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Wenn sich die Stare sammeln – Herbstversammlung auf den Stromleitungen
Wenn sich die Stare sammeln – Herbstversammlung auf den Stromleitungen
Ein Herbstmorgen, der seine ganz eigene Geschichte erzählt
Wer in diesen Oktobertagen mit offenen Augen durch die fränkische Kulturlandschaft fährt, kann sie wieder entdecken: die zahlreichen dunklen Vogelgestalten, die sich auf den Stromleitungen zwischen Wiesen, Feldern und Ortschaften versammeln.
Zunächst sind es vielleicht nur wenige Tiere. Dann kommen weitere hinzu. Kleine Gruppen landen, andere erheben sich, wechseln ihren Sitzplatz und kehren wenig später zurück. Aus einer scheinbar zufälligen Ansammlung entsteht nach und nach eine beeindruckende Versammlung gefiederter Herbstboten.
Es sind Stare (Sturnus vulgaris).
Noch vor wenigen Monaten waren ihre charakteristischen Gesänge aus Baumhöhlen, Nistkästen und von den Dächern unserer Ortschaften zu vernehmen. Jetzt hat sich ihr Verhalten verändert. Die Brutzeit liegt hinter ihnen, und aus den über weite Teile des Sommers eher familienweise oder in kleineren Gruppen lebenden Vögeln werden zunehmend Mitglieder größerer Schwärme.
Für uns von Artenschutz in Franken® sind solche Beobachtungen weit mehr als ein hübsches Herbstmotiv. Sie zeigen uns, wie sich eine heimische Vogelart auf die Herausforderungen der kommenden Jahreszeit einstellt – und wie eng ihre Zukunft mit dem Zustand unserer Kulturlandschaft verbunden bleibt.
Warum sammeln sich die Stare gerade jetzt?
Nach Abschluss der Brutperiode verlieren die während der Fortpflanzungszeit verteidigten Reviere zunehmend ihre Bedeutung. Die Vögel schließen sich zu größeren Gemeinschaften zusammen, suchen gemeinsam nahrungsreiche Flächen auf und nutzen geeignete Sammel- und Schlafplätze.
In größeren Gruppen können Stare Nahrungsquellen nutzen und von der Aufmerksamkeit ihrer Artgenossen profitieren. Zugleich bietet die Gemeinschaft Vorteile bei der frühzeitigen Wahrnehmung möglicher Feinde. Die weithin sichtbaren Stromleitungen eignen sich als Sitz- und Sammelplätze. Von hier aus können die Vögel ihre Umgebung überblicken, Kontakte zu anderen Schwarmmitgliedern halten und gemeinsam zu Nahrungsflächen oder später zu ihren Schlafplätzen aufbrechen.
Dann verwandeln sich die zuvor ruhig nebeneinandersitzenden Vögel in einen beweglichen Schwarm, der scheinbar wie ein einziger Organismus über die Landschaft zieht. Was für uns wie ein perfekt einstudiertes Schauspiel erscheint, entsteht durch die fortlaufende Abstimmung der Bewegungen zwischen benachbarten Vögeln.
Ein faszinierendes Beispiel dafür, welche komplexen Verhaltensweisen die Natur hervorgebracht hat.
Auf dem Weg in den Winter – doch nicht alle Stare ziehen fort
Nicht jeder Star, den wir im Oktober auf unseren Stromleitungen beobachten, wird zwangsläufig in südlichere Regionen weiterziehen.
Während zahlreiche Tiere aus Mitteleuropa im Herbst in wintermildere Gebiete abwandern, verbleiben andere in ihren Brutregionen oder überwintern in deren näherer Umgebung. Gleichzeitig können Stare aus nördlicheren und östlicheren europäischen Regionen bei uns erscheinen.
Auch die Witterung spielt eine Rolle. Milde Winter und ein ausreichendes Nahrungsangebot können dazu beitragen, dass Stare länger in bestimmten Regionen verweilen oder dort vollständig überwintern. Der Klimawandel beeinflusst vielerorts bereits das jahreszeitliche Verhalten von Zugvögeln. Veränderungen bei Zugbeginn, Aufenthaltsdauer und Überwinterungsgebieten sind dabei nicht für alle Populationen gleichermaßen ausgeprägt.
Wenn wir also im Oktober 2026 größere Starengruppen auf den Leitungen unserer fränkischen Landschaft beobachten, erleben wir einen Teil dieses vielschichtigen jahreszeitlichen Geschehens.
