgebiete und zieht in ihre Überwinterungsregionen südlich der Sahara. Auf dieser Reise muss der kleine Vogel das Mittelmeer, trockene Landschaftsräume und schließlich die Sahara überwinden.
Damit hängt sein Überleben nicht allein von den Bedingungen im fränkischen Brutgebiet ab. Geeignete Rastplätze entlang der Zugroute und intakte Lebensräume in Afrika sind ebenso unverzichtbar. Verschlechtert sich nur einer dieser Teilbereiche, kann dies Auswirkungen auf den gesamten Lebenszyklus der Art haben.
Die Gartengrasmücke führt uns damit vor Augen, dass wirkungsvoller Vogelschutz nicht an politischen oder geografischen Grenzen endet. Der Erhalt einer Hecke in Franken ist ein wichtiger Baustein – doch diese Hecke ist Teil eines Lebensraumnetzes, das sich über Tausende Kilometer erstreckt.
Bedrohungen – der schleichende Verlust des Verborgenen
In Deutschland gilt die Gartengrasmücke gegenwärtig nicht als gefährdet. Für Artenschutz in Franken® darf diese Einstufung jedoch kein Grund sein, ihre Lebensräume als dauerhaft gesichert zu betrachten. Auch noch vergleichsweise verbreitete Arten können regional zurückgehen, wenn sich ihre Lebensgrundlagen schleichend verschlechtern.
Zu den wesentlichen Belastungen zählen:
Besonders problematisch ist die zunehmende Vereinheitlichung unserer Landschaft. Eine schmale, regelmäßig zurückgeschnittene Hecke kann eine breite, strukturreiche Gehölzzone nicht ersetzen. Ebenso wenig genügt ein einzelner Strauch, wenn die umgebende Landschaft kaum noch Nahrung, Deckung oder sichere Verbindungen bietet.
Gartengrasmücke und Klimawandel
Der Klimawandel stellt die Gartengrasmücke vor eine komplexe Herausforderung. Wärmere Frühjahre können dazu führen, dass sich Pflanzenentwicklung und Insektenvorkommen zeitlich nach vorne verschieben. Die Gartengrasmücke verbringt den Winter jedoch weit südlich der Sahara. Ihr Abflug und ihre Rückkehr werden nicht ausschließlich durch die Temperaturen im europäischen Brutgebiet bestimmt.
Dadurch kann das Risiko entstehen, dass wichtige Nahrungsspitzen bereits vorüber sind, wenn spät zurückkehrende Langstreckenzieher mit der Brut beginnen. Solche zeitlichen Verschiebungen müssen nicht überall und in jedem Jahr auftreten, doch sie gehören zu den möglichen Folgen einer sich rasch verändernden Umwelt.
Lange Trockenperioden können zudem die Strauch- und Krautschicht ausdünnen, die Zahl verfügbarer Beutetiere verringern und die Bildung von Beeren und Früchten beeinträchtigen. Starkregen, ungewöhnliche Kälteeinbrüche oder extreme Hitze während der Brutzeit können Eier und Jungvögel zusätzlich belasten.
Auch entlang der Zugwege und in den afrikanischen Aufenthaltsgebieten verändern Dürre, Hitze und eine andere zeitliche Verteilung der Niederschläge die Verfügbarkeit von Wasser, Nahrung und Rastmöglichkeiten. Für einen Vogel, der jedes Jahr gewaltige Entfernungen bewältigt, können bereits wenige verlorene Trittsteine entscheidend sein.
Perspektivisch ist damit zu rechnen, dass sich geeignete Bruträume regional verschieben. Kühlere, feuchtere und strukturreiche Landschaftsteile könnten an Bedeutung gewinnen, während ausgeräumte und stark austrocknende Gebiete zunehmend an Eignung verlieren.
Unsere Perspektive: Lebensräume erhalten, bevor sie fehlen
Die Gartengrasmücke benötigt keine künstliche Inszenierung. Sie braucht das, was in unserer Landschaft immer seltener selbstverständlich ist: dichte Hecken, ungestörte Gebüsche, lebendige Waldränder, naturnahe Bachufer, heimische Beerensträucher und eine vielfältige Insektenwelt.
Artenschutz in Franken® setzt sich deshalb dafür ein, solche Strukturen nicht nur punktuell zu erhalten, sondern miteinander zu verbinden. Breite Hecken, vorgelagerte Krautsäume, gestufte Waldränder und ungemähte Rückzugsbereiche können gemeinsam ein belastbares Lebensraumnetz bilden.
