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Zwischen Jugendkleid und Herbstreise
Zwischen Jugendkleid und Herbstreise
An diesem Augustmorgen konnten wir eine Entwicklung beobachten, die leicht übersehen wird. Zwischen den bereits fast erwachsen wirkenden Staren waren noch einzelne braune Federn zu erkennen. Sie verrieten, dass es sich um Jungvögel dieses Jahres handelt. Nur wenige Wochen zuvor hatten sie ihre Bruthöhlen in einem weitgehend einheitlichen graubraunen Jugendkleid verlassen. Nun befinden sie sich mitten in einem eindrucksvollen Wandel.
Für Artenschutz in Franken® sind solche Augenblicke besonders wertvoll. Sie machen sichtbar, dass der Sommer für unsere Vogelwelt keineswegs eine ruhige Zeit ist. Während die Brutsaison langsam ausklingt, bereiten sich viele Vögel bereits auf den Herbst, den Winter und mögliche Wanderungen vor.
Aus einem braunen Jungvogel wird ein „Perlstar“
Junge Stare tragen nach dem Ausfliegen zunächst ein unscheinbares graubraunes Gefieder. Es bietet ihnen eine gute Tarnung und unterscheidet sie deutlich von den dunkel glänzenden Altvögeln. Im Spätsommer beginnt die vollständige Jugendmauser. Dabei werden die braunen Federn schrittweise durch das erste Wintergefieder ersetzt.
Während dieser Übergangszeit können Jungstare besonders interessant aussehen: Der Kopf erscheint möglicherweise noch braun, während Rücken, Brust oder Flügel bereits dunkle Federn mit hellen Spitzen zeigen. Manchmal wirkt es, als würden zwei unterschiedliche Gefiederkleider auf einem einzigen Vogel zusammentreffen.
Nach Abschluss der Mauser ähneln die Jungvögel den Altstaren im Winterkleid. Ihr Gefieder ist dunkel und dicht mit weißen oder beigefarbenen Punkten übersät. Diese hellen Federspitzen lassen den Star wie mit kleinen Perlen bedeckt erscheinen.
Das metallisch grün, blau oder violett schimmernde Brutkleid des folgenden Frühjahrs entsteht anschließend nicht durch einen weiteren vollständigen Gefiederwechsel. Im Verlauf des Winters nutzen sich die hellen Federspitzen zunehmend ab. Dadurch treten die dunklen, glänzenden Bereiche immer deutlicher hervor. Das bekannte Erscheinungsbild des Frühlingsstars wird gewissermaßen nach und nach freigelegt.
Vorbereitung auf eine ungewisse Reise
Bis zum eigentlichen Herbstzug haben viele Jungstare ihre Jugendmauser weitgehend abgeschlossen. Gleichzeitig verändert sich ihr Verhalten. Die Familienverbände lösen sich auf, und die Vögel schließen sich zu immer größeren Gruppen zusammen. Auf Wiesen, Weiden, abgeernteten Feldern und in beerentragenden Gehölzen suchen sie gemeinsam nach Nahrung.
In dieser Zeit geht es darum, Energiereserven aufzubauen. Insekten, Würmer und andere Kleintiere bleiben wichtige Bestandteile der Nahrung. Im Spätsommer und Herbst kommen vermehrt Früchte, Beeren und Samen hinzu. Hecken, Streuobstwiesen, extensiv genutzte Grünflächen und strukturreiche Landschaftsränder werden nun zu bedeutenden Nahrungsräumen.
Am Abend sammeln sich die Stare an gemeinschaftlichen Schlafplätzen. Dort können sich zunächst kleinere Trupps, später aber auch beeindruckende Schwärme versammeln. Das gemeinsame Übernachten bietet Schutz und ermöglicht vermutlich auch den Austausch von Informationen über ergiebige Nahrungsplätze.
Bleiben oder ziehen?