Zwischen abgeernteten Feldern und letzten Früchten
Während Stare in der Brutzeit zahlreiche Insekten und andere wirbellose Tiere erbeuten, gewinnen im Herbst Früchte und Beeren eine größere Bedeutung. Holunder, Wildobst und weitere fruchttragende Gehölze können jetzt wichtige Nahrungsquellen darstellen. Ebenso werden Wiesen, Weiden und landwirtschaftlich genutzte Flächen aufgesucht. Doch gerade hier wird deutlich, wie sehr der Star auf eine ökologisch funktionsfähige Landschaft angewiesen bleibt.
Wo artenreiche Wiesen verschwinden, alte Obstbäume beseitigt, Feldhecken zurückgedrängt und naturnahe Säume regelmäßig vollständig gemulcht werden, gehen wertvolle Nahrungs- und Lebensraumstrukturen verloren. Besonders während der Jungenaufzucht benötigen Stare ein ausreichendes Angebot an Insekten und anderen Wirbellosen. Ein Mangel an solchen Nahrungsressourcen lässt sich nicht dadurch ausgleichen, dass im Herbst noch einige geeignete Beerensträucher vorhanden sind. Ein Vogel, der im Oktober in großer Zahl auf einer Stromleitung sitzt, benötigt während des gesamten Jahres eine Landschaft, die ihn und seinen Nachwuchs ernähren kann.
Dieser Zusammenhang wird bei der Betrachtung eindrucksvoller Vogelschwärme leider häufig übersehen.
Die große Versammlung darf nicht über die Probleme hinwegtäuschen
Wer zahlreiche Stare an einem Sammelplatz entdeckt, könnte leicht zu dem Schluss gelangen, dass es dieser Vogelart doch ausgesprochen gut gehen müsse. Doch ein großer Herbstschwarm erlaubt keine verlässliche Aussage über die langfristige Entwicklung der regionalen Brutbestände.
Stare können sich aus einem weiten Umkreis zusammenfinden. Ihre beeindruckenden Ansammlungen dürfen deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Art in Teilen Europas erhebliche Bestandsrückgänge erfahren hat.
Der Verlust geeigneter Bruthöhlen in alten Bäumen, Veränderungen an Gebäuden, die intensive landwirtschaftliche Nutzung sowie ein vermindertes Angebot an wirbellosen Nahrungstieren können die Lebensbedingungen beeinträchtigen. Gerade der zunehmende Verlust alter, höhlenreicher Bäume bereitet uns Sorgen. Denn der Star ist auf geeignete Hohlräume angewiesen, in denen er seine Jungen sicher aufziehen kann. Wo solche natürlichen Strukturen fehlen, können fachgerecht angebrachte Nisthilfen eine wertvolle Ergänzung darstellen.
Was nützt dem Star die beste Brutmöglichkeit, wenn er in seinem Umfeld immer weniger geeignete Nahrung für seine Jungen findet?
Eine Verantwortung, die weit über das Aufhängen von Nistkästen hinausreicht
In unserer praktischen Artenschutzarbeit beschäftigen wir uns seit vielen Jahren mit der Frage, wie wir heimischen Vogelarten dauerhaft geeignete Lebensbedingungen ermöglichen können. Auch der Star gehört zu jenen Arten, für die wir gezielt Brutraumstrukturen schaffen. Dabei zeigen uns die Erfahrungen aus der Entwicklung und Betreuung solcher Lebensräume immer wieder, dass erfolgreiche Schutzmaßnahmen nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Der Erhalt alter Obstbäume, die Förderung extensiv genutzter Grünlandbereiche, eine möglichst schonende Pflege von Feldrainen und der Schutz vorhandener Gehölzstrukturen gehören ebenso dazu wie geeignete Nisthilfen.
Wenn wir möchten, dass sich auch künftig im Herbst größere Starenschwärme über unserer Heimat versammeln, müssen wir bereits im Frühjahr und Sommer die entsprechenden Voraussetzungen dafür schaffen.
Artenschutz ist keine Angelegenheit einzelner Jahreszeiten.
Er ist eine Verantwortung, die uns durch das gesamte Jahr begleitet.
Was uns die Stare auf den Stromleitungen sagen
Vielleicht sollten wir bei der nächsten Fahrt durch unsere Landschaft einen Moment bewusster hinsehen, wenn sich wieder zahlreiche Stare auf einer Stromleitung niedergelassen haben. Denn diese Vögel erzählen uns etwas über den Wechsel der Jahreszeiten, über das Zusammenleben innerhalb einer Art und über die erstaunliche Fähigkeit, sich auf veränderte Umweltbedingungen einzustellen.