Auch in privaten Gärten lässt sich viel erreichen. Heimische Sträucher, zurückhaltende Pflege, der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und das Zulassen dichter, vermeintlich wilder Bereiche schaffen Nahrung und Deckung. Rückschnitte sollten niemals ohne vorherige Kontrolle vorgenommen werden, denn die kleinen Nester der Gartengrasmücke sind im Blattwerk leicht zu übersehen.
Für Artenschutz in Franken® ist die Gartengrasmücke eine Botschafterin des grünen Halbschattens. Sie erinnert uns daran, dass Naturschutz nicht nur dort notwendig ist, wo seltene Arten unmittelbar vor dem Verschwinden stehen. Vorausschauender Artenschutz beginnt viel früher: Er bewahrt die Lebensräume noch verbreiteter Arten, bevor ihr Rückgang zur nächsten stillen Verlustmeldung wird.
Wenn ihr perlender Gesang auch künftig aus unseren Hecken, Waldrändern und Ufergehölzen erklingen soll, müssen wir diesen Strukturen wieder Raum, Ruhe und Zeit geben.
In der Aufnahme von Klaus Sanwald
- Eine kleine Geschichte aus dem fränkischen Frühling
Es war einer jener milden Maitage, an denen sich das frische Grün beinahe unbemerkt über Hecken, Waldränder und Bachufer gelegt hatte. Während wir von Artenschutz in Franken® eine strukturreiche Gehölzzeile betrachteten, drang aus dem dichten Blätterwerk plötzlich ein erstaunlich voller Gesang. Die Töne flossen ohne erkennbare Pause ineinander – weich, perlend und doch kraftvoll.
Der Sänger selbst blieb zunächst verborgen. Erst nach längerem Warten bewegte sich ein Zweig. Für einen kurzen Augenblick zeigte sich ein kleiner, graubrauner Vogel, bevor er wieder in der Vegetation verschwand. Keine auffällige Kopfzeichnung, kein leuchtendes Gefieder und kein markanter Farbfleck verrieten seine Identität. Es war eine Gartengrasmücke.
Diese Begegnung steht für das Wesen dieser Vogelart. Die Gartengrasmücke möchte offenbar nicht gesehen werden. Sie lebt im Schutz dichter Vegetation und überlässt es ihrem Gesang, ihre Anwesenheit zu verraten.
Unauffälliges Gefieder – eindrucksvolle Stimme
Die Gartengrasmücke erreicht eine Körperlänge von ungefähr 13 bis 14 Zentimetern. Ihre Oberseite erscheint überwiegend grau- bis olivbraun, während die Unterseite heller und leicht beigefarben wirkt. Der Kopf ist rundlich, das Auge dunkel und von einem nur schwach erkennbaren hellen Ring umgeben. Männchen und Weibchen sehen sich so ähnlich, dass sie im Gelände kaum voneinander unterschieden werden können.
Gerade das Fehlen auffälliger Merkmale ist eines ihrer wichtigsten Erkennungszeichen. Im Gegensatz zur Mönchsgrasmücke besitzt sie keine schwarze oder braune Kopfkappe. Auch die bei anderen Grasmücken sichtbaren Flügelzeichnungen fehlen weitgehend.
Ganz anders präsentiert sich die Gartengrasmücke akustisch. Ihr Gesang besteht aus längeren, fließenden Strophen, in denen sich zahlreiche Laute dicht aneinanderreihen. Er erinnert an den Gesang der Mönchsgrasmücke, wirkt jedoch häufig gleichmäßiger und endet meist ohne deren charakteristische flötende Schlussmotive.
Für Artenschutz in Franken® ist sie deshalb ein wunderbares Beispiel dafür, dass sich die Bedeutung einer Art nicht an der Auffälligkeit ihres Äußeren bemessen lässt. Manchmal trägt gerade ein unscheinbarer Vogel eine der eindrucksvollsten Stimmen unserer heimischen Gehölzlandschaften.
Ein Name, der leicht in die Irre führt
Trotz ihres Namens ist die Gartengrasmücke keineswegs ein typischer Bewohner sorgfältig gepflegter Hausgärten. Kurz geschnittene Hecken, großflächiger Rasen und lückenlos aufgeräumte Beete bieten ihr kaum geeigneten Lebensraum.