Der Star ist kein Zugvogel mit einem für alle Tiere einheitlichen Reiseplan. Je nach Herkunft, Region, Witterung und Nahrungsangebot kann er als Standvogel, Teilzieher oder Kurzstreckenzieher auftreten. Ein Teil der Stare verlässt im Spätsommer und Herbst seine Brutgebiete und zieht nach Westen oder Südwesten. Überwinterungsgebiete liegen unter anderem in Frankreich, auf der Iberischen Halbinsel und im Mittelmeerraum.
Andere Stare legen lediglich kürzere Strecken zurück oder bleiben in klimatisch günstigen Regionen. Deshalb können wir auch im Winter Stare bei uns beobachten. Dabei muss es sich jedoch nicht ausschließlich um Vögel handeln, die im Sommer in derselben Gegend gebrütet haben. Unter den Wintergästen können sich ebenso Tiere aus Nord- und Osteuropa befinden, während ein Teil unserer heimischen Brutvögel weitergezogen ist.
Wie viele der örtlichen Stare tatsächlich hierbleiben, lässt sich allein durch Beobachtungen winterlicher Schwärme kaum feststellen. Dafür wären langfristige Beringungsdaten, individuelle Markierungen oder systematische Untersuchungen erforderlich. Eine pauschale Aussage, dass inzwischen mehr als ein Drittel der heimischen Stare bei uns überwintert, wäre daher zu weitgehend.
Richtig ist jedoch, dass der Star sehr flexibel auf seine Umwelt reagiert. In milden Wintern und bei ausreichend verfügbarer Nahrung kann sich für manche Tiere eine weite Reise möglicherweise nicht lohnen. Ob und wie sich der Anteil überwinternder Stare langfristig verändert, kann regional sehr unterschiedlich sein.
Ein vertrauter Vogel unter Druck
Noch begegnet uns der Star häufig, doch diese Vertrautheit darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Bestände über längere Zeiträume deutlich zurückgegangen sind. Besonders der Verlust geeigneter Brutplätze und ergiebiger Nahrungsflächen setzt ihm zu.
Alte Bäume mit natürlichen Höhlen verschwinden, Gebäude werden verschlossen oder saniert, und in intensiv genutzten Landschaften fehlen oftmals insektenreiche Wiesen, Weidetiere, Hecken und ungestörte Randstrukturen. Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die Verarmung des Grünlandes können das Nahrungsangebot verringern.
Gerade Jungstare benötigen nach dem Ausfliegen ausreichend Nahrung und sichere Aufenthaltsräume. Sie müssen wachsen, ihr Gefieder vollständig erneuern und gleichzeitig jene Energiereserven aufbauen, die sie für den Winter oder den bevorstehenden Zug benötigen.
Ein Augustbild mit einer Geschichte
Die heute aufgenommenen Jungstare stehen sinnbildlich zwischen zwei Lebensabschnitten. Das schlichte Braun ihrer ersten Wochen verschwindet, während bereits das gepunktete Wintergefieder sichtbar wird. Aus den noch deutlich erkennbaren Jungvögeln werden innerhalb kurzer Zeit Stare, die sich äußerlich kaum noch von den erwachsenen Tieren unterscheiden lassen.
Wohin ihre Reise führen wird, können wir ihnen nicht ansehen. Einige werden möglicherweise schon bald nach Westen oder Süden aufbrechen. Andere ziehen nur ein Stück weiter, und manche könnten den Winter in unserer Region verbringen.
Für Artenschutz in Franken® liegt gerade darin die Faszination dieser Beobachtung: Jeder dieser jungen Vögel folgt seinem eigenen Weg. Damit möglichst viele diesen ersten Herbst überstehen, benötigen sie eine Landschaft, die ihnen Nahrung, Schutz, Schlafplätze und sichere Verbindungen zwischen ihren Lebensräumen bietet.
Wenn wir den Star auch künftig als vertrauten Begleiter erleben möchten, müssen wir nicht nur seine Bruthöhlen schützen. Ebenso wichtig sind die Wiesen, Weiden, Streuobstbestände, Hecken und alten Bäume, die ihn durch die Zeit nach dem Ausfliegen und durch den Winter tragen.
