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Wendehals
Bild zum Eintrag (1135578-160)
Der Wendehals (Jynx torquilla) – ein leiser Botschafter strukturreicher Landschaften

Ein warmer Frühlingstag liegt über der Streuobstwiese. Zwischen alten Apfelbäumen hallt ein eigenartiger Ruf – ein weiches, wiederholtes „wi-wi-wi“, das an ferne Erinnerungen an den Sommer erinnert. Gut getarnt sitzt der Wendehals regungslos am Stamm eines Baumes. Erst bei genauerem Hinsehen verrät eine kurze Bewegung seinen Standort. Mit vorsichtigen Schritten nähert er sich einer Ameisenstraße, streckt seine lange Zunge aus und verschwindet wenig später wieder im Schatten der Bäume.

Artbeschreibung


Der Wendehals (Jynx torquilla) gehört zur Familie der Spechte, unterscheidet sich jedoch deutlich von seinen Verwandten. Er besitzt keinen kräftigen Meißelschnabel und zimmert keine eigenen Höhlen, sondern ist auf vorhandene Bruthöhlen angewiesen. Sein Gefieder ist grau-braun gemustert und bietet eine hervorragende Tarnung an Baumrinden und auf dem Boden.

Charakteristisch für den Wendehals ist sein Verhalten bei Störungen: Er kann seinen Kopf schlangenartig drehen und zischende Laute von sich geben – eine Besonderheit, der er seinen Namen verdankt. Mit einer Körperlänge von etwa 16 bis 17 Zentimetern ist er etwas kleiner als ein Buntspecht. Seine Nahrung besteht fast ausschließlich aus Ameisen und deren Larven, die er mit seiner langen, klebrigen Zunge erbeutet.

Lebensraum, Veränderungen und Zukunftsperspektive

Der Wendehals ist ein typischer Bewohner offener, strukturreicher Landschaften. Streuobstwiesen, lichte Waldränder, extensiv genutzte Wiesen und parkartige Flächen mit alten Bäumen bieten ihm ideale Bedingungen. Entscheidend sind dabei zwei Faktoren: ein ausreichendes Angebot an Ameisen sowie geeignete Bruthöhlen.

Durch den Verlust alter Obstbäume, die Aufgabe traditioneller Nutzungsformen und die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft sind diese Lebensräume vielerorts stark zurückgegangen. Gleichzeitig führen Bodenverdichtung, häufige Mahd und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu einem Rückgang der Ameisenbestände – einer zentralen Nahrungsquelle des Wendehalses.

Der Klimawandel verstärkt diese Problematik zusätzlich. Längere Trockenphasen verändern die Bodenstruktur und wirken sich negativ auf Ameisenpopulationen aus. Gleichzeitig können extreme Wetterereignisse während der Brutzeit den Bruterfolg verringern. Als Langstreckenzieher ist der Wendehals zudem von Veränderungen entlang seiner Zugrouten und in den Überwinterungsgebieten betroffen.

Engagement und Ausblick ab 2026

Um dem Rückgang des Wendehalses aktiv entgegenzuwirken, werden ab dem Jahr 2026 mehrere Projekte zur gezielten Lebensraumverbesserung umgesetzt. Dazu gehören unter anderem die Pflege und Neuanlage strukturreicher Streuobstflächen, der Erhalt alter Höhlenbäume sowie das Anbringen geeigneter Nisthilfen. Ergänzend sollen extensiv genutzte Wiesen gefördert werden, um das Nahrungsangebot langfristig zu sichern.

Mit diesen Maßnahmen soll ein Netzwerk geeigneter Lebensräume entstehen, das dem Wendehals auch künftig Brut- und Nahrungsmöglichkeiten bietet. Der Wendehals steht dabei stellvertretend für viele Arten, die auf vielfältige, naturnahe Kulturlandschaften angewiesen sind.

In der Aufnahme von Johannes Rother

  • Typische Haltung des Wendehalses bei Störungen
Wendehals
Bild zum Eintrag (1135580-160)
In der Aufnahme von Michael Berger
  • Typische Haltung des Wendehalses bei Störungen
Wendehals 2015
Bild zum Eintrag (1135581-160)
In der Aufnahme von Johannes Rother
  • Der Wendehals als Botschafter naturnaher Kulturlandschaften
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