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Der Rotmilan (Milvus milvus)
Bild zum Eintrag (1118672-160)
Aufnahme von Klaus Sanwald
Als dem Rotmilan bei 36 Grad die Kraft ausging
Bild zum Eintrag (1147730-160)
Als dem Rotmilan bei 36 Grad die Kraft ausging

  • Eine außergewöhnliche Beobachtung vom 13. August 2026

Es war einer jener Augusttage, an denen die Hitze über der Landschaft zu stehen schien. Am 13. August 2026 wurden im Schatten 36 Grad Celsius gemessen. Über den offenen Flächen flimmerte die Luft, abgeerntete Felder lagen nahezu schutzlos in der Sonne. In dieser aufgeheizten Umgebung beobachteten wir einen Rotmilan, dessen Flug plötzlich nicht mehr von der sonst so typischen Leichtigkeit geprägt war.

Der große Greifvogel verlor sichtbar an Kraft und stürzte förmlich zu Boden. Dort blieb er sitzen – den Körper tief gehalten, den Kopf abgesenkt und den Schnabel weit geöffnet. Rund 25 Minuten dauerte es, bis sich der Rotmilan wieder in die Luft erheben konnte. Eine ungewöhnlich lange Zeit für einen Vogel, den wir normalerweise als ausdauernden und geschickten Segelflieger erleben.

Dieser Anblick hat uns bei Artenschutz in Franken® tief berührt. Vor uns saß kein kraftvoll kreisender Greifvogel, sondern ein Tier, das augenscheinlich an der Grenze seiner momentanen Belastbarkeit angekommen war.

25 Minuten zwischen Landung und erneutem Abflug

Dass ein Rotmilan am Boden sitzt, ist für sich genommen noch kein Beleg für eine Notsituation. Die Vögel suchen dort nach Nahrung und können auch eine Ruhepause einlegen. In diesem Fall ergab sich jedoch ein anderes Gesamtbild: das abrupte Herabkommen, die abgesenkte Körperhaltung, der deutlich geöffnete Schnabel und die lange Zeitspanne bis zum erneuten Abheben.

Eine tiermedizinische Diagnose lässt sich aus einer Beobachtung auf Distanz nicht ableiten. Dennoch sprachen die sichtbaren Anzeichen für eine außergewöhnlich starke Erschöpfung. Die extreme Hitze dürfte dabei zumindest eine erhebliche zusätzliche Belastung dargestellt haben.

Erst nach etwa 25 Minuten sammelte der Rotmilan offenbar genügend Kraft, um wieder abzuheben. Dieser Moment war erleichternd – und zugleich beunruhigend. Denn er zeigte uns, wie unmittelbar Wetterextreme selbst große, flugfähige Wildtiere treffen können.

Auch ein Meister des Segelflugs hat Grenzen

Rotmilane nutzen aufsteigende Warmluft, um mit wenigen Flügelschlägen über der Landschaft zu kreisen. Doch dieser Vorteil darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass extreme Hitze für den Organismus eine erhebliche Belastung sein kann.

Vögel besitzen keine Schweißdrüsen wie wir Menschen. Bei hohen Temperaturen versuchen sie unter anderem, überschüssige Wärme durch verstärkte Atmung bei geöffnetem Schnabel abzugeben. Dieses Verhalten kann an heißen Tagen beobachtet werden. Wenn jedoch eine auffällig kraftlose Haltung, ein langer Aufenthalt am Boden und ein nur verzögert möglicher Weiterflug hinzukommen, wird sichtbar, wie sehr ein Tier beansprucht sein kann.

36 Grad im Schatten bedeuten zudem nicht, dass es auf einem sonnenbeschienenen, trockenen Acker ebenfalls „nur“ 36 Grad warm ist. Ungeschützte Bodenoberflächen können sich erheblich stärker aufheizen. Schatten, feuchte Vegetation und kühlende Rückzugsräume waren im Umfeld des Vogels kaum vorhanden.