In der Aufnahme von Bernhard Schmalisch
Stand 07.08.2026
- Junge Stare verändern ihr Erscheinungsbild
An diesem Augustmorgen konnten wir eine Entwicklung beobachten, die leicht übersehen wird. Zwischen den bereits fast erwachsen wirkenden Staren waren noch einzelne braune Federn zu erkennen. Sie verrieten, dass es sich um Jungvögel dieses Jahres handelt. Nur wenige Wochen zuvor hatten sie ihre Bruthöhlen in einem weitgehend einheitlichen graubraunen Jugendkleid verlassen. Nun befinden sie sich mitten in einem eindrucksvollen Wandel.
Für Artenschutz in Franken® sind solche Augenblicke besonders wertvoll. Sie machen sichtbar, dass der Sommer für unsere Vogelwelt keineswegs eine ruhige Zeit ist. Während die Brutsaison langsam ausklingt, bereiten sich viele Vögel bereits auf den Herbst, den Winter und mögliche Wanderungen vor.
Aus einem braunen Jungvogel wird ein „Perlstar“
Junge Stare tragen nach dem Ausfliegen zunächst ein unscheinbares graubraunes Gefieder. Es bietet ihnen eine gute Tarnung und unterscheidet sie deutlich von den dunkel glänzenden Altvögeln. Im Spätsommer beginnt die vollständige Jugendmauser. Dabei werden die braunen Federn schrittweise durch das erste Wintergefieder ersetzt.
Während dieser Übergangszeit können Jungstare besonders interessant aussehen: Der Kopf erscheint möglicherweise noch braun, während Rücken, Brust oder Flügel bereits dunkle Federn mit hellen Spitzen zeigen. Manchmal wirkt es, als würden zwei unterschiedliche Gefiederkleider auf einem einzigen Vogel zusammentreffen.
Nach Abschluss der Mauser ähneln die Jungvögel den Altstaren im Winterkleid. Ihr Gefieder ist dunkel und dicht mit weißen oder beigefarbenen Punkten übersät. Diese hellen Federspitzen lassen den Star wie mit kleinen Perlen bedeckt erscheinen.
Das metallisch grün, blau oder violett schimmernde Brutkleid des folgenden Frühjahrs entsteht anschließend nicht durch einen weiteren vollständigen Gefiederwechsel. Im Verlauf des Winters nutzen sich die hellen Federspitzen zunehmend ab. Dadurch treten die dunklen, glänzenden Bereiche immer deutlicher hervor. Das bekannte Erscheinungsbild des Frühlingsstars wird gewissermaßen nach und nach freigelegt.
Vorbereitung auf eine ungewisse Reise
Bis zum eigentlichen Herbstzug haben viele Jungstare ihre Jugendmauser weitgehend abgeschlossen. Gleichzeitig verändert sich ihr Verhalten. Die Familienverbände lösen sich auf, und die Vögel schließen sich zu immer größeren Gruppen zusammen. Auf Wiesen, Weiden, abgeernteten Feldern und in beerentragenden Gehölzen suchen sie gemeinsam nach Nahrung.
In dieser Zeit geht es darum, Energiereserven aufzubauen. Insekten, Würmer und andere Kleintiere bleiben wichtige Bestandteile der Nahrung. Im Spätsommer und Herbst kommen vermehrt Früchte, Beeren und Samen hinzu. Hecken, Streuobstwiesen, extensiv genutzte Grünflächen und strukturreiche Landschaftsränder werden nun zu bedeutenden Nahrungsräumen.
Am Abend sammeln sich die Stare an gemeinschaftlichen Schlafplätzen. Dort können sich zunächst kleinere Trupps, später aber auch beeindruckende Schwärme versammeln. Das gemeinsame Übernachten bietet Schutz und ermöglicht vermutlich auch den Austausch von Informationen über ergiebige Nahrungsplätze.
Bleiben oder ziehen?
Der Star ist kein Zugvogel mit einem für alle Tiere einheitlichen Reiseplan. Je nach Herkunft, Region, Witterung und Nahrungsangebot kann er als Standvogel, Teilzieher oder Kurzstreckenzieher auftreten. Ein Teil der Stare verlässt im Spätsommer und Herbst seine Brutgebiete und zieht nach Westen oder Südwesten. Überwinterungsgebiete liegen unter anderem in Frankreich, auf der Iberischen Halbinsel und im Mittelmeerraum.