Gleichzeitig erinnern sie uns an etwas, das wir in unserer zunehmend technisch geprägten Welt allzu leicht vergessen:
Raum für Nahrungssuche, Fortpflanzung, Rückzug und Wanderung. Raum für alte Bäume, blütenreiche Wiesen, naturnahe Feldraine und strukturreiche Kulturlandschaften. Die Stromleitung mag den Staren heute als Sammelplatz dienen. Doch ihre eigentlichen Lebensgrundlagen entstehen nicht auf den Drähten, sondern in einer vielfältigen Landschaft darunter.
Und genau diese Landschaft müssen wir erhalten.
Wenn unsere Kinder und Enkel eines Tages im Oktober ebenfalls den Blick nach oben richten, sollten sie dort nicht nur die technischen Verbindungen unserer modernen Welt erkennen können. Sie sollten auch noch erleben dürfen, wie sich zahlreiche Stare versammeln, gemeinsam aufsteigen und als lebendige Wolke über die herbstlichen Felder ziehen. Denn der Anblick eines Starenschwarms gehört zu jenen Naturerlebnissen, deren Wert wir häufig erst dann vollständig begreifen, wenn sie seltener werden.
Für Artenschutz in Franken® bleibt deshalb die Botschaft eindeutig:
Wir sollten nicht nur darüber staunen, wie viele Stare sich im Herbst auf unseren Stromleitungen versammeln. Wir sollten uns vor allem dafür einsetzen, dass sie auch in Zukunft noch einen Platz in unserer Landschaft finden.
In der Aufnahme
Artenschutz in Franken® – Oktober 2026
- Oktober 2026 – Ein vertrautes Schauspiel über unserer fränkischen Kulturlandschaft und zugleich ein eindrucksvoller Einblick in das Sozialverhalten einer faszinierenden Vogelart.
Ein Herbstmorgen, der seine ganz eigene Geschichte erzählt
Wer in diesen Oktobertagen mit offenen Augen durch die fränkische Kulturlandschaft fährt, kann sie wieder entdecken: die zahlreichen dunklen Vogelgestalten, die sich auf den Stromleitungen zwischen Wiesen, Feldern und Ortschaften versammeln.
Zunächst sind es vielleicht nur wenige Tiere. Dann kommen weitere hinzu. Kleine Gruppen landen, andere erheben sich, wechseln ihren Sitzplatz und kehren wenig später zurück. Aus einer scheinbar zufälligen Ansammlung entsteht nach und nach eine beeindruckende Versammlung gefiederter Herbstboten.
Es sind Stare (Sturnus vulgaris).
Noch vor wenigen Monaten waren ihre charakteristischen Gesänge aus Baumhöhlen, Nistkästen und von den Dächern unserer Ortschaften zu vernehmen. Jetzt hat sich ihr Verhalten verändert. Die Brutzeit liegt hinter ihnen, und aus den über weite Teile des Sommers eher familienweise oder in kleineren Gruppen lebenden Vögeln werden zunehmend Mitglieder größerer Schwärme.
- Die Stromleitungen, die unsere Landschaft durchziehen, werden dabei zu weithin sichtbaren Sammelpunkten.
Für uns von Artenschutz in Franken® sind solche Beobachtungen weit mehr als ein hübsches Herbstmotiv. Sie zeigen uns, wie sich eine heimische Vogelart auf die Herausforderungen der kommenden Jahreszeit einstellt – und wie eng ihre Zukunft mit dem Zustand unserer Kulturlandschaft verbunden bleibt.
Warum sammeln sich die Stare gerade jetzt?
- Der Oktober markiert für den Star eine wichtige Phase seines Jahresrhythmus.
Nach Abschluss der Brutperiode verlieren die während der Fortpflanzungszeit verteidigten Reviere zunehmend ihre Bedeutung. Die Vögel schließen sich zu größeren Gemeinschaften zusammen, suchen gemeinsam nahrungsreiche Flächen auf und nutzen geeignete Sammel- und Schlafplätze.
- Dabei erfüllen diese Ansammlungen unterschiedliche Funktionen.
In größeren Gruppen können Stare Nahrungsquellen nutzen und von der Aufmerksamkeit ihrer Artgenossen profitieren. Zugleich bietet die Gemeinschaft Vorteile bei der frühzeitigen Wahrnehmung möglicher Feinde. Die weithin sichtbaren Stromleitungen eignen sich als Sitz- und Sammelplätze. Von hier aus können die Vögel ihre Umgebung überblicken, Kontakte zu anderen Schwarmmitgliedern halten und gemeinsam zu Nahrungsflächen oder später zu ihren Schlafplätzen aufbrechen.