Sie bevorzugt dichte, mehrschichtige Gehölzstrukturen mit gut entwickelter Strauch- und Krautschicht. Solche Bedingungen findet sie unter anderem an naturnahen Waldrändern, in Feldgehölzen, breiten Hecken, jungen Waldstadien, Auwäldern, verwachsenen Uferbereichen sowie in größeren Parks und naturnah gestalteten Gärten.
Wichtig ist nicht allein das Vorhandensein einzelner Sträucher. Entscheidend ist deren räumliche Verbindung. Die Gartengrasmücke braucht geschützte Bereiche, in denen sie Nahrung suchen, singen, ruhen und ihren Nachwuchs aufziehen kann.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® zeigt diese Art sehr deutlich, welchen Wert vermeintlich ungeordnete Vegetation besitzt. Was für manchen Menschen lediglich als „zugewachsen“ erscheint, kann für die Gartengrasmücke einen vollständigen Lebensraum darstellen.
Nahrung und Fortpflanzung
Während der Brutzeit ernährt sich die Gartengrasmücke überwiegend von Insekten, Spinnen und anderen kleinen Wirbellosen. Sie liest ihre Beute von Blättern, Zweigen und aus der dichten Krautschicht ab. Damit ist sie auf eine vielfältige und möglichst unbelastete Insektenwelt angewiesen.
Im Spätsommer verändert sich ihr Speiseplan. Beeren und kleine Früchte gewinnen nun an Bedeutung. Holunder, Hartriegel, Brombeere und andere fruchttragende Gehölze können wichtige Energiequellen darstellen, wenn sich die Vögel auf ihren langen Zug nach Afrika vorbereiten.
Das napfförmige Nest wird meist niedrig und gut verborgen in dichtem Gebüsch angelegt. Das Gelege umfasst häufig vier bis fünf Eier. Beide Eltern beteiligen sich an der Bebrütung und später an der Versorgung der Jungvögel. Da das Nest oft nur wenig über dem Boden liegt, kann bereits ein unbedachter Rückschnitt der Vegetation eine vollständige Brut gefährden.
Deshalb bedeutet Heckenschutz für Artenschutz in Franken® weit mehr als das bloße Erhalten einer grünen Linie. Eine ökologisch wertvolle Hecke braucht Breite, unterschiedliche Höhen, heimische Gehölze, einen geschützten Saumbereich und vor allem ausreichend Zeit, um sich ungestört entwickeln zu können.
Eine Reisende zwischen zwei Kontinenten
Die Gartengrasmücke ist ein ausgeprägter Langstreckenzieher. Im Spätsommer und Frühherbst verlässt sie ihre europäischen Brutgebiete und zieht in ihre Überwinterungsregionen südlich der Sahara. Auf dieser Reise muss der kleine Vogel das Mittelmeer, trockene Landschaftsräume und schließlich die Sahara überwinden.
Damit hängt sein Überleben nicht allein von den Bedingungen im fränkischen Brutgebiet ab. Geeignete Rastplätze entlang der Zugroute und intakte Lebensräume in Afrika sind ebenso unverzichtbar. Verschlechtert sich nur einer dieser Teilbereiche, kann dies Auswirkungen auf den gesamten Lebenszyklus der Art haben.
Die Gartengrasmücke führt uns damit vor Augen, dass wirkungsvoller Vogelschutz nicht an politischen oder geografischen Grenzen endet. Der Erhalt einer Hecke in Franken ist ein wichtiger Baustein – doch diese Hecke ist Teil eines Lebensraumnetzes, das sich über Tausende Kilometer erstreckt.
Bedrohungen – der schleichende Verlust des Verborgenen
In Deutschland gilt die Gartengrasmücke gegenwärtig nicht als gefährdet. Für Artenschutz in Franken® darf diese Einstufung jedoch kein Grund sein, ihre Lebensräume als dauerhaft gesichert zu betrachten. Auch noch vergleichsweise verbreitete Arten können regional zurückgehen, wenn sich ihre Lebensgrundlagen schleichend verschlechtern.
Zu den wesentlichen Belastungen zählen:
- die Beseitigung von Hecken, Feldgehölzen und Ufergebüschen,
- die starke Auslichtung von Waldrändern und Strauchschichten,
- häufige oder großflächige Rückschnitte,
- Pflegearbeiten während der Brutzeit,
- der Verlust strukturreicher Säume und Altgrasbereiche,
- der Rückgang von Insekten,
- der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln,
- die Entfernung heimischer, fruchttragender Sträucher,
- Störungen und Lebensraumverluste an Rastplätzen und in den afrikanischen Überwinterungsgebieten.