Andere Stare legen lediglich kürzere Strecken zurück oder bleiben in klimatisch günstigen Regionen. Deshalb können wir auch im Winter Stare bei uns beobachten. Dabei muss es sich jedoch nicht ausschließlich um Vögel handeln, die im Sommer in derselben Gegend gebrütet haben. Unter den Wintergästen können sich ebenso Tiere aus Nord- und Osteuropa befinden, während ein Teil unserer heimischen Brutvögel weitergezogen ist.
Wie viele der örtlichen Stare tatsächlich hierbleiben, lässt sich allein durch Beobachtungen winterlicher Schwärme kaum feststellen. Dafür wären langfristige Beringungsdaten, individuelle Markierungen oder systematische Untersuchungen erforderlich. Eine pauschale Aussage, dass inzwischen mehr als ein Drittel der heimischen Stare bei uns überwintert, wäre daher zu weitgehend.
Richtig ist jedoch, dass der Star sehr flexibel auf seine Umwelt reagiert. In milden Wintern und bei ausreichend verfügbarer Nahrung kann sich für manche Tiere eine weite Reise möglicherweise nicht lohnen. Ob und wie sich der Anteil überwinternder Stare langfristig verändert, kann regional sehr unterschiedlich sein.
Ein vertrauter Vogel unter Druck
Noch begegnet uns der Star häufig, doch diese Vertrautheit darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Bestände über längere Zeiträume deutlich zurückgegangen sind. Besonders der Verlust geeigneter Brutplätze und ergiebiger Nahrungsflächen setzt ihm zu.
Alte Bäume mit natürlichen Höhlen verschwinden, Gebäude werden verschlossen oder saniert, und in intensiv genutzten Landschaften fehlen oftmals insektenreiche Wiesen, Weidetiere, Hecken und ungestörte Randstrukturen. Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die Verarmung des Grünlandes können das Nahrungsangebot verringern.
Gerade Jungstare benötigen nach dem Ausfliegen ausreichend Nahrung und sichere Aufenthaltsräume. Sie müssen wachsen, ihr Gefieder vollständig erneuern und gleichzeitig jene Energiereserven aufbauen, die sie für den Winter oder den bevorstehenden Zug benötigen.
Ein Augustbild mit einer Geschichte
Die heute aufgenommenen Jungstare stehen sinnbildlich zwischen zwei Lebensabschnitten. Das schlichte Braun ihrer ersten Wochen verschwindet, während bereits das gepunktete Wintergefieder sichtbar wird. Aus den noch deutlich erkennbaren Jungvögeln werden innerhalb kurzer Zeit Stare, die sich äußerlich kaum noch von den erwachsenen Tieren unterscheiden lassen.
Wohin ihre Reise führen wird, können wir ihnen nicht ansehen. Einige werden möglicherweise schon bald nach Westen oder Süden aufbrechen. Andere ziehen nur ein Stück weiter, und manche könnten den Winter in unserer Region verbringen.
Für Artenschutz in Franken® liegt gerade darin die Faszination dieser Beobachtung: Jeder dieser jungen Vögel folgt seinem eigenen Weg. Damit möglichst viele diesen ersten Herbst überstehen, benötigen sie eine Landschaft, die ihnen Nahrung, Schutz, Schlafplätze und sichere Verbindungen zwischen ihren Lebensräumen bietet.
Wenn wir den Star auch künftig als vertrauten Begleiter erleben möchten, müssen wir nicht nur seine Bruthöhlen schützen. Ebenso wichtig sind die Wiesen, Weiden, Streuobstbestände, Hecken und alten Bäume, die ihn durch die Zeit nach dem Ausfliegen und durch den Winter tragen.
In der Aufnahme von Bernhard Schmalisch
- Jungstar ... fast schon im Erwachsenengefieder.
Stand 07.08.2026
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