Hitze trifft auf eine ausgeräumte Landschaft

Für Artenschutz in Franken® steht diese Beobachtung nicht allein für einen einzelnen Rotmilan. Sie macht sichtbar, was geschieht, wenn extreme Temperaturen auf Landschaften treffen, in denen schattenspendende Gehölze, wasserführende Mulden, Feuchtflächen, strukturreiche Säume und kleine Rückzugsräume immer seltener werden.

Ein Greifvogel kann weite Strecken zurücklegen. Doch auch seine Kräfte sind nicht unbegrenzt. Muss er bei großer Hitze lange nach Nahrung suchen, fehlen sichere Ruheplätze oder sind erreichbare Wasserstellen ausgetrocknet, kann sich die Belastung weiter erhöhen.

Dabei geht es nicht darum, an jeder Stelle künstliche Einrichtungen zu schaffen. Viel wichtiger ist es, die natürlichen Kühl- und Rückzugsstrukturen unserer Kulturlandschaft zu bewahren: alte Bäume, Feldgehölze, Hecken, offene Gewässer, Feuchtstellen, naturnahe Bachläufe sowie abwechslungsreiche Übergänge zwischen Wald und Offenland.

Klimawandel wird für Wildtiere körperlich spürbar

Über den Klimawandel wird häufig in Form von Temperaturkurven, Jahresmittelwerten und Zukunftsmodellen gesprochen. Doch für Wildtiere ist er keine abstrakte Zahl. Er wird körperlich spürbar – während der Nahrungssuche, bei der Jungenaufzucht, auf Wanderungen oder, wie bei diesem Rotmilan, mitten im Flug.

Einzelne Beobachtungen können keine umfassende wissenschaftliche Entwicklung belegen. Sie können uns jedoch aufmerksam machen. Sie zeigen, welchen Situationen Tiere bereits heute ausgesetzt sein können, und geben uns Anlass, genauer hinzusehen.

Längere Hitzeperioden, ausgetrocknete Böden und fehlende Niederschläge verändern zugleich die Nahrungsgrundlage vieler Arten. Kleinsäuger, Insekten und andere Beutetiere reagieren ebenfalls auf Trockenheit und hohe Temperaturen. Damit kann sich auch für Greifvögel der Aufwand erhöhen, ausreichend Nahrung zu finden.

Unser Blick darf nicht am einzelnen Tier enden

Der Rotmilan konnte nach rund 25 Minuten wieder abheben. Sein weiterer Weg blieb uns verborgen. Was zurückbleibt, ist das Bild eines erschöpften Vogels auf einem aufgeheizten Feld – und die Frage, wie viele ähnliche Situationen unbemerkt bleiben.

Artenschutz in Franken® sieht darin einen weiteren deutlichen Hinweis, unsere Landschaft widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit zu gestalten. Wir brauchen mehr Wasser in der Fläche, mehr Schatten, mehr alte Bäume und mehr miteinander verbundene Rückzugsräume. Nicht nur für den Rotmilan, sondern auch für Feldvögel, Säugetiere, Amphibien, Reptilien und unzählige Insektenarten.

Extremtemperaturen können wir nicht von einem Tag auf den anderen verhindern. Aber wir können entscheiden, ob Tiere in einer ausgeräumten, ausgetrockneten Landschaft sich selbst überlassen bleiben oder ob sie noch Orte finden, an denen sie Schutz, Nahrung und eine kurze Erholungspause erhalten.

Am 13. August 2026 benötigte ein Rotmilan 25 Minuten, um wieder in die Luft zu kommen. Für uns war dies keine beiläufige Naturbeobachtung. Es war ein stilles Warnzeichen – direkt vor unseren Augen.

In der Abbildung - Keine unveränderte Dokumentaraufnahme.
  • Stark erschöpfter Rotmilan am 13. August 2026 bei 36 °C im Schatten. Eigene Originalaufnahme; Bildausschnitt, Schärfe und Einzelheiten des Vogels – insbesondere der geöffnete Schnabel – wurden KI-gestützt bearbeitet und teilweise rekonstruiert. 
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