Besonders problematisch ist die zunehmende Vereinheitlichung unserer Landschaft. Eine schmale, regelmäßig zurückgeschnittene Hecke kann eine breite, strukturreiche Gehölzzone nicht ersetzen. Ebenso wenig genügt ein einzelner Strauch, wenn die umgebende Landschaft kaum noch Nahrung, Deckung oder sichere Verbindungen bietet.
Gartengrasmücke und Klimawandel
Der Klimawandel stellt die Gartengrasmücke vor eine komplexe Herausforderung. Wärmere Frühjahre können dazu führen, dass sich Pflanzenentwicklung und Insektenvorkommen zeitlich nach vorne verschieben. Die Gartengrasmücke verbringt den Winter jedoch weit südlich der Sahara. Ihr Abflug und ihre Rückkehr werden nicht ausschließlich durch die Temperaturen im europäischen Brutgebiet bestimmt.
Dadurch kann das Risiko entstehen, dass wichtige Nahrungsspitzen bereits vorüber sind, wenn spät zurückkehrende Langstreckenzieher mit der Brut beginnen. Solche zeitlichen Verschiebungen müssen nicht überall und in jedem Jahr auftreten, doch sie gehören zu den möglichen Folgen einer sich rasch verändernden Umwelt.
Lange Trockenperioden können zudem die Strauch- und Krautschicht ausdünnen, die Zahl verfügbarer Beutetiere verringern und die Bildung von Beeren und Früchten beeinträchtigen. Starkregen, ungewöhnliche Kälteeinbrüche oder extreme Hitze während der Brutzeit können Eier und Jungvögel zusätzlich belasten.
Auch entlang der Zugwege und in den afrikanischen Aufenthaltsgebieten verändern Dürre, Hitze und eine andere zeitliche Verteilung der Niederschläge die Verfügbarkeit von Wasser, Nahrung und Rastmöglichkeiten. Für einen Vogel, der jedes Jahr gewaltige Entfernungen bewältigt, können bereits wenige verlorene Trittsteine entscheidend sein.
Perspektivisch ist damit zu rechnen, dass sich geeignete Bruträume regional verschieben. Kühlere, feuchtere und strukturreiche Landschaftsteile könnten an Bedeutung gewinnen, während ausgeräumte und stark austrocknende Gebiete zunehmend an Eignung verlieren.
Unsere Perspektive: Lebensräume erhalten, bevor sie fehlen
Die Gartengrasmücke benötigt keine künstliche Inszenierung. Sie braucht das, was in unserer Landschaft immer seltener selbstverständlich ist: dichte Hecken, ungestörte Gebüsche, lebendige Waldränder, naturnahe Bachufer, heimische Beerensträucher und eine vielfältige Insektenwelt.
Artenschutz in Franken® setzt sich deshalb dafür ein, solche Strukturen nicht nur punktuell zu erhalten, sondern miteinander zu verbinden. Breite Hecken, vorgelagerte Krautsäume, gestufte Waldränder und ungemähte Rückzugsbereiche können gemeinsam ein belastbares Lebensraumnetz bilden.
Auch in privaten Gärten lässt sich viel erreichen. Heimische Sträucher, zurückhaltende Pflege, der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und das Zulassen dichter, vermeintlich wilder Bereiche schaffen Nahrung und Deckung. Rückschnitte sollten niemals ohne vorherige Kontrolle vorgenommen werden, denn die kleinen Nester der Gartengrasmücke sind im Blattwerk leicht zu übersehen.
Für Artenschutz in Franken® ist die Gartengrasmücke eine Botschafterin des grünen Halbschattens. Sie erinnert uns daran, dass Naturschutz nicht nur dort notwendig ist, wo seltene Arten unmittelbar vor dem Verschwinden stehen. Vorausschauender Artenschutz beginnt viel früher: Er bewahrt die Lebensräume noch verbreiteter Arten, bevor ihr Rückgang zur nächsten stillen Verlustmeldung wird.
Wenn ihr perlender Gesang auch künftig aus unseren Hecken, Waldrändern und Ufergehölzen erklingen soll, müssen wir diesen Strukturen wieder Raum, Ruhe und Zeit geben.
In der Aufnahme von Klaus Sanwald
- Beeren als Reiseproviant: Fruchttragende heimische Sträucher liefern vor dem Herbstzug wertvolle Energie.
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