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Blutspecht
Blutspecht (Dendrocopos syriacus)
Bild zum Eintrag (1136680-160)
Der Blutspecht – Leben zwischen Wandel und Hoffnung

An einem milden Frühlingsmorgen sitzt ein Blutspecht am Rand eines alten Obstgartens. Die ersten Sonnenstrahlen treffen die rissige Rinde eines Apfelbaums, während sein rhythmisches Klopfen die Stille durchbricht. Für ihn ist dieser Garten mehr als nur ein Ort zur Nahrungssuche – er ist Zuhause, Brutplatz und Schutzraum zugleich. Doch jenseits der Baumreihe rücken neue Häuser näher, und der vertraute Lebensraum wird jedes Jahr ein wenig kleiner. Der Specht fliegt weiter zum nächsten Baum, immer auf der Suche nach dem, was bleibt.

Artbeschreibung

Der Blutspecht (Dendrocopos syriacus) gehört zur Familie der Spechte und ist eng mit dem Buntspecht verwandt. Er ist etwa 22–24 cm groß und zeichnet sich durch sein kontrastreiches schwarz-weißes Gefieder aus. Männchen tragen einen roten Nackenfleck, während beide Geschlechter eine helle Unterseite ohne starke Streifen zeigen – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu ähnlichen Arten.

Sein Lebensraum sind offene Landschaften mit alten Bäumen: Streuobstwiesen, Parks, Gärten, Alleen oder lichte Waldränder. Dort ernährt er sich vor allem von Insekten und deren Larven, ergänzt durch Samen und Früchte. Wie andere Spechte zimmert er seine Bruthöhlen selbst in weiches oder bereits vorgeschädigtes Holz und schafft damit gleichzeitig Lebensräume für viele andere Tierarten.

Perspektiven im Wandel von Lebensraum und Klima

Die Zukunft des Blutspechts ist eng mit der Entwicklung unserer Kulturlandschaften verbunden. Einerseits profitiert die Art teilweise von wärmeren Temperaturen und konnte ihr Verbreitungsgebiet in den letzten Jahrzehnten nach Norden und Westen ausdehnen. Mildere Winter erhöhen die Überlebenschancen und erleichtern die Nahrungssuche.

Andererseits gehen genau jene Lebensräume verloren, die er benötigt: alte Obstgärten, Einzelbäume und strukturreiche Dorf- und Stadtränder. Intensivierte Landwirtschaft, Flächenversiegelung und die Entfernung alter oder abgestorbener Bäume reduzieren Brutplätze und Nahrungsquellen. Auch der Klimawandel bringt Risiken mit sich, etwa durch längere Trockenperioden, die das Insektenangebot verringern und Bäume schwächen oder absterben lassen.

Die langfristige Perspektive der Art hängt daher davon ab, ob strukturreiche, baumreiche Kulturlandschaften erhalten und neu geschaffen werden.

Bedrohungen durch den Menschen

Die größten Gefahren für den Blutspecht gehen direkt oder indirekt vom Menschen aus:


  • Verlust alter Obstwiesen und Feldgehölze

  • Entfernung von Totholz und alten Bäumen aus Sicherheits- oder Pflegegründen

  • Flächenversiegelung durch Siedlungs- und Straßenbau

  • Intensiver Einsatz von Pestiziden, der das Nahrungsangebot reduziert

Ähnliche Entwicklungen betreffen auch andere Arten offener Kulturlandschaften. Der Schutz alter Bäume, die Pflege traditioneller Obstgärten und eine naturnahe Grünflächenbewirtschaftung können dem Blutspecht jedoch wirksam helfen.

Ausblick

Der Blutspecht ist ein Beispiel dafür, wie eng das Schicksal vieler Tierarten mit menschlich geprägten Landschaften verknüpft ist. Wo alte Bäume stehen bleiben, Obstgärten gepflegt werden und Vielfalt zugelassen wird, findet er weiterhin einen Platz. Sein Klopfen im Frühling kann so auch in Zukunft Teil unserer Kulturlandschaft bleiben – als leiser Hinweis darauf, dass Naturschutz oft direkt vor unserer Haustür beginnt.


Artenschutz in Franken®

In der Aufnahme von Helga Zinnecker


- ... sieht dem Buntspecht zum verwchseln ähnlich - der Blutspecht.

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Erster Blutspecht in Deutschland nachgewiesen

30/31.01.2016

Entdeckung eines seltenen Spechts in fränkischem Garten


28.01.2015 – Zum ersten Mal wurde ein Blutspecht in Deutschland eindeutig nachgewiesen. Der Erstnachweis erfolgte in einem Garten im Landkreis Kronach in Oberfranken. Der Blutspecht, der normalerweise in Südosteuropa zuhause ist, ist sehr leicht mit dem bei uns häufigen Buntspecht zu verwechseln. Im Zuge der Stunde der Wintervögel kamen einer aufmerksamen Vogelfreundin bei genauerer Betrachtung eines vermeintlichen Buntspechts jedoch Zweifel. Deshalb schickte sie uns auf unserer Facebook-Fanseite ein Foto mit der Bitte um Identifizierung. Schnell waren sich die Naturschützer einig, dass es sich dabei tatsächlich um einen artreinen Blutspecht handeln muss, da auch Hybride mit dem Buntspecht möglich sind.

ie erste deutsche Blutspecht-Dokumentation deckt sich mit der Vorhersage europäischer Ornithologen. Demnach ist der Specht eine wärmeliebende Art, die sich in den nächsten Jahrzehnten von Südosteuropa nördlich und westlich nach Mitteleuropa ausbreiten wird. Wir erwarten, dass der Blutspecht in Zukunft auch öfter mal bei uns auftreten wird. Nur 50 Kilometer Luftlinie entfernt gibt es bereits Brutnachweise in Tschechien. Wir rufen deshalb alle Bayern dazu auf, zukünftig beim Blick in den Garten die Augen offen zu halten und Fotos von möglichen Blutspecht-Sichtungen per Email uns zu schicken unter lbv-infoservice@lbv.de. Dabei kann ein wichtiges Bestimmungsmerkmal für den Blutspecht jeder Vogelfreund ganz einfach selbst erkennen: Im Gegensatz zum Buntspecht fehlt beim Blutspecht der schwarze Streifen zum Nacken. Genau das war auch der Kronacher Vogelfreundin aufgefallen.


Ökologische Belastung durch pilgernde Vogelfreunde

Auch wenn sich durch die Veröffentlichung bei Facebook schon einige Vogelbeobachter aus ganz Deutschland sofort auf den Weg nach Oberfranken gemacht haben, ist es aus unserer Sicht unökologisch, wenn nun Vogelliebhaber aus halb Europa dorthin pilgern, nur um den Vogel zu sehen. Genau dies passiert derzeit in Holland mit einem Rubinkehlchen. Wir verstehen das Interesse an diesem besonderen Vogel, aber die ökologische Belastung durch eine weite Anfahrt steht dabei in keinem Verhältnis zum Nutzen der Beobachtung. Außerdem weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass der erste deutsche und somit auch der erste bayerische Blutspecht-Nachweis noch so lange vorbehaltlich ist, bis eine Anerkennung durch die Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK) erfolgt ist.

Mehr zum Thema

- http://www.lbv.de/unsere-arbeit/vogelschutz/blutspecht.html


Quellenangabe

Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.


Für die gelisteten Darstellungen trägt der Autor die redaktionelle Verantwortung.

Die Informationen geben ausnahmslos die Meinung des Verfassers, nicht eine Stellungnahme unserer Organisation wieder.

Artenschutz in Franken®


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