- Besonders eindrucksvoll wird dieses Verhalten, wenn sich größere Gruppen plötzlich gleichzeitig erheben.
Dann verwandeln sich die zuvor ruhig nebeneinandersitzenden Vögel in einen beweglichen Schwarm, der scheinbar wie ein einziger Organismus über die Landschaft zieht. Was für uns wie ein perfekt einstudiertes Schauspiel erscheint, entsteht durch die fortlaufende Abstimmung der Bewegungen zwischen benachbarten Vögeln.
Ein faszinierendes Beispiel dafür, welche komplexen Verhaltensweisen die Natur hervorgebracht hat.
Auf dem Weg in den Winter – doch nicht alle Stare ziehen fort
Nicht jeder Star, den wir im Oktober auf unseren Stromleitungen beobachten, wird zwangsläufig in südlichere Regionen weiterziehen.
- Der Star gehört zu den sogenannten Teilziehern.
Während zahlreiche Tiere aus Mitteleuropa im Herbst in wintermildere Gebiete abwandern, verbleiben andere in ihren Brutregionen oder überwintern in deren näherer Umgebung. Gleichzeitig können Stare aus nördlicheren und östlicheren europäischen Regionen bei uns erscheinen.
- Damit vermischen sich in manchen Herbstschwärmen Vögel unterschiedlicher Herkunft.
Auch die Witterung spielt eine Rolle. Milde Winter und ein ausreichendes Nahrungsangebot können dazu beitragen, dass Stare länger in bestimmten Regionen verweilen oder dort vollständig überwintern. Der Klimawandel beeinflusst vielerorts bereits das jahreszeitliche Verhalten von Zugvögeln. Veränderungen bei Zugbeginn, Aufenthaltsdauer und Überwinterungsgebieten sind dabei nicht für alle Populationen gleichermaßen ausgeprägt.
Wenn wir also im Oktober 2026 größere Starengruppen auf den Leitungen unserer fränkischen Landschaft beobachten, erleben wir einen Teil dieses vielschichtigen jahreszeitlichen Geschehens.
Zwischen abgeernteten Feldern und letzten Früchten
- Mit dem Ende des Sommers verändert sich auch das Nahrungsangebot.
Während Stare in der Brutzeit zahlreiche Insekten und andere wirbellose Tiere erbeuten, gewinnen im Herbst Früchte und Beeren eine größere Bedeutung. Holunder, Wildobst und weitere fruchttragende Gehölze können jetzt wichtige Nahrungsquellen darstellen. Ebenso werden Wiesen, Weiden und landwirtschaftlich genutzte Flächen aufgesucht. Doch gerade hier wird deutlich, wie sehr der Star auf eine ökologisch funktionsfähige Landschaft angewiesen bleibt.
Wo artenreiche Wiesen verschwinden, alte Obstbäume beseitigt, Feldhecken zurückgedrängt und naturnahe Säume regelmäßig vollständig gemulcht werden, gehen wertvolle Nahrungs- und Lebensraumstrukturen verloren. Besonders während der Jungenaufzucht benötigen Stare ein ausreichendes Angebot an Insekten und anderen Wirbellosen. Ein Mangel an solchen Nahrungsressourcen lässt sich nicht dadurch ausgleichen, dass im Herbst noch einige geeignete Beerensträucher vorhanden sind. Ein Vogel, der im Oktober in großer Zahl auf einer Stromleitung sitzt, benötigt während des gesamten Jahres eine Landschaft, die ihn und seinen Nachwuchs ernähren kann.
Dieser Zusammenhang wird bei der Betrachtung eindrucksvoller Vogelschwärme leider häufig übersehen.
Die große Versammlung darf nicht über die Probleme hinwegtäuschen
Wer zahlreiche Stare an einem Sammelplatz entdeckt, könnte leicht zu dem Schluss gelangen, dass es dieser Vogelart doch ausgesprochen gut gehen müsse. Doch ein großer Herbstschwarm erlaubt keine verlässliche Aussage über die langfristige Entwicklung der regionalen Brutbestände.
Stare können sich aus einem weiten Umkreis zusammenfinden. Ihre beeindruckenden Ansammlungen dürfen deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Art in Teilen Europas erhebliche Bestandsrückgänge erfahren hat.
- Die Ursachen sind vielschichtig.
