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Rotkehlpieper
Rotkehlpieper
Bild zum Eintrag (1135308-160)
Der Rotkehlpieper (Anthus cervinus)

Der Morgen ist kühl, und der Tau liegt noch schwer auf den Gräsern der nordischen Tundra. Zwischen Moosen und niedrigen Büschen huscht ein kleiner Vogel umher. Unauffällig gefärbt, fast eins mit dem Boden, doch sobald er den Kopf hebt, leuchtet ein warmes Rot an seiner Kehle auf. Für einen kurzen Moment verharrt er, lauscht dem Wind – dann steigt er singend in die Luft. Es ist der Rotkehlpieper, ein Reisender zwischen Kontinenten, dessen Leben vom Rhythmus der Jahreszeiten geprägt ist.

Artbeschreibung: Der Rotkehlpieper (Anthus cervinus)

Der Rotkehlpieper gehört zur Familie der Pieper (Motacillidae) und ist ein schlanker, mittelgroßer Singvogel. Besonders auffällig ist das namensgebende Merkmal der adulten Männchen im Brutkleid: die rostrot bis ziegelrot gefärbte Kehle und Brust. Weibchen und Jungvögel sind deutlich unscheinbarer gefärbt, meist graubraun mit feiner Strichelung.

Mit einer Körperlänge von etwa 14 bis 16 Zentimetern ähnelt er anderen Pieperarten, lässt sich jedoch durch seinen Gesang und die Färbung während der Brutzeit gut unterscheiden. Der Rotkehlpieper ernährt sich überwiegend von Insekten und anderen wirbellosen Tieren, im Zug und außerhalb der Brutzeit auch von Samen.

Sein Brutgebiet liegt vor allem in der arktischen und subarktischen Tundra Eurasiens. Als Langstreckenzieher überwintert er in Afrika südlich der Sahara sowie in Südasien. Auf dem Zug ist er auch in Mitteleuropa regelmäßig zu beobachten, meist in offenen Landschaften wie Feuchtwiesen, Äckern oder an Gewässerrändern.

Perspektive der Art im Wandel von Lebensraum und Klima

Der Rotkehlpieper ist in besonderem Maße von intakten, offenen Lebensräumen abhängig. Veränderungen in seinen Brut- und Rastgebieten wirken sich daher direkt auf seinen Bestand aus. In der arktischen Tundra führen steigende Temperaturen dazu, dass sich Vegetationszonen verschieben: Sträucher breiten sich aus, offene Flächen gehen verloren. Damit verändern sich auch Nahrungsangebot und Brutbedingungen.

Entlang der Zugrouten und in den Rastgebieten stellen intensive Landwirtschaft, Entwässerung von Feuchtgebieten und Flächenversiegelung zusätzliche Herausforderungen dar. Der Vogel ist auf geeignete Zwischenstopps angewiesen, um Energie für seine langen Wanderungen zu sammeln. Fehlen diese, sinken die Überlebenschancen.

Gleichzeitig zeigt der Rotkehlpieper eine gewisse Anpassungsfähigkeit. Veränderungen im Zugverhalten und eine frühere Rückkehr in die Brutgebiete wurden bereits beobachtet. Ob diese Anpassungen ausreichen, um mit dem Tempo des Klimawandels Schritt zu halten, bleibt offen. Der langfristige Erhalt der Art hängt daher stark vom Schutz offener Landschaften und internationaler Zusammenarbeit entlang der Zugrouten ab.

In der Aufnahme von Helga Zinnecker

  • Während des Zuges rastet der Rotkehlpieper häufig in offenen Feuchtlandschaften.
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