Parasitenlast bei Nestlingen der Dohle – Beobachtungen aus der Praxis
Dass Jungvögel der Dohle bereits Anfang April ( Aufnahme vom 06.04.2026) so weit entwickelt sind, wirkt auf den ersten Blick früh – ist aber unter bestimmten Bedingungen absolut plausibel.
Aus ornithologischer Sicht spielen dabei mehrere Faktoren zusammen:
Sehr früher Brutbeginn
Dohlen gehören zu den früh brütenden Rabenvögeln. In milden Jahren beginnen Paare bereits:
- Ende Februar bis Anfang März mit der Eiablage
- Brutdauer: ca. 16–18 Tage
- Nestlingszeit: etwa 30–35 Tage
Das bedeutet:
Ein Gelege, das Anfang März begonnen wurde, kann Ende März / Anfang April bereits fast flügge Jungvögel hervorbringen.
Milde Winter und Klimawandel
In den letzten Jahren lässt sich beobachten, dass sich Brutzeiten nach vorne verschieben. Gründe:
- wärmere Winter
- früher verfügbares Nahrungsangebot
- weniger witterungsbedingte Verzögerungen
Gerade in städtischen Lebensräumen (Wärmeinseln) starten Dohlen oft besonders früh in die Saison.
Vorteil von Gebäudebrütern
Die Dohle nutzt häufig:
- Schornsteine
- Dachnischen
- Kirchtürme
Diese bieten:
- konstante Temperaturen
- Schutz vor Witterung
Dadurch können Brut und Entwicklung früher und stabiler ablaufen als bei freibrütenden Arten.
Schnelle Entwicklung der Nestlinge
Dohlennestlinge wachsen relativ zügig. Bereits nach wenigen Wochen:
- öffnen sich die Augen
- Federkiele brechen durch
- sie beginnen aktiv zu reagieren und sich aufzurichten
In der Aufnahme von Dieter Zinßer
- Ein noch nicht voll befiederter Jungvogel Anfang April ist daher kein Widerspruch, sondern oft einfach ein früher Brutbeginn.
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