Der Verlust geeigneter Bruthöhlen in alten Bäumen, Veränderungen an Gebäuden, die intensive landwirtschaftliche Nutzung sowie ein vermindertes Angebot an wirbellosen Nahrungstieren können die Lebensbedingungen beeinträchtigen. Gerade der zunehmende Verlust alter, höhlenreicher Bäume bereitet uns Sorgen. Denn der Star ist auf geeignete Hohlräume angewiesen, in denen er seine Jungen sicher aufziehen kann. Wo solche natürlichen Strukturen fehlen, können fachgerecht angebrachte Nisthilfen eine wertvolle Ergänzung darstellen.
- Doch auch hier gilt: Ein Nistkasten allein ersetzt keinen funktionierenden Lebensraum.
Was nützt dem Star die beste Brutmöglichkeit, wenn er in seinem Umfeld immer weniger geeignete Nahrung für seine Jungen findet?
Eine Verantwortung, die weit über das Aufhängen von Nistkästen hinausreicht
In unserer praktischen Artenschutzarbeit beschäftigen wir uns seit vielen Jahren mit der Frage, wie wir heimischen Vogelarten dauerhaft geeignete Lebensbedingungen ermöglichen können. Auch der Star gehört zu jenen Arten, für die wir gezielt Brutraumstrukturen schaffen. Dabei zeigen uns die Erfahrungen aus der Entwicklung und Betreuung solcher Lebensräume immer wieder, dass erfolgreiche Schutzmaßnahmen nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Der Erhalt alter Obstbäume, die Förderung extensiv genutzter Grünlandbereiche, eine möglichst schonende Pflege von Feldrainen und der Schutz vorhandener Gehölzstrukturen gehören ebenso dazu wie geeignete Nisthilfen.
Wenn wir möchten, dass sich auch künftig im Herbst größere Starenschwärme über unserer Heimat versammeln, müssen wir bereits im Frühjahr und Sommer die entsprechenden Voraussetzungen dafür schaffen.
Artenschutz ist keine Angelegenheit einzelner Jahreszeiten.
Er ist eine Verantwortung, die uns durch das gesamte Jahr begleitet.
Was uns die Stare auf den Stromleitungen sagen
Vielleicht sollten wir bei der nächsten Fahrt durch unsere Landschaft einen Moment bewusster hinsehen, wenn sich wieder zahlreiche Stare auf einer Stromleitung niedergelassen haben. Denn diese Vögel erzählen uns etwas über den Wechsel der Jahreszeiten, über das Zusammenleben innerhalb einer Art und über die erstaunliche Fähigkeit, sich auf veränderte Umweltbedingungen einzustellen.
Gleichzeitig erinnern sie uns an etwas, das wir in unserer zunehmend technisch geprägten Welt allzu leicht vergessen:
- Die Natur benötigt Raum.
Raum für Nahrungssuche, Fortpflanzung, Rückzug und Wanderung. Raum für alte Bäume, blütenreiche Wiesen, naturnahe Feldraine und strukturreiche Kulturlandschaften. Die Stromleitung mag den Staren heute als Sammelplatz dienen. Doch ihre eigentlichen Lebensgrundlagen entstehen nicht auf den Drähten, sondern in einer vielfältigen Landschaft darunter.
Und genau diese Landschaft müssen wir erhalten.
Wenn unsere Kinder und Enkel eines Tages im Oktober ebenfalls den Blick nach oben richten, sollten sie dort nicht nur die technischen Verbindungen unserer modernen Welt erkennen können. Sie sollten auch noch erleben dürfen, wie sich zahlreiche Stare versammeln, gemeinsam aufsteigen und als lebendige Wolke über die herbstlichen Felder ziehen. Denn der Anblick eines Starenschwarms gehört zu jenen Naturerlebnissen, deren Wert wir häufig erst dann vollständig begreifen, wenn sie seltener werden.
Für Artenschutz in Franken® bleibt deshalb die Botschaft eindeutig:
Wir sollten nicht nur darüber staunen, wie viele Stare sich im Herbst auf unseren Stromleitungen versammeln. Wir sollten uns vor allem dafür einsetzen, dass sie auch in Zukunft noch einen Platz in unserer Landschaft finden.
In der Aufnahme
- Herbstversammlung auf den Stromleitungen – ein vertrautes Bild unserer Kulturlandschaft
Im Oktober 2026 versammeln sich wieder zahlreiche Stare (Sturnus vulgaris) auf den Stromleitungen unserer fränkischen Landschaft. Die Brutzeit liegt hinter ihnen, und die Vögel schließen sich zunehmend zu größeren Gemeinschaften zusammen. Ein faszinierendes Naturschauspiel, das uns den jahreszeitlichen Wandel unmittelbar vor Augen führt und zugleich daran erinnert, wie wichtig intakte Lebensräume für diese Vogelart sind.
Artenschutz in Franken® – Oktober 